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Hühner im Garten: 10 Profi-Tipps zur richtigen Haltung

Viele entscheiden sich mittlerweile dazu, ihre Eier von eigenen Hühnern zu beziehen. Wir geben Tipps, damit die Hühnerhaltung im Garten auch gelingt.

Zwei Hühner auf Stange im Garten
Hühner können auch im eigenen Garten gehalten werden [Foto: andrea lehmkuhl/ Shutterstock.com]

Beim Kauf von Eiern sind viele verunsichert: Besonders die Massentierhaltung steht immer wieder in der Kritik und verleitet Tierfreunde dazu, auf Eier zu verzichten. Tatsächlich gibt es aber eine einfache Lösung: Wer seine Frühstückseier am Morgen aus dem eigenen Garten holen kann, braucht sich keine Sorgen um eine fragwürdige Tierhaltung machen. Und die Hühnerhaltung im eigenen Garten vermag noch mehr: Nicht nur sind die Hühner ein echter Hingucker und äußerst interessant zu beobachten, sie schärfen bei Kindern wie auch Erwachsenen das Verständnis für Lebensmittel. Wie die Hühnerhaltung schnell und einfach gelingt, zeigen wir Ihnen hier.

Hühner im Garten: 10 Tipps zur richtigen Haltung

Hühner sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch richtig nützlich. Wir haben die zehn besten Tipps zusammengestellt, damit auch in Ihrem Garten bald ein Paradies für Hühner entsteht.

1. Die passende Hühnerrasse

Wussten Sie, dass es bei Hühnern eine ganze Reihe von unterschiedlichen Rassen gibt? Tatsächlich werden im europäischen Rassegeflügelstandard über 180 Hühnerrassen aufgeführt. Dazu kommen verschiedene Farbschläge innerhalb der Rassen und ausländische Exoten. All diese Rassen unterscheiden sich nicht nur in ihrem Aussehen, sondern weisen auch in ihrem Temperament und ihren sonstigen Eigenschaften große Unterschiede auf – das kann für Neulinge in der Hühnerhaltung erst einmal verwirrend sein. Glücklicherweise gibt es einige Hühnerrassen, die für Anfänger äußerst empfehlenswert sind. Besonders alte Nutzungsrassen wie Plymouth Rocks oder Orpington gelten als äußerst robust, sind aber gleichzeitig recht zutraulich. Barnevelder haben den Vorteil, dass sie nicht fliegen können – für die Freilandhaltung im Garten ideal. Wer besonders großen Wert auf eine gute Legeleistung legt, sollte sich die Sundheimer genauer anschauen. Diese legen nicht nur bis zu 200 Eier im Jahr, sondern sind auch noch überaus pflegeleicht.

Plymouth Rock Huhn
Die perfekte Rasse für Anfänger: das zutrauliche Plymouth Rock Huhn [Foto: Moonborne/ Shutterstock.com]

2. Hühnerstall kaufen

Neben der Wahl der richtigen Rassen ist besonders der Stall essentiell für eine erfolgreiche Hühnerhaltung. Mittlerweile findet man einige Hühnerhäuser und -volieren, die montagefertig geliefert werden. Besonders für Menschen ohne viel handwerkliche Erfahrung oder mit begrenzter Zeit sind diese Fertiglösungen eine tolle Alternative. Man sollte jedoch drauf achten, dass das Hühnerhaus nicht mit Dachpappe eingedeckt ist (hier kann sich die Rote Vogelmilbe schnell einnisten). Auch bei einem zu günstigen Preis sollte man stutzig werden – oftmals stimmt hier die Qualität nicht und der Hühnerstall übersteht Wind und Wetter nicht unbeschadet. Seit neuestem gibt es auch Hühnerställe, die komplett aus Kunststoff gefertigt werden. Zwar glänzen diese nicht mit einem rustikalen Ambiente, dafür sind sie oftmals deutlich schneller zusammengebaut und lassen sich später auch deutlich besser reinigen. Zuletzt stellt sich die Frage, ob man lieber einen mobilen oder einen feststehenden Hühnerstall besitzen möchte. Mobile Ställe haben den Vorteil, dass durch das Versetzen der Boden im Auslauf geschont wird. Sie sind damit besonders für größere Gärten interessant. Feststehende Hühnerställe sind dagegen besonders raubtiersicher und können individueller an die Bedürfnisse der Hühner angepasst werden.

3. Hühnerstall selber bauen

Ein Hühnerstall-Eigenbau hat einige Vorteile: Man kann deutlich Kosten einsparen und auch auf individuelle Ansprüche und Wünsche – wie besondere Formen oder Farben – eingehen. So ist es kein Wunder, dass viele Hobbyhalter auf selbstgebaute Hühnerställe schwören. Jedoch müssen bei dem Bau eines Hühnerstalles einige Punkte beachtet werden. Am Wichtigsten ist die passende Größe – Zwerghühner sollte jeweils 0,3 Quadratmeter Platz pro Huhn haben, größere Rassen sogar 0,4 Quadratmeter. Als Materialen für den Eigenbau eignen sich am besten Holz oder auch Stein. Meist wird Holz jedoch vorgezogen, da es nicht nur günstiger in der Beschaffung, sondern auch einfacher zu verbauen ist. Dagegen haben Beton oder Ziegel den Vorteil, dass sie einen besseren Schutz vor Nage-, aber auch vor Raubtieren bieten. Wer einen mobilen Hühnerstall möchte, kann auch auf alte Anhänger als Ausgangsmaterial für diesen zurückgreifen. Zusätzlich ist eine ausreichende Isolierung für den Hühnerstall unumgänglich, denn Temperaturen unter 5 °C können die Qualität der Eier beeinflussen. Auch Zug ist im Hühnerstall nicht erwünscht. Außerdem sollte auf einen ausreichenden Lichteinfall geachtet werden – Plexiglas eignet sich für Hobbyhandwerker besonders gut zum Fensterbau.

Hühnerstall
Hühnerställe im Baukastensystem sparen Zeit und Geld [Foto: Sissoupitch/ Shutterstock.com]

4. Hühnerstall: Die passende Einrichtung

Nicht nur vier Wände braucht das Huhn – entscheidend für das Wohlbefinden ist vor allem das Innenleben des neuen Hühnerstalles. Als Bodenbelag sollte eine ausreichend dicke Schicht Einstreu – beispielsweise Stroh, Hobelspäne oder Heu – einziehen, denn diese bindet nicht nur die Hinterlassenschaften ihrer neuen Bewohner, sondern ist auch ein hervorragendes Beschäftigungsmaterial, das zum Scharren und Picken einlädt. Für die Fütterung sowie die ausreichende Wasserversorgung über Nacht eignen sich am besten sogenannte Futterautomaten: Hier wird das Futter beziehungsweise das Wasser in einen großen Behälter gefüllt und fließt dann selbstständig in eine Rinne, aus der die Hühner sich bedienen können. Zum Schlafen brauchen die Hühner übrigens nicht ihr Nest, sondern eine sogenannte Sitzstange. Damit die Hühner es hier bequem haben, sollte die Stange möglichst rund und etwa fünf Zentimeter hoch sein. Außerdem sollte die Stange im oberen Drittel des Stalles angebracht werden, da Hühner während der Nacht Schutz auf höher gelegenen Plätzen suchen. Um Streitigkeiten und Platznot zu verhindern, lohnt es sich, mehrere Sitzstangen (gerne auch auf mehreren Ebenen) anzubringen – im Minimum sollte jedes Huhn mindestens 25 bis 30 Zentimeter Platz haben.

5. Die Legebox

Zusätzlich zu ihrem Stall brauchen die Hühner ein separates Nest, das sie zum Eierlegen verwenden können. Oftmals reicht eine einfache Holzkiste in den Maßen 35 x 40 x 40 Zentimeter, die mit ausreichend Heu oder Stroh eingestreut wurde. Man kann Legeboxen aber auch fertig im Fachhandel kaufen, wo sie oftmals mit raffinierten Techniken zum Sammeln der Eier ausgestattet sind. Besonders gut angenommen werden die Legeboxen übrigens, wenn sie etwas erhöht liegen – eine Klappe zum Entnehmen von außen erleichtert das tägliche Eiersammeln. Gerade am Anfang kann es dazu kommen, dass die Hühner das Nest nicht annehmen und beispielsweise in den Stall oder in den Auslauf legen. Hier kann ein einfacher Trick Abhilfe schaffen: Eine Ei-Attrappe (beispielsweise ein Gips-Ei, aber auch Plastik- oder Marmor-Eier aus der Osterdekoration) im Nest sorgt für eine bessere Akzeptanz. Für fünf Hühner sollte man mit einer Legebox rechnen, bei weniger als fünf Hühnern sollten aber trotzdem zwei Nester zur Verfügung stehen.

Es sollten immer mindestens zwei Legeboxen zur Verfügung stehen [Foto: thanasus/ Shutterstock.com]

6. Gestaltung des Hühnerauslaufes

Natürlich sollen Hühner nicht den ganzen Tag in ihrem Stall hocken, sondern auch ihre Umwelt erkunden. Tatsächlich stellt man schnell fest, dass Hühner sehr neugierig sind – und dass sie sich besonders im Auslauf toll beobachten lassen. Damit die Hühner über den Tag frei zwischen Auslauf und Stall wählen können, sollte der Stall mit einer Hühnerklappe versehen sein: Etwa 25 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch gewährt diese den Hühnern freie Platzwahl, ohne dass die große Tür geöffnet bleiben muss. Damit die Tiere nicht die Einstreu aus dem Stall scharen, lohnt es sich, die Klappe knapp 30 Zentimeter über den Boden zu setzen – eine Hühnerleiter kann den Einstieg für die fleißigen Hennen später erleichtern. Über Nacht muss jedoch auch diese Klappe geschlossen werden, ansonsten haben Fuchs und Co leichtes Spiel. Der Auslauf sollte grundsätzlich drei Quadratmeter pro Tier betragen, wenn die Grasnarbe geschont werden soll, sind sogar 20 Quadratmeter pro Tier ratsam. Eingegrenzt wird der Auslauf durch einen Zaun, der (je nach Rasse) eine Höhe von etwa einem Meter bis zu 2,5 Meter haben sollte. Bewährt haben sich hier vor allem Maschendraht, aber auch spezielle Netzzäune für Hühner können Verwendung finden. Bei der Gestaltung des Auslaufes gilt: je natürlicher, desto besser. Englischer Rasen ist bei Hühnern relativ unbeliebt, denn er bietet ihnen keine Versteckmöglichkeiten. Büsche, Hecken und Bäume im Auslauf sind dagegen ideal und bieten zusätzlich Schutz vor der Witterung. Beliebt bei Hühnern sind auch mobile Ställe mit Wechselweiden: So kann sich nicht nur die Grasnarbe erholen, sondern die Tiere können auch ihrer natürlichen Neugier nachgehen.

7. Fütterung von Hühnern

Dass Hühner Futter brauchen, ist jedem klar – womit genau die Fütterung aber erfolgen sollte, wirft bei vielen Anfängern Fragen auf. Die Grundration bei der Hühnerhaltung sollte aus einem Körnerfutter (beispielsweise Weizen oder geschroteter Mais). Zusätzlich sollte man spezielles Legemehl anbieten, da dieses die Hennen mit genügend Mineralstoffen und Vitaminen für die Eiablage versorgt. Daneben gehört natürlich auch ausreichend frisches Wasser zur täglichen Futterration. Doch auch Hühner mögen Abwechslung. Tatsächlich handelt es sich bei den Tieren um echte Allesfresser, die einen Komposthaufen beinahe überflüssig machen: Gemüse und Obst, aber auch hartes Brot und Nudeln oder gar Quark gehören zu den Leibspeisen der fleißigen Tiere. Doch auch für tierisches Eiweiß will gesorgt sein. So fressen Hühner nicht nur mit Vorliebe Insekten, sondern picken auch Fleischreste an Knochen fein säuberlich ab. Nur stark gewürzte, schimmelige oder verdorbene Lebensmittel gehören nicht in die Futterschüssel – diese können auch bei Hühnern zu ernsthaften Erkrankungen führen.

Hühnerfutter
Gutes Körnerfutter ist das A und O der Hühnerhaltung [Foto: Wuttichai jantarak/ Shutterstock.com]

8. Hühnerhaltung: Anmeldung beim Veterinäramt

Bürokratie in der Hühnerhaltung? Ja, die gibt es wirklich – Hühner müssen bei der Tierseuchenkasse und beim zuständigen Veterinäramt angemeldet sein, auch wenn es sich nur um eine private Hobbyhaltung handelt. Je nach Bundesland ist dies aber nicht unbedingt mit Kosten verbunden: In Schleswig-Holstein ist das Halten von bis zu 25 Tieren beispielsweise beitragsfrei. Im Gegenzug für die Anmeldung bei der Tierseuchenkasse können Hühnerbesitzer Entschädigungen bekommen, falls Tiere aufgrund einer Tierseuche sterben oder aufgrund einer behördlichen Anordnung getötet werden müssen. Meldet man die Tiere dagegen nicht an, kann es teuer werden: So können nicht nur Entschädigungsleistungen gestrichen werden, das Veterinäramt kann auch Bußgelder gegen Hühnerhalter, die ihre Tiere nicht angemeldet haben, verhängen.

9. Hühnerhaltung: Baurecht und Nachbarschaftsstreit

Nicht nur bei der Anmeldung zur Tierseuchenkasse müssen Hühnerhalter aufpassen: Auch in vielen anderen Bereichen sind Gesetze zu beachten. So muss zum Beispiel die Baunutzungsverordnung berücksichtigt werden – nach dieser darf jeder vier Hennen und einen Hahn in seinem Garten halten, da es sich wie Kaninchen oder Meerschweinchen um Kleintiere handelt. Während es bei mobilen Hühnerställen in dieser Größenordnung kaum Probleme gibt, sollte man bei größerer Hühnerzahl oder festen Ställen einen Blick in das örtliche Baurecht werfen. Hier findet man die jeweiligen Vorschriften, darunter auch Höchstgrößen oder den Mindestabstand zum Nachbargrundstück. Apropos Nachbar: Damit kein Streit vom Zaun gebrochen wird, empfiehlt es sich, die umliegenden Häuser im Vorfeld über die Anschaffung von Hühnern zu informieren. Besonders der Hahnenschrei kann sonst zu der einen oder anderen Meinungsverschiedenheit führen. Wer das im Vorfeld vermeiden will, kann mit zeitgesteuerten Klappen und einer guten Isolation des Stalles für angenehme Ruhe in den frühen Morgen- und späten Abendstunden sorgen – auch der Verzicht auf einen Hahn kann den Frieden in der Straße sichern.

Krähender Hahn
Um Nachbarschaftsstreit zu vermeiden kann es sinnvoll sein, auf einen Hahn zu verzichten [Foto: Dep Converse/ Shutterstock.com]

10. Hühnerhaltung in der Stadt

Hühnerhaltung auf der Terrasse oder gar dem Balkon? Im ersten Moment sorgt diese Idee bei den meisten für Verwirrung. Tatsächlich ist die Haltung von Hühnern auf der Terrasse aber kein Grund, den Tierschutz anzurufen – ganz im Gegenteil. Auch in der Stadt können Hühner unter den richtigen Voraussetzungen ein artgerechtes Leben führen. Grundbedingung für die Haltung von Hühnern ist natürlich erst einmal ausreichend Platz – so eignet sich ein begrüntes Dach deutlich besser als ein kleiner Balkon. Ansonsten gelten die gleichen Regeln wie bei der Hühnerhaltung im Garten: Ein Stall als Witterungsschutz mit kompletter Inneneinrichtung sollte vorhanden sein und der Auslauf muss ausreichend gesichert werden. Zusätzlich sollte der Auslauf mit Kübelpflanzen und kleinen Verstecken bestückt werden, um Rückzugsmöglichkeiten für die Hühner zu schaffen. Besonders für die Haltung auf kleinerem Raum eignen sich übrigens Zwerghuhnrassen, da sie im Allgemeinen weniger Auslauf benötigen und ein ruhigeres Gemüt haben. Allerdings muss man sich darüber klar werden, dass die Haltung auf Terrasse oder Balkon einen erheblichen Mehraufwand darstellt – und die nahe Haltung am Haus zusätzlich einen unangenehmen Geruch und Beschwerden seitens der Nachbarn mit sich bringen kann.

Sie möchten nicht nur Hühner, sondern auch Bienen selber halten? Dann finden Sie hier unseren Beitrag „Wege zum Hobbyimker: Anleitung & Tipps vom Profi“.

Frederike

Ich bin Studentin der Agrarwissenschaften und ein richtiges Dorfkind. Zuhause habe ich einen kleinen Gemüsegarten, den ich hege und pflege, und verbringe die Zeit am liebsten draußen. Wenn ich nicht gerade im Freien bin, schreibe ich leidenschaftlich gerne. Meine Liebe gilt aber nicht nur Pflanzen und dem Schreiben, sondern auch ganz besonders der Tierwelt.

Lieblingsobst: Johannis- und Himbeeren.
Lieblingsgemüse: Schwarzwurzeln, Wirsing und Kartoffeln.

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