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Imkern in der Stadt: 10 Fragen an den Stadtbienen e.V.

Bienen in der Stadt halten? Das geht! Was man dabei beachten muss und was der Stadtbienen e.V. sonst noch macht, verraten sie uns exklusiv im Interview.

Bienen fliegen Zuhause an
Die Honigbiene ist das drittwichtigste Nutztier nach Rind und Schwein [Foto: Freunde von Freunden/Stadtbienen e.V.]

Mehr ökologische Bienenhaltung in unseren Städten: Das ist der Ansatz des Stadtbienen e.V. Wir haben mit dem Gründer Johannes Weber gesprochen, der ebenfalls der Erfinder der BienenBox ist. Im Interview erzählt er von den Gründen des Bienensterbens und wie sein Verein versucht, diesem entgegenzuwirken. Zudem gibt er Tipps, wie Sie selbst zum Stadtimker werden oder sich auch als Hobbygärtner für die Bienen engagieren können.

Kaum ein Thema im Bereich Umwelt bekam dieses Jahr so viel Aufmerksamkeit wie das Bienensterben. Was sind denn eigentlich die Hauptauslöser für dieses traurige Phänomen?

Es gibt zwei Hauptfaktoren: Einer ist die Pestizidbelastung durch die Landwirtschaft und der andere ist die extreme Monokultur. Um zu erklären, was das mit den Bienen zu tun hat, muss ich ein bisschen ausholen: Ein Bienenvolk hat einen inneren Flugradius von etwa drei Kilometern. In diesem Raum sammelt das Bienenvolk alles, was es zum Leben benötigt, also Pollen, Nektar und Wasser. Wenn man sich vorstellt, dass dieses Bienenvolk in einem Rapsfeld steht, das gemäß Monokultur auf einer sehr großen Fläche angelegt ist, dann ergeben sich daraus massive Probleme für die Bienen. Wenn der Raps blüht, gibt es für das Bienenvolk genug zu essen – davor oder danach aber leider nicht mehr. Das zwingt die Imker dann, sich einen neuen, passenden Platz für ihr Volk suchen zu müssen, ansonsten hätten die Bienen zu wenig zu essen.

Wo bleibt den Bienen denn dann noch Raum?

Das sind dann meist Flächen, die eben nicht landwirtschaftlich genutzt werden, also zum Beispiel Naturschutzgebiete oder auch alte Bahngelände beziehungsweise Brachen. Dort belasten Pestizide und Monokulturen die Bienenvölker nicht.

Gibt es noch weitere Faktoren, die es den Bienen schwermachen?

Speziell bei den Honigbienen kommt noch die Varroamilbe hinzu. Das ist ein Parasit, der hier eigentlich nicht heimisch ist, sondern in den 60er Jahren aus Südostasien nach Deutschland eingeschleppt wurde. Leider ist dieser Parasit omnipräsent geworden. Die Varroamilben sind extrem gefährlich für Honigbienen und somit sind die meisten von ihnen von der Betreuung der Imker abhängig. Die meisten Honigbienen können sich nicht alleine gegen die Milbe wehren. Ohne die aktive Bekämpfung der Varroamilbe durch die Imker würden sehr viele Honigbienenvölker sterben.

Imker untersucht Bienenwabe auf dem Dach
Als Imker muss man sein Bienenvolk immer wieder auf den Befall der Varroamilbe überprüfen [Foto: Freunde von Freunden/Stadtbienen e.V.]

Das klingt ziemlich ernüchternd und zeichnet nicht gerade ein freudiges Bild für die Bienen. Bevor wir uns den Fragen zuwenden, was man selbst tun kann, um Bienen zu helfen, kurz etwas zu dir und deinem Verein: Wie bist du denn überhaupt auf das Thema Bienen gekommen?

Schon mein Großvater hatte Bienen – das scheine ich wohl von ihm mitbekommen zu haben. Als ich dann vor 10 Jahren nach Berlin gezogen bin, habe ich angefangen, Bienen in der Stadt zu halten. Wir hatten einen Garten bei uns in der Mietergemeinschaft und über diesen Garten kam dann das Bienenthema auf. Und so bin ich wirklich in das Thema eingestiegen.

Was bedeutet dir das Stadtimkern?

Die Begeisterung liegt für mich darin, dass Bienen so eine Art Abbild der Natur sind, in der man lebt. Und ich glaube, wenn man selber ein Bienenvolk hat, macht man eine intensive Naturerfahrung, die auch gewisse Überlegungen bezüglich unserer Umwelt anstößt. Es ist eine Faszination, die dann so eine Begeisterung weckt, wenn man erstmal angefangen hat und in diesen Lernprozess geht, wie ein Bienenvolk auf bestimmte Sachen reagiert. Mit der Zeit geht man selber eine Beziehung mit diesem Bienenvolk ein: Das ist die Naturerfahrung. Ich glaube, das beschreibt es eigentlich ganz gut. Diese Begeisterung, die da geweckt wird, die hält an und die habe ich bis jetzt auch nicht verloren. Sie ist auch nicht schwächer geworden, sondern eher noch stärker.

Was genau macht ihr beim Stadtbienen e.V.?

Wir arbeiten daran, dass wir eine ökologische Bienenhaltung, beziehungsweise den Wildbienenschutz, in der Stadt fördern. Das machen wir mit spezifischen Angeboten. Zum Beispiel geben wir Imkerkurse, um Leuten zu zeigen, wie sie nachhaltig in der Stadt Bienen halten können. Dieser Kurs dauert ein Jahr und besteht aus acht Terminen. Neben den Kursen haben wir die BienenBox entwickelt. Das ist eine spezielle Behausung, die wir genau auf die Bedürfnisse von Bienen und Menschen angepasst haben, mit dem Ziel, im urbanen Raum auf ökologische Art und Weise Bienen halten zu können. Seit 2014 sind wir ein Verein und mit unseren Kursen in über 30 Städten im ganzen deutschsprachigen Raum vor Ort.

Bienenbox an Balkonbrüstung
Mit der BienenBox ist es möglich auf dem Balkon Bienen zu halten [Foto: Johannes Weber]

Was sind, deiner Einschätzung nach, die Vorteile vom Imkern in der Stadt?

Ein Vorteil ist natürlich, dass durch die hohe Diversität in der Stadt und den geringeren Pestizideinsatz ein Honigbienenvolk hier mit sehr einfachen Mitteln gehalten werden kann.
Außerdem gibt es nicht die Problematik, aufgrund der zu geringen Diversität, die Bienen von A nach B bringen zu müssen. In der Stadt blüht überall und die ganze Zeit irgendwas und es gibt nicht die Monokulturen, wie man sie auf dem Land hat. Auch die ganze Pestizidgeschichte ist in der Stadt ein viel geringeres Problem, da hier keine Landwirte sind, die tagsüber ihre Pestizide ausfahren. Auf kleinerem Raum finden sich viel mehr Imker, dadurch trifft man oft Leute, die dasselbe Hobby teilen und kann sich austauschen und vielleicht auch neue Freundschaften knüpfen. Ein letzter Vorteil ist, dass durch das große Blütenangebot in der Stadt oft die Honigernte besser ausfällt als auf dem Land.

Kleiner Tipp: Auch uns von Plantura liegen die Bienen sehr am Herzen. Deshalb haben wir unsere Plantura Bienenweide entwickelt, eine Saatgutmischung aus über 20 ein- und mehrjährigen bewährten Arten, die Bienen, Hummeln und Co. reichlich Nahrung bieten. Auch auf dem Balkon können Sie die Mischung einfach in einen Topf oder Balkonkasten säen.

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Was würdest du als Nachteile bezeichnen?

Ein städtisches Problem stellt oft der Platzmangel dar. Hat man keinen Garten, keinen Zugang zum Dach und auch keinen Balkon, dann bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten. Neben dem Platzmangel ist die hohe Bienendichte in der Stadt ein Nachteil. In Berlin gibt es ungefähr 10 Bienenvölker pro Quadratkilometer, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bienenvolk ein anderes ausräubert, viel höher ist. Ein großes Problem können natürlich auch die Nachbarn darstellen. Wir haben damit aber bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Trotzdem hat man immer noch mit Vorurteilen gegenüber Bienen zu kämpfen.

Imker mit BienenBox am Balkon
Damit es nicht zu Streitigkeiten kommt, ist es wichtig, vor der Anschaffung eines Bienenvolkes mit den Nachbarn zu reden [Foto: Anna Pawlicki]

Neben den Nachbarn, die ein Problem sein könnten, kann es vielleicht auch Ärger mit dem Vermieter geben. Gibt es da etwas zu beachten?

Wir empfehlen auf jeden Fall, den Vermieter vorher zu informieren. Egal, ob man auf dem Dach oder dem Balkon imkern möchte. Ich glaube aber auch, dass generell immer mehr Offenheit dafür besteht, Bienen in der Stadt ein Zuhause zu geben. Wir arbeiten inzwischen auch mit Wohnungsbaugesellschaften zusammen, die Bienenvölker auf ihre Dächer stellen. Generell ist es aber wichtig, sich vorher abzusprechen, damit es nicht unnötig zu Konflikten kommt.

Angenommen man hat das Einverständnis des Vermieters und möchte jetzt richtig loslegen: Welche 5 ersten Schritte würdest du empfehlen?

Schritt eins ist, sich vorab gut zu informieren. Ohne das geht nichts. Im zweiten Schritt sollte man sich dann für einen Imkerkurs anmelden. Dort lernt man nicht nur die Theorie, sondern bekommt auch viel Praktisches gezeigt. Als nächstes muss man sich dann ein Behältnis wie die BienenBox kaufen und weiteres Equipment, wie Schleier, Smoker oder Steinmeißel. Danach muss man sich das Bienenvolk besorgen und im letzten Schritt dieses beim Veterinäramt anmelden. Das ist verpflichtend in Deutschland. Aber dann kann man auch schon loslegen.

Imker mit Schleier und Feder
Mit dem richtigen Equipment lässt es sich gut imkern [Foto: Freunde von Freunden/Stadtbienen e.V.]

Wie teuer ist das Hobbyimkertum in der Stadt?

Wenn man jetzt wirklich einsteigt und von null anfängt, sollte man mit circa 800€ rechnen.

Was kostet es dann in den Folgejahren?

In den Folgejahren sind es etwa 50€ pro Jahr.

Und mit wie viel Ausbeute kann ich rechnen?

Mit einer BienenBox ist das schwer zu sagen, das kann von Jahr zu Jahr sehr variieren. In einem Jahr sind es vielleicht 2 Kilogramm Honig, in einem anderen Jahr hingegen 10 Kilogramm. Im Schnitt würde ich annehmen, dass man mit circa 6 Kilogramm pro Jahr rechnen kann.

Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen Honigbienen und Wildbienen?

Der Unterschied ist ziemlich grundlegend. Honigbienen leben als Volk, sind also ein ganzer Organismus. Ein Volk ist im Winter zum Beispiel ein Zusammenschluss von 15.000 Bienen, die als komplettes Bienenvolk den Winter überleben und sich während der kalten Jahreszeit von ihrem Honig ernähren, den Sie im Sommer gesammelt haben. Honigbienenvölker werden also vom Menschen betreut und haben ihre Arbeit lange Zeit rein im landwirtschaftlichen Bereich getan. Inzwischen kommt aber immer mehr das Thema auf, wie Honigbienen auf ökologische Art und Weise gehalten werden können, dass man ihnen auf Augenhöhe entgegentritt und sie nicht nur ausbeutet.

Im Gegensatz zu den Honigbienen leben die meisten Wildbienen nicht als ein Organismus zusammen. Sie sind in der Regel Solitärbienen. Es gibt in Deutschland über 560 Wildbienenarten, viele Arten stehen aber bereits auf der roten Liste vom Aussterben bedrohter Tiere. Viele Wildbienen sind hochspezialisiert auf eine Pflanzen- oder Blütenart. Das bedeutet, dass sie in einer ganz engen Wechselwirkung leben: Ohne diese Bienen gibt es die bestimmte Pflanze nicht und ohne diese Pflanze gibt es die Biene nicht. Ein Schlüssel-Schloss-Prinzip nennt man das. Solange die Wildbienen keiner Monokultur und keiner Pestizidbelastung ausgesetzt sind, haben sie einen sehr guten Nährboden, um selbst zu überleben.

Hummel am Nektar einer gelben Blume
Die Hummel gehört zu den Wildbienen und viele Arten stehen auf der roten Liste [Foto: vallefrias/Shutterstock.com]

Schadet man durch das Imkern nicht vielleicht den Wildbienen?

Beide Arten gilt es zu schützen, beide gilt es zu fördern. Für uns ist die große Frage am Ende, wie kann eine Koexistenz zwischen Wild- und Honigbienen funktionieren. Es ist auch noch nicht geklärt, ob es zwischen den beiden Typen überhaupt ein Konkurrenzverhalten gibt, was für einen von beiden einen Nachteil darstellt. Die relevante Frage ist, ob es genug Nahrung gibt. Und genug Nahrung gibt es in der Stadt auf jeden Fall. Das sehen wir unter anderem daran, dass die Honigernte in der Stadt größer ist, als auf dem Land. Deshalb sehe ich da aktuell kein Problem.

Auch wenn vielleicht nicht jeder gleich zum Hobbyimker wird: Was kann man denn als Hobbygärtner machen, um die Bienen zu unterstützen?

Das Allerwichtigste ist, den Garten verwildern zu lassen. In jeder Ecke, in der ich nichts mache, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich sehr viel Gutes tue. Der nächste Tipp ist, spezifische Pflanzen zu säen. Das kann ich gut kombinieren mit dem, was ich in der Küche benötige. Wenn ich Schnittlauch habe, dann lasse ich den Schnittlauch blühen. Lavendel ist für Bienen extrem attraktiv, genauso Rosmarin. Es gibt viele Pflanzen, die ich für mich nutzen und gleichzeitig damit die Bienen unterstützen kann. Ein weiterer Tipp ist, auf Blumen zu achten, die nicht gefüllt sind und den Einsatz von mehrjährigen Stauden oder Bepflanzungen. Diese bieten den Bienen auch auf lange Sicht Nahrung.

Wer mehr zum Thema erfahren möchte, schaut am besten hier bei den Stadtbienen vorbei.

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