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Invasive Arten & Neobiota: Definition und Beispiele für Deutschland

Invasive Arten (Neobiota) sind auf dem Vormarsch. Im Artikel finden Sie eine Definition und eine Liste zu in Deutschland lebenden invasiven Arten.

invasive Art Rote Schlauchpflanze

Als Zimmerpflanze sehr beliebt, aber gefährlich für das Ökosystem in Mooren [Foto: Nicholas A. TonelliCC BY 2.0]

Schon immer haben sich Pflanzen und Tiere während der langen Erdgeschichte neue Lebensräume erschlossen. Unter natürlichen Bedingungen geschieht das aber sehr langsam und ein vorherrschendes Ökosystem kann sich in der Regel dementsprechend an die neue Art „gewöhnen“. Nun kommt aber der Mensch ins Spiel. Früher unüberwindbare Grenzen (wie der Atlantische Ozean) wurden mit Schiffen überwunden und plötzlich gelangten Tiere an Orte ohne natürliche Feinde. Durch Handel und Globalisierung findet ein täglicher Warenaustausch statt, der immer die Gefahr birgt, dass ungebetene Pflanzensamen oder Tiere ebenfalls in der Fracht enthalten sind. All diese vom Menschen hergestellten Brücken führen weltweit zu großen Problemen in heimischen Ökosystemen. Wenn ein Ökosystem wegen einer fremden Art aus dem Gleichgewicht gerät, dann hat das oft einen Verlust an biologischer Vielfältigkeit zur Folge. Sprich: Mehrere heimische Arten müssen einer fremden Art weichen. Heute wird zum Beispiel davon ausgegangen, dass alleine 13.000 Pflanzenarten durch den Menschen verschleppt wurden.

Definition: Invasive Arten & Neobiota

  • Eine gebietsfremde Art ist invasiv, wenn durch das Auftauchen der neuen Art unerwünschte Auswirkungen entstehen. Eine invasive Art kann ein Biotop oder ein Ökosystem zum Beispiel so beeinflussen, dass einheimische Arten dort nicht mehr leben können oder keine Nahrung finden.
  • Der wohlklingende Begriff Neobiota beurteilt nicht, ob eine gebietsfremde Art invasiv, also schädlich ist. Das Wort gibt nur Auskunft darüber, dass die betroffene Art durch den Menschen verschleppt wurde.

Liste der invasiven Arten in Deutschland

Um eines gleich vorweg zu nehmen: In Deutschland gibt es viele hundert Neobiota. Allerdings sind von diesen nur ungefähr 10 % wirklich invasiv. Es kann also nicht pauschal gesagt werden, dass alle eingeführten Arten schädlich sind.

Top 5 der invasiven Tiere in Deutschland

  • Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella): Seit Ende der 90er Jahre breitete sich die gefürchtete Miniermotte über Südeuropa bis in den Norden des Kontinents aus. Seither sind viele Rosskastanien in Deutschland von der Plage befallen. Die kleinen Larven bohren Minen in die Kastanienblätter und dadurch kann der gesamte Blattbestand im Sommer braun verfärbt sein. Heimische Jäger wie Vögel sind noch nicht wirklich auf den Geschmack gekommen, wodurch sich die auf Rosskastanien spezialisierte Motte fast ungehindert ausbreiten kann.
  • Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis): Eine erst vor kurzen eingeführte invasive Art ist der Buchsbaumzünsler. Der in Ostasien beheimatete Falter kam vermutlich 2006 über den internationalen Handel nach Deutschland. Nicht nur die Buchsbäume in den heimischen Gärten sind durch die gefräßigen Raupen stark gefährdet. Auch die letzten natürlichen Buchswälder in Deutschland sind durch die Anwesenheit des neuen Schädlings stark bedroht.
  • Kirschessigfliege (Drosophila suzukii): Die in Südostasien beheimatete Kirschessigfliege ist nicht nur in Deutschland ein Riesenproblem für Obsterzeuger und Hobbygärtner. Durch ihre Lebensweise und die extrem hohe Vermehrungsrate wurden einige Ernten in Europa schon fast komplett vernichtet. Da die Kirschessigfliege nur reife Früchte befällt, ist der Einsatz von Spritzmitteln nicht mehr möglich. Sehr wahrscheinlich gelang die kleine Fliege durch befallene Früchte um 2008 nach Europa.
  • Kamberkrebs (Orconectes limosus): Eine besonders große Gefahr für unsere heimischen Flusskrebse ist der aus Nordamerika stammende Kamberkrebs. Er überträgt die für andere Flusskrebse tödliche Krebspest, gegen die er selbst immun ist. In vielen Gebieten hat der amerikanische Flusskrebs die ursprünglichen Arten bereits verdrängt. Eingeführt wurden die Krebse um 1890 von einem preußischen Kammerherrn, der zugleich Fischer war.
  • Nordamerikanischer Ochsenfrosch (Rana catesbeiana): Ab den 80er Jahren sollte der stattliche Frosch heimische Teiche zieren und wurde dafür auch verkauft. Allerdings ist der aus Nordamerika stammende Frosch für unsere kleinen Froscharten eine echte Bedrohung. Der riesige Ochsenfrosch konkurriert mit den einheimischen Fröschen um die Nahrung, wobei die ursprünglichen Arten meist das Nachsehen haben.

Top 5 der invasiven Pflanzen in Deutschland:

  • Rote Schlauchpflanze (Sarracenia purpurea): Hierbei handelt es sich um eine beliebte fleischfressende Pflanze. Die ursprünglich vom Süden New Jerseys bis in den Nordosten von Florida verbreitete Pflanze wird immer noch gerne als dekorative Zimmerpflanze gehalten. Die Moorpflanze wurde vor vielen Jahren bewusst in unterschiedliche deutsche Moore gepflanzt, wo sie sich prächtig entwickelte und heute bis zu 50 % der Vegetation ausmacht. Da Moore besonders empfindliche Ökosysteme sind, besteht die Gefahr, dass einheimische Arten der Roten Schlauchpflanze weichen müssen.
  • Großer Algenfarn (Azolla filiculoides): Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des invasiven Farns erstreckt sich von Kanada bis in den Norden von Südamerika. Anfangs zierte die Pflanze vor allem botanische Gärten hierzulande. Mittlerweile ist die Schwimmblattpflanze aber in fast allen Bundesländern vorhanden und verdrängt den heimischen und stark gefährdeten Schwimmfarn.
  • Nadelkraut (Crassula helmsii): Ebenfalls über einen botanischen Garten gelangte das Nadelkraut nach Deutschland. Die Heimat der wasserliebenden Pflanze befindet sich dabei in Australien und Neuseeland. Durch sein starkes Wachstum verdrängt das invasive Kraut schnell einheimische Wasserpflanzen und auch der Kammmolch meidet Gebiete mit dem Nadelkraut.
  • Gewöhnliches Hundszahngras (Cynodon dactylon): Bei diesem unliebsamen Süßgras geschah die Einfuhr ebenfalls unabsichtlich. Bereits 1712 konnten die ersten Gräser in Deutschland nachgewiesen werden. Das Gewöhnliche Hundszahngras gefährdet heimische Gräserarten und ist der Winterwirt für einen Pflanzenvirus der Maispflanzen befällt.
  • Riesen Bärenklau (Heracleum mantegazzianum): Der schön anmutende Doldenblütler kam wahrscheinlich als Zierpflanze aus dem Kaukasus nach Deutschland. Das weit verbreitete Kraut beeinflusst viele heimische Arten auf Grünlandbrachen negativ und verdrängt sie. Außerdem enthält Riesen Bärenklau einen Giftstoff, der auf der Haut mit gleichzeitiger Sonneneinstrahlung zu Hautreizungen führt.

 

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