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Melonen Anbau in Dachau

Ein Interview mit Patrick Kirschner über den Anbau von Melonen, Heausforderungen bei der Pflege und mit Tipps für Hobbygärtner und Melonenfans.

Patrick Kirschner und Thomas Melonen aus Dachau

Die beiden jungen Landwirte fingen im März 2016 an, Melonen in Dachau anzubauen

Lieber Herr Kirschner, Melonen aus Dachau – das klingt ja erstmal etwas verrückt. Wie kamen Sie auf die Idee, Melonen in der Region Dachau anzubauen?

Auf die Idee kamen wir im März 2016. Da waren wir, also Thomas und ich, mit der Landwirtschaftsschule Fürstenfeldbruck in Italien zur Abschlussfahrt. Dort haben wir uns verschiedene landwirtschaftliche Betriebe angeschaut – und unter anderem eben auch einen großen Ackerbaubetrieb mit ungefähr 950 ha Melonenanbaufläche. Das war sozusagen der eigentliche Auslöser und die Initialzündung zur Idee des Melonenanbaus bei uns in der Region.

Was waren die ersten Reaktionen Ihres Umfelds auf diese doch besondere Idee?

Noch während unserer Abschlussfahrt haben Thomas und ich uns Gedanken gemacht, wie so ein Anbau auch bei uns funktionieren könnte. Natürlich bekamen das unsere Klassenkameraden mit, die uns eher belächelt und unsere Idee nicht so richtig ernst genommen haben. Auch die ersten Reaktionen unserer Freunde und Familien waren ähnlich. Aber das waren wie gesagt nur die ersten Reaktionen. Familie und Freunde haben uns von Anfang an sehr unterstützt, was für uns eine riesige Hilfe war und bis heute auch noch ist.

Wie genau funktioniert denn jetzt der Anbau genau? Mögen Melonen es nicht gerne sehr warm?

Wichtig für die Pflanzen ist natürlich die Wärme, vor allem am Anfang. Wir ziehen unsere Pflanzen in einer beheizten Anzuchtstation auf. Anfang März geht es da los. Dort bleiben sie dann auch bis Mai und erst dann kommen die Setzlinge in unsere Folientunnel. Die Tunnel sind mit einer schwarzen Mulchfolie ausgelegt, was mehrere Vorteile hat. Sie wärmt den Boden zum einen zusätzlich auf, da eine Bodentemperatur von ca. 20C° optimal für die Pflanze ist. Außerdem schützt sie vor Unkraut und hält die Feuchtigkeit im Boden. Unsere Tunnel sind zudem mit einer Tröpfchenbewässerung ausgestattet. Diese Art der Bewässerung mindert die Fusariumgefahr, da Wasser nur an die Wurzeln und nicht auf die Pflanze kommt.

Das klingt nach einem sehr ausgeklügelten System. Hatten Sie auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen?

Im ersten Jahr haben wir die Setzlinge zu früh ins Gewächshaus gepflanzt. Das hat sich als Fehler herausgestellt. Denn wir hatten zu der Zeit nochmal extremen Frost bekommen und somit schwere Frostschäden, da die Pflanzen sehr empfindlich sind. Daraus haben wir aber gelernt und setzen die Pflanzen jetzt erst im Mai, am besten nach den Eisheiligen ins Gewächshaus. Probleme hatten wir auch mit Schnecken, da unsere jungen Pflanzen für die Tiere sehr schmackhaft sind. Dieses Problem hat sich allerdings mit dem späten Setzen der Pflanzen von selbst gelöst. Grund dafür ist, dass die Pflanzen dann zu „holzig“ für die Schnecken schmecken und sie diese dann nicht mehr fressen. Das ist natürlich gut für uns. Eine weitere Lektion, die wir gelernt haben, war, dass der Anbau der Pflanzen im Freiland scheitert. Die Melonenpflanzen sind sehr fusariumempfindlich und nasses Wetter begünstigt den Fusariumbefall  nunmal.

Welche Melonensorten bauen Sie denn auf Ihren Feldern an?

Man unterscheidet generell zwischen Wassermelonen und Zuckermelonen. Bei den Wassermelonen haben wir die Sorten Blacktail Mountian und Sugar Baby (sh. frühreife Wassermelonensorten für Deutschland). Diese beiden Sorten erreichen ein Gewicht von ca. 5 kg. Im Bereich der Zuckermelonen haben wir die Galiamelone, Honigmelone und die Cantaloupe.

Melonensorten in Dachau angebaut

Diese Sorten werden in Dachau erfolgreich angebaut

Und wie lange dauert es dann insgesamt von der Saat bis zur Ernte?

In dieser Saison, also 2017 wurden die Samen am 7. März eingesetzt und ernten konnten wir ab 15. Juli. Das ergibt im Schnitt um die 130 Tage.

Gibt es irgendetwas am Anbau, das Sie gerne noch mehr optimieren würden für die nächste Saison?

Der Anbau wie er diese Saison lief war recht gut, aber dennoch wollen wir für die nächste Saison versuchen, schon Mitte Februar die Pflanzen anzuziehen, um vielleicht schon Anfang Juli ernten zu können. Das könnte allerdings schwierig werden, da die Pflanzen ja genügend Sonnenlicht brauchen um zu gedeihen und das ist im Februar sehr schwierig. Mal sehen, wie das läuft.

pikierte Honigmelonen Jungpflanze mit Erde vor schwarzem Hintergrund

Sät man früh aus und pikiert man die Jungpflanzen, können die ersten Melonen bereits im Juni/Juli geerntet werden.

Wie intensiv sind Ihre Melonen in der Pflege? Wie düngen Sie und schneiden Sie die Wassermelonen?

Ja, wir düngen, aber nur einmal und zwar mit Mist und vor dem Setzen der Pflanzen. Unsere Melonenpflanzen bekommen vom Aussäen bis hin zur Ernte keine Kunstdünger und auch kein Pflanzenschutzmittel. Dies ist aber nur möglich, weil wir die Pflanzen in den Tunneln haben. Das Schneiden der Pflanzen fördert die Fruchtbildung. Sie können sich aber sicher vorstellen, dass bei über 1.000 Pflanzen das nicht gerade die schönste Arbeit ist.

Wenn Sie den ganzen Anbauprozess durch haben und die reifen Früchte ernten können, wohin liefern Sie die Früchte dann?

Die ganze Ernte geht an Hofläden in und um Dachau. Wir haben aber auch ein Hofladen in Friedberg und den Bauernmarkt Dasing, wo die Melonen verkauft werden.

Haben Sie vor zu expandieren? Gibt es demnächst vielleicht die Dachauer „Aromamelonen“ auch in München, zum Beispiel auf dem Viktualienmarkt zu kaufen?

Wie oben schon erwähnt haben wir nicht nur in der Nähe von Dachau Hofläden, die wir beliefern, sondern auch im Landkreis Aichach- Friedberg. Der Grund dafür ist, dass ich aus der Gemeinde Ried komme (b. Mering) und deshalb beliefern wir auch in Aichach- Friedberg. In der nächsten Saison wollen wir gern noch mehr Hofläden in diesem Landkreis beliefern. Was für uns auch interessant wäre, ist REWE Regional. Die haben auch schon angefragt, wobei wir uns da noch nicht sicher sind. Natürlich wäre der Viktualienmarkt eine sehr tolle Option. Also ja, wenn es die Möglichkeiten gibt, würden wir auch expandieren.

Auswahl an Melonen aus Dachau

So bunt und vielfätig ist die Auswahl an Melonen

Was würden Sie sagen, macht Ihre Melonen besonders, vor allem im Vergleich mit herkömmlicher Supermarktware?

Das ist ganz einfach: Unsere Melonen bleiben bis zur optimalen Reife an der Pflanze. Somit kann die Pflanze mehr Zucker und Vitamine in die Frucht einlagern. Dies ist bei Melonen zum Beispiel aus Italien, Spanien und so weiter nicht möglich. Dort werden die Melonen vor der Reife geerntet und reifen während des Frachtwegs nur nach. Wenn sie in Italien oder Spanien reif geerntet würden, kämen sie überreif im Supermarkt an. Das soll heißen, da wir keine langen Frachtwege haben, können wir süßere beziehungsweise besser schmeckende Melonen liefern, was auch die Kundschaft immer wieder bestätigt.

Haben Sie eine persönliche Lieblingssorte?

Ich persönlich habe keine Lieblingssorte und ich denke, dass es Thomas auch so geht. Jede Sorte hat etwas für sich.

Was für Tipps würden Sie Hobbygärtnern geben, die sich am Melonenanbau zu Hause versuchen wollen?

Am besten ist ein Gewächshaus geeignet, aber wenn man einen nicht zu kühlen und nassen Sommer hat, kann es auch im Freien funktionieren. Hierbei sollte man aber darauf achten, die Pflanze auf der Südseite zu pflanzen. Und die Pflanzstelle sollte so gut wie möglich windgeschützt sein. Aber am besten probieren Hobbygärtner es erst gar nicht und kaufen einfach bei uns (lacht).

Zu guter Letzt: Haben Sie einen Tipp oder Trick, wie man auch als Laie erkennen kann, wann eine Melone reif ist?

Bei der Wassermelone kann man mit dem Fingerknöchel auf die Schale klopfen, dieses Geräusch muss etwas hohl und dunkel klingen, dann weiß man, dass die Melone reif ist. Die Zuckermelonen sind etwas schwieriger zu deuten. Einige Zuckermelonensorten erkennt man am süßlichen Geruch. Die meisten brauchen jedoch viel Erfahrung um heraus zu finden, ob eine Frucht reif ist.

Vielen Dank für das Interview. 

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