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Microgreens selber ziehen

Sie sind gesund, lecker und lassen sich ganz einfach auf der Fensterbank selber ziehen – wir verraten Ihnen, was hinter dem neuen Trend Microgreens steckt.

Microgreens Nahaufnahme
Microgreens sind einer neuer Trend in der Gartenszene [Foto: Prostock-studio/ Shutterstock.com]

Es ist der neueste Pflanzentrend aus Amerika: Microgreens erobern derzeit nicht nur die gehobene Gastronomie, sondern finden auch bei Hobbygärtnern immer mehr Liebhaber. Kein Wunder, schließlich kann man die Pflanzen im Miniformat besonders platzsparend anbauen, weshalb sie vor allem beim Urban Gardening sehr beliebt sind. Doch auch ihre leichte Pflege und die Tatsache, dass sie den Ruf eines besonders gesunden Lebensmittels genießen, sorgen dafür, dass immer mehr Menschen die Microgreens anbauen. Was hinter dem Phänomen steckt und wie man selber Microgreens ziehen kann, erfahren Sie hier.

Microgreens selber ziehen

Der Name ist Programm: Hinter dem Begriff „Microgreen“ (deutsch: „sehr kleine Pflanze“) verbirgt sich eine ganze Palette von Gemüsepflanzen und Kräutern, die sich dank einer speziellen Anbauweise bereits sehr früh ernten lassen. Tatsächlich handelt es sich jedoch nicht um spezielle Züchtungen, sondern nur um die jungen, essbaren Keimlinge bestimmter Pflanzenarten, die bereits geerntet werden, wenn neben den Keimblättern ein bis zwei weitere Blätter gewachsen sind. Damit werden Microgreens etwas später geerntet als Sprossen, jedoch deutlich früher als Junggemüse, und überzeugen durch einen besonders intensiven Geschmack.

Microgreens Keimlinge im in weißen Schalen
Hinter dem Begriff „Microgreen“ verstecken sich die Keimlinge von Kräutern und Gemüse [Foto: Peter Hermes Furian/ Shutterstock.com]

Geeignete Pflanzen für die Microgreen-Zucht

Wer denkt, dass man Microgreens nur mit ganz bestimmten Pflanzen züchten kann, liegt falsch: Glücklicherweise lassen sich beinahe alle Pflanzen auf diese Weise kultivieren. Besonders einfach ist der Anbau von Microgreens aus schnellwachsenden Kräutern wie Kresse (Lepidium sativum), Petersilie (Petroselinum crispum) oder Dill (Anethum graveolens). Doch auch viele Gemüsearten lassen sich wunderbar als Microgreens kultivieren. Hierbei sind vor allem Schnittsalate, aber auch Radieschen (Raphanus sativus var. sativus), Karotten (Daucus carota subsp. sativus) sowie einige Kohlsorten beliebt. Selbst Weizen (Triticum) und Rote Beete (Beta vulgaris) eignen sich für die Anzucht. Nicht geeignet für den Anbau von Microgreens sind allerdings Nachtschattengewächse wie Tomate (Solanum lycopersicum), Aubergine (Solanum melongena) oder Kartoffel (Solanum tuberosum). Da die grünen Teile dieser Pflanzen für Menschen giftig sind, sind auch die Keimlinge für Menschen nicht verträglich.

Verschiedene Sorten von Microgreens
Verschiedene Pflanzenarten eignen sich als Microgreen [Foto: IMG Stock Studio/ Shutterstock.com]

Welche Pflanzen eignen sich für den Microgreen-Anbau?

Microgreens selber anbauen

Microgreens sind nicht nur gesund und lecker, sondern auch absolut einfach im Anbau. Tatsächlich unterscheidet sich ihre Pflege kaum von der Anzucht einer gewöhnlichen Gemüseaussaat. So eignet sich im Prinzip jede flache Schale als Anzuchtgefäß, denn die Pflanzen wachsen in einer alten Auflaufform oder auf einem Blumentopfuntersetzer genauso gut wie in einer professionellen Anzuchtschale. Das Gefäß wird etwa zwei Zentimeter hoch mit Anzuchterde gefüllt. Um die Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen, kann man zusätzlich ein paar eingeweichte Kokosfasern hinzugeben. Nun können die Pflanzen auch schon eingesät werden.

Tipp: Große und hartschalige Samen wie beispielsweise Erbsen (Pisum sativum) oder Sonnenblumenkerne (Helianthus annuus) sollten davor jedoch eine Nacht in Wasser eingelegt werden – das beschleunigt die Keimung.

Bedenken Sie, dass die Pflanzen bereits im Keimlingsstadium geerntet werden. Dieser Umstand führt dazu, dass die Pflanzen einen wesentlich kleineren Platzbedarf haben und deutlich dichter zusammenstehen dürfen wie gewöhnlich. Kleiner Tipp: Microgreens müssen nicht sortenrein angebaut werden – probieren Sie einmal verschiedene Gemüsemischungen, um ihre Lieblingskombination zu finden. Nach dem Aussäen müssen die Samen leicht angedrückt und mit einer Sprühflasche intensiv angefeuchtet werden.

Nun ist zwischen Licht- und Dunkelkeimern zu unterscheiden: Während Lichtkeimer so gedeihen können, müssen Dunkelkeimer entweder mit ein bisschen Erde bedeckt oder mit einer zweiten Schale gleicher Größe beschattet werden. Der geeignete Platz für Microgreens ist übrigens eine warme, helle Fensterbank ohne direkte Sonneneinstrahlung. Stellt man den Topf nun für eine bessere Luftzirkulation auf ein kleines Podest, haben die Microgreens optimale Standortbedingungen.

Microgreens wachsen in Plastikdose
Microgreens können in beinahe jedem Anzuchtgefäß kultiviert werden [Foto: science photo/ Shutterstock.com]

Schritt-für-Schritt-Anleitung Microgreens selber anbauen:

1. Große und harte Samen über Nacht einweichen

2. Flaches Anzuchtgefäß etwa 2 cm hoch mit Anzuchterde auffüllen; eventuell Kokosfasern für höhere Wasserspeicherfähigkeit hinzugeben

3. Samen einsäen; dabei kann das Saatgut ruhig dichter beieinanderliegen

4. Samen andrücken und mit Sprühflasche befeuchten

5. Falls es sich um Dunkelkeimer handelt, muss das Saatgut mit Erde bedeckt oder anderweitig beschattet werden

6. Microgreens an einem warmen, hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung aufstellen

Microgreens pflegen

Nur 10 bis 14 Tage dauert es, bis die Microgreens erntereif sind. Doch auch in dieser kurzen Zeitspanne wollen die Keimlinge sorgfältig gepflegt werden. Glücklicherweise brauchen die Microgreens in ihrer kurzen Wachstumszeit weder Dünger, noch müssen sie umgesetzt werden. Die einzige Schwierigkeit bei ihrem Anbau ist es, das richtige Maß an Wasser zu finden: Die Keimlinge mögen eine gleichmäßig feuchte Umgebung und wachsen bei Trockenheit nicht richtig. Wird es ihnen allerdings zu nass, können sie zu faulen beginnen oder sogar schimmeln. Besonders in den ersten Tagen ist daher Vorsicht geboten: Für eine genauere Dosierung empfiehlt es sich, die Microgreens am Anfang mit einer Sprühflasche und nicht mit einer Gießkanne zu wässern. Am besten für das Gießen eignet sich außerdem frisches, warmes Leitungswasser. Wasser, das länger stand oder aus der Regentonne kommt, kann mit Keimen belastet sein und sollte deshalb nicht für die Microgreens genutzt werden.

Microgreens gießen
Besonders am Anfang brauchen die Microgreens gleichmäßige Feuchtigkeit – eine Gießkanne ist als Bewässerung aber nicht ideal [Foto: Helen Sushitskaya/ Shutterstock.com]

Microgreens ernten

Wer im Kindesalter schon einmal Kresse geerntet hat, wird schnell herausfinden, dass sich dies nicht sonderlich von der Ernte der Microgreens unterscheidet. Erntereif sind die Keimlinge, wenn sich neben den Keimblättern die ersten echten Blattpaare gebildet haben. Bei der Ernte werden die Pflanzen etwa fingerbreit über der Erde abgeschnitten. Allerdings sollte man nicht zu viel auf einmal ernten. Da die Microgreens schnell anfangen zu faulen, müssen sie direkt verarbeitet werden. Ernten Sie also nur nach Bedarf.

Microgreens mit Schere ernten
Microgreens können einfach mit der Schere geerntet werden [Foto: Chai_B/ Shutterstock.com]

Sind Microgreens gesund?

Lecker und vor allem gesund – Microgreens haben den Ruf, ein echtes Superfood zu sein, und sollen bei einer möglichst ausgewogenen Ernährung helfen. Doch sind sie wirklich gesünder als ausgewachsenes Gemüse? Tatsächlich kann man die Frage mit Ja beantworten: Der Anteil von Proteinen, Spurenelementen und Vitaminen ist in Microgreens deutlich höher als in der gleichen Menge an normalem Gemüse. Allerdings kommt dieser Effekt erst zu tragen, wenn man wirklich größere Mengen der kleinen Pflanzen isst – als Dekoration genutzt haben Microgreens so gut wie keinen Einfluss auf das Wohlbefinden.

Microgreens in der Küche verwenden

Besonders in der gehobenen Gastronomie haben sich Microgreens in den letzten Jahren zu einem echten Trend entwickelt. Doch auch in der heimischen Küche lassen sich die Keimlinge schnell zubereiten. Da die Pflanzen besonders wegen ihres hohen Vitamingehalts beliebt sind, empfiehlt es sich, Microgreens roh zu verzehren. Allerdings zeichnen sich die Keimlinge auch durch einen deutlich intensiveren Geschmack aus als ausgewachsene Gemüsesorten, weshalb sie sich eher zum Würzen und Dekorieren und nicht als Rohkost eignen. Besonders häufig werden Microgreens als Topping auf verschiedenen Speisen wie Suppen verwendet, doch auch als Zutat für einen Salat und als Komponente in Smoothies sind sie gut geeignet. Ebenso gut eignen sich die Microgreens jedoch auch zum Herstellen von würzigem Kräuterquark oder Frischkäsekreationen. Selbst ein Butterbrot kann mit Microgreens als Belag zu einem wahren Geschmackserlebnis werden.

Etwas kleiner, aber ebenso beliebt sind Sprossen in der Küche. Wie Sie diese ganz einfach zuhause im Sprossenglas ziehen können, erfahren Sie hier.

Microgreens aus Kichererbsen
Damit ihre Vitamine erhalten bleiben, sollten Microgreens roh gegessen werden [Foto: science photo/ Shutterstock.com]
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