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Misteln: 6 Fragen & Antworten zum schönen Halbparasiten

Wie kann man Mistelzweige zu Weihnachten ernten? Und sind Misteln eigentlich giftig? Wir beantworten sechs spannende Fragen rund um die Mistel.

Mistelzweig mit roter Schleife hängt von der Decke
Die Mistel ist beliebt als Weihnachtsdekoration und lädt zum Küssen ein [Foto: Oleksandr Rybitskiy/ Shutterstock.com]

Ein uralter Brauch besagt, dass zwei unter einer Mistel Stehende sich küssen sollen. Doch die Mistel dient nicht nur als Eisbrecher und Orakel für suchende Singles. Auch glaubte man früher, sie hielte böse Geister und Feuer von Häusern fern. Misteln waren außerdem Bestandteil druidischer Heiltränke. Auf jeden Fall bringt ein Mistelzweig zu Weihnachten Glück und dient natürlich als Schutzbringer der Liebenden. Hier erfahren Sie, ob die schwach giftige Mistel in Bäumen ein Problem werden kann, wie man sie erntet, welche Symbolik den Mistelstrauch so besonders macht und ob er auch therapeutisch oder medizinisch angewendet werden kann.

Übrigens: Die bei uns heimische Weißbeerige Mistel (Viscum album subsp. album) ist ein Halbschmarotzer. Sie betreibt also mit ihren grünen Blättern selbst Photosynthese, entzieht der Wirtspflanze aber über Saugorgane – die Haustorien – Wasser und Nährstoffe.

1. Sind Misteln giftig?

Der Mistelzweig ist schwach giftig und kann bei übermäßigem Verzehr unter Umständen Unwohlsein in Form von Bauchschmerzen, Durchfall, niedriger Herzfrequenz und gesenktem Blutdruck auslösen. Dennoch ist der Weg zum Arzt fast nie nötig. Schwangeren wird empfohlen, einen Bogen um Misteln und Medikamente aus Misteln zu machen.

Alle grünen Teile der Mistel gelten vor allem aufgrund der enthaltenen Viscotoxine als gering giftig für uns. Bei versehentlichem Verzehr sind Bauchschmerzen, Durchfall, eine verminderte Herzfrequenz und ein gesenkter Blutdruck möglich. Eine kritische Dosis für Misteln ist allerdings nicht bekannt. Der Saft der Mistelblätter und -stängel kann außerdem Haut und Schleimhäute reizen. Auch wenn die Beeren verzehrt wurden, sollten Sie vorsichtshalber viel trinken, weitere Maßnahmen sind jedoch meist überflüssig. In aufbereiteter Form werden Misteln sogar als wirksame Medikamente verwendet. Sie sollten jedoch in jeder Form von Schwangeren gemieden werden, da einige ihrer Inhaltsstoffe offenbar in die Plazenta wandern können und die Auswirkungen davon noch unbekannt sind. Wir haben an anderer Stelle für Sie zusammengetragen, auf welche Pflanzen werdende Mütter lieber verzichten sollten.

Mistelzweig liegt auf Holzbrett
Misteln sind nur schwach giftig und Beschwerden treten selten auf [Foto: Kuttelvaserova Stuchelova/ Shutterstock.com]

2. Die Mistel als Heilmittel, Weihnachtsbrauch und Wunderpflanze

Der Mistelstrauch hat in diversen vergangenen und bestehenden Kulturen eine reiche Symbolik, die er wohl seiner ungewöhnlichen Lebensweise auf Bäumen, der Blütezeit im Winter und den immergrünen Laubblättern zu verdanken hat. Er steht für das Leben, gilt als heilig und als universelle Heilpflanze. Der Brauch des Küssens unter dem Mistelzweig stammt aus England. Die Verbindung zum christlichen Weihnachtsfest wurde wahrscheinlich von heidnischen Bräuchen übernommen.

Bereits im antiken Griechenland hatte die Mistel einen wahren Schatz symbolischer Bedeutungen angesammelt. Der Held Äneas nutze den Zweig der Eichenmistel (Loranthus europaeus), um das Tor ins Totenreich zu öffnen. Folglich gilt die Mistel mythologisch als Siegerin über den Tod. Gerade weil sie eine der wenigen im Winter grünenden, sogar blühenden und fruchtenden Pflanzen ist, symbolisiert sie das Leben.
Auch in der nordischen Mythologie, in der Edda, spielt die Mistel eine bedeutende Rolle: Mit einem Pfeil aus Mistelholz wurde Friggas Sohn Baldur tödlich getroffen. Frigga hatte allen Wesen das Versprechen abgenommen, Baldur nicht zu verletzen, die Mistel jedoch vergessen, was der wahnsinnige Gott Loki ausnutzte. Aus Wut verbat Frigga in der Folge der Mistel, jemals wieder den Boden zu berühren, sodass diese in luftige Höhen umziehen musste.

Bei den Kelten schließlich war die Mistel ein zauberisches Allheilmittel, das nur mit Goldsicheln aus den Bäumen geschnitten und mit der linken Hand aufgefangen werden durfte. Außerdem sollte sie vor Feuer, Krankheit und Geistern schützen, fruchtbar machen und besonders bei Kinderkrankheiten helfen.

Der Brauch des Kusses unter dem Mistelzweig stammt schließlich aus England und besagt, dass zwei unter einem Mistelzweig Stehende sich so oft küssen müssen, wie der beteiligte Mann eine Beere vom Strauch pflückt.

Auch in Deutschland erfreut sich die romantische Symbolik der Mistel großer Beliebtheit. Küsst sich ein Paar unter einem Mistelzweig, soll ihre Liebe ewig währen. Doch Vorsicht! Diese Zauberkraft der Mistel soll sich nur dann entfalten, wenn das heilige Grünzeug von Dritten als Geschenk an das Paar herangetragen wurde. Übrigens muss die besiegelte Liebe nicht romantischer Natur sein: Auch Freundschaftsbande soll die Mistel stärken. Und ein skandinavischer Glaube an die Heiligkeit der Pflanze sorgte dafür, dass zwei Krieger in ihrer Anwesenheit einen Waffenstillstand schließen mussten.

Was aber hat die Mistel mit Weihnachten zu tun? Die Verbindung zum christlichen Fest wurde von altertümlichen Feiern der Wintersonnenwende geerbt, deren Bezug zur Mistel allerdings ebenfalls unklar ist. Grund genug könnten die magische Wirkung gegen Geister, das trotzige Grün im kalten Winter als Zeichen für das Leben und der schöne winterliche Beerenschmuck sein.

Mistel blüht auf Baum im Winter
Die Mistel blüht und fruchtet im Winter – das macht sie in der Natur zu etwas Besonderem [Foto: travelview/ Shutterstock.com]

3. Wie lassen sich Misteln ernten?

Misteln finden sich an bestimmten Laubbaumarten, beispielsweise Ahorn und Pappel, sowie einigen Nadelbäumen wie Tannen und Kiefern. Geerntet werden sie entweder mit einer Leiter oder vom Boden aus mit einer Teleskopsäge oder -schere. Dabei können ganze Pflanzen oder nur Teile entnommen werden, wenn die Mistel überleben und weiterwachsen soll.

Häufig ist das erste Problem bei der Mistel-Ernte, dass die schönen Parasiten erst einmal gefunden werden müssen. Hierfür ist es nützlich zu wissen, welche Bäume sie bevorzugt bevölkern. Suchen Sie an Pappeln (Populus), Weiden (Salix), Apfelbäumen (Malus), Birken (Betula), Haselnüssen (Corylus), Robinien (Robinia pseudoacacia), Linden (Tilia) und Ahorn (Acer). Doch auch Nadelbäume wie Weißtanne (Abies alba), Kiefer (Pinus) und Fichte (Picea) können Misteln tragen. Ein Geheimtipp sind verwilderte Obstwiesen, da die Mistel offenbar bevorzugt an Apfelbäumen wächst.
Wenn man erst einmal in ihr luftiges Reich vorgedrungen ist, lassen sich Misteln recht einfach ernten. Am besten eignen sich sicher stehende Leitern, möglichst unten durch eine zweite Person gehalten und gesichert. Sie können mit der Hand, mit Scheren oder Handsägen, vollständig oder nur in Teilen geerntet werden – wenn die Pflanze noch weiterwachsen und erneut beerntet werden soll. Am sichersten ist aber die Ernte mit einer Teleskopsäge oder -schere vom Boden aus.
Übrigens ist die Mistel nicht geschützt und darf ganzjährig geerntet werden.

4. Wie kann man Misteln aus Bäumen entfernen?

An Bäumen mit problematischem Mistelbefall sollte eine jährliche Kontrolle und ein anschließendes Entfernen der Halbschmarotzer erfolgen, wobei die Mistel dicht am Stamm des Wirtes abgeschnitten wird. Am besten eignet sich hierzu die Winterzeit, wenn die Misteln in der kahlen Wirtspflanze gut erkennbar sind.

Misteln in Bäumen sind nicht ganz unproblematisch: Der Volksmund bezeichnet sie nicht umsonst auch als „Würger des Apfelbaumes“. In ökologisch sehr wertvollen alten Streuobstwiesen können Misteln zum Problem werden, wenn der Befall so stark wird, dass das Überleben des Baumes nicht mehr gesichert ist. Dies gilt allgemein bei einem Mehrfachbefall, unabhängig von der betroffenen Baumart. Gefährdete Bäume sollten daher jährlich einer Kontrolle unterzogen und, wenn möglich, von den Schmarotzern befreit werden. Am besten hierfür geeignet ist die Winterzeit, wenn die Bäume kahl und die Misteln unseren Blicken ausgeliefert sind. Die Mistel wird, so dicht es geht, über dem Stamm des Wirtsbaumes abgeschnitten, ein Entfernen der Saugwurzeln ist nicht möglich oder nötig. Es ist sinnvoll, alle Misteln in der näheren Umgebung zu entfernen, da es so weniger schnell zu einem neuen Befall kommt.

Misteln wachsen stark auf Baum
Ist ein Baum zu stark mit Misteln besiedelt, läuft er Gefahr, großen Schaden zu nehmen [Foto: SannePhoto/ Shutterstock.com]

Tipp: Wenn Sie Ihre Bäume im Advent von Misteln befreien, haben Sie für sich eine schöne Dekoration und vielleicht sogar Geschenke für Freunde. Misteln bleiben in Wasser gestellt lange Zeit grün und frisch.

5. Kann man Misteln selber anbauen?

Wer selber Misteln anbauen will, der braucht Samen, einen geeigneten Wirtsbaum und Geduld. Erst ein bis zwei Jahre nach der Aussaat zeigt sich eine ausgesäte Mistel zum ersten Mal als grüner Trieb und muss dann noch mehrere Jahre wachsen, um seine Kugelform zu erreichen und ein brauchbarer Weihnachtsschmuck zu werden.

Sie können mit den folgenden sechs Schritten eigene Misteln anbauen:

  1. Sammeln Sie reife Früchte zwischen November und März von einer andernorts wachsenden Mistel. Die Beeren sind reif, wenn sie weich werden. Beachten Sie, dass es sich um spezialisierte Unterarten handelt: Es gibt Laubbaum-Misteln, Tannen-Misteln und Kiefern-Misteln und jede Unterart ist auf die jeweilige Art von Wirtsbäumen angewiesen.
  2. Säen Sie die frischen Mistelsamen samt umgebender Frucht sofort aus, ohne sie zwischenzeitlich lange zu lagern.
  3. Wählen Sie am neuen Wirtsbaum eine Stelle, die noch nicht von dicker Borke, sondern nur von einer dünnen Rinde geschützt wird. Höhe und Stärke des verwendeten Astes oder der Stammpartie sind ohne Bedeutung.
  4. Säen Sie die Samen auf trockener Rinde aus, möglichst an einer Stelle, an der die Rinde zügig nach dem Regen abtrocknet – sonst könnte der Samen nachträglich abrutschen. Sonnige bis halbschattige Bereiche sind optimal.
  5. Zerdrücken Sie die Frucht zwischen den Fingern und streichen Sie ihren Inhalt an die gewünschte Stelle.
  6. Die Keimung erfolgt im März des Folgejahres, nach weiteren ein bis zwei Jahren erscheinen die ersten Blätter, die Mistel blüht dann nach sechs bis sieben Jahren.
Getrocknete und zerkleinerte Misteln auf Holz
Misteln werden in der Schulmedizin und der Naturheilkunde eingesetzt [Foto: hjochen/ Shutterstock.com]

6. Wie werden Misteln therapeutisch angewendet?

In der Medizin wird die ganze Mistel eingesetzt. Sogenannte Mistellektine und die bereits genannten Viscotoxine werden in Medikamenten verwendet. Anwendungen zur Senkung des Blutdrucks (oft in Kombination mit Weißdorn), Stimulierung des Immunsystems und Auslösung erwünschter, lokaler Entzündungen sind wissenschaftlich gut belegt. Der Mistel werden allerdings auch Fähigkeiten zugeschrieben, deren Ursprung eher traditioneller und anthroposophischer Natur ist und die bisher nicht belegt werden konnten. Hierzu zählt die Verwendung in der alternativen Krebstherapie.

Typisch für die Weihnachtszeit ist natürlich auch der Christbaum. Warum ein Weihnachtsbaum im Topf die nachhaltigere Alternative ist, können Sie hier nachlesen.

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