Platz für den Igel

Im Frühjahr erwachen die kleinen tapsigen Igel aus ihrem Winterschlaf. Im Interview gibt Martina Gehret praktische Tipps für einen igelfreundlichen Garten.

Treue Knopfaugen, spitze Nase und die kleinen tapsigen Füßchen – Igel gehören vermutlich zu den beliebtesten Tieren hierzulande. Trotzdem wird ihnen ihr Lebensraum und damit die Lebensgrundlage oftmals unbewusst genommen. Wir haben mit Martina Gehret, der Igelexpertin vom LBV Bayern gesprochen und sie nach Tipps für den Igelschutz im eigenen Garten gefragt.

Im Frühjahr 2015 hat der Landesbund für Vogelschutz das Igelprojekt ins Leben gerufen, um zu erfassen, wo die Tiere in Bayern vorkommen und wie viele beispielsweise im Straßenverkehr ums Leben kommen. Jeder Bürger kann durch einen Anruf oder eine spezielle App angeben, wann und wo er einen Igel gesichtet hat. Aus den bis jetzt gesammelten Daten sind für Martina Gehret schon einige interessante Erkenntnisse bestätigt worden.

Seit Projektbeginn wurden 60.000 Igel gezählt, die meisten von ihnen in Siedlungsgebieten. Diese Erkenntnis ist für Martina Gehret leicht zu erklären: „Der Igel ist ein Kulturfolger, er ist da zu Hause, wo wir Menschen sind. Der Igel lebt im Garten, das ist sein zu Hause.“

Eine traurige Tatsache ist, dass die Haupttodesursache des Igels der Straßenverkehr ist. Aber zunehmend machen ihm auch Parasitenbelastungen das Leben schwer. Diese Parasitenbelastung hat ihren Ursprung in der erschwerten Nahrungsbeschaffung. „Der Igel findet kaum noch gute Nahrungstiere wie Insekten, weil diese in den Gärten nicht gewollt sind. Somit muss der Igel oftmals auf Schnecken zurückgreifen, die Zwischenwirte von Würmern sind. Die frisst der Igel dann mit, was bei einer Überbelastung schließlich zum Tod des Tieres führen kann.“

Die Datenlage ist klar und eindeutig, wer den Igel schützen will, der muss ihm Platz in seinem Garten lassen und diesen am besten auch so naturnah wie möglich gestalten. Wie das geht haben wir mit Hilfe der Igelexpertin Martina Gehret in 5 Tipps für Sie zusammengefasst.

Igelexpertin Martina Gehret Igel im Garten

Igelexpertin Martina Gehret mit einem ihrer Schützlinge. [Foto: Martina Gehret]

Tipp 1: Zugang und Durchgängigkeit des Gartens

Wenn der Igel im Garten lebt, dann muss er zuerst auch Zugang zu diesem haben, sprich der Gartenzaun braucht ein kleines Loch. Zehn bis 15 Zentimeter reichen da schon völlig aus. Oftmals macht es die moderne Gartengestaltung dem Igel schwer. Findet er nämlich keinen Zugang zu Gärten bedeutet das für ihn, dass er mehr laufen und leider auch mehr Straßen überqueren muss. Das stellt eine große Gefahr für das Tier dar.

Tipp 2: Artenvielfalt im Garten bewahren

Wie bereits schon erwähnt, braucht der Igel auch ein ausreichendes Nahrungsnagebot, um gesund und munter durch das Jahr zu kommen. Insekten stehen bei ihm ganz oben auf der Speisekarte und die werden ja bekanntlich vor allem durch eine Blütenvielfalt im Garten angelockt. Je mehr Artenreichtum, umso besser. Martina Gehret rät, die Pflanzen standortgerecht anzusiedeln, das erspart spätere Arbeit und unnötiges Düngen.

Tipp 3: Keine Chemie im Garten

Hier weiß die Expertin: „Gute Absichten können oft nach hinten losgehen. Viele kompensieren eine falsche Standortplatzierung von Pflanzen im Garten mit dem Einsatz von Giften. Das schadet den Igeln ungemein.“ Wenn das Futter für den Igel aus dem Garten verschwindet, dann muss auch er ums Überleben kämpfen. Außerdem sollte man bedenken, dass man beim Einsatz von Chemie den natürlichen Kreislauf stört. Manchmal kommt es auch dazu, dass der Igel Blaukorn oder Rattengift frisst. Das kann im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres führen.

Tipp 4: Wasser zur Verfügung stellen

Wasser ist die Grundlage für alles Leben – auch für den Igel. Fälschlicherweise wird oft geglaubt, dass der Igel Milch trinke. Das ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich für das Tier. Igel sind Laktose intolerant und der Verzehr von Milch bereitet ihm schlimme Bauchschmerzen und Durchfälle. Einem geschwächten Tier Milch zu geben, kann ein Todesurteil bedeuten. Sie helfen den Tierchen jedoch ungemein, wenn sie ihnen frisches Wasser im Garten zur Verfügung stellen. Eine flache Schale reicht vollkommen aus. Das Wasser sollte regelmäßig gewechselt werden. „Da freuen sich nicht nur Igel, sondern auch andere Gartenbewohner wie Bienen“, sagt Martina Gehret.

Tipp 5: Unterschlupfmöglichkeiten schaffen

Wer kann es ihnen verübeln, aber auch Igel lieben es, an einem trockenen Plätzchen zu schlafen. Daher sind Unterschlupfmöglichkeiten im eigenen Garten essentiell. Diese können natürlicher Art sein, wie beispielsweise altes Holz, Reisig und Laubhaufen im Garten erhalten oder Unterschlupf unter das Gartenhäuschen oder die Holzterrasse gewähren. Falls das nicht möglich oder gewünscht ist, sind auch Igelhäuser eine gute Alternative laut der Expertin: „Igelhäuser sind völlig in Ordnung, nur muss auch bei diesen Nistmaterial wie Laub dem Tier zur Verfügung stehen.“

Jetzt im Frühling gibt es noch ein paar Tipps, die die Diplom-Ingenieurin für Wald- und Forstwirtschaft mit dem Schwerpunkt Wildtiermanagement geben möchte: „Beginnen Sie die neue Gartensaison vorsichtig, stechen sie nicht einfach in Laubhaufen hinein, ein Igel könnte dort noch Winterschlaf halten.“ Die Tiere schlafen meist bis Ende März oder auch in den April hinein und sollten generell nicht aufgeweckt werden. „Falls es einem aber doch passiert und man einen Igel aufweckt, dann ist es wichtig, ihm einen Unterschlupf wie das Igelhaus und auch Futter anzubieten“, meint Martina Gehret. Im Frühjahr und im Herbst hält es die Igelexpertin auch für in Ordnung, den Tieren Nahrung wie hochwertiges Katzenfutter zu geben.

„Igel brauchen nicht nur einen Platz in unseren Herzen, sondern auch einen Platz in Ihrem Garten“, so die Expertin. Der Igel ist auf unsere Hilfe angewiesen und mit diesen Tipps sollte es nicht mehr allzu schwerfallen, den eigenen Garten igelfreundlich zu gestalten.

Ein besonderer Dank geht an Martina Gehret vom LBV, sowie an die fleißigen Photographen: pani.minister, Timo Newton-Syms und Gérard.

Steffi

Die Studentin der Agrarwissenschaften hat sich schon sehr früh für regionale und saisonale Ernährung interessiert. Deswegen versucht sie sich auch im Anbau von Gemüse und Kräutern im eigenen Garten - mit Erfolg. Als begeisterte Hobbyköchin probiert sie gerne neues und exotisches aus.