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Rettet die Bienen! Im Gespräch mit nearBees aus München

Dem Bienensterben entgegenwirken. nearBees hat uns erzählt, dass sie dafür den Fokus auf Imker legen – denn ohne sie, gibt es keine Honigbiene mehr.

Biene auf Blume

Die Biene ist ganzheitlich mit unserem Lebensraum verbunden. [Foto: MelCC BY-ND 2.0]

Dass wir mit einem weltweiten Sterben von Bienen konfrontiert sind, scheint nichts Neues zu sein. Doch was kann jeder Einzelne von uns dagegen tun? nearBees aus München ist ein lokales Unternehmen, welches durch eine Internetplattform mit Leib und Seele unseren Honigkonsum wieder re-regionalisieren möchte. Wir haben mit der Gründerin Viktoria darüber gesprochen, warum dies so wichtig ist und was ein jeder von uns dafür tun kann. Ihre Gründe sind einschlägig. Viktorias Großvater selbst hatte immer Bienenvölker gehalten. Sie erinnert sich daran, dass die Kirschbäume im eigenen Garten schlagartig kaum noch Früchte getragen hatten, als ihr Großvater mit der Imkerei aufhörte. Hier wurde ihr erstmals der Zusammenhang von Biene und Natur bewusst. Viktoria selbst ist heute eine junge Hobbyimkerin und hat sich auch in ihrer Masterarbeit ausführlich mit den “Veränderungen im Zusammenleben von Mensch und Biene” beschäftigt – nearBees ist das Ergebnis ihrer Arbeit.

Warum ist der Honig von nebenan so wichtig?

Woher kommt eigentlich unser Honig? Mit ziemlicher Sicherheit nicht aus Deutschland, denn über 80 Prozent des Honigs wird hierzulande importiert. Meistens weiß der Verbraucher auch gar nicht, woher der importierte Honig stammt, denn auf der Rückseite eines Glases ist meist eine “Mischung aus EG und Nicht-EG Ländern” zu lesen. Und das ist ein Problem, denn es steht im Zusammenhang mit dem Rückgang an Bienenvölkern und indirekt auch mit dem Bienensterben. Warum? Viktoria erklärt uns, dass während billige Produkte aus dem Ausland in anderen Bereichen hauptsächlich ein Problem für die hiesigen Erzeuger darstellen, sie in der Imkerei auch zu einem Schaden für die lokale Gesellschaft führen. Honig lässt sich nämlich leicht importieren, die Bestäubungsleistung der Biene allerdings nicht. “Die Biene ist so ganzheitlich mit unserem Lebensraum verbunden”, erklärt Viktoria. Mit mehr als 40.000 fleißigen Arbeitern bestäubt ein starkes Bienenvolk im Sommer schließlich bis zu 20 Millionen Blüten täglich! Wer also Honig nicht beim regionalen Imker kauft, trägt dazu bei, dass es immer weniger Honigbienen hierzulande gibt und dementsprechend weniger Pflanzen bestäubt werden. Die Biodiversität unserer Natur hängt so gesehen maßgeblich von unseren Bienen ab und auch unsere Erträge in der Landwirtschaft sind davon betroffen. Für Viktoria war und ist der Erhalt der Vielfalt unserer Pflanzen ein wesentlicher Antrieb, sich für einen lokalen Honigkonsum einzusetzen.

Biene auf Blüte

Die Biodiversität unserer Natur hängt maßgeblich von unseren Bienen ab. [Foto: kuhnmiCC BY 2.0]

Damit Bienen Honig produzieren können, benötigen sie ganzjährig ein reiches Angebot an Nahrung in Form von Nektar und Pollen. In unseren Zeiten von Klimaveränderung, invasiven Schädlingen und immer stärkerem Pestizideinsatz ist die Honigbiene jedoch selbst auf Unterstützung angewiesen. Ohne die imkerliche Fürsorge und Pflege wäre sie hierzulande nicht mehr überlebensfähig. Erstaunlicherweise ist die Anzahl der Imker heutzutage leicht gestiegen, jedoch verringert sich die Anzahl der Bienen, die ein einzelner Imker umsorgt, so Viktoria.

Wer dem Imker hilft, hilft den Bienen

Um ihr Ziel zu verfolgen, legt nearBees daher den Fokus auf Imker – denn ohne Imker, keine Honigbienen mehr. Die meisten Imker in Deutschland sind Hobbyimker. Ein solcher bekommt von seinen Bienen so viel Honig, dass es den privaten Gebrauch sprengt, aber für den Verkauf an kommerzielle Großhändler dennoch zu wenig ist. Hinzu kommen die billigen Preise von massenhaft importiertem Honig in den Supermärkten. Derartige Preise würden bei hießigen Hobbyimker weder den Aufwand noch die Kosten decken. Bienenhalter, insbesondere die vielen kleinen Hobbyimker, wie sie auch auf der Plattform von nearBees zu finden sind, leisten daher indirekt einen großen Beitrag zum biologischen Erhalt der heimischen Pflanzenvielfalt und zu besseren Erträgen in unserer Landwirtschaft. Die Honigvermarktung daher für Imker radikal zu vereinfachen und zudem für Verbraucher einen bequemen Zugang zu lokalem Honig ermöglichen, ist ihre Aufgabe.

Imker auf Dach

Ohne die imkerliche Fürsorge, wäre die Biene nicht mehr überlebensfähig. [Foto: nearBees]

Mit nearBees werden zudem finanzielle Reize für lokale Imker geschafft, wieder mehr Bienenvölker zu versorgen. Gleichzeitig wird der Verbraucher über die Herkunft seines Honigs aufgeklärt. Mithilfe ihrer Internetplattform kann ein jeder deutschlandweit nach regionalen Imkern suchen und erhält ein breites Informationsangebot zum Imker, sowie über dessen Bienenvölker. Hat man seinen Wunschhonig gefunden, kann man diesen ganz bequem über nearBees bestellen. Dieser wird dann in einer ökologisch, innovativen Verpackung direkt nach Hause geliefert.

Es besteht also noch Hoffnung. In den Städten wiederum boomen Imkerkurse und Imkervereine erleben größeren Zuwachs. Was vielleicht überraschen mag, ist, dass sich die Biene zunehmend in der Stadt wohler fühlt. Es ist dort meist wärmer, es gibt tatsächlich mehr Pflanzenvielfalt in privaten Gärten und auf Balkonen – und am wichtigsten: Es wird nicht mit Pestiziden gearbeitet. Auf dem Land hingegen, machenMonokulturen und Pestizide den Bienen das Überleben schwer. Genau hier kann ein jeder von uns etwas dazu beitragen, der heimischen Biene das Überleben zu sichern.

Wildblumen auf Balkon

Wildblumen auf Balkonen sind ein Paradies für Bienen. [Foto: heimgruen BalkonkastenCC BY-SA 2.0]

Was kann jeder Einzelne beitragen?

“Wem regionales Bewusstsein am Herzen liegt, sollte nicht aus Bequemlichkeit einen importierten Honig aus dem Supermarkt kaufen”

Wer Honig überwiegend beim lokalen Imker bestellt, kann seinen Beitrag leisten. Es gibt aber noch viel mehr, was man tun kann. Beispielsweise kann ein jeder darauf achten, in seinem Garten bienenfreundliche Pflanzen zu hegen. Bestimmte Pflanzen verschönern nicht nur den Garten, sie bieten zudem Bienen, Hummeln und Schmetterlingen ausreichend Pollen und Nektar sowie einen geeigneten Lebensraum.

Kirschblüten sind eine hervorragende Nahrungsquelle für Bienen und allerlei Insekten. [Foto: -col-CC BY-SA 2.0]

Leider produzieren viele Hybridpflanzen keine Pollen mehr und sind demnach für die Bienen nutzlos. Unsere Top 10 der bienenfreundlichsten Pflanzen finden Sie hier. Mehr Kräuter zu pflanzen ist ebenfalls eine Möglichkeit, aber auch andere Bienenweiden sind ideal. Als Bienenweide bezeichnet man Pflanzen, die besonders viel Nahrung für Bienen und allerlei Insekten produzieren.

Phacelia Feld

Ein Feld mit Phacelia, auch Bienenfreund genannt. [Foto: J. Triepke]

Wer dann noch mehr für seine Nützlinge im Garten tun möchte, der kann sich ein Bienenhotel selbst bauen oder anschaffen. Bienenhotels werden heutzutage vor allem für das Überleben von Wildbienen immer wichtiger, denn die kleinen Nützlinge haben immer weniger Raum für Nistplätze. Im Gegensatz zu Honigbienen leben die meisten Wildbienen als Einzelgänger und nicht in großen Staaten. Sie legen ihre Nester daher allein an und müssen sich auch selbst um einen Nahrungsvorrat für Ihre Nachkommen kümmern. Ein Bienenhotel kann also ein möglicher Rückzugsort für Wildbienen sein. Dabei können Sie ein solches ganz leicht selbst anfertigen. Gut geeignet sind zum unbehandelte Produkte wie zum Beispiel Holzscheite, hohle Stängel oder Bambusröhren.

Wer noch weitergehen möchte, kann selbst den Hobbyimker in sich entdecken. Wichtig ist dabei, dass man nur mit dem Imkern anfängt, wenn man erfahren ist. Ein unerfahrener Imker könnte nämlich dazu beitragen, dass seine Bienen mit Krankheiten befallen werden, was wiederum auf andere Bienenvölker überschwappen kann. Möchten Sie selbst Bienen versorgen, dann besuchen Sie am besten einen Imkerkurs. Bei vielen erhalten Sie bei erfolgreichem Abschluss auch ihr erstes Bienenvolk obendrauf. Alles in allem gibt es viel, was jeder Einzelne von uns tun kann, um unseren Bienen zu helfen.

nearBees

Wir bedanken uns bei nearBees für das tolle Gespräch. [Foto: nearBees]

Sind Sie auch ein Honigfreund und möchten, dass es weiterhin Imker in Ihrer Nachbarschaft gibt? Dann besuchen Sie doch nearBees.de und finden Sie Ihren lokalen Imker.

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