Sollte man Vögel im Garten füttern?

Im Winter fragen sich Viele, ob sie Futter für Vögel auslegen sollten. Wir haben mit dem LBV-Vorsitzenden Dr. Norbert Schäffer über das Thema gesprochen.

Vögel an Vogelhaus Im Winter mit Schnee

In fast jedem Garten findet man im Winter Vogelhäuser mit Futter [Foto: iStock.com/rotofrank]

Sobald die Tage wieder kürzer werden, die Temperaturen sinken und es in manchen Regionen zu schneien beginnt, denken viele Gartenbesitzer auch an die Vögel, die sich ganzjährlich in ihrem Garten vergnügen. Aber ist das Füttern von Vögeln notwendig oder schadet man den Tieren damit sogar? Dr. Norbert Schäffer, der Vorsitzende des Landesbund für Vogelschutz in Bayern, basiert seine Antwort auf diese Frage auf den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen: „In den letzten Jahren gab es teilweise hitzige Debatten bezüglich des Für und Wider zur Vogelfütterung. Nach intensiver wissenschaftlicher Betrachtung kommen auch wir vom LBV zu dem Ergebnis, dass Vogelfütterung nicht schadet und somit keinen Nachteil für die Tiere hat.“ Doch das Auslegen von Futter alleine hilft den Vögeln nicht durch das Jahr.

Mut zum wilden Garten

„Man kann so viel Futter auslegen, wie man möchte, jedoch ist die Vogelfütterung nur in einem naturnahen Garten sinnvoll“, so der LBV Vorsitzende. Das bedeutet zum Beispiel den Verzicht auf Chemikalien. „Zu einem naturnahen Garten gehört auch ein bisschen Mut zur Unordnung und Wildnis“, so der studierte Ornithologe, „samentragende Pflanzen auch im Winter stehen, Laub liegen zu lassen – das hilft nicht nur den Vögeln, sondern auch anderen Tieren im Garten.“

Mythen rund ums Vogelfüttern

Von den Vogelfütterungen profitieren übrigens hauptsächlich die klassischen Gartenvögel wie Meisen, Rotkehlchen oder Buchfinken. Gefährdete Arten oder Zugvögel kommen generell nicht in den Genuss dieser zusätzlichen Futterquelle. Auch wenn es unseren Gartenvögeln generell gut geht, so sind handfeste Erkenntnisse der Wissenschaft oft noch unzureichend, wie Dr. Norbert Schäffer erklärt: „Wir wissen mehr über Feldvögel als über unsere Vögel im Garten.“ Dies sei auch ein Grund dafür, warum sich noch immer so viele Mythen um das Thema Vogelfüttern ranken. Eine viel diskutierte Frage ist beispielweise, ob Vögel nur im Winter oder auch durch das ganze Jahr hindurch gefüttert werden sollten.

Kohlmeise an Vogelhaus

Nur im Winter füttern? Wir gehen dem Mythos auf den Grund [Foto: iStock.com/]

Nur im Winter füttern?

„Wir vom LBV halten die Fütterung im gesamten Jahr für vertretbar. Es gibt keinen wissenschaftlich belegbaren Grund, Vögel im Winter zu füttern und im Sommer nicht,“ so der studierte Ornithologe. Studien, die sich mit dem Nahrungsbedarf der Gartenvögel beschäftigen, belegen, dass die Tiere eigentlich im Spätwinter und dann wieder im Juni (wenn sie Jungvögel haben) einen erhöhten Nahrungsbedarf haben. Somit ist die Vogelfütterung speziell im Winter an sich nicht wirklich notwendig, da die wenig bedrohten Arten von der Natur so ausgestattet wurden, auch durch kalte Winter zu kommen.

Der LBV nennt jedoch andere Aspekte, die das Füttern doch sinnvoll erscheinen lassen. „Die Vogelfütterung gibt dem Menschen einen Zugang zur Natur und zur Vogelwelt,“ so Schäffer. Generell gilt das Füttern von Vögeln sogar als die häufigste Interaktionsform zwischen Menschen und wilden Tieren. Dass aus diesem Kontakt heraus ein tieferes Interesse an der Natur- und Tierwelt entsteht, ist die Hoffnung vieler Naturschützer.

Das richtige Futter

Wenn Vögel im eigenen Garten gefüttert werden, gilt es einige generelle Punkte einzuhalten. Als Futter kommen keinesfalls Küchenabfälle in Frage. Auch schimmelnde oder aufquellende Lebensmittel wie Reiskörner oder Kokosflocken sind für die Vögel ungeeignet und sogar gefährlich. Was sich eher eignet? „Klassisches Vogelfutter wie Erdnüsse und Fettfutter sind im Winter ideal,“ rät Dr. Norbert Schäffer, „im Sommer kann man auch getrocknete Insekten anbieten. Sonnenblumenkerne werden das ganze Jahr über gefressen.“ Auch der richtige Standort für eine Futterstelle ist von großer Relevanz.

Vorsicht vor Glas und Katzen

Große Glasflächen bergen die Gefahr, dass die Vögel gegen die Scheibe fliegen, was zu den häufigsten Todesursachen bei Vögeln zählt. Abhilfe schafft, wenn man die Spiegelung der Scheiben außen durchbricht und sie so für Vögel sichtbar macht. Ebenso relevant ist es, Futter so aufzustellen, dass es für Katzen nicht erreichbar ist. „Hängt man das Futter in einen Busch, dann fungiert es eigentlich als Falle für den Vogel, da dieser so viel leichter von einer Katze angegriffen werden kann und es schwerer hat, zu entkommen,“ so Dr. Schäffer vom LBV. Am besten eigne sich eine Futtersäule in der näheren Umgebung eines Busches, der den Vögeln Deckung bei möglichen Attacken von Jägern bietet.

Sauberkeit des Futterbehältnisses

Auch der Faktor Hygiene ist ein relevanter Aspekt, wenn es um das Füttern von Vögeln geht. Futterkästen oder –tische sollten regelmäßig mit heißem Wasser gereinigt werden. Eine Futtersäule bietet sich oft auch deshalb als beste Option an, da die Tiere so das Futter nicht verschmutzen können. „Falls Sie allerdings bemerken sollten, dass Sie kranke Vögel im Garten haben, dann sollten Sie die Fütterung am besten sofort einstellen, damit die Krankheit sich durch die Futterstelle nicht verbreiten kann,“ empfiehlt der Vogel-Experte.

Gartenvogel Paradies

Wer den Vögeln in seinem Garten also ein zu Hause geben möchte, der sollte nicht nur gewisse Regeln bei der Fütterung beachten, sondern vor allem seinen Garten so gestalten, dass er vogelfreundlich ist. „Um den Vögeln eine Art Schutzgebiet zu gewähren, sind Sträucher mit Dornen eine wirklich gute Option,“ so Schäffer, „denn das schützt die Tiere vor allem vor Katzen.“ Denn nur wenn die Vögel sich im Garten sicher und wohlfühlen können, werden sie zusätzliches Nahrungsangebot durch das Füttern wirklich schätzen können.

Tipp: Falls Sie noch mehr zum Thema Vogelfütterung erfahren möchten, können wir Ihnen wärmstens das Buch „Vögel füttern im Garten“ von Dr. Norbert Schäffer empfehlen. Weitere Informationen gibt es außerdem auf der Seite des LBV.

Melissa

Während ihres fast abgeschlossenen Studiums im Bereich Kommunikation und Journalismus hat Melissa bereits in verschiedenen Medienunternehmen hospitiert. In den letzten Jahren interessiert sie sich vor allem für Themen im Bereich gesunder Ernährung und ökologischer Verantwortung, besonders im globalen Kontext.