skip to Main Content

Steingarten anlegen: Ideen, Bilder & Anleitung

Steingärten können sich in Gestaltung und Aufwand unterscheiden. Hier finden Sie Anregungen, eine Anleitung sowie Gewächse für Ihren eigenen Steingarten.

Pflanzen wachsen in Steingarten
Steine sind ein wichtiger Bestandteil vieler Gärten, denn sie erzeugen Atmosphäre [Foto: Ketrin_Ti/ Shutterstock.com]

Hören wir „Steingarten“, denken wir häufig direkt an jene modernen Steinwüsten, die zunehmend in deutschen Vorgärten entstehen. Reichlich Stein in der Gartengestaltung zu verwenden hat jedoch bereits eine viel längere Tradition. Der Grund hierfür liegt im schroffen Flair und teils auch in der Symbolik oder gar spirituellen Aufladung von Gestein: Nicht umsonst gilt Jesus als der „Fels in der Brandung“, lebt der indianische Weltgeist Manitou auch im Stein und lehrt der griechische Halbgott Prometheus die unwissenden Menschlein den Bau fester Steinhäuser. Uns mit Steinen zu umgeben gibt ein Gefühl von Stabilität und Rückhalt – dabei kann die Art der Verwendung jedoch stark variieren.

Steingarten anlegen

Wir möchten Ihnen die drei für uns relevantesten Steingarten-Formen vorstellen und anschließend tiefer in die Gestaltung eintauchen: Sie finden dort eine Anleitung für einen Steingarten sowie eine Auswahl passender Steingarten-Gewächse. 

Steingarten-Gestaltung

Die Spanne der Möglichkeiten ist groß: Vom kalkreichen, alpinen Felsgarten über den japanischen Zen-Garten bis hin zu kargen Vorgärten mit Buchs – Bepflanzung wird alles als Steingarten bezeichnet. Wir stellen drei wichtige, „steinreiche“ Varianten vor.

Der europäische Steingarten

Steingärten verwenden Kies und Steine, um den passenden Standort für eine bestimmte Gruppe von Pflanzen zu bieten. Hier sollen trockenheitsliebende oder alpine Gewächse ein passendes Habitat finden und mit ihrer oft außergewöhnlichen, geradezu skurrilen Optik in Szene gesetzt werden. Trotz der intensiven Verwendung von „totem“ Gestein steht hier also die Pflanze im Mittelpunkt. Mächtige Steinblöcke und Trockensteinmauern schaffen Struktur und verschiedene Kleinklimata vermitteln durch ihre bloße Erscheinung eine besondere Atmosphäre. Durch eine südliche oder südwestliche Ausrichtung, möglichst in Hanglage, werden Trockenheit und Sonneneinstrahlung weiter verstärkt. Die in solchen Gärten gedeihenden Pflanzen werden passenderweise Steingartenpflanzen genannt und umfassen Gattungen, Arten und Sorten verschiedener Naturstandorte mit ähnlichen Bedingungen. Große Steingärten dieser Art lassen sich auch in Deutschland finden, so etwa der Rennsteiggarten in Oberhof im Thüringer Wald und das Alpinum in Rostock.

Steintor in Garten
Im europäischen Steingarten stehen die besonderen Pflanzen im Mittelpunkt [Foto: J Walters/ Shutterstock.com]

Der japanische Zen-Garten

Die umgangssprachlich als Zen-Gärten bezeichneten Kare-san-sui sind japanische Steingärten. Übersetzt bedeutet „Kare-san-sui“ so viel wie „trockene Landschaft“. Die Gärten werden aber auch Kasansui („unechte Landschaft“), Fursansui („alte Landschaft“) oder Arasensui („Trockenteich“) genannt. Sie sind eine Sonderform des japanischen Gartens, bei der vornehmlich Steine, Kies und Felsen verwendet werden und abgesehen von Moosen keine Pflanzen vorkommen. Die Anlage dieser Gärten folgt vielen Regeln und Mustern: Kiesflächen symbolisieren Wasser, Felsen sollen zueinander in einer möglichst natürlich wirkenden Anordnung stehen und in ungerader Anzahl – meist fünf oder sieben – zusammen gruppiert werden. Häufig sind japanische Gärten derart kunstvoll angelegt, dass von jedem Punkt des Gartens aus völlig neue Blickwinkel mit interessanten Details auftauchen und durch geschickte Drapierung der Elemente verschiedene Assoziationen – etwa von Tieren oder Menschen – hervorgerufen werden. Das kunstvolle Strukturieren der Kiesflächen über das Harken dient der Meditation und soll die anderen Gartenelemente hervorheben – praktischerweise hält es die Flächen frei von Unkräutern. Auch andere japanische Gärten enthalten häufig Kiesflächen und Felsen, die jedoch eher Akzente oder Zentren in einem dicht und planvoll bepflanzten Gesamtkonzept sind. Große japanische Gärten findet man in Deutschland zum Beispiel im Botanischen Garten Augsburg und in Kaiserslautern.

Zen-Steingarten mit Kies in Japan
In japanischen Zen-Gärten steht Kies symbolisch für das Wasser [Foto: Komwanix/ Shutterstock.com]

Der Schottergarten

Ein moderner Schottergarten wird aus anderen Gründen angelegt als die zuvor genannten Varianten. Hier werden keine spezialisierten Pflanzen kultiviert und auch meditative Entspannung oder die künstlerische Auseinandersetzung mit den Elementen Stein, Pflanze und Wasser findet man hier nicht. Die Anlagen sind einfach realisiert: Ohne Flächenausrichtung, Wasser, Pflanzflächen und Höhenunterschiede entstehen hier keine besonderen kleinklimatischen Zonen oder unterschiedliche Blickachsen. Eine mit Schotter bedeckte Fläche zieren größere Felsen oder Gabionen, dazu gesellen sich solitäre Sträucher im Formschnitt oder Gräser. Die einfache Gestaltung ist Ausdruck des Wunsches nach Ordnung und geringem Arbeitsaufwand und findet sich daher vor allem in Vorgärten. Diese dienen dem Bewohner des Hauses als Aushängeschild und ein gepflegter Eindruck ist erwünscht – nur ohne den zugehörigen Pflegeaufwand. Leider ist es nicht so, dass ein Schottergarten für immer pflegeleicht bleibt. Unvermeidlich ist der Eintrag von biologischem Material wie Laub oder Staub. So entsteht nach einiger Zeit ein perfekter Nährboden für anspruchslose Wildkräuter. Nun beginnt der Kampf gegen die grüne Invasion, der beständig arbeitsaufwändiger wird. Nach einigen Jahren muss die gesamte Fläche dann teuer erneuert werde. Der Einsatz von Herbiziden auf befestigten Flächen ist untersagt und es drohen Strafen von bis zu 50.000 Euro – zum Schutz von Mensch, Tier, Boden und Grundwasser.

Steingarten gestalten

Die oben beschriebenen europäischen Steingärten stellen einen besonderen Lebensraum dar und sind damit ökologisch äußerst wertvoll. Sie bieten eine Nische für Lebewesen, die es heiß, nährstoffarm und trocken mögen und brauchen. In Zeiten des teils übermäßigen Eintrages von Dünger in unsere Umwelt über Abwässer von landwirtschaftlichen Flächen oder über belastetes Grundwasser sind nährstoffarme Magerflächen selten geworden und auch trockene Standorte werden land- oder forstwirtschaftlich verwendet und mit allen verfügbaren Mitteln für uns nutzbar gemacht. Auf der Strecke bleiben angepasste Spezialisten wie Eidechsen, Sandbienen, Disteln, Nelken oder die selten anzutreffende Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris). Durch die naturnahe Anlage eines Steingartens schaffen Sie eine pflegeleichte und wertvolle Fläche. Diese muss nicht zwangsläufig Ihren gesamten Garten einnehmen – auch kleine Bereiche können schon etwas bewirken, wenn sie sorgfältig angelegt werden.

Kräuter wachsen in Steinspirale
Bereits die Anlage einer kleinen Kräuterspirale schafft völlig neue Zonen für spezielle Pflanzen [Foto: Marian Klerx/ Shutterstock.com]

Anleitung für einen Steingarten

Leider genügt es nicht, etwas Gestein zu verteilen und besondere Pflanzen zu beschaffen. Eine Fachfirma hat die nötigen Kompetenzen, um einen Steingarten professionell anzulegen. Wollen Sie selbst eine etwas einfachere Version eines Steinbeetes herstellen, gehen Sie wie folgt vor.

Vorbereitung zum Anlegen eines Steingartens:

  • Den richtigen Standort auswählen: Er sollte ganztägig in voller Sonne liegen und im Optimalfall nach Süden abfallen. Grob waagerechte Flächen können vorteilhaft modelliert werden, ausgeprägte Senken sind jedoch eher ungeeignet für einen klassischen Steingarten.
  • Den anliegenden Boden einschätzen: Er ist optimal, wenn er gut durchlässig und nährstoffarm ist. Ist Ihr Boden durchgängig sehr tonig oder neigt er zur Staunässe durch eine wasserundurchlässige Mineralschicht in größeren Bodentiefen, müsste vor der Anlage eines Steingartens eventuell mehr Boden ausgetauscht und auf jeden Fall eine Drainageschicht eingebaut werden.

Steingarten anlegen in 8 Schritten:

  1. Legen Sie in einem grob maßstabsgetreuen Plan fest, welche Elemente sich wo befinden sollen. Auf diese Weise können Sie das zu beschaffende Material besser planen.
  2. Auf der gesamten Fläche des zukünftigen Steingartens werden nun 30 bis 50 cm des Untergrunds ausgekoffert, wobei ein Gefälle nach Süden angelegt werden kann. (Dieser Schritt entfällt, wenn Sie bereits einen besonders durchlässigen, nährstoffarmen Boden besitzen. In diesem Fall wird der Untergrund möglichst tief gelockert und nach Bedarf modelliert.)
  3. Pflanzen und Wurzeln werden gründlich aus der Fläche entfernt.
  4. Um das Eindringen der umliegenden Bepflanzung in den Steingarten-Bereich zu verhindern, ist der Abschluss der Fläche mit einer gepflasterten Kante – ähnlich einer Mähkante – empfehlenswert.
  5. Um die Wasserdurchlässigkeit zu fördern, kann nun eine Drainageschicht eingebaut werden. 10 bis 20 cm Sand, Kies, Ziegelsplitt oder ein anderes durchlässiges Material werden dafür eingebaut. Dabei können bereits Hügel oder andere Formen entstehen. Wollen Sie später sehr große Steine einsetzen, sollten Sie für diese Mulden anlegen.
  6. Der Untergrund bzw. die Drainageschicht können mit einem Unkraut-Vlies abgedeckt werden, um eventuelle Wurzelunkräuter aus der Fläche auszugrenzen.
  7. Nun werden das Pflanzsubstrat und große Steine verteilt. Letztere sollten zu etwa einem Drittel in der Fläche eingesenkt sein. Als Pflanzsubstrat eignet sich eine Mischung aus Sand, Kies, Splitt und Boden, gemischt ungefähr zu gleichen Anteilen. Zum Mischen können Sie einen Betonmischer nutzen, wenn Sie große Mengen benötigen. Modellieren Sie das Gelände beim Einbau des Substrates nach Ihren Wünschen.
  8. Schlussendlich werden nun auch kleinere Steine etwas oberflächlicher verteilt, Trockensteinmauern können gesetzt und Trittsteine drapiert werden, Kräuterspiralen werden errichtet oder steinerne Bänke aufgestellt.
Gelbe Blumen wachsen in Trockensteinmauer
Trockensteinmauern heißen so, weil sie trocken – also ohne Mörtel – aufgesetzt werden [Foto: Persuasivecomm.com/ Shutterstock.com]

Steingarten-Gewächse: Die richtige Bepflanzung

Bei der Bepflanzung des Steingartens wählen Sie Pflanzen aus dem Lebensbereich „Steinanlagen“ (St) aus. Diese sind weiterhin unterteilt in die Bereiche „Felssteppen“ (FS), flachgründige „Felsmatten“ (M), Steinfugen (SF) und Mauerkrone (MK). Die Einteilung von Pflanzen in solche Lebensbereiche erleichtert die Verwendung, Sie können in Gärtnereien und im Versandhandel gezielt nach den jeweiligen Kategorien suchen und finden sicher Pflanzen, die in Ihrem Steinbeet gedeihen können. Nachfolgend finden Sie eine Tabelle mit Beispielpflanzen für alle genannten Lebensbereiche.

LebensbereichBeschreibungPflanzen
Steinanlagen (St)Pflanzen für den Lebensbereich „Steinanlagen“ fühlen sich in allen folgenden Unterkategorien wohlStachelnüsschen (Acaena microphylla),
Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis),
Kaukasische Gänsekresse (Arabis caucasica),
Alpen-Aster (Aster alpinus),
Kalk-Aster (Aster amellus),
Dalmatiner Glockenblume (Campanula portenschlagiana), Garten-Silberwurz (Dryas x suendermannii),
Walzen Wolfsmilch (Euphorbia mysinites),
Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris subsp. vulgaris)
Felssteppe (FS)Steiniger, mit Felsen durchsetzter, durchlässiger und tiefgründiger BodenFrühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis),
Perlkörbchen (Anaphalis triplinervis),
Grasnelke (Armeria maritima),
Mittelmeer-Junkerlilie (Asphodeline lutea),
Alpen-Aster (Aster alpinus),
Schnecken-Wiesenknöterich (Bistorta affinis)
Felsmatten (M)Flache Bodenschicht über Felsen und größeren SteinenKatzenpfötchen (Antennaria dioica),
Kaukasische Gänsekresse (Arabis caucasica),
Alpen-Aster (Aster alpinus),
Kalk-Aster (Aster amellus),
Garten-Silberwurz (Dryas x suendermannii),
Schwertblättriger Alant (Inula ensifolia)
Steinfugen (SF)Mit wenig Substrat gefüllte Fugen zwischen Steinen in Steinhaufen oder MauernKaukasische Gänsekresse (Arabis caucasica),
Rote Spornblume (Centranthus ruber),
Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia mysinites),
Teppich-Schleierkraut (Gypsophila repens),
Sonnenröschen (Helianthemum nummularium)
Mauerkrone (MK)Sonnenexponierte, erhöhte Lage auf Mauern oder SteinhaufenKaukasische Gänsekresse (Arabis caucasica),
Blaukissen (Aubrieta 'Blaumeise'),
Felsen-Steinkresse (Aurinia saxatilis),
Garten-Federnelke (Dianthus plumarius),
Garten-Silberwurz (Dryas x suendermannii),
Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia mysinites),
Teppich-Schleierkraut (Gypsophila repens)

Eine bebilderte Vorstellung unserer Top 10 der Steingartenpflanzen finden Sie hier.

Tipp: Wildkräuter sind in bepflanzten Steingärten zwar ebenso unwillkommen wie in kargen Schottergärten, sie haben es jedoch sehr viel schwerer aufzulaufen, wenn sich bereits eine erwünschte Bepflanzung im Beet breitgemacht hat. Auch können Sie wachsendes Kraut eine Weile beobachten. Wegen der besonderen Bedingungen, die Sie geschaffen haben, siedeln sich vielleicht statt der klassischen Unkräuter interessante, an Trockenheit angepasste Sonderlinge an wie der Reiherschnabel (Erodium cicutarium) oder die Weiße Lichtnelke (Silene latifolia[).

Weitere Informationen zum Steingarten finden Sie außerdem in diesem Artikel.

Back To Top