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Steingarten: Probleme & Alternativen zu Schottergärten

Steine erzeugen eine besondere Atmosphäre im Garten. Schottergärten treiben ihre Verwendung noch auf die Spitze. Wir stellen Ihnen alles zum Thema vor.

Schottergarten mit hellem und schwarzem Kies und kleinen Büschen
Viel Stein, wenig Grün: Moderne Schottergärten kommen fast ohne Pflanzen aus [Foto: U.J. Alexander/ Shutterstock.com]

Wir beschäftigen uns im Folgenden mit einem Phänomen, das ein Teil der Gartenbesitzer als modern, andere als einfach nur scheußlich bezeichnen würden: Es geht um die sogenannten Schottergärten. An ihnen entzündet sich so manches Gespräch, denn eines ist klar: Man ist entweder für die Steinwüste oder dagegen. Wir gehen diesem Trend nachfolgend auf den Grund.

Steingarten

Welche Vorteile Schottergärten mutmaßlich mit sich bringen, warum sie momentan so beliebt sind und was umweltbewusste Kritiker von ihnen halten, erfahren Sie im Folgenden. Da das Verbot von geschotterten Freiflächen vielerorts im Raum steht, erklären wir am Ende dieses Artikels, wie Sie auch einen grünen Garten pflegeleicht halten können.

Was sind Steingärten?

Um eventuelle Missverständnisse auszuräumen: Steine werden vielfach in der Gartengestaltung eingesetzt und die entstehenden Gärten können sich sehr stark unterscheiden. Hier soll es nun um den modernen Schottergarten gehen. Die als Schottergarten bezeichnete Art der Gartengestaltung dient im Gegensatz zu anderen Steingarten-Varianten weder der Kultivierung besonderer Pflanzen noch der meditativen Entspannung oder künstlerisch-spirituellen Auseinandersetzung mit dem Element Stein. Schottergärten sind absichtlich sehr einfach gehalten. Auf Höhenunterschiede, Flächenausrichtung, Wasser oder Pflanzflächen wird verzichtet. Auf einer mit Schotter bedeckten Fläche finden sich mehrere größere Felsen und vereinzelte Gräser oder Sträucher, Letztere meist in Formschnitt. Der Grund für die Anlage eines solchen Garten ist nicht selten der Wunsch nach einer sauberen und ordentlichen Optik und die gleichzeitige Erwartung eines minimalen Pflegeaufwands. Aus diesem Grund werden vor allem Vorgärten gern als Schottergarten gestaltet.

Wenn Sie mehr über andere Arten von Steingärten erfahren möchten, können Sie hier weiterlesen.

Schottergarten mit Buchs in Formschnitt und Pflastersteinen
Bloß keine Unordnung: Der Schottergarten-Besitzer mag es aufgeräumt [Foto: U.J. Alexander/ Shutterstock.com]

Warum liegen Schottergärten im Trend?

Wie in vielen Bereichen sind auch im Garten eindeutige Moden zu beobachten. Häufig sind diese sogar an die aktuelle Kleider- und Möbelmode angelehnt. So wie derzeitig moderne, schlichte Hochglanzmöbel in viele Wohnräume einziehen, wünscht sich manch einer vor seinem Haus eine aufgeräumte, klare und moderne Optik, die möglichst wenig Arbeit macht und dem Besitzer womöglich als Aushängeschild dient. Und während ein Rasen vor dem Haus regelmäßig gepflegt und eine stimmige Bepflanzung mit Bedacht zusammengestellt werden will, soll die Schotterfläche vor dem Haus von der Planung bis zur Pflege möglichst wenig Arbeit machen. Wittern Baumärkte und Fachfirmen einen solchen Trend, bieten viele gern passende Produkte und Dienstleistungen an, um auch etwas daran zu verdienen. Auf diese Weise multipliziert sich ein Gartentrend, vor allem, wenn er vor dem Haus ausgelebt wird, wo ihn jeder sehen kann.

Schottergarten mit Gambione
Schottergärten werden passenderweise oft in Kombination mit Gabionen angelegt [Foto: ThomBal/ Shutterstock.com]

Was gibt es bei Steingärten zu beachten?

Leider werden die Hoffnungen der modernen Vorgartengestalter fast immer enttäuscht. Denn tatsächlich bleibt die Pflegeleichtigkeit eines Schottergartens bei uns nie lange erhalten. Neben dem häufig auftretenden grünen Algenwuchs füllen sich durch den Eintrag von Laub oder anderem biologischen Material die Zwischenräume der Steine zusehends und nach wenigen Jahren ist ein Eldorado für Wildkräuter entstanden. Wer diese nicht wuchern lassen möchte, muss nach einigen weiteren Jahren des regelmäßigen Kampfes gegen die grüne Flut dann den gesamten Bereich erneuern lassen – oder greift direkt zum Totalherbizid. Ob die Ausbringung von Herbiziden auf geschotterten Flächen überhaupt erlaubt ist, ist nicht ganz klar. Vermutlich gilt eine Schotterfläche als befestigte Oberfläche und somit könnte das Ausbringen von Herbiziden oder sogar Haushaltsessig mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Diese scheinbar viel zu hohe Summe hat triftige Gründe: Sie soll Menschen, Haus- und Wildtiere, Pflanzen sowie Boden und Grundwasser vor dem Eintrag von Umweltgiften schützen. Zu den Problemen, die sich mit den Jahren regelrecht in den Fugen des Schotters anhäufen, kommt hinzu, dass die Anlage eines Schottergartens mit geringster oder gar keiner Bepflanzung in fast ganz Deutschland faktisch verboten ist, wie Sie direkt im Anschluss erfahren werden.

Kiesboden mit Unkraut
Meist dauert es nicht lange, bis sich im Steinbeet anspruchslose Wildkräuter ansiedeln [Foto: Iris photo/ Shutterstock.com]

Gibt es bald ein Verbot für Steingärten?

Wenn von einem Verbot von Steingärten gesprochen wird, sind die kaum bepflanzten Schottergärten und theoretisch auch die ebenso wenig bewachsenen Zen-Gärten gemeint. Beide beheimaten nur wenige, ausgewählte Pflanzen, bieten Tieren keine Verstecke und Insekten keine Nahrung, zudem heizen sie sich im Sommer so stark auf, dass regelrechte Todeszonen für alles Lebendige entstehen. Allerdings braucht es gar nicht unbedingt ein neues Verbot, um die Schottergärten für rechtswidrig zu erklären, denn tatsächlich sind sie in fast ganz Deutschland ohnehin nicht zulässig. Abgesehen von Sachsen-Anhalt und Bremen legen alle deutschen Bundesländer in ihrer Bauordnung fest, dass nicht überbaute Flächen begrünt werden müssen. Nur zweckmäßige Befestigungen wie Einfahrten oder Wege sind von dieser Regelung ausgenommen. Bremen verbietet stattdessen eine Verunstaltung von nicht überbauten Freiflächen, womit die allermeisten Schottergärten auch im kleinen Stadtstaat nicht zulässig sein dürften. Die bestehenden Regelungen werden von etlichen Grundstücksbesitzern allerdings schlicht ignoriert und auch ausführende Firmen weisen nicht auf den Verstoß gegen die geltende Bauordnung hin. Das konsequente Durchsetzen der bestehenden Regelung durch die jeweilige Landesregierung sollte eigentlich selbstverständlich sein, dient sie doch dem Erhalt wertvoller Naturräume in Baugebieten.

Pflegeleichte Alternativen zu Steingärten

Richtig angelegt und mit speziellen Pflanzen besetzt kann ein Steingarten ein Paradies für selten gewordene, faszinierende Pflanzen und Tiere sein. Allerdings ist die Anlage eines bepflanzten Steingartens verglichen mit der eines Schottergartens anfangs recht aufwändig. Wir möchten Ihnen daher ein paar Tipps an die Hand geben, die Sie bei der Anlage eines grünen, pflegeleichten Gartens weiterbringen werden.

  1. Am Anfang steht der Plan: Um eine Fläche von vorherein strukturiert und sauber anzulegen, sollten Sie selbst oder jemand, der Ihnen kompetent zur Seite steht, einen einfachen Plan entwerfen, in dem Elemente des Gartens eingezeichnet sind: Beete, Wege, Rasen- und Pflasterflächen werden eingetragen oder neu festgelegt. Sich an diesen Plan zu halten hilft, sich nicht mit dem Pflanzeneinkauf oder anderen Handlungen zu verfranzen.
  2. Die Fläche mithilfe von Kanten aus Pflasterstein oder anderem Material klar zu strukturieren hilft ungemein, denn so wachsen verschiedene Bereiche nicht so leicht ineinander
  3. Kaum einer glaubt es, doch es ist leider wahr: Rasenflächen machen insgesamt viel mehr Arbeit als dichte Pflanzflächen. Wollen Sie in den wüchsigen Jahreszeiten nicht wöchentlich mähen, sollten Sie die obligatorische große Rasenfläche also zur Diskussion stellen.
  4. Wählen Sie Pflanzen planvoll aus und lassen Sie sich dabei möglichst sogar beraten. Die falsche Wahl oder Verwendung von Pflanzen führt schnell zu Frust, verschwendet Geld und macht Arbeit. Am besten wenden Sie sich direkt an eine Produktionsgärtnerei und beachten die Hinweise zu Standortwahl, späterer Wuchsgröße und Geselligkeit der Pflanzen ganz genau. Auch Fachbücher können Ihnen hier weiterhelfen. Verwenden Sie insgesamt nicht zu viele verschiedene Pflanzen – das spart viel Arbeit und macht später einen aufgeräumteren Eindruck.
  5. Kaufen Sie Pflanzen direkt bei Fachgärtnereien: Viele Gartencenter oder sogar Baumärkte haben zwar ein buntes Sortiment, oft jedoch schlechte Qualitäten oder vertreiben anfällige Sorten, die ohne perfekte Bedingungen und Pflanzenschutzmittel in Ihrem Garten anfällig und unansehnlich werden können.
  6. Durch nachhaltiges Gärtnern oder die Anlage eines Naturgartens fördern Sie die Kräfte der Natur in Ihrem Garten: Nützlinge nehmen sich der Schädlinge an, Mulch hält den Boden feucht, Bodenorganismen sorgen für eine gute Nachlieferung von Nährstoffen. Je mehr die Natur selbst übernimmt, umso weniger Arbeit haben Sie.
Bepflanzter Steingarten mit Amphore
Bepflanzte Steingärten sind in ihrem ökologischen Wert einem Schottergarten weit voraus [Foto: nikashmeleva/ Shutterstock.com]

Wenn Sie sich an diesen Tipps orientieren, kann ein Vorgarten auch ohne Steinwüsten-Charakter zu einem pflegeleichten und sogar ökologisch wertvollen Stück Boden werden. Naturschutz im eigenen Garten muss also weder teurer noch pflegeintensiver oder aufwändiger sein als ein – hoffentlich – sehr bald nicht mehr „modischer“ Schottergarten.

Weitere Informationen zum Thema Naturschutz im Garten finden Sie hier.

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