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Stevia: Umweltgift oder grüne Süße?

Das Süßkraut Stevia hat in den letzten Jahren einen Hype ausgelöst. Zwar süßt das ungiftige Kraut ohne Kalorien, jedoch ist die Herstellung problematisch.

 Stevia rebaudiana Blätter

Stevia rebaudiana hat saftig grüne Blätter und schmeckt intensiv süß. [Foto: Forest and Kim StarrCC BY 2.0]

Es existieren rund 200 verschiedene Arten der süd- und mittelamerikanischen Pflanzengattung der Stevia. Insbesondere wird sich aber eine dieser Arten künftig zu einer größeren gesundheitlichen und wirtschaftlichen Bedeutung entwickeln. Denn die aus Gegenden des heutigen Paraguay stammende Stevia rebaudiana bertoni enthält sehr viele Süßstoffe, um ein vielfaches stärker als handelsüblicher Zucker. Sie wird deshalb auch als Süß- oder Honigkraut bezeichnet.

Entdeckung/Geschichte

Benannt ist diese Pflanzengattung nach dem spanischen Mediziner Pedro Jaime Esteve (*1500-†1556, Santa Mateu del Maestrat, Spanien). Nach seinem Studium in Valencia, Montpellier und Paris kehrte er nach Valencia zurück und war dort bis zu seinem Tod als Professor tätig. Während sich der Name der Gattung also auf Herrn Esteve zurückführen lässt, leitet sich der Name der Art vom paraguayischen Chemiker Ovid O. Rebaudi ab. Rebaudi analysierte um 1900 erstmals die enthaltenen Süßstoffe und wies nach, dass es sich um eine neuartige, bis dahin nicht bekannte Substanz handelte.

Ernährungswissenschaftliche Kontroverse

Seit alters her wurden die Süßstoffe von den Guarani Indianern genutzt. Diese waren jedoch bis 2011 von der EU als Lebensmittelzusatz nicht zugelassen. Entgegen der häufigen Behauptung ist Stevia an sich nicht giftig. Der in dem Honigkraut enthaltene Süßstoff, der vom Menschen aber nicht verdaut wird, ist um ein hundertfaches süßer als konventioneller Zucker. Somit muss sich die Stevia als Zuckerersatz für keine weiteren Kalorien in Lebensmitteln verantworten. Auch kariesfördernd wirkt die Süße nicht, da die entsprechenden Bakterien sie nicht angreifen können.
Dem gegenüber stehen allerdings die Beobachtungen von Forschern an Ratten. Bei hoher Konzentration des Süßstoffes der Pflanze wiesen die Tiere Anzeichen von Unverträglichkeit auf. Ebenso nahm die Fruchtbarkeit der weiblichen Ratten teils ab. Es ist jedoch noch unklar, ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen.

getrocknete Steviablätter

Um Stevia haltbar zu machen oder den Süßstoff zu extrahieren, werden die Blätter getrocknet. [Foto: Irene KnightleyCC BY-SA 2.0]

Gewinnung des Süßstoffes

Die Naturform des Honigkrauts schmeckt entgegen ihres namens nicht nach Honig, sondern eher holzig und leicht bitter. Das liegt daran, dass die in ihr enthaltenen Süßstoffe nur rund fünf Prozent ausmachen. Eine Zuckerrübe enthält im Vergleich dazu um die 20 Prozent. Um derart konzentriert wie im Handel angeboten werden zu können, muss der Süßstoff also aus dem Kraut extrahiert und angereichert werden. Dieser Prozess vernichtet nicht nur ungefähr 90 Prozent aller Inhaltsstoffe, sondern ist auch hoch chemisch. Hauptproduzent für Stevia Süßstoffe ist die Volksrepublik China. Um den Süßstoff herauszulösen werden umweltbedenkliche Aluminiumsalze eingesetzt, die -wenn nicht korrekt entsorgt- schädliche Säurereaktionen in Verbindung mit vielen tierischen Proteinen auslösen oder Ackerböden versauern. Dies führt unter anderem dazu, dass es Stevia-Süßstoffe nicht mit Bio-Siegel gibt. Auch die Werbung für Stevia als grüner und natürlichen Zuckerersatz stand in der Kritik.

Anbau von Stevia

Die nicht winterharte Pflanze kann in den Sommermonaten in Deutschland kultiviert werden. Die Pflanze ist resistent gegenüber Schädlingen und Krankheiten.

Weitere nützliche Informationen zum Nachschlagen:

Is Stevia an ‘FDA approved’ sweetener? www.fda.gov

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