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Warum zwitschern Vögel? Gründe, Tages- und Jahreszeiten & mehr

Vogelgesang ist ein akustisches Meisterwerk. Doch warum singen Vögel eigentlich? Und wieso zwitschern manche Vögel morgens, andere wiederum abends oder nachts? Die Gründe klären wir in diesem Artikel.

singendes Blaukehlchen
Blaukehlchen gehören zu den klassischen Singvögeln [Foto: AlekseyKarpenko/ Shutterstock.com]

Was kann mehr Freude bringen als ein vielstimmiges Vogelkonzert an einem Sommermorgen? Die lebendigen und frühlingshaften Töne zeigen oft den Start in einen besonders schönen und sonnigen Tag an. Aber warum genau zwitschern Vögel eigentlich? Sicherlich nicht für unser Vergnügen – auch, wenn dies natürlich ein willkommener Nebeneffekt ist. Warum hört man außerdem so viele Vögel am frühen Morgen und nur wenige am Abend oder in der Nacht? Und was hat es mit Vogelstimmen im Winter auf sich? Haben diese etwa einen anderen Zweck als der Gesang im Frühjahr? All diese Fragen möchten wir Ihnen in unserem Infoartikel beantworten.

Warum zwitschern Vögel?

Grundsätzlich handelt es sich bei Vogelstimmen um eine Form der Kommunikation. Manche Arten besitzen nur eine oder wenige Vogelstimmen, während andere sich eines breiten Spektrums an Tönen und Melodien bedienen. Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwischen dem Gesang der Vögel – dieser besteht häufig aus einer melodischen Strophe – und mehreren Rufen, die sich meist nur aus kurzen Lauten zusammensetzen.

Der Vogelgesang ist hauptsächlich zur Brutzeit zu hören, denn er dient der Absteckung eines Reviers sowie der Anlockung eines Brutpartners. Bei den meisten Vögeln singen nur die Männchen, die sich durch ein erkämpftes Revier und einen ausdrucksstarken Gesang die Gunst eines Weibchens erhoffen.

Vogelrufe können dagegen weit kompliziertere Bedeutungen haben, über die sich selbst vogelkundliche Wissenschaftler nicht immer einig sind. Es gibt Kontaktrufe, mit denen sich verwandte Vögel gegenseitig erkennen können, Bettelrufe, die die Jungtiere ausstoßen, um von ihren Eltern Nahrung zu bekommen, und auch spezielle Warnrufe, die bei Gefahr ausgestoßen werden, um zum Beispiel Artgenossen vor Räubern zu warnen.

männlicher und weiblicher Buchfink
Männliche Vögel singen, um eine Partnerin anzulocken [Foto: Izzy Standbridge/ Shutterstock.com]

Wieso singen Vögel morgens oder abends?

Die meisten Vögel singen in den frühen Morgenstunden. Wieso genau diese Zeit so vorteilhaft ist, wird in der Wissenschaft schon länger diskutiert und könnte mehrere Ursachen haben:

1. Zum einen kann sich der Schall am Morgen besser ausbreiten, da es weniger Wind und andere Luftbewegungen gibt als zu späteren Tageszeiten. Die Vögel haben daher die Möglichkeit, ihre Stimmen weiter tragen zu lassen.

2. Eine andere Theorie besagt, dass Vögel in der Morgendämmerung schlechter nach Nahrung suchen können, da es an Licht und Wärme mangelt. Besonders insektenfressende Vögel müssen häufig etwas warten, bis ihre Beute aktiv wird. Daher können sie die Zeit am Morgen zum ausgiebigen Singen nutzen.

3. Eine letzte Begründung für den morgendlichen Gesang hängt mit dem Hormon Melatonin zusammen, welches – genau wie bei uns Menschen – die innere Uhr der Tiere steuert und die Vögel am frühen Morgen zu ihrer Gesangsaktivität anregt. Grundsätzlich macht es jedoch keinen Sinn, wenn alle Vögel auf einmal singen, selbst wenn es einen perfekten Zeitpunkt dafür gibt – denn sonst würden sich die Gesänge zu stark überlagern und niemand könnte sich mehr Gehör verschaffen. Deshalb haben sich manche Vögel auch angewöhnt, in den Abendstunden oder in der Nacht zu singen. Und selbst in den Morgenstunden stimmen die unterschiedlichen Vogelarten zu verschiedenen Uhrzeiten ihren Gesang an. So singt der Gartenrotschwanz zum Beispiel bereits anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang, während Buchfink und Grünfink erst mit den ersten Sonnenstrahlen ihr Lied anstimmen. Dieses Phänomen wird auch als die „Vogeluhr“ bezeichnet.

singender Gartenrotschwanz
Der Gartenrotschwanz ist im wahrsten Sinne ein „früher Vogel“ [Foto: Frank Fichtmueller/ Shutterstock.com]

Hinweis: Mehr zum Thema „nachtaktive Vögel“ erfahren Sie in unserem Spezialartikel.

Wieso zwitschern Vögel in unterschiedlichen Jahreszeiten?

Da die Balz- und Brutzeit – und damit die Hauptgründe für den Gesang – im Spätjahr zu Ende gehen, scheint die Vogelwelt ab August etwas zu verstummen. Viele unserer heimischen Zugvögel verlassen dann ihre Brutgebiete und kehren erst im Frühjahr wieder zu uns zurück. Von den übrig gebliebenen Standvögeln und Strichvögeln fangen einige Arten jedoch im Herbst wieder an zu singen und können auch noch bis in den tiefsten Winter zu hören sein. Dieser Wintergesang dient zur Absteckung von Nahrungsrevieren, die meist etwas großräumiger sind als die sommerlichen Brutreviere. Die Vögel sichern sich auf diese Weise Nahrungsgründe in der kargen Winterlandschaft.

singendes Rotkehlchen im Winter
Rotkehlchen singen auch im Winter noch [Foto: Cliff Day/ Shutterstock.com]

Hinweis: Wer sich als Anfänger einige Vogelstimmen aneignen möchte, tut gut daran, damit in den Wintermonaten anzufangen. Da in dieser Zeit nur wenige Vögel singen, kann man sich langsam an das Thema herantasten und im Verlauf des Frühjahrs langsam mehr und mehr Stimmen in sein Repertoire aufnehmen. Noch mehr praktische Tipps zum Einstieg in die Vogelbeobachtung finden Sie in unserem Spezialartikel.

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