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Zugvögel: Routen, Zeitplan & Liste heimischer Zugvogelarten

Wieso ziehen manche Vögel in den Süden und andere nicht? Wo genau überwintern mitteleuropäische Zugvögel? Und wann kehren sie zurück? Antworten auf diese und weitere Fragen, anregende Bilder und spannende Fakten finden Sie hier bei uns.

Vogelzug der Kraniche
Wohin ziehen diese Kraniche wohl? [Foto: Sergey Uryadnikov/ Shutterstock.com]

Wenn sich nach der Brutzeit im Sommer die Vögel zurückziehen und ihr Gesang nicht mehr so vielstimmig und fröhlich ertönt wie im Frühjahr, ist auch für viele Vogelfreunde die Saison erst einmal beendet. Das heißt, zumindest bis die kalten Herbstwinde aufziehen und ein ganz neues Vogelschauspiel mit sich bringen: Auf einmal sammeln sich große Gruppen von Vögeln auf Feldern und Bäumen und riesige Schwärme ziehen über den Himmel. Diese Vögel bereiten sich auf meist sehr lange Reisen vor – denn unsere Winter sind kalt und karg und bieten vielen Vogelarten nicht das nötige Nahrungsangebot, um sie bis zum Frühjahr durchzubringen. Aus diesem Grund verlassen diese Vögel ihre Brutgebiete und machen sich auf in den Süden. Wohin unsere heimischen Zugvögel ziehen, wann sie wieder zu uns zurückkommen und welche Gefahren auf ihrer langen Reise lauern, möchten wir Ihnen nun etwas genauer erklären.

Zugvögel: Steckbrief und Definition

Als Zugvögel bezeichnet man diejenigen Vogelarten, die regelmäßig ihre Brutgebiete verlassen, sich außerhalb der Brutsaison in speziellen Winterquartieren aufhalten und anschließend wieder zurückkehren. Häufig handelt es sich dabei um Insektenfresser wie zum Beispiel Schwalben oder Grasmücken, die bei uns im Winter schlicht und einfach keine Nahrung vorfinden. Aber auch für andere Vogelarten hat der mitteleuropäische Winter nicht viel zu bieten und zwingt diese ebenfalls in den Süden – es reicht ganz einfach nicht für alle.

Das Gegenteil der Zugvögel sind die sogenannten Standvögel, die tatsächlich das ganze Jahr über in ihren Brutgebieten ausharren und mit dem auskommen, was die karge Winterlandschaft zu bieten hat. Zu unseren heimischen Standvögeln in Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen Teilen Mitteleuropas zählen zum Beispiel das Rotkehlchen, die Tannenmeise oder der Buntspecht.

Rotkehlchen im Winter
Das Rotkehlchen ist bei uns ein Standvogel [Foto: Iain Clyne/ Shutterstock.com]

Wie orientieren sich Zugvögel?

Wie genau Zugvögel ihren Weg in den Süden finden, war lange Zeit eine spannende Frage in der Wissenschaft. Es wurde schon früh festgestellt, dass das Zugverhalten bei vielen Arten angeboren ist und auch isoliert gehaltene Tiere genau wissen, wo sie hin müssen. Es wurde eine Art innerer Kompass entdeckt, mit dem Vögel den Neigungswinkel des Erdmagnetfeldes wahrnehmen können. Weitere Orientierungsmethoden sind außerdem Landmarken, die die Vögel erlernen können, sowie der Stand der Sterne und der Sonne. Letzteren können Vögel dank ihrer Fähigkeit, UV-Licht wahrzunehmen, sogar bei bewölktem Himmel noch bestimmen.

Vogelzug der Störche
Vögel können sich zum Beispiel am Stand der Sonne orientieren [Foto: photomaster/ Shutterstock.com]

Flugrouten: Wohin fliegen unsere heimischen Zugvögel?

Natürlich stellt sich jetzt die Frage, wohin unsere heimischen Zugvögel denn ziehen, wenn sie uns verlassen. Leider kann dies nicht so leicht beantwortet werden, denn die Flugrouten und die Winterquartiere variieren zwischen den einzelnen Vogelarten. Manche Vögel fliegen lediglich in etwas südlicher gelegene Regionen, andere legen eine halbe Weltreise zurück und wieder andere ziehen nur unter bestimmten Umständen. Zur Vereinfachung werden Zugvögel daher in Kurz- bis Mittelstreckenzieher, Langstreckenzieher und Teilzieher eingeteilt. Im Folgenden erfahren Sie, was man sich unter diesen Bezeichnungen vorstellen kann und welche unserer heimischen Zugvögel darunter gelistet werden.

Langstreckenzieher

Wie der Name bereits vermuten lässt, sind Langstreckenzieher Vögel, die besonders lange Strecken während des Vogelzugs zurücklegen. Viele tausend Kilometer liegen die Überwinterungsquartiere meist von den Brutgebieten entfernt. Die Zugvögel fliegen aus Deutschland und anderen Teilen Europas nach Süden über das Mittelmeer, entlang der afrikanischen Atlantikküste und teilweise sogar über die Wüste hinweg, bis sie sich schließlich südlich der Sahara niederlassen.

Ein Paradebeispiel für Langstreckenzieher sind Mauersegler, die etwa die Hälfte des Jahres auf Wanderung sind und nur jeweils drei Monate in ihren Brut- und Überwinterungsgebieten verbringen. Die Segler sind perfekt an das Leben in der Luft angepasst und können sogar während des Flugs schlafen.

Die flugbegabten Mauersegler sind an ihren sichelförmigen Flügeln erkennbar [Foto: Gallinago_media/ Shutterstock.com]

Weitere bekannte Langstreckenzieher sind:

Kurz- bis Mittelstreckenzieher

Als Kurzstreckenzieher oder Mittelstreckenzieher werden dagegen Vogelarten bezeichnet, die selten mehr als 2000 Kilometer zurücklegen, um in ihre Winterquartiere zu gelangen. Diese liegen für unsere heimischen Zugvögel hauptsächlich im Mittelmeerraum. Die meisten Arten bleiben außerdem in Südeuropa; nur wenige überqueren tatsächlich das Mittelmeer und überwintern im nördlichen Afrika. Manche Kurz- oder Mittelstreckenzieher verbringen den Winter auch in milden Teilen Westeuropas.

Sehr bekannte Mittelstreckenzieher sind zum Beispiel Stare, die riesige Schwärme mit mehreren hunderttausend Individuen bilden können und mit ihren imposanten Formationen ein wahres Naturschauspiel bieten.

Star in Formation
Stare bilden sehr beeindruckende Schwarmformationen [Foto: Albert Beukhof/ Shutterstock.com]

Weitere heimische Kurz- und Mittelstreckenzieher sind außerdem:

Teilzieher

Vogelzug ist jedoch nicht immer obligatorisch. Manche Vogelarten sind bei uns sogenannte Teilzieher, die teilweise Standvögel und teilweise Zugvögel sind. Beim Stieglitz zum Beispiel bleibt ein Teil der mitteleuropäischen Populationen in ihren Brutgebieten, während andere in Westeuropa überwintern. Beim Buchfink dagegen ist Vogelzug hauptsächlich Frauensache: Während die Weibchen sich im Winter in mildere Regionen begeben, bleiben die Männchen meist in den Brutgebieten zurück und bilden dort kleinere Schwärme.

männlicher Buchfink im Winter
Im Winter bleiben die männlichen Buchfinken häufig allein zurück [Foto: Arnau Soler/ Shutterstock.com]

Weitere heimische Teilzieher sind außerdem:

Manchmal tritt Vogelzug auch nur unter bestimmten Umständen auf. In besonders harten Wintern und bei Nahrungsengpässen verlassen manche Vogelarten schlagartig und in großer Zahl ihre Brutgebiete und lassen sich in einer milderen Gegend nieder. Dieses Phänomen, das auch als Evasion beziehungsweise Invasion bezeichnet wird, tritt zum Beispiel bei Erlenzeisigen oder Eichelhähern auf.

Hinweis: Die Bezeichnungen ‚Lang‘-, ‚Kurz‘- oder ‚Mittelstreckenzieher‘ sind immer nur regional gültig. Während das Rotkehlchen zum Beispiel in Mitteleuropa ein Standvogel ist, ist es in Nordeuropa ein Kurzstreckenzieher, der sein Brutgebiet verlässt und zum Beispiel bei uns überwintert. Das gleiche gilt auch für Invasionsvögel, die eigentlich in nördlicheren Regionen beheimatet sind und die bei uns gelegentlich in Scharen als Wintergäste auftreten. Dazu zählen zum Beispiel der Bergfink oder der Seidenschwanz.

Seidelschwanz in Strauch
Der Seidenschwanz ist ein ganz besonderer Wintergast bei uns [Foto: Rudmer Zwerver/ Shutterstock.com]

Wann sind Zugvögel unterwegs?

Prinzipiell verlassen Zugvögel ihre Brutgebiete im Spätjahr, wenn die Brutzeit beendet ist, und kehren im Frühjahr zur neuen Brutsaison wieder zurück. Wann genau die Zugvögel aufbrechen, hängt von der Länge ihrer Brutzeit und der Entfernung des Überwinterungsquartiers ab. Manche Arten brechen bereits Ende August schon wieder Richtung Süden auf; andere sind bis in den November hinein bei uns zu beobachten. Gleiches gilt auch für den Rückzug – während manche Zugvögel bereits im Februar wieder in ihren Brutgebieten ankommen, sind andere erst im Mai aus ihren Winterquartieren zurück.

Schwalben vor Vogelzug
Schwalben sammeln sich teilweise bereits im August für den Abzug in den Süden [Foto: F-Focus by Mati Kose/ Shutterstock.com]

Gefahren für Zugvögel

Die Flucht vor dem kalten Winter ist nicht ohne Risiken. Vogelzug ist eine anstrengende Angelegenheit, die besonders älteren Tieren zum Verhängnis werden kann. Aber auch junge und gesunde Zugvögel müssen sich durch Stürme und andere Strapazen kämpfen – eine davon ist der Mensch und sein Einfluss auf die Natur. Durch die Intensivierung der Landschaft und der zunehmenden Versiegelung von Flächen gehen zum Beispiel Rastplätze und Nahrungsgründe verloren. Im Mittelmeerraum wird außerdem aktive Jagd mit Netzen, Klebfallen und anderen Mitteln auf die durchziehenden Vögel betrieben, bei der viele Tiere ihr Leben lassen. Und auch der Klimawandel geht nicht spurlos an den Zugvögeln vorbei: Durch den immer früheren Frühjahresbeginn verpassen spät eintreffende Vogelarten die Hochsaison der Insekten, die sie für die Aufzucht ihrer Jungvögel benötigen.

Aus diesen Gründen steht bereits ein Viertel aller deutschen Brutvögel auf der Roten Liste und gilt damit als gefährdet.

Zugvogel im Fangnetz
Viele Zugvögel enden in Fangnetzen [Foto: Mont592/ Shutterstock.com]

Die Zeiten des Vogelzugs bieten trotz allem viele wunderschöne Gelegenheiten, Vögel zu beobachten. Was Sie dafür benötigen und wie Sie auch im eigenen Garten eine Vielzahl an Arten entdecken können, erfahren Sie in unserem Spezial-Artikel zum Thema ‚Vogelbeobachtung‘.

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