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Spitzwegerich: Die Heilpflanze aus dem eigenen Garten

Spitzwegerich kennt man von Spaziergängen auf wilden Wiesen. Wir zeigen, dass das vermeintliche Unkraut auch als Heilpflanze angewendet werden kann.

Spitzwegerich Blüten Wiese nah
Der Spitzwegerich wächst beinahe überall und ist mitnichten ein Unkraut [Foto: avoferten/ Shutterstock.com]

Vieles, was als Unkraut scheint, ist eigentlich überaus nützlich. Spitzwegerich (Plantago lanceolata) wird sogar von so manch einem Landwirt gezielt angebaut. Aber warum ist ausgerechnet diese Pflanze einen solchen Aufwand wert?

Spitzwegerich

Der Spitzwegerich ist ein ständiger Begleiter auf fast allen unseren Wiesen und im Grünland, wenn man nur einmal genauer hinschaut. Die Pflanze ist nicht nur eine vielversprechende Heilpflanze, sondern hat auch in der Küche so einiges zu bieten. Doch lesen Sie selbst.

Spitzwegerich: Herkunft und Eigenschaften

Spitzwegerich stammt vom eurasischen Kontinent und seine Heimat liegt auch hier in Deutschland. Von diesem Kontinent aus hat er seinen Siegeszug angetreten und die ganze Erde erobert, sodass er heute beinahe überall vorkommt. Seine Blätter sind mit parallel zueinander verlaufenden Blattadern versehen, deren Form lang, spitz und lanzettlich ist. Sie sind in einer Rosette angeordnet, aus deren Mitte häufig auch ein langer, kahler Stängel mit einem kurzen Blütenstand am Ende herausragt.

Spitzwegerich kaufen

Das Kraut des Spitzwegerichs wird in der Landwirtschaft großflächig angebaut. Ab und an kann man deshalb frischen Spitzwegerich im Laden erwerben. Aber auch als Topfkraut gibt es ihn des Öfteren sogar im Supermarkt. Wer allerdings einen Garten mit einer Wiese sein Eigen nennt, hat in der Regel genug Spitzwegerich im eigenen Garten, um davon Jungpflanzen auszugraben oder die Samen zu ernten. Spitzwegerich-Exemplare aus der Natur sind ohnehin widerstandsfähiger und besser angepasst an die lokalen Gegebenheiten als gekaufte Pflanzen.

Spitzwegerich anbauen

Spitzwegerich ist ein Sonne und Wärme liebendes Gewächs. Auf frischem und humosem Boden fühlt er sich wohl, besonders wenn dieser leicht sauer ist. Sie können die Samen vor dem Winter im August oder September oder im neuen Jahr zwischen März und April aussäen. Bedecken Sie die Samen nach der Aussaat mit Erde, so dass sie circa 1,5 bis 2 Zentimeter tief liegen. Nach ungefähr 14 Tagen werden Sie das erste Grün entdecken können. Geerntet werden kann, sobald die Pflanzen groß genug sind. Pflücken Sie hin und wieder einige Blätter. Für die Verwendung größerer Mengen zum Beispiel für die Küche können Sie im Sommer sogar ganze Büschel abschneiden. Der Spitzwegerich treibt nach dem Rückschnitt mit jungen Blättern wieder frisch aus.

Spitzwegerich vermehren

Auf der Wiese und am Wegesrand vermehrt sich der Spitzwegerich ganz von allein. Untersuchen Sie nur einmal einen Quadratmeter einer Wiese und Sie werden erstaunt sein, wie viele Spitzwegerich-Pflanzen Sie entdecken werden. Sie vermehren sich, indem sie neue Blattrosetten bilden, die nach und nach selbstständig werden. Und irgendwann sind sie dann ganz unabhängig von der Mutterpflanze. Auch angepflanzte Spitzwegeriche zeigen dieses Verhalten. Geht Ihnen das allerdings nicht schnell genug, können Sie einfach die Samen gewinnen, indem Sie sie von den reifen Ähren einer Pflanze abstreichen und dann an gewünschter Stelle aussäen.

Spitzwegerich Blätter Wiese
Bei genauerem Hinsehen wächst Spitzwegerich auf so ziemlich jeder Wiese, nicht selten sogar massenhaft [Foto: Sheryl Watson/ Shutterstock.com]

Spitzwegerich pflegen

Am einfachsten ist es natürlich, Sie ernten Ihren Spitzwegerich als Wildkraut direkt von der Wiese. Das macht die Pflege überflüssig. Wer allerdings in der Stadt wohnt oder allenfalls Hundewiesen in der näheren Umgebung hat, baut den Spitzwegerich vielleicht doch lieber im Beet, Topf oder Balkonkasten an. Doch auch in diesem Fall ist der Spitzwegerich ziemlich unkompliziert. Ausgepflanzt im Beet genügen das Regenwasser und im Frühjahr ein wenig frischer Kompost oder Mist. Im Topf sollten Sie die Pflanzen zusätzlich regelmäßig gießen, so dass die Erde nie austrocknet. Staunässe allerdings mag der Spitzwegerich überhaupt nicht.

Spitzwegerich ernten und lagern

Der Spitzwegerich treibt nach einem Rückschnitt wieder frisch aus. In seiner dicken Wurzel hat er ausreichend Ressourcen gespeichert, um mit viel Energie einen Neustart zu wagen. Kein Wunder, denn Spitzwegerich ist häufig auf Weiden zu finden, auf denen er regelmäßig von Kühen, Schafen oder Pferde komplett abgenagt wird.

Die Blätter der Pflanze sollten Sie ernten, solange sie noch jung sind. Ältere Blätter werden zäh und die schön parallel zueinander angeordneten Blattnerven werden rasch zu hartnäckigen Fäden zwischen den Zähnen. Jung und zart schmecken die Blätter also am besten. Wollen Sie die Blätter nicht direkt verwenden, bewahren Sie sie am besten kühl und luftdicht auf. In einer Papiertüte oder noch besser einem Plastikbeutel bleiben die Blätter länger knackig als an der frischen Luft.

Geht es um mehr als ein paar Tage, sollten Sie natürlich andere Mittel der Lagerung wählen. Eine Option stellt das Trocknen der Blätter für die Verwendung als Tee dar. Sie können diese aber auch zu Pesto verarbeiten oder sogar einfrieren, zum Beispiel falls Sie im Winter das Bedürfnis nach frischem Spitzwegerich-Spinat verspüren.

Spitzwegerich: Verwendung als Heilpflanze

Schon lange ist die heilsame Wirkung des Spitzwegerichs bekannt. Das Gute ist, dass diese unglaublich nützliche Pflanze so ziemlich überall wächst. Schon bei so manchem schmerzhaftem Wespen- oder Bienenstich am Badesee konnte mithilfe dieses wunderbaren Gewächses direkt Abhilfe geschaffen werden. Meist wächst der nächste Spitzwegerich gleich nebenan. Ein bis zwei Blätter reichen schon und sollten leicht zerkaut werden. Die Masse muss dann direkt auf den Stich aufgetragen werden und dort ein paar Minuten verbleiben. Und dann entfaltet sich die schmerzlindernde und heilende Wirkung des Spitzwegerichs. Ebenso können Sie auch bei Wunden und Entzündungen verfahren. Verantwortlich dafür ist Aucubin, ein Inhaltsstoff des Spitzwegerichs, der Entzündungen hemmt und Reize mildert.

Abhilfe schafft der Spitzwegerich auch bei Husten. Die in den Blättern enthaltenen Schleimstoffe legen sich über die angegriffenen Schleimhäute und schützen und beruhigen diese. Brühen Sie sich aus sechs bis sieben frischen Blättern oder zwei Esslöffeln getrockneten Blättern auf einen Liter Wasser einen frischen Hustentee und lassen Sie diesen zehn Minuten ziehen. Der Tee hilft übrigens nicht nur gegen Husten, sondern soll auch blutreinigend sein. Nach dem Abkühlen kann er sogar zum Auswaschen gereizter Augen verwendet werden.

Spitzwegerich in Emaille Tasse auf Holztisch
Der Spitzwegerich ist eine vielfältige Heilpflanze, die meist in unmittelbarer Nähe zu finden ist [Foto: HETIZIA/ Shutterstock.com]

Sehr lecker und gesund ist Spitzwegerich-Honig. Legen Sie junge Blätter des Spitzwegerichs für drei Monate in Honig ein. Sie werden nach dem Herausnehmen der Blätter einen wunderbaren Brotaufstrich erhalten, der noch dazu das Immunsystem stärkt.

Zusammenfassung Spitzwegerich als Heilpflanze:

  • Bei Stichen und Entzündungen
  • Gegen Husten und gereizte Schleimhäute
  • Als blutreinigendes Mittel
  • Zur Stärkung des Immunsystems
  • Zur Verhinderung und Linderung von Blasen (Mehr dazu in diesem Artikel zum Breitwegerich)

Spitzwegerich in der Küche verwenden

Spitzwegerich ist deutlich wüchsiger als der nahe Verwandte Breitwegerich. Dadurch sind seine gesunden Blätter zum Verzehr prädestiniert. Natürlich können Sie aber auch die Samen und Wurzeln wie im Artikel zum Breitwegerich beschrieben in der Küche nutzen. Die Blätter des Spitzwegerichs können auf vielfältige Art und Weise verarbeitet werden. Naheliegend ist natürlich würziges Pesto aus jungen Blättern, wie man es von Bärlauch, Petersilie und Basilikum kennt. Probieren Sie doch einmal etwas Neues und verwenden Sie einfach Spitzwegerich.

Sehr gut schmeckt Spitzwegerich zudem auch eingemischt in Salat. Wollen Sie es noch etwas intensiver, gibt es da natürlich auch noch die Reinform: Spitzwegerich-Spinat. Einfach verkocht zu purem Spinat oder mit etwas Rahm schmeckt dieses Gericht zu Kartoffeln und Rührei wunderbar.

Mehr zum engen Verwandten des Spitzwegerichs, dem Breitwegerich, haben wir außerdem in diesem Artikel für Sie vorbereitet.

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