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Pflaumenbaum schneiden: Tipps vom Experten

Pflaumenbäume revanchieren sich für einen regelmäßigen Schnitt mit einem gesunden Wuchs und üppigem Ertrag. Wir zeigen, wie man dabei richtig vorgeht.

Pflaumenbaum wird im Garten geschnitten

Beim Schneiden benötigt der Pflaumenbaum besondere Aufmerksamkeit [Foto: AXL/ SHutterstock.com]

Aufgrund ihrer natürlichen, eher schmalen Wuchsform benötigen Pflaumen (Prunus domestica) besondere Aufmerksamkeit beim Schneiden. Das gilt auch für deren Unterarten und sehr engen Verwandten wie Zwetschgen (Prunus domestica subsp. domestica) oder Mirabellen (Prunus domestica subsp. syriaca). Ziel ist es, den Pflaumenbaum von einer eher schmalen Krone zu einem vollkronigen, breiten Baum zu erziehen. Mit den richtigen Schnittmaßnahmen, je nach Alter der Pflaume, wird dies auch mit Sicherheit gelingen.

Pflaumenbaum schneiden: Wann ist der beste Zeitpunkt?

Wie bei allen Bäumen kann auch die Pflaume im Winter sowie im Sommer geschnitten werden.

  • Winterschnitt
    • Januar – April
    • Bis -5°C problemlos möglich
    • Fördert das Wachstum und die Verzweigung
  • Sommerschnitt
    • Ende Juni – August
    • Bremst das Wachstum aus und wirkt somit übermäßiger Triebneubildung (z.B. nach Winterschnitt) und Längenwachstum (Durchschießen) entgegen

Dabei unterscheidet man stets je nach Entwicklung des Baumes zwischen Erziehungsschnitt, Erhaltungsschnitt und Verjüngungsschnitt. Egal, um welche Schnittmaßnahme es sich handelt, eines gilt prinzipiell: Geschnitten wird immer nur an trockenen Tagen und wenn mindestens die nächsten ein bis zwei Tage kein Niederschlag zu erwarten ist. Feuchtigkeit birgt die Gefahr, die frischen Schnittstellen mit Pilzerregern zu infizieren.

Pflaumenbaum wird im Winter geschnitten

Pflaumenbäume können im Winter sowie im Sommer geschnitten werden [Foto: Somogyi Laszlo/ Shutterstock.com]

Der Pflanzschnitt beim Pflaumenbaum

Wird der Pflaumenbaum im Herbst gepflanzt, dann wird der Pflanzschnitt erst im darauffolgenden Frühjahr (März bis spätestens vor der Blüte) durchgeführt, bei einer Frühjahrspflanzung sofort. Beim Pflanzschnitt geht es hauptsächlich darum, etwa vier Triebe auszuwählen, die später zu den Leitästen werden. Diese Triebe sollten möglichst flach und in alle Richtungen verteilt sein. Damit sich eine schöne Krone ausbildet, sollte der Mitteltrieb, der steil nach oben geht, keine Konkurrenz haben. Alle Äste, die steil in der Nähe des Mitteltriebs nach oben wachsen, werden abgeschnitten. Die auserwählten Leittriebe werden nun mindestens um ein Drittel bis zur Hälfte ihrer Länge auf eine nach außen gerichtete Knospe zurückgeschnitten. Das bedeutet, der Schnitt erfolgt direkt hinter einer Knospe, die nicht zum Baum hin, sondern wegwärts gerichtet ist. Dieser starke Rückschnitt sorgt dafür, dass die Knospen auf den Leitästen zu Fruchtholz werden. Zum Schluss sollten alle Leitäste ungefähr gleich lang sein. Alle übrigen kleinen Äste, die steil ins Bauminnere wachsen, werden abgeschnitten. Kleine Äste, die eher flach nach außen wachsen, werden erstmal nicht geschnitten.

Spezialfall: Sind fast keine Seitentriebe vorhanden, dann wird der Mitteltrieb auf etwa 90 cm zurückgeschnitten und der eigentliche Pflanzschnitt im nächsten Jahr mit den bis dahin gebildeten Ästen nachgeholt.

Mann schneidet Pflaumenbaum

Ein starker Rückschnitt sorgt dafür, dass die Knospen auf den Leitästen zu Fruchtholz werden [Foto: triocean/ Shutterstock.com]

Junge Pflaumenbäume richtig schneiden: Erziehungsschnitt

In den folgenden 5 bis 8 Jahren wird der Pflaumenbaum jeweils im Spätwinter (Februar) bis kurz vor der Blüte geschnitten. Ziel des Erziehungsschnitts ist es, den Baum in eine schöne Form zu bringen und ihn so wachsen zu lassen, dass später viel Licht in die Krone eindringen kann.

Die drei wichtigsten Schritte des Erziehungsschnitts:

  • Schritt 1: Für jeden Leitast (die flachen, in alle Richtungen verlaufenden Äste, die beim Pflanzschnitt ausgewählt und eingekürzt wurden) wählen Sie im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre etwa drei nach außen gerichtete Seitenäste aus. Diese sollten nicht zu nah beieinander sein und Platz in der Richtung haben, in die sie wachsen. Alle übrigen Triebe werden teils abgeschnitten (wenn sehr steil und in Konkurrenz zu den ausgewählten Seitenästen) oder auf jüngere Triebe abgeleitet, sodass die Astspitze waagerechter verläuft. Ableiten bedeutet, dass an der Stelle, wo ein Ast sich in zwei Triebe gabelt, einer davon (der steilere) genau an der Gabelung abgeschnitten wird.
  • Schritt 2: Die Leitäste selbst dürfen nicht in Konkurrenz mit dem Mitteltrieb kommen. Sind sie sehr lang und nach oben gerichtet, werden sie ein wenig auf eine nach außen gerichtete Knospe zurückgekürzt.
  • Schritt 3: Alle Äste, die von irgendwo steil in Richtung Baumstamm wachsen und dem Mitteltrieb Konkurrenz machen, werden entfernt. Alle Äste, die schön flach aus dem Baum herauswachsen und nicht in Konkurrenz zum Mitteltrieb stehen, werden erstmal belassen und im nächsten Jahr erneut betrachtet.

Zusammenfassung zum Schnitt von jungen Pflaumenbäumen:

  • Haupttrieb bestimmen und einkürzen
  • Leittriebe bestimmen
  • Leittriebe bis auf einen deutlich nach außen wachsenden Seitentrieb einkürzen
  • Nach außen wachsenden Seitentrieb bis auf eine untere ebenfalls nach außen gerichtete Knospe einkürzen
weiße Blüten an einem Pflaumenbaum

Bei der richtigen Pflege werden Sie mit üppigen Blüten belohnt [Foto: AlexBuess/ Shutterstock.com]

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Alte Pflaumenbäume richtig schneiden: Der Erhaltungsschnitt

Konnte erfolgreich eine schöne Krone in den jungen Jahren des Pflaumenbaumes herangezogen werden, gilt es die Wuchsform auch zu erhalten und die Fruchtausbildung durch bewusste Schnittmaßnahmen zu fördern. In der Regel ist es ausreichend, das Geäst etwas auszulichten. Kranke, nach innen wachsende oder steil nach oben treibende Äste können beruhigt ganz herausgeschnitten werden. Es bietet sich an, die Leittriebe immer wieder mal einzukürzen und so die Ausbildung von Seitentrieben zu fördern. Pflaumen bilden insbesondere am mehrjährigen Holz ihre Früchte aus. So können die neu austreibenden Äste zwei bis drei Jahre nach der Schnittmaßnahme für eine üppige Ernte sorgen. Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, größere Triebe herauszuschneiden, wenn diese nur noch sehr schlecht tragen oder dem Rest des Baumes zu viel Licht für eine gute Entwicklung rauben.

Pflaumenbaum mit vielen Pflaumen im Garten

Die neu austreibenden Äste können für eine gute Ernte sorgen [Foto: Catalin Petolea/ Shutterstock.com]

Der Verjüngungsschnitt beim Pflaumenbaum

Ein radikaler Verjüngungsschnitt, bei dem man meint, man müsse jahrelang verpasste Schnittmaßnahmen mit dem Schnitt einiger starker Äste kompensieren, sollte beim Pflaumenbaum möglichst vermieden werden. Dadurch entstehen große Schnittwunden und eine erhöhte Gefahr für Pilz- und Schädlingsbefall. Entfernen Sie in diesem Fall lieber erstmal nur einige Äste mit maximal bis zu 5 cm Astdurchmesser. Wählen Sie dazu einige steile Äste aus der Mitte heraus, um dem Rest des Baums wieder mehr Licht und Platz zu geben. Gehen Sie es langsam an, auch wenn Sie einige Jahre verpasst haben, zu schneiden. Wenn Sie von nun an jedes Jahr einen Erhaltungsschnitt durchführen, trägt das mehr zur Verjüngung des Baums bei als ein radikaler Schnitt.

Wichtig: Bei dickeren Ästen wird zunächst auf einen ca. 15 cm langen Stumpf gesägt. Denn wenn der schwere Ast während des Schnitts abbricht, reißt das Holz stark ein. Durch den Stumpf ist dann noch genug Platz zum Nachschneiden oder -sägen. Anschließend (egal ob das Holz gerissen ist oder nicht) wird der 15 cm lange Stumpf bis auf einige Zentimeter gekürzt. Der kleine Stumpf ist optisch vielleicht kein Highlight, ist aber wichtig, damit bei einer potenziellen Pilzinfektion nicht gleich Mitteltrieb oder Leitast befallen werden. Außerdem treiben aus Stümpfen oft neue Triebe aus und das kann ja beim Verjüngungsschnitt nicht schaden.

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