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Nematoden: Fadenwürmer als Nützlinge im Garten

Nematoden wirken als Nützlinge gegen viele Pflanzenschädlinge. Doch was sind Nematoden eigentlich und wie wendet man sie richtig an?

Fadenwürmer unter dem Mikroskop
Nematoden können vielseitig als Nützlinge eingesetzt werden [Foto: D. Kucharski K. Kucharska/ Shutterstock.com]

Nematoden bieten die Möglichkeit, eine Vielzahl an Schädlingen biologisch zu bekämpfen. Bei der Anwendung von Nematoden sollten Sie aber immer im Hinterkopf behalten, dass es sich um lebende Organismen handelt. Wir zeigen Ihnen, gegen welche Schädlinge Sie Nematoden einsetzen können und wie Sie dabei richtig vorgehen. In diesem Artikel finden Sie alle Informationen, die Sie für einen erfolgreichen Nematoden-Einsatz benötigen.

Nematoden: Steckbrief, Aussehen & Co.

Nematoden, die auch als Älchen bezeichnet werden, sind durchsichtig bis weiß gefärbt und mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Bisher sind über 20.000 verschiedene Arten bekannt. Nematoden besitzen, je nach Art, sehr unterschiedliche Eigenschaften. Die kleinen Fadenwürmer ernähren sich artspezifisch beispielsweise von Pflanzen, Bakterien, Algen, Pilzen, räuberisch erbeuteten oder toten Tieren. Viele leben auch parasitisch, zum Beispiel Bandwürmer, die ebenfalls zu den Nematoden gehören.

Die für den Pflanzenbau relevanten Nematoden (Nematoda) sind kleine Fadenwürmer, die unter einem Millimeter groß sind. Je nach Spezialisierung der Nahrungsaufnahme können sie schädlich oder nützlich für Pflanze sein. Einige Arten können als Schädlinge Gemüse und andere Pflanzen befallen. Sollten Sie Probleme mit Nematoden haben, dann hilft Ihnen unser Artikel zu Nematoden als Schädlinge mit Sicherheit weiter.

Nematode unter dem Mikroskop
Die meisten Nematoden sind mikroskopisch klein [Foto: F.Neidl/ Shutterstock.com]

Nematoden als Nützlinge

Was macht einige Nematoden nun zu effektiven Nützlingen? Fadenwürmer können sich aktiv im Boden bewegen und ausbreiten. Durch diese Fähigkeit haben die Nematoden eine größere Chance im Garten auf Beute zu treffen. Ihre geringe Größe ermöglicht es den Fadenwürmern über Körperöffnungen in das Innere der Schädlinge einzudringen und sie so abzutöten. Anschließend nutzen sie die Schädlings-Körper zur Vermehrung. Fadenwürmer haben bei der Schädlingsbekämpfung noch viel kleinere Verbündete: Es sich um spezielle Bakterien, die mit den Nematoden in Symbiose leben. Wenn nun eine Nematode und ein passendes Beutetier aufeinandertreffen, injiziert die Nematode dem Opfer die Bakterien. Diese verdauen den Schädling dann von innen heraus – die Nematode kann dann die Beute als Nahrung nutzen und sich vermehren. Anschließend verlassen die Nematoden den abgetötet Schädling und suchen nach einem neuen Wirt. Auf diese Weise können die Nematoden unter guten Bedingungen über Monate im Boden erhalten bleiben.

Ein weiterer Vorteil ist, dass der Einsatz von Nematoden keine negativen Nebenwirkungen für Ihre Pflanzen oder die Umwelt hat. In fast allen Fällen sind es übrigens die Schädlingslarven und nicht die erwachsenen Schädlinge, die von den Nematoden bekämpft werden.

Die große Artenvielfalt der Nematoden ermöglicht es, dass viele unterschiedliche Schädlinge angegangen werden können, zum Beispiel:

  • Trauermücken
  • Dickmaulrüssler
  • Engerlinge
  • Ameisen
  • Schnecken
  • Kirschfruchtfliegen
  • Buchsbaumzünsler
  • Maulwurfsgrillen
  • Thripse
  • Wiesenschnaken

Anwendung von Nematoden: Zeitpunkt, Vorgehen und Wirkdauer

Für einen erfolgreichen Einsatz von Nematoden sollten ein paar Punkte beachtet werden:

  • Bevor Sie Nematoden einsetzen können, ist es wichtig, dass Sie herausfinden, um welchen Schädling es sich handelt. Gegen verschiedene Schädlinge können nur bestimmte Nematoden eingesetzt werden.
  • Wann der richtige Zeitpunkt im Jahr ist, um eine Behandlung mit Nematoden durchzuführen, hängt vom Schädling und der Witterung ab. Denn wenn es zu kalt oder zu trocken ist, sind die Nematoden nicht aktiv. Da in der Regel nur die Larven des Schädlings im Boden bekämpft werden können, sollte der Zeitpunkt so gewählt werden, dass der Schädling sich im Larven-Stadium befindet. Wir geben Ihnen nachfolgend die optimalen Zeitpunkte zur Bekämpfung der häufigsten Schädlinge.
  • Die Bodentemperatur muss für die jeweilige Nematoden-Art stimmen. Bei zu niedrigen Temperaturen stellen die Nematoden ihre Aktivität komplett ein. Die meisten Arten können bei einer Bodentemperatur zwischen 12 und 28 °C eingesetzt werden.
  • Nematoden sind empfindlich gegenüber UV-Licht. Aus diesem Grund sollten Sie es vermeiden, die Fadenwürmer tagsüber auszubringen. Besser eignet sich der Abend oder der frühe Morgen.

Wo kann man Nematoden kaufen? Verschiedene Nematoden können Sie im Internet in spezialisierten Shops oder über Bestellkarten aus dem Gartencenter erwerben. Sie erhalten die Nematoden dann als relativ haltbare Dauerlarven in einem Pulver, das als Trägersubstanz dient.
Um diesen Ruhezustand aufrecht zu erhalten ist es wichtig, dass Sie die Nematoden bis zur Anwendung im Kühlschrank lagern. Wie lange Sie die Nematoden lagern können, können Sie der Produktpackung entnehmen. Meist kann man die Nematoden wenige Wochen bis zur Anwendung aufbewahren. Weil die Dauerlarven keine allzu kalten oder allzu heißen Temperaturen vertragen, kann die Lieferung manchmal etwas auf sich warten lassen. Das spricht aber für den Anbieter der Nützlinge, denn so kommen die Larven auf jeden Fall lebend an.

Folgende Nematoden-Arten haben sich bei uns im Garten bewährt:
  • SC Nematoden: Zur Bekämpfung von erwachsenen Maulwurfsgrillen, Larven der Wiesenschnaken und Erdraupen.
  • HM Nematoden: Nützlinge zur Bekämpfung des Dickmaulrüsslers und Gartenlaubkäfers.
  • SF Nematoden: Zur ganzjährigen Bekämpfung lästiger Trauermücken.

Was ist das richtige Vorgehen bei der Anwendung von Nematoden? Mischen Sie das Pulver, das die Nematoden enthält, mit Wasser. Das genaue Mischungsverhältnis kann der Produktpackung entnommen werden. Die zu behandelnde Fläche sollten Sie vor dem Ausbringen der Nematoden mit Wasser gut anfeuchten. Die Suspension kann nun mit einer Gießkanne gleichmäßig auf der zu behandelnden Fläche ausgebracht werden. Welche Größe diese Fläche haben kann, können Sie ebenfalls auf der Produktpackung nachlesen. Nach der Ausbringung sollten Sie die behandelte Fläche mit Wasser nachwässern, um die Nematoden in den Boden zu spülen. Während die Nematoden ihre Arbeit verrichten, sollten Sie darauf achten, dass die Erde immer feucht ist. Staunässe ist allerdings unbedingt zu vermeiden.

Frau gießt Beet mit Gießkanne
Die Nematoden werden mit der Gießkanne auf der zu behandelnden Fläche ausgebracht [Foto: DUSAN ZIDAR/ Shutterstock.com]

Tipp: Bei Schädlingen mit mehrjährigen Entwicklungszyklen, wie zum Beispiel bei Gartenlaubkäfer oder Maulwurfgrillen, empfehlen wird, die Nematoden mehrere Jahre hintereinander anzuwenden.

Wie steht es um die Wirkdauer von Nematoden? Erste abgestorbene Larven können Sie bereits nach wenigen Tagen im Boden finden. Die eingebrachten Nematoden sind bei sehr guten Bedingungen zwar mehrere Monate im Boden, doch ihre Anzahl sinkt stetig. Eine optimale Schädlingskontrolle ist nur in den ersten vier Wochen nach der Ausbringung gegeben.

Tipp: Wenn beispielsweise Larven des Dickmaulrüsslers (Otiorhynchus) von Nematoden erfolgreich befallen und abgetötet wurden, verfärben sich diese rot-braun. So können Sie kontrollieren, ob die Anwendung funktioniert hat.

Zusammenfassung: Wie Sie Nematoden richtig anwenden

  • Der Behandlungszeitpunkt ist abhängig vom Schädling (zwischen April und September) und ist oft der Packungsbeilage zu entnehmen.
  • Die Nematoden im Internet oder über eine Bestellkarte aus dem Gartencenter oder Baumarkt bestellen und im Kühlschrank lagern.
  • Die Bodentemperatur muss dauerhaft zwischen 12 und 28 °C liegen.
  • Die Nematoden morgens oder abends ausbringen.
  • Das erworbene Pulver samt Nematoden mit Wasser mischen.
  • Mit der Gießkanne die Nematoden auf den angefeuchteten Boden ausbringen und dann einwässern.
  • Die Erde für mindestens zwei Wochen immer feucht halten, um die Nematoden zu fördern.

Nematoden gegen Trauermücken

Die erwachsenen Trauermücken (Sciaridae) schädigen eigentlich gar keine Pflanzen. Die Larven der Trauermücken halten sich jedoch in der Erde auf und ernähren sich, unter anderem, von jungen Wurzeln. Auf diese Weise können die Larven den Pflanzen schaden. Vor allem Zimmerpflanzen werden häufig von Trauermücken befallen. Hilfreiche Tipps rund um das Thema Trauermücken bekämpfen haben wir für Sie in unserem Artikel zusammengestellt.
Die Nematoden-Art Steinernema feltiae (SF-Nematoden) hat sich gegen Trauermücken bewährt. Steinernema feltiae können bei Zimmerpflanzen das ganze Jahr über und im Freien ab 12 °C Bodentemperatur angewendet werden.

Bei einem starken Befall oder wenn die bisherige Behandlung keinen Erfolg gezeigt hat, empfehlen wir Ihnen den Einsatz eines biologischen Mittels auf Basis von Neemöl. Unser Plantura Bio-Trauermückenfrei Neem ermöglicht Ihnen auf natürliche Weise, die Trauermücken los zu werden.

Nahaufnahme einer Trauermücke
Trauermücken können vor allem Topfpflanzen schaden [Foto: Tomasz Klejdysz/ Shutterstock.com]

Nematoden gegen Dickmaulrüssler

Auch Dickmaulrüssler, genauer gesagt deren Larven im Boden, können durch Nematoden bekämpft werden. Damit Rhododendron (Rhododendron), Efeu (Hedera helix), Hortensien (Hydrangea) und andere Pflanzen vor dem gefürchteten Buchtenfraß des Dickmaulrüsslers verschont bleiben, können folgende Nematoden eingesetzt werden:

  • Die Nematoden-Art Heterorhabditis bacteriophora kann ab einer Bodentemperatur von 12 °C ausgebracht werden und befällt auch die Larven der Blatthornkäfer (Scarabaeidae).
  • Steinernema kraussei eignet sich bei einem Einsatz im zeitigen Frühjahr oder in kühlen Temperaturen, da die Nematoden bereits ab einer Bodentemperatur von 5 °C aktiv sind.
  • Steinernema carpocapsae befallen ab einer Bodentemperatur von 12 °C nicht nur Dickmaulrüsslerlarven, sondern auch Larven der Wiesenschnaken (Tipula paludosa).
Dickmaulrüssler und Blatt mit Fraßspuren
Buchtenfraß ist typisch für einen Befall durch Dickmaulrüssler [Foto: Tomasz Klejdysz/ Shutterstock.com]

Nematoden gegen Engerlinge

Engerlinge sind die Larven von Blatthornkäfer wie Junikäfer (Amphimallon solstitiale), Maikäfer (Melolontha melolontha) oder Rosenkäfer (Cetoniinae). Sie können bei massenhafter Vermehrung auf Rasenflächen Schäden hervorrufen. Die komplette und dauerhafte Bekämpfung von Engerlingen kann sich bei den hartnäckigen Larven teilweise über Jahre hinziehen – insbesondere beim Maikäfer. Der Grund dafür liegt in den vielen Larvenstadien der Engerlinge, die nicht alle für die Wirkung von Spritzmitteln empfänglich sind
Eine biologische Möglichkeit der Bekämpfung ist der Einsatz von Nematoden gegen Maikäfer-, Junikäfer- und Rosenkäferlarven. Da nur die ersten beiden jungen Entwicklungsstufen der Engerlinge effektiv bekämpft werden, ist der Bekämpfungszeitpunkt sehr wichtig, genau wie die richtige Nematoden-Art: Heterorhabditis bacteriophora kann in der Zeit zwischen August bis September gegen die Larven von Mai- und Junikäfer eingesetzt werden.

Nematoden gegen Ameisen

Ameisen sind eigentlich keine Schädlinge und gehören zu einem gesunden Garten dazu. Doch wenn Sie an Terrassen oder Wegen Überhand nehmen, kann eine Bekämpfung notwendig werden. In diesem Fall können Sie die Nematoden-Art Steinernema feltiae einsetzen. Die Nematoden stören die Ameisen, sodass diese samt ihrer Brut den behandelten Bereich verlassen.
Vor allem im Haus können Ameisen lästig werden. Wir empfehlen Ihnen bei der Bekämpfung von Ameisen in der Wohnung auf ein biologisches Mittel zu achten. Ein für Menschen und Tiere besonders ungefährliches Bio Mittel ist beispielsweise unser Plantura Bio-Ameisenmittel InsectoSec®, das als Wirkstoff reine Kieselgur verwendet.

Ameisen-Straße an einer Hauswand
Auf der Terrasse oder auf Wegen können Ameisen sehr lästig werden [Foto: Yashkin Ilya/ Shutterstock.com]

Nematoden gegen Schnecken

Wie jeder Hobbygärtner weiß, können Nacktschnecken im Garten erheblichen Schaden anrichten. Auch zum Bekämpfen von Schnecken können Sie Nematoden einsetzen. Der besondere Vorteil: Schnecken vermehren sich besonders stark bei feuchter Witterung. Die Nematoden brauchen ebenfalls feuchte Bedingungen, um sich gut zu entwickeln.
Damit sich die Bekämpfung der Schnecken effektiv gestaltet, sollten Sie auf die Nematoden-Art Phasmarhabditis hermaphrodita zurückgreifen. Die optimale Bodentemperatur liegt zwischen 12 und 25 °C. Ein Vorteil ist außerdem, dass die harmlosen Weinberg- und Häuschenschnecken geschont werden.

Fadenwürmer gegen weitere Schädlinge

Die Nematode Steinernema feltiae wirkt nicht nur gegen Trauermücken und Ameisen, sondern auch gegen die Larven der Kirschfruchtfliege. Die Wirkung ist allerdings längst nicht so gut wie bei der Trauermücke. Die Kirschfruchtfliegen-Larven können nur in dem Moment bekämpft werden, in dem die Larve aus der befallenen Kirsche in den Boden wandert. Daher müssen die Nematoden so auf den Boden appliziert werden, dass sie in dieser Zeit aktiv im Boden vorliegen. Ein guter Zeitpunkt hierfür ist Anfang Juni.

Um Nematoden gegen den Buchsbaumzünsler einsetzen zu können, müssen die Nematoden in ein bestimmtes Netzmittel eingebunden werden. Nur so kommen sie in direkten Kontakt mit den Larven des Buchsbaumzünslers.
Die Nematoden-Art Steinernema carpocapsae eignet sich für die Buchsbaumzünsler-Bekämpfung. Genaue Hinweise zur richtigen Ausbringung finden Sie auf den Produktverpackungen. Die optimale Behandlungszeit ist zwei Wochen nachdem Sie die ersten erwachsenen Tiere entdecken konnten. Zur Bestimmung dieses Zeitpunktes empfehlen wir Ihnen eine Zünslerfalle.
Für eine effektive und umweltschonende Bekämpfung des Buchsbaumzünslers können wir Ihnen auch ein Mittel auf Basis des ebenfalls lebendigen Bacillus thuringiensis empfehlen. Ein ebensolches Mittel ist beispielsweise unser Plantura Zünslerfrei XenTari®.

Eine zu große Anzahl an Maulwurfsgrillen (Gryllotalpidae) können im Gemüsebeet sehr lästig werden. Die Nematodenart Steinernema carpocapsae kann gegen Maulwurfsgrillen eingesetzt werden. Hierbei werden die ausgewachsenen Tiere befallen und abgetötet. Optimaler Zeitraum zur Bekämpfung ist zwischen April und Oktober ab einer Bodentemperatur von 12 °C.

Maulwurfsgrille in einem Beet
Nematoden können auch gegen Maulwurfsgrillen eingesetzt werden [Foto: Soru Epotok/ Shutterstock.com]

Nematoden können auch gegen Thripse (Thysanoptera) eingesetzt werden. Der Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) ist eine der häufigsten Arten und insbesondere in Gewächshäusern oder in Wohnräumen ein Problem. Steinernema feltiae befällt die Puppe des Blütenthrips und tötet diese ab. Die Bekämpfung kann daher ganzjährig stattfinden.

Wiesenschnaken können vor allem im Rasen ein Problem sein. Eine biologische Bekämpfung ist mit Nematoden gegen Wiesenschnaken möglich. Die Larven der Wiesenschnake werden durch die Nematodenart Steinernema carpocapsae abgetötet. Optimaler Bekämpfungstermin ist etwa zwei Wochen nach dem Flughöhepunkt der Wiesenschnaken, zwischen August und Oktober.

Neben Nematoden gibt es noch eine ganze Reihe weiterer tierischer Helfer, die Ihnen im Garten helfen Schädlinge in Schach zu halten. Weitere spannende Nützlinge im Garten stellen wir Ihnen in unserem Übersichtsartikel vor.

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