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Tongranulat: Blähton für die Pflanzen

Teils werden Pflanzen gänzlich in Tongranulat kultiviert oder es wird Substrat zugegeben, um die Eigenschaften zu verbessern. Was macht Tongranulat aus?

Tongranulat nah

Viele Pflanzen werden in Tongranulat kultiviert [Foto: ideenreich/ Shutterstock.com]

Wenn man sich mit Hydrokulturen beschäftigt, kommt man sehr rasch auf das Thema Tongranulat – doch was ist das eigentlich genau? Welche Qualitätsmerkmale ein gutes Tongranulat aufweisen muss und was Sie noch alles über diese kleinen Kügelchen wissen sollten, erfahren Sie hier.

Tongranulat: Eigenschaften und Herstellung

Tongranulat, Blähton, Pflanzton – es gibt unzählige Namen für die rötlichen Kügelchen aus gebranntem Ton, die für Zimmerpflanzen oder Hydrokulturen verwendet werden. Sie zeichnen sich durch eine überaus gute Wasserspeicherfähigkeit aus und sind unter Gärtnern sehr beliebt als Ersatz für normale Blumenerde.

Wie wird Tongranulat hergestellt?

Die Grundsubstanz des Granulats ist, wie es der Name schon sagt, Ton. Dieser wird gemahlen, granuliert und anschließend bei 1200 °C gebrannt. Es kommen dabei keine Zusätze zum Ton hinzu, sondern es wird lediglich fein gemahlener Kalkstein als Trennmittel hinzugefügt. Die organischen Stoffe in der Tonmasse verbrennen und die Kugeln blähen sich durch das freiwerdende Kohlendioxid auf. Dadurch erhält der Blähton seine typische kugelrunde Form und die Blähtonkügelchen sind zum größten Teil geschlossenporig. Das Tongranulat hat dabei einen pH-Wert von 7,0 und je nach Produkt findet man Salzgehalte von 2 bis 920 mg pro 100 g Tongranulat. Für Hydrokulturen muss der Salzgehalt allerdings unter 250 mg pro Liter liegen. Blähton wird aber nicht nur für Hydrokulturen im Gartenbau verwendet, sondern er kommt auch bei Dachbegrünungen und Bodenverbesserung zum Einsatz. Blähton besteht zu 70 % aus Siliciumdioxid (SiO2), 8 % Eisenoxid (Fe2O3), 3 % Kaliumoxid (K2O), 2 % Magnesiumoxid (MgO), 1 % Calciumoxid (CaO), 1 % Manganoxid (Mn3O4) und 1 % Phosphorpentoxid (P2O5).

Dachbegrünung

Auch für Dachbegrünungen wird Tongranulat gerne verwendet [Foto: josefkubes/ Shutterstock.com]

Tongranulat: Die Wasserspeicherung

Die Wasserspeicherfähigkeit von Blähton ist zum einen von der Körnungsverteilung abhängig. Eine Siebfraktion mit der Größe von 2 bis 4 mm kann ungefähr 120 ml Wasser pro Liter Granulat speichern. Die nächste Fraktion mit der Größe von 4 bis 8 mm hat eine Wasserspeicherfähigkeit von 90 ml pro Liter und diejenige von Tongranulat mit der Größe von 8 bis 16 mm liegt bei 70 ml pro Liter. Tongranulat kann viel Wasser speichern – und das ist eine der größten Stärken dieses Produkts, denn man kann ohne Sorgen eine Woche in den Urlaub fahren, ohne jemanden bitten zu müssen, die Zimmerpflanzen zu gießen. Die große Wasserspeicherkapazität versorgt die Pflanzen schließlich über lange Zeit mit ausreichend Feuchtigkeit.

Zusammenfassung Eigenschaften von Tongranulat:

  • Besteht aus gebranntem Ton und wird auch Blähton genannt
  • Hat eine hohe Wasserspeicherfähigkeit
  • Die Größe liegt zwischen 2 und 16 mm
  • Der pH-Wert liegt bei 7,0

Tongranulat in der Blumenerde: Was bewirkt es?

Tongranulat eignet sich optimal als Drainageschicht in Pflanzkübeln und Blumenkästen. Eine solche Schicht schützt vor Staunässe und fördert den Abfluss von überschüssigem Wasser, denn Staunässe mögen die wenigsten Pflanzen. Sie fördert das Entstehen von Wurzelerkrankungen und Fäulnis. Ein Vorteil von Blähton besteht natürlich darin, dass es sich nicht auflöst und seine Wirkung als Drainagematerial nicht mit der Zeit verliert. Man kann das Tongranulat über eine lange Zeit verwenden, denn es verbraucht sich nicht. Damit ist Tongranulat wirklich nachhaltig. Tongranulat ist im Vergleich zur Blumenerde zudem viel leichter. Wenn Sie Blähton mit ihrer Blumenerde mischen, profitieren Sie nicht nur von der Wasserspeicherkapazität und der besseren Durchlüftung, sondern Ihr Rücken wird es Ihnen auch danken, wenn die Blumenkästen nicht so schwer sind – besonders wenn man sie mehrere Stockwerke nach oben tragen muss.

Blähton und Blumenerde zum Einpflanzen

Eine Schicht Tongranulat am Boden schützt vor Staunässe [Foto: brizmaker/ Shutterstock.com]

Ein kleiner Nachteil von Tongranulaten ist natürlich der Anschaffungspreis, der deutlich über dem Preis von normaler Blumenerde liegt. Jedoch sollte man auch bedenken, dass man das Tongranulat nicht jährlich tauschen muss und es immer wieder über lange Zeit verwenden kann.

Zusammenfassung Vorteile von Tongranulat:

  • Kann als Drainagematerial gegen Staunässe verwendet werden
  • Blähton verbraucht sich nicht und kann über längere Zeit verwendet werden
  • Geringeres Gewicht
  • Verbessert die Durchlüftung

Zimmerpflanzen in Tongranulat

Wenn Sie Zimmerpflanzen in Kübeln in ihren vier Wänden haben, dann verwenden nicht wenige Tongranulat als Pflanzmaterial. Besonders wenn man sich nicht sehr für ständiges Gießen begeistern kann, ist der Einsatz von Tongranulat eine optimale Lösung, denn durch die hohe Wasserspeicherfähigkeit muss man im Schnitt im Vergleich mit einem Wachstum der Pflanzen in der Erde dreimal weniger gießen. Auch Hydrokulturen machen sich gut in unserem Zuhause – sie benötigen allerdings spezielle Pflege und ein spezielles Substrat aus Tongranulat. In Hydrokulturen kann man ganze, aber auch gebrochene Blähtonkügelchen verwenden. Die Wasserspeicherfähigkeit von gebrochenem Blähton soll dabei etwas größer sein und auch die Durchlüftung soll sich durch eine Mischung aus ganzen und gebrochenem Tongranulat verbessern. Machen Sie sich also keine Gedanken, falls sich in Ihrem Produkt gebrochene Blähtonkugeln befinden. Besonders wichtig ist beim Einsatz von Tongranulat das Verwenden von wasserdichten Töpfen, denn die Kügelchen sollen sich mit dem Wasser vollsaugen. Daher sollte das Wasser auch im Topf bleiben und nicht zuvor schon abfließen. Das Tongranulat braucht nämlich länger, um sich vollzusaugen als Blumenerde.

Kaktus in Tongranulat

Tongranulat kann viel Wasser speichern [Foto: Firn/ Shutterstock.com]

Zimmerpflanzen in Tongranulat richtig gießen

Pflanzen brauchen nicht unbedingt einen Topf voller Erde, um prächtig zu gedeihen, sondern Wasser, Licht und Nährstoffe reichen meistens schon aus. Versorgt man seine Pflanzen ausreichend mit diesen Stoffen, werden sie blendend gedeihen. Sollten Sie Ihre Zimmerpflanzen in einer Hydrokultur voller Tongranulat wachsen lassen, ist ein Feuchtigkeitsmesser unerlässlich. Dieser Feuchtigkeitsmesser wird aber nicht am Topfrand in das Tongranulat gesteckt, sondern man steckt ihn . Wenn der Pegel am Feuchtigkeitsmesser unter den optimalen Bereich fällt, dann sollten Sie gießen. Die optimale Wassermenge entspricht dabei einem Viertel des Topfvolumens. Bis sich der Feuchtigkeitsmesser wieder im Optimum befindet, kann es etwas dauern.

Saintpaulia in Tongranulat

Verwenden Sie in Hydrokulturen unbedingt einen Feuchtigkeitsmesser [Foto: Konrad Weiss/ Shutterstock.com]

Sie sollten sich am besten immer an die Anzeige des Feuchtigkeitsmessers halten und nicht gleich prophylaktisch viel gießen wie bei den Pflanzen in der Blumenerde, denn man kann die Pflanzen auch in einer Hydrokultur ertränken, da die Wasserspeicherkapazität von Blähton auch nicht unendlich groß ist. Dasselbe gilt für Zimmerpflanzen mit einer Tongranulatschicht am Boden, denn auch hier saugt sich der Blähton mit Wasser voll und gibt die Feuchtigkeit an die darüberliegende Erde ab. Es empfiehlt sich daher, zwischen dem Tongranulat am Grund und der Erde darüber eine Vliesschicht einzulegen, damit die Blähtonkugeln nicht verschlämmen.

Zimmerpflanzen in Tongranulat düngen und geeignete Dünger

Bei Hydrokulturen spricht man eigentlich gar nicht von Wasser, sondern immer von einer Nährlösung, denn man muss den Pflanzen über das Wasser ihre benötigten Nährstoffe zur Verfügung stellen. Das Tongranulat liefert schließlich keine Nährstoffe, wie dies bei Erde der Fall ist. Ein optimaler Dünger ist daher komplett wasserlöslich und nicht organisch. Wenn Sie organische Dünger für Ihre Hydrokultur verwenden, lagern sich viele Bestandteile rund um das Tongranulat ab, die nicht umgesetzt werden können. Diese Ablagerungen führen dann wiederum zur Bildung von Pilzen und erzeugen zusätzlich noch einen üblen Geruch. Doch auch Salze können sich ablagern, weshalb es sich empfiehlt, mindestens einmal im Jahr die Pflanzen aus der Hydrokultur zu spülen, den Behälter zu reinigen und auch das Tongranulat ordentlich mit Wasser zu spülen. Lassen Sie dazu das Tongranulat mindestens eine halbe Stunde in reichlich Wasser liegen und anschließend gründlich trocknen.

Kaktus Blähton nah

Einmal im Jahr sollte man den Blähton reinigen, um Schimmel zu vermeiden [Foto: Christina Siow/ Shutterstock.com]

Sie können Blähton aber auch im Backofen desinfizieren, um auf Nummer sicher zu gehen. Geben Sie dazu den Blähton für ungefähr eine Stunde bei mindestens 100 °C in das Backrohr. Wenn das Tongranulat untypischerweise schimmeln sollte, können Sie es ebenfalls mit dieser Methode versuchen, doch am besten wäre es, sich ein neues, frisches Substrat zuzulegen und bei der nächsten Verwendung darauf zu achten, nicht zu viel zu gießen.

Zimmerpflanzen in Tongranulat: Ähnliche Alternativen

Der Klassiker, den die meisten von uns kennen werden, ist Seramis. Dieses ähnelt den Blähton, denn es kann durch seine porige Struktur viel Wasser aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Zudem kann es nicht verdichten und altert auch nicht. In der eckigen Form unterschiedet es sich vom Blähton, aber die rötlich-braune Farbe ähnelt dem Tongranulat sehr. Seramis besteht auch komplett aus Ton, jedoch liegt der pH-Wert bei ungefähr 5,7 – es ist also saurer als Blähton. Einige Pflanzen mögen einen solchen leicht sauren pH-Wert, so zum Beispiel Orchideen (Orchidaceae).

Pflanze in Tongranulat

Optisch unterscheidet sich Seramis durch die eckige Form vom Blähton [Foto: Ralf Geithe/ Shuterstock.com]

Zusammenfassung Pflanzen in Hydrokulturen:

  • Die Pflanzen werden in Tongranulat gesetzt
  • Die Nährstoffversorgung erfolgt über gelöste Nährsalze im Gießwasser, auch Nährlösung genannt
  • Ein Feuchtigkeitsmesser ist unerlässlich bei Hydrokulturen
  • Das Tongranulat muss in Hydrokulturen mindestens einmal im Jahr gereinigt werden

 

Kathi

Ich studiere Phytomedizin in Wien und bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Die Vielfalt der Natur begleitet mich also schon mein ganzes Leben: angefangen im großen Gemüsegarten bis hin zu unseren Weideflächen. Besonders haben es mir Themen rund um den Pflanzenschutz angetan.
Lieblingsobst: Erdbeere
Lieblingsgemüse: Tomate

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