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Bonsai schneiden: Das richtige Vorgehen für den perfekten Schnitt

Von den dekorativen Mini-Bäumchen gibt es zahlreiche Arten. Wir zeigen, wie und wann man Bonsais richtig schneidet und worauf bei den unterschiedlichen Formen und Sorten zu achten ist.

Bonsai der geschnitten wird
Das Schneiden von Bonsais will gelernt sein – einfache Regeln helfen gerade Anfängern [Foto: qSPOoKYp/ Shutterstock.com]

Einen kleinen Baum als Bonsai schneiden – die japanische Kunstform der Baumgestaltung will gelernt sein und hat so ihre Tücken. Doch auch Anfänger können das richtige Schneiden lernen. Wir vermitteln Ihnen die Grundlagen, also alles zum ersten Schnitt, zum Pflege-, Blatt und Wurzelschnitt und dazu, wann es überhaupt an der Zeit ist, den Bonsai zurückzuschneiden. Im Anschluss an diesen Artikel finden Sie nützliche Anleitungen für drei populäre Bonsai-Arten.

Bonsai schneiden: Grundlagen

Beim Schnitt von Bonsais unterscheidet man zwischen dem Pflegeschnitt und dem Gestaltungsschnitt. Während der Pflegeschnitt nur die bestehende Form des Bonsais erhält und verfeinert, dient der Gestaltungsschnitt der Erziehung des kleinen Baumes hin zu seiner malerischen Form. Beide werden händisch durchgeführt, da weder ein kleiner Zimmer- noch ein großer Gartenbonsai jemals die Bekanntschaft mit einer Heckenschere machen sollte.

Ein häufiges Missverständnis ist, dass Bonsais spezielle Zwergformen ihrer großen Verwandten seien. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ganz normale Pflanzensorten, die durch kleine Pflanzgefäße und eben den gezielten Schnitt klein gehalten werden. Das größte zu überwindende Problem ist stets die Apikaldominanz. Das lateinische Wort „apex“ bezeichnet die Spitze von etwas und die Apikaldominanz meint das stärkere Wachstum der Triebspitzen. Dieses Wuchsverhalten ist für Gehölze in der Natur sehr wichtig, um schnell in die Höhe und Breite zu wachsen, um Sonnenlicht auf möglichst großer Fläche aufnehmen zu können und nicht von nebenstehenden Konkurrenten beschattet zu werden. Die gezielte Unterdrückung der Apikaldominanz macht es möglich, Baum-Miniaturen zu erzeugen, die einen scheinbar natürlichen Wuchs haben.

geschnittene Zwergform eines Bonsais
Bonsais sind keine speziell gezüchteten Zwergformen – allein die richtige Pflege hält sie klein [Foto: GrooTrai/ Shutterstock.com]

Wann und wie oft sollte ein Bonsai geschnitten werden?

Der Gestaltungsschnitt wird nur durchgeführt, wenn die Form des Bonsais erstmalig oder auch im Nachhinein neu definiert werden soll. Weil starke Äste entfernt werden und die Überwallung der Schnittstellen für die Pflanze eine große Anstrengung sowie einen Wasserverlust bedeutet, erfolgt der Gestaltungsschnitt nur nach Bedarf und im frühen Frühjahr vor dem Blattaustrieb oder im späten Herbst nach dem Laubabwurf – für immergrüne Pflanzen gelten dieselben Zeiten. Außerdem sollte sich der Gestaltungsschnitt auf nur einen Schnitt im Jahr begrenzen.

Der Pflegeschnitt kommt immer dann zum Einsatz, wenn neue Triebe entstanden sind, also sehr regelmäßig und – je nach Pflanzenart – quasi ganzjährig. Der Schnitt entfernt beständig die Triebspitzen, die wegen der oben erwähnten Apikaldominanz sonst das Wachstum der tieferliegenden Triebe unterdrücken würden. Der regelmäßige Pflegeschnitt sorgt für gleichmäßiges, dichtes Wachstum – nicht nur oben, sondern auf allen Ebenen der Pflanze entlang der Sprossachse.

Das richtige Vorgehen beim Schneiden von Bonsai

Nicht jeder Schnitt verläuft gleich. Wir erklären Ihnen das Vorgehen beim Pflegeschnitt und beim Gestaltungsschnitt im Folgenden ganz genau.

Der Pflegeschnitt bei Bonsai

Der regelmäßige Pflegeschnitt ist der eigentliche Grund dafür, dass das Bonsai-Gehölz sich in der Miniaturform seiner selbst halten lässt. Er ist während der gesamten Wachstumsperiode der Pflanzen möglich und nötig. Mit einer spitzen, scharfen Bonsai-Schere werden nur die Triebspitzen der neu gewachsenen Triebe regelmäßig einzeln abgeschnitten. Sie können auch ganze neue Triebe entfernen, wenn sie nicht ins Gesamtbild passen.
Doch Vorsicht bei Nadelbäumen wie Pinus (Kiefer) oder Larix (Lärche): Bei ihnen wird nicht mit scharfer Schere geschnitten, sondern „pinziert“: Mit einer Pinzette oder mit spitzen Fingern wird die Sprossspitze eher abgedreht oder abgerissen, weil der Einsatz der Schere zu braunen Nadeln führt und von der Pflanze schlecht vertragen wird.
Wichtig ist, dass wirklich nur die weichen, frisch gewachsenen Sprossachsen im Pflegeschnitt entfernt werden – größere Schnittaktionen werden lieber auf einen passenden Termin für den Gestaltungsschnitt verschoben.

Bonsai der geschnitten wird
Frühjahr oder Herbst sind besonders gute Zeitpunkte für den Schnitt [Foto: Daniel Jedzura/ Shutterstock.com]

Tipp: Blattschnitt

Der Blattschnitt kann im Frühsommer an Laubbäumen durchgeführt werden und hat das Ziel, kleinere Blätter zu erzeugen und die Verzweigung anzuregen. Kleine Blätter passen schlicht besser zur verkleinerten Form der Pflanze. Beim Blattschnitt werden alle Blätter oder auch nur ein Teil bis auf den Blattstiel entfernt. Die neu austreibenden Blätter haben eine geringere Größe. Allerdings vertragen nicht alle Laubbäume den Blattschnitt und auch nur gesunde Pflanzen, die nicht gerade erst ein Umtopfen oder einen Gestaltungsschnitt erleben mussten, sollten mit ihm belastet werden.

Der Gestaltungsschnitt bei Bonsai

Der Gestaltungsschnitt in Kombination mit dem Drahten zwingt das zum Bonsai erzogene Gehölz in die vom Gestalter gewünschte Form. Aus Sämlingen oder Stecklingen erzeugte Bonsais werden erst nach ein paar Jahren ganz normalen Wachstums zum ersten Mal einem Gestaltungsschnitt unterzogen – wenn sie auch in ihre verhältnismäßig winzige Bonsai-Schale umziehen. Nun kommt der zukünftige Bonsai auch zum ersten Mal mit einer Spezialerde für Bonsais in Kontakt, die zuvor nicht unbedingt nötig war. Dieser erste Schnitt und auch alle folgenden Gestaltungsschnitte werden in der Regel im frühen Frühjahr oder späten Herbst und in keinem Fall häufiger als einmal jährlich durchgeführt.

Sogar aus jahrzehntealten, hoch gewachsenen Wildpflanzen kann durch eine schonende Behandlung und einen jährlich durchgeführten Gestaltungsschnitt ein malerischer Gartenbonsai werden.
Bei der Formgebung werden auch starke Äste entfernt. Um die Überwallung der dabei entstehenden Wunden zu fördern, sind ein sauberes Arbeiten mit den richtigen Werkzeugen – möglichst Konkavzangen – und die Verwendung einer Wundverschlusspaste wichtig.
Bei der Gestaltung Ihres Bonsais ist Ihre individuelle Kreativität gefragt – Sie bestimmen, welche Form Ihr Kunstwerk später haben wird. Die Entscheidung, welcher Ast bleibt und welcher entfernt wird, fällt nicht immer leicht. Daher haben wir für Sie ein paar wichtige Grundregeln zum Gestaltungsschnitt aufgelistet, an denen Sie sich entlanghangeln können.

  1. Entfernen Sie zuerst alle toten Äste und Ästchen sowie störendes totes Laub, um einen freien Blick auf Ihr Bäumchen zu haben.
  2. Senkrecht wachsende, starke Äste, die auch durch Herunterbinden und Drahten nicht mehr korrigiert werden können, müssen entfernt werden.
  3. Entspringen am selben Stamm auf derselben Höhe zwei Äste, entscheiden Sie sich für einen und entfernen Sie den anderen.
  4. Entfernen Sie einen oder mehrere Äste, wenn sie sich kreuzen.
  5. Lassen Sie unten dickere Äste stehen als oben – so entsteht eine natürlich anmutende Krone.
  6. Entfernen Sie nun alle Äste, die Ihrer Meinung nach nicht „ins Bild passen“ – dabei sollten Sie immer die Sicht aus allen Perspektiven beachten, um eine rundum ästhetische Form zu erhalten.
Bonsai Konkavschere
Für die Entfernung größerer Äste wird eine Konkavzange verwendet [Foto: GrooTrai/ Shutterstock.com]

Tipp: Bonsai-Wurzeln schneiden

Nicht wenige Bonsai-Experten raten dazu, nach einem Gestaltungsschnitt auch die Wurzeln einzukürzen. Das erscheint logisch, da die Pflanze nach dem Gestaltungsschnitt sonst umso stärker ausschlägt, um das richtige Verhältnis von Wurzel und Spross wiederherzustellen. Wurden jedoch zugleich die Wurzeln reduziert, wird diese Reaktion etwas gebremst. In jedem Fall ist es sinnvoll, den Gestaltungsschnitt zusammen mit dem obligatorischen Wurzelschnitt beim Umpflanzen durchzuführen. Von größter Wichtigkeit ist beim Umtopfen der Bonsais übrigens die Verwendung geeigneter Spezialerde für Bonsais. Diese sorgt für ein ausgewogenes Wasser- und Sauerstoffangebot an den Pflanzenwurzeln, sodass diese optimal wachsen können und gesund bleiben.

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Der richtige Schnitt für jede Bonsai-Sorte

Um Ihnen eine gute Orientierung zu geben, stellen wir Ihnen drei Arten von Bonsais und die dazu passenden Schnitttechniken vor. Wir haben zu diesem Zweck eine Zimmerpflanze aus warmen Klimaten, einen Nadel- und einen Laubbaum ausgewählt.

Ficus als Bonsai schneiden

Von der Feige (Ficus) können verschiedene Arten als Bonsai gezogen werden. Für alle gilt: Wer sich einen kräftigen Stamm wünscht, kann den Ficus zu Beginn der Erziehung zwei Jahre lang frei wachsen lassen, denn er verträgt den anschließend nötigen radikalen Gestaltungsschnitt ohne Probleme. Ein anschließender regelmäßiger Schnitt ist unerlässlich – andernfalls verliert das Bäumchen schnell wieder seine Form. Spätestens wenn an einem Trieb sechs bis acht neue Blätter entstanden sind, sollte ein erneuter Pflegeschnitt erfolgen. Einige Arten bilden unpassend große Blätter, doch weil die Ficus-Arten auch den Blattschnitt gut vertragen, kann die Blattgröße problemlos angepasst werden. Der frohwüchsige Ficus regeneriert sich gut und treibt auch aus dem alten Holz wieder aus, große Schnittstellen sollten jedoch mit Wundverschlusspaste versorgt werden.

Ficus Bonsai
Der Ficus-Bonsai ist schnittverträglich und daher sehr anfängerfreundlich [Foto: Roberto Moreno Gonzalez/ Shutterstock.com]

Kiefer als Bonsai schneiden

Auch von der Kiefer (Pinus) sind mehrere Arten geeignet, als Bonsai erzogen zu werden. Für ihren Schnitt ist es wichtig zu wissen, ob die jeweilige Art ein- oder zweimal im Jahr mit neuen Nadeln austreibt: Arten mit zwei Austrieben pro Jahr werden im Früh- bis Hochsommer an den neu entstandenen Trieben („Kerzen“ genannt) bis auf wenige Nadeln eingekürzt. Außerdem werden weiter oben am Trieb liegende Knospen oben angeschnitten, um ihr Auswachsen im zweiten Austrieb zu provozieren. Ist der zweite Austrieb im Herbst geschehen und ausgereift, können überflüssige Triebe entfernt werden. Hierzu zählen zum Beispiel alle bis auf zwei, wenn aus einem einzigen Punkt sehr viele Triebe entspringen, und unbedingt senkrecht wachsende Triebe. Schließlich kann durch das Auszupfen alter Nadeln noch die Wuchskraft etwas gebremst werden.

Bei Arten mit nur einem Austrieb pro Jahr werden die neu entstandenen Kerzen im Früh- oder Hochsommer nur leicht eingekürzt, zudem können bereits überzählige Triebe selektiert werden. Vor allem senkrecht wachsende Triebe sollten Sie entfernen. Auch bei diesen Kiefern können im Herbst die alten Nadeln ausgezupft werden, um die Wuchskraft zu bremsen.

Tipp: Nur die Arten Pinus thunbergii (Japanische Schwarzkiefer) und Pinus densiflora (Japanische Rotkiefer) treiben zwei Mal im Jahr aus. Alle anderen Arten beschränken sich auf einen Austrieb pro Jahr.

Ahorn als Bonsai schneiden

Die oft malerisch wachsenden Ahorn-Bonsai (Acer) sollte mit Bedacht geschnitten werden. Zwar ist der Schnitt von Trieben und kleinen Ästen ganzjährig möglich, ein Gestaltungsschnitt sollte jedoch unbedingt im Herbst oder Sommer erfolgen, um starkes Austreten von Wasser („Bluten“) zu vermeiden und dennoch eine schnelle Überwallung zu fördern. Acer ist anfällig für Pilzerkrankungen, weshalb wann immer möglich zügig ein Wundverschlussmittel aufgebracht werden sollte. Einen Blattschnitt im Sommer verträgt der etwas empfindliche Ahorn nur alle zwei Jahre – oder aber auch jährlich, wenn nur ein Teil der Blätter entfernt wird. Hierbei bietet es sich an, auffällig große Blätter zu entnehmen oder aber gezielt zu stark wüchsige Bereiche zu entblättern, um ihren Zuwachs zu bremsen.

Welche Düngung Ihr Bonsai benötigt, erfahren Sie in diesem Spezial-Artikel!

Herzlichen Dank an Floragard für die Unterstützung!

Ahorn-Bonsai
Von Acer gibt es wunderschöne, doch empfindliche Arten, die zum Bonsai geschnitten werden können [Foto: Walter Pall/ Shutterstock.com]
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