Siebenpunkt-Marienkäfer: Wirksamer Nützling gegen Blattläuse

Sebastian
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Als Gartenbaustudent an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf habe ich mich vor allem mit Nutzpflanzen und Anbautechniken auseinandergesetzt. Es fasziniert mich immer wieder, wie sich aus kleinen, oft ähnlich anmutenden Samen so zahlreiche verschiedene Pflanzen entwickeln.

Lieblingsobst: Heidelbeeren, Trauben, Himbeeren, Birnen
Lieblingsgemüse: Pilze, Paprika, Kohlrabi, Zwiebel, Knoblauch

Siebenpunkt-Marienkäfer sind wohl die bekanntesten Marienkäfer bei uns. Sie gehören zu den ersten Nützlingen überhaupt, die zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurden.

Siebenpunkt-Marienkäfer und Aphide
Der Siebenpunkt-Marienkäfer wurde als einer der ersten Nützlinge gezielt eingesetzt [Foto: Protasov AN/ Shutterstock.com]

Blattläuse (Aphidoidea), die sich von dem Saft geliebter Pflanzen ernähren, sind wohl jedem Gärtner als Schädlinge bekannt. Ein Glück, dass es einen natürlichen Gegenspieler gibt, und zwar den Marienkäfer. In diesem Artikel geht es speziell um den Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata).

Siebenpunkt-Marienkäfer: Steckbrief und Lebensweise

Der Siebenpunkt-Marienkäfer hat wie jedes Insekt 6 Beine, erreicht eine Körperlänge von 5 bis 8 mm und hat, wie der Name bereits verrät, 7 Punkte. Ein besonderes Erkennungsmerkmal des Coccinella septempunctata ist der siebte Punkt, welcher durch die beiden Flügel getrennt und durch zwei helle, längliche Flecken flankiert wird. Am vorderen Brustteil befinden sich zwei weiße Punkte, ebenso am Kopf zwischen den beiden schwarzen Augen. Der Siebenpunkt-Marienkäfer verfügt über zwei Fühler, mit denen er „riechen“ und tasten kann. Anders als bei anderen Marienkäferarten ist der Siebenpunkt sehr einheitlich eingekleidet: Es gibt nur selten Tiere, die bezüglich Punktanzahl oder Deckflügelfärbung abweichen.

Sieben-Punkt Marienkäfer Detailaufnahme
3 auf jeder Seite und einer in der Mitte – die 7 Punkte sind das Erkennungsmerkmal [Foto: Ger Bosma Photos/ Shutterstock.com]

Coccinella septempunctata sind polyphag, sprich, sie haben ein sehr breites Nahrungsspektrum. Neben Blattlausarten, die für die Entwicklung der Larve unbedingt erforderlich sind, wird auch andere Nahrung wie etwa Thripse (Thysanoptera), Blattkäfer (Chrysomelidae) und sogar Eier der eigenen Art gefressen.

Larve eines Siebenpunkt-Marienkäfers
Die Larve des Marienkäfers sieht dem erwachsenen Tier überhaupt nicht ähnlich [Foto: Keith Hider/ Shutterstock.com]

Siebenpunkt-Marienkäfer sind mit den Zweipunkt-Marienkäfern die häufigste in Deutschland vorkommende Art und überwintern oft in Kolonien am feuchten Boden, umgeben von Laub, Gras oder Moos. Sobald die Temperaturen ansteigen, startet die Paarungszeit. Ende April beginnt die Eiablage, wobei ein Weibchen bis zu 400 Eier auf Pflanzenteile ablegt, die meist bereits von Blattläusen befallen sind. Wenige Tage später schlüpfen dann die ersten Siebenpunkt-Marienkäfer-Larven und machen sich räuberisch über die Blattläuse her. Nach drei Häutungen verpuppen die Larven und etwa eine Woche später schlüpft aus der Puppe ein Siebenpunkt-Marienkäfer.

Coccinella septempunctata
Marienkäfer überwintern zu Vielen in Spalten oder unter Steinen – oder in Hausfluren

Siebenpunkt-Marienkäfer bilden in Deutschland pro Jahr meist nur eine Generation, in südlicheren Ländern kommt es durchaus häufiger zu zwei Generationen pro Jahr. In Indien wurden sogar 15 bis 20 Generationen beobachtet. Jedes Individuum des Siebenpunkt-Marienkäfers wird etwa 12 Monate alt.
Während dieser Zeit wechselt es den bevorzugten Lebensraum: Larven wachsen geschützt in Krautschichten auf. Die Käfer wandern für den Reifefraß in Sträucher ab und überwintern dann an Bäumen, in Häusern oder am Boden. Im Frühjahr gehen sie zur Eiablage wieder dorthin, wo ihre Larven behütet und bodennah an krautigen Pflanzen aufwachsen können.

weiblicher Siebenpunkt-Marienkäfer
Die Weibchen suchen gezielt Blattlaus-Kolonien, um dort ihre Eier abzulegen

Die Siebenpunkt-Marienkäfer ernähren sich überwiegend von ihren Nachbarn, den Blattläusen. Werden die Läuse knapp, ernährt sich Coccinella septempunctata notfalls auch von Pollen und Pilzsporen oder wandert ab zur nächsten Blattlaus-Kolonie. Die Aktivität des Käfers ist witterungsabhängig: Ab 18 °C und ohne Regen entwickeln sich die Eier innerhalb von zwei Monaten bis zur Puppe. Bei 25 °C hingegen dauert es nur 15 Tage.

Siebenpunkt-Marienkäfer-Larve
Kurz nach dem Schlupf ist der Marienkäfer noch hell und hat weiche Deckflügel [Foto: JorgeOrtiz_1976/ Shutterstock.com]

Siebenpunkt-Marienkäfer als Nützling gegen Blattläuse

Für eine natürliche und wirksame Blattlausbekämpfung ganz ohne synthetische Pflanzenschutzmittel ist beispielsweise der Einsatz unserer Plantura Siebenpunkt-Marienkäfer ab circa 18 °C möglich und wirksam. Damit Sie bei der Anwendung von Siebenpunkt-Marienkäfern Erfolg haben, sollten Sie einige Dinge beachten.

Erfolgreicher Einsatz von Siebenpunkt-Marienkäfern:

  • Verzichten Sie 6 Wochen im Voraus auf die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel.
  • Gegebenenfalls übermäßig viele Ameisen vor Anwendung entfernen.
  • Am Bekämpfungsort sollten mindestens 18 °C herrschen.
  • Der Einsatz in geschlossenen Räumen wie Wintergärten, Zimmern und Gewächshäusern ist sehr viel effektiver als im Freiland, wo die Käfer dazu neigen, abzuwandern.
  • Der Erfolg des Einsatzes zeigt sich bei guten Bedingungen nach wenigen Tagen.

Tipp: Nützlinge wie unsere Marienkäfer reagieren empfindlich auf Pflanzenschutzmittel. Doch einige davon sind für die Käfer weniger schädlich oder werden so schnell abgebaut, dass die sich Wartezeit zwischen ihrer Anwendung und dem Nützlingseinsatz verkürzt: Mittel auf Rapsöl- oder Kaliseifen-Basis und Neem-Präparate wie unser Plantura Bio-Schädlingsfrei Neem können noch eine Woche vor dem Erhalt der Nützlinge verwendet werden, um die Schädlinge zu dezimieren.

Fliegender Siebenpunkt-Marienkäfer
Unter den bunten Deckflügeln liegen die häutigen Flügel, mit denen geflogen wird [Foto: Andrey Armyagov/ Shutterstock.com]

Wie bekämpfen Siebenpunkt-Marienkäfer Blattläuse?

Siebenpunkt-Marienkäfer legen ihre Eier gezielt an Pflanzen ab, die bereits von Blattläusen befallen sind. Die frisch geschlüpften Coccinella septempunctata Larven sind besonders gefräßig und verputzen je nach Blattlausart bis zu 1200 Läuse während ihrer Entwicklungszeit, während ausgewachsene Siebenpunkt-Marienkäfer nur noch bis zu 150 Blattläuse am Tag fressen. Junge Larven des Siebenpunkt-Marienkäfers vertilgen meist auch kleinere Beutetiere, indem sie diese anbeißen und anschließend aussaugen. Größere Larven und ausgewachsene Käfer können ihre Nahrung hingegen vollständig zerkauen.

Mehrere Siebenpunkt-Marienkäfer-Larven
Die wahren Helden sind die Larven des Coccinella septempunctata [Foto: Tomasz Klejdysz/ Shutterstock.com]

Vorgehen bei der Anwendung als Nützling

So setzen Sie Marienkäfer als Nützling ein:

  • 150 Käfer reichen zur Bekämpfung von etwa 10 m² befallener Fläche.
  • Stellen Sie die Pflanzen möglichst nah zusammen, damit die Siebenpunkt-Marienkäfer gut von einem Gewächs zum nächsten wandern können.
  • Nach Erhalt möglichst am selben Abend oder Folgemorgen ausbringen.
  • Verpackung am Anwendungsort öffnen.
  • Folienstücke mit den Eiern vorsichtig entnehmen und an den Befallsort legen.
  • Alternativ: Befestigung per Wäscheklammern.
  • Möglichst nah an die Blattläuse.
  • Mind. 18 °C, Orte mit starker Sonneneinstrahlung meiden.
  • Abwarten, beobachten und nach ca. 3 Wochen Bekämpfungserfolg kontrollieren.

Nicht nur Siebenpunkt-Marienkäfer, sondern auch viele weitere Tiere können Ihnen gegen Schädlinge helfen. In unserem Spezialartikel stellen wir Ihnen 10 Nützlinge im Garten vor, die Sie kennen und fördern sollten.

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