‘Bramleys Sämling’: Anbau, Pflege & Ernte

Kati
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Ich bin gelernte Gärtnerin und studierte Gartenbauwissenschaftlerin und liebe alles was wächst und grünt! Egal ob Strauch, Baum, Nutzpflanze oder vermeintliches Unkraut: Für mich ist jede Pflanze ein kleines Wunder.
Im Garten versorge ich meine 13 Hühner, baue Obst & Gemüse an und beobachte ansonsten, wie sich die Natur selbst verwaltet und gestaltet.

Lieblingsobst: Heidelbeere, Apfel
Lieblingsgemüse: Schmorgurke, Grünkohl, grüne Paprika

Der Bramley ist ein großer Apfel, der vor allem zum Backen und Kochen verwendet wird. Trotz seiner britischen Herkunft liebt er feuchtes und kühles Wetter gar nicht. Dafür hat er eine interessante Entstehungsgeschichte vorzuweisen.

Apfelsorte 'Bramleys Sämling'
Der ‘Bramley’ ist vielfältig kultivierbar [Foto: Ann Stewart/ Shutterstock.com]

Der Bramley-Apfel (Malus domestica ‘Bramleys Sämling’) ist ein Teil britischen Nationalstolzes. Wo und wie der große Mostapfel am besten gedeiht und woher sein Name stammt, können Sie im Folgenden nachlesen.

‘Bramleys Sämling’: Steckbrief

SynonymeBramleys, Bramley‘s Seedling, Triomphe de Kiel
Frucht Groß bis sehr groß, grün-gelb, wenig Deckfarbe
GeschmackSauer, aromatisch
ErtragMeist hoch, Massenträger
ErntezeitSeptember
GenussreifeAb November
LagerfähigkeitGut, bis März
WuchsMittel bis stark
BodenLeichtere Böden empfohlen
Krankheiten und SchädlingeAnfällig für Obstbaumkrebs; Blüte frostempfindlich

Herkunft und Geschichte des Apfels

Der englische Apfel ‘Bramleys Sämling’ trägt seinen Namen eigentlich zu Unrecht, streng genommen müsste diese Sorte ‘Brailsfords Sämling’ heißen. Denn der große Küchenapfel entstand aus einem Apfelsamen, den die kleine Mary Ann Brailsford Anfang des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in Nottinghamshire in einen Topf steckte. Den Samen hatte das Mädchen einfach aus einem Apfel geklaubt, den ihre Mutter zum Backen eines Kuchens verwendete. Daher sind die Eltern der Sorte bis heute nicht bekannt. Aus dem Apfelsamen entwickelte sich ein Baum, der erst nach über zehn Jahren begann, in die fruchtbare Lebensphase zu wechseln, wie es für die Gattung Malus üblich ist. Zu diesem Zeitpunkt war die Familie Brailsford bereits ausgezogen sowie teilweise verstorben und ein Schlachter namens Bramley bezog das Cottage. Der Sohn eines ansässigen Baumschulbesitzers gelangte durch Zufall an die großen, grünen und sauren Äpfel, die in dem Garten des Metzgers wuchsen, und bat um einige Stecklinge, um den Baum in der Familiengärtnerei vermehren zu dürfen. Es dauerte nur wenige Jahre, bis ‘Bramleys Sämling’ im Vereinigten Königreich zunehmend beliebt wurde. Auch heute noch wird er in vielen Obstbaumschulen produziert und besonders gern in der englischen Küche verwendet. Außerhalb des Vereinigten Königreiches ist die Sorte allerdings nur wenig bekannt.

Southwell in Nottinghamshire
Southwell in Nottinghamshire präsentiert sich als Entstehungsort des ‘Bramley’ [Foto: Alastair Wallace/ Shutterstock.com]

Apfelsorte ‘Bramley’: Aussehen und Geschmack

Der ‘Bramley’ ist groß bis sehr groß und bauchig oder flachrund geformt. Nicht selten sind die Hälften ungleich, was an einer unvollständigen Befruchtung liegt. Entsprechend enthalten oft nicht alle Fächer des großen Kernhauses einen Samen. Die Schale ist elastisch und fettig glänzend vor Wachs-Ausscheidungen. Die Grundfarbe ist gelblich grün und wird sonnenseits gesprenkelt oder gestreift mattrot überdeckt. Die Rippen, welche die fünf Fruchtblätter repräsentieren, sind deutlich vorgewölbt. Der Stiel ist kurz, dick und sitzt in einer engen Grube. Das Fruchtfleisch von ‘Bramleys Seedling’ ist gelblich grün und mittelgrob bis grob. Der saftige, aromatische Genuss als purer Apfel wird von dem hohen Gehalt an Äpfelsäure geprägt, bei vergleichsweise geringem Zuckergehalt. Daher wird der ‘Bramley’ selten als Tafelapfel verzehrt.

Reife 'Bramley' Äpfel
Der ‘Bramley’ ist im vollreifen Zustand matt rot gestreift oder gepunktet [Foto: D. Pimborough/ Shutterstock.com]

Malus ‘Bramley’ pflanzen und pflegen

Der ‘Bramley’ kann unter Verwendung der richtigen Unterlage als Kleinbaum oder auch als großer, naturbelassener Baum kultiviert werden, der jede Streuobstwiese bereichert. Wenn der Baum auf eine schwachwüchsige Unterlage wie ‘M27’ veredelt wurde, bleibt er klein, muss jedoch lebenslang durch eine stabile Anbindung gestützt werden, besonders wenn sich die Äste des Masseträgers vor Früchten biegen. Empfehlenswert für mittelgroße oder große Hausgärten ist die Veredelung auf eine mittelstark wachsende Unterlage wie ‘MM111’. Auf diese Weise wird der Baum in der Regel nur maximal 5 m hoch. Auf Sämlingsunterlagen kann sich der ‘Bramley’ zu einem 7 m hohen und 5 m breiten Baum entwickeln.


Allgemein liebt der ‘Bramley’ keine tonreichen, schweren Böden, sondern eher leichte, sandige Untergründe, die sich im Frühjahr schnell erwärmen. Nebelfeuchte, spätfrostgefährdete Lagen sind nicht gut geeignet, denn die mittelfrühe Blüte des ‘Bramleys Seedling’ ist frostanfällig. Zudem wächst der Apfelbaum ‘Bramley’ auf zu schweren Böden stark vegetativ, woraus mehr Schnittaufwand und weniger Äpfel resultieren. Der Standort sollte sonnig und warm sein.

Bramleys Sämling' Baum
Auf Sämlingsunterlagen wird ‘Bramleys Sämling’ zu einem stattlichen Baum [Foto: Martin Christopher Parker/ Shutterstock.com]

Gute Befruchtersorten für ‘Bramleys Sämling’ sind beispielsweise ‘Gloster’, ‘Danziger Kantapfel’, ‘Cox‘ Pomona’ und ‘Croncels’. Selbst ist der ‘Bramley’ jedoch kein guter Befruchter, da er einen dreifachen Satz Erbgut besitzt, was seine Größe erklärt, aber die Befruchtung von anderen Sorten unmöglich macht.

Als Masseträger kann der ‘Bramley’ bei falschem Schnitt leicht zum Alternieren, also zu jährlich stark schwankenden Erträgen getrieben werden. Daher sollte ein Schnitt entweder nur selten und behutsam oder aber jährlich durchgeführt werden, keinesfalls jedoch gelegentlich und radikal. Mehr zum Thema „Apfelbaum schneiden“ erfahren Sie in unserem weiterführenden Themenartikel.

Um weniger, aber dafür große Früchte zu ernten und eine Alternanz auszugleichen, können (zu) starke Fruchtansätze ausgedünnt werden. Dafür werden pro Fruchtstand alle Früchtchen bis auf eine entfernt, wenn diese etwa haselnussgroß sind.

Geerntete 'Bramley Sämling' Äpfel
Der ‘Bramley’ ist ein Massenträger [Foto: Mick Harper/ Shutterstock.com]

Der ‘Bramleys’ ist anfällig für Obstbaumkrebs. Ganz besonders tritt dies an zu feuchten Standorten zutage – demzufolge kann dem Befall durch die Wahl einer luftigen, sonnigen Lage mit durchlässigem Boden effektiv vorgebeugt werden. Für andere Krankheiten ist der ‘Bramley’ nicht anfällig.

Erntezeit und Verwendung des Bramley-Apfels

Die Apfelsorte ‘Bramleys Sämling’ kann im September geerntet werden. Früh geerntete Äpfel sind bis in den März haltbar, wenn sie gesund an einem 2 bis 4 °C kühlen, luftfeuchten Ort eingelagert werden. Die Genussreife wird erst ab November erreicht. Allerdings sind die aromatisch duftenden Früchte nicht unbedingt für den direkten Verzehr geeignet. Vielmehr ist der ‘Bramley’ nun bereit, zu köstlichen Bratäpfeln, Apfelkuchen oder – ganz traditionell – zu Apfelsoße verarbeitet zu werden. Die Frucht behält beim Backen ihre Struktur und entfaltet ein köstliches Aroma. Auch zum Mosten ist der Apfel gut geeignet, besonders weil er als Masseträger auf der Streuobstwiese schlicht viel Obst produziert.

Bramleys Sämling' Apfelkuchen
Der ‘Bramleys Sämling’ ist ein sehr guter Backapfel [Foto: rigsbyphoto/ Shuttertsock.com]

Der Apfel ‘Bramleys Sämling’ ist eine unkomplizierte Bereicherung für den Hausgarten, der seine Besitzer nicht mit Krankheiten plagt. Eine ebensolche Sorte ist der ‘Rheinische Winterrambur’, der eine köstliche Süße entwickelt.

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