Apfelsorte ‘Kanadarenette’: Geschmack, Anbau & Verwendung im Steckbrief

Kati
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Ich bin gelernte Gärtnerin und studierte Gartenbauwissenschaftlerin und liebe alles was wächst und grünt! Egal ob Strauch, Baum, Nutzpflanze oder vermeintliches Unkraut: Für mich ist jede Pflanze ein kleines Wunder.
Im Garten versorge ich meine 13 Hühner, baue Obst & Gemüse an und beobachte ansonsten, wie sich die Natur selbst verwaltet und gestaltet.

Lieblingsobst: Heidelbeere, Apfel
Lieblingsgemüse: Schmorgurke, Grünkohl, grüne Paprika

Der Sortenname der ‘Kanadarentte’ mag fälschlicherweise auf einen Apfel für kalte Regionen hindeuten. Wir erklären, warum die ‘Renette du Canada’ sich an der sonnigen Südwand sehr viel wohler fühlt und was man bei der Pflege des Apfelbaums beachten sollte.

Kanadarenette-Baum an einer Hauswand
Ihr hohes Wärmebedürfnis kann die ‘Kanadarenette’ an einer Südwand am besten stillen [Foto: Sarah Schofield/ Shutterstock.com]

Die ‘Kanadarenette’ ist eine alte Sorte mit besonderer Optik, Geschmack und Vorlieben was den Anbau betrifft. Der Winterapfel hat viele Namen: In Frankreich nennt man ihn ‘Canada Reinette’, ‘Renette du Canada’ oder ‘Reinette de Caen’. Bei uns spricht man auch mal von der ‘Pariser Ramburrenette’ oder der ‘Weiberrenette’.

‘Kanadarenette’: Steckbrief

Synonyme‘Renette du Canada’, ‘Canada Reinette’, ‘Reinette de Caen’, ‘Pariser Ramburrenette’, ‘Weiberrenette’
Fruchtmittelgroß bis sehr groß; grün- bis goldgelbe Grundfarbe mit trüb-oranger Deckfarbe
Geschmacksaftig und süßweinsäuerlich
Ertragregelmäßig
Erntezeitab Oktober
GenussreifeDezember
Lagerfähigkeitgut; bis März lagerbar
Wuchsstark
Klimawarmes Weinbauklima
Krankheiten und Schädlingeauf ungeeigneten Standorten anfällig für Holzfrost, Blütenfrost, Obstbaumkrebs, Schorf, Mehltau

Geschichte und Herkunft der ‘Kanadarenette’

Die Herkunft der ‘Kanadarenette’ ist nicht wirklich geklärt: Klar ist, dass sie sehr alt sein muss, denn sie wurde schon 1771 erstmals pomologisch beschrieben. Sie war auch vor 1800 bereits in Deutschland bekannt. Damals hielt man es für wahrscheinlich, dass die Apfelsorte aus Frankreich stammt. Ob die vielen französischen Synonyme Ursache oder Folge dieser Annahme sind, bleibt jedoch unklar. Andere Quellen dagegen berichten, dass die Sorte aus England komme. Nur mit dem Land Kanada hat die Sorte heute keine bekannte Verbindung mehr.
Fest steht, dass die ‘Kanadarenette’ ehemals eine bedeutende Rolle als Importfrucht aus Norditalien und sogar Albanien hatte: Als „Exotische Südfrucht“ wurde die wärmeliebende ‘Kanadarenette’ auf dem Markt angepriesen.

Neben der Urform gibt es noch einige Varietäten, also leicht von der Sorte abweichende, zufällig entstandene „Unter-Sorten“: Die Weiße Kanadarenette’, die ‘Gestreifte Kanadarenette’ und die ‘Graue Kanadaranette’, die eine viel stärkere Berostung der Schale aufweist.

Aussehen, Geschmack und Eigenschaften der Apfelsorte

Die Äpfel der ‘Kanadarenette’ sind mittelgroß bis sehr groß. Früchte mit einem Gewicht von 500 Gramm sind keine Seltenheit. Die Form ist oft ungleichmäßig, eine Seite ist dann dicker als die andere. In der Regel ist der Apfel aber kugelförmig abgeflacht, manchmal auch breit-kegelförmig. Oft sind fünf starke Kanten erkennbar. Die Grundfarbe der Schale ist grüngelb bis goldgelb, die Deckfarbe nimmt maximal ein Viertel der Oberfläche ein und ist schwach trüb-orange. Die Textur der Schale ist rau, dick, fast ledrig. Viele verdickte, manchmal zimtfarben berostete Lentizellen sind darauf sichtbar.

Äpfel der Sorte Kanadarenette in einer Schüssel
Die ‘Kanadarenette’ trägt große, runde Äpfel von grüngelber Farbe

Das Fleisch der Frucht ist gelb geadert und mittelfeinzellig. Es ist saftig und hat ein kräftiges, ausgewogen süßweinsäuerliches Aroma. Im Verlauf der Lagerung wird das Fruchtfleisch mürbe. Im Kernhaus befinden sich oft taube Kerne.

Anbau und Pflege der ‘Kanadarenette’

Wer überlegt, die Apfelsorte ‘Kanadarennte’ in den heimischen Garten zu holen, der sollte sich ihrer hohen Ansprüche an das Klima bewusst sein: Der Kanadarenette-Baum braucht ein warmes Weinbauklima. Spätfrostlagen oder Höhenlagen mit niedriger Jahresmitteltemperatur schmälern die Gesundheit des Baumes und die Fruchtqualität. Für eine gute Entfaltung des Aromas in der Frucht ist viel Sonne und Wärme nötig.
Die Blüte der ‘Kanadarenette’ öffnet sich mittelfrüh und anhaltend. Leider ist sie frostempfindlich, was ein weiterer Grund für ihre Vorliebe für milde Lagen ist.

Auch der Boden darf nicht zu nass und kalt sein, schwere Lehm- und Tonböden sind damit ungeeignet für den Anbau dieser besonderen Sorte. Vorübergehende Trockenheit hingegen wird recht gut vertragen. Sehr sandige Böden, sollten dennoch mit reifem Kompost oder einer guten Pflanzerde verbessert werden, ehe der Baum hineingepflanzt wird. Der Untergrund für die ‘Kanadarenette’ sollte durchaus reich an Nährstoffen sein. Eine nährstoffreiche, am besten torffreie Pflanzerde wie unsere Plantura Bio-Universalerde ist hierfür empfehlenswert.

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Die ‘Kanadarenette’ wächst in der Jugend und auch im höheren Alter eher stark. Die Krone wird breitkugelig und nimmt beachtliche Ausmaße an. Im Alter bilden sich überhängende Äste. Trotz des starken Wachstums ist diese Sorte durch ihre Kompatibilität mit schwächer wachsenden Unterlagen hervorragend zur Erziehung als niedriger Viertelstamm, Buschbaum, Spalier- oder Formobst zu verwenden. Eine Veredelung der ‘Kanadarenette’ auf die Unterlagen-Sorten M9 oder M26 ist bei der strengen Erziehung als Form- und Spalierobst geeignet. In einem Spalier vor einer wärmenden Südwand kann so das Wärmebedürfnis der Sorte optimal befriedigt werden. M9 eignet sich auch gut für die Erziehung als normaler, kleinkroniger Baum.

Gute Befruchter sind die Sorten ‘Ananasrenette’, ‘Baumanns Renette’, ‘Freiherr von Berlepsch‘ und ‘Cox Orange‘.

Wichtig: Die Kanadarenette ist eine triploide Sorte, was bedeutet, dass sie einen dreifachen Chromosomensatz besitzt. Die meisten anderen Sorten jedoch besitzen nur einen zweifachen (diploiden) Satz ihres Erbgutes. Triploide Sorten können von diploiden Sorten befruchtet werden, andersherum funktioniert das aber leider nicht. Um auch von der Befruchtersorte Äpfel ernten zu können, muss also ein weiterer Baum in der Nähe stehen, der diesen wiederum befruchtet.

In milden Lagen ohne Gefahr von Blütenfrost trägt die Kanadarenette regelmäßig Jahr für Jahr ihre schmackhaften Äpfel. Vor zu vielen Äpfeln mit geringer Qualität schützt sie sich effektiv selbst, indem sie im Frühsommer eine Vielzahl grüner Früchtchen abwirft. Die ‘Kanadarentte’ nimmt also ihre Ausdünnung selber vor und schützt sich so vor Alternanz.
Ihren Standortvorlieben entsprechend ist die ‘Kanadarenette’ auf zu kalten und nassen Böden anfällig für Holzfrost, Blütenfrost, Obstbaumkrebs sowie in geringerem Maße für Schorf und Mehltau.

‘Kanadarenette’ ernten und verwenden

Die ‘Kanadarenette’ ist im Oktober bereit, gepflückt und eingelagert zu werden. Erst im Dezember erreicht sie aber ihre höchste Genussreife. Bei einer möglichst kühlen Lagerung – optimalerweise circa 3 °C – ist der Apfel bis in den März lagerbar. Durch die derbe Schale ist das Lagern und sogar das Versenden problemlos möglich. Die bevorzugte Verwendung ist dem hervorragenden Geschmack der Sorte geschuldet: Die ‘Kanadarenette’ wird vor allem als Tafelobst genossen. Doch auch zum Backen und Mosten eignet sie sich.

Lässt das Klima in Ihrer Region den Anbau der ‘Kanadarenette’ problemlos zu? Dann können Sie sich auch im Anbau von Wein probieren, denn Rebsorten wie ‘Muscat Bleu‘ entfalten ihr hervorragendes Aroma ebenfalls nur bei ausreichender Wärme.

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