Weinrebe schneiden: Zeitpunkt & Anleitung zum Rückschnitt

Kati
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Ich bin gelernte Gärtnerin und studierte Gartenbauwissenschaftlerin und liebe alles was wächst und grünt! Egal ob Strauch, Baum, Nutzpflanze oder vermeintliches Unkraut: Für mich ist jede Pflanze ein kleines Wunder.
Im Garten versorge ich meine 13 Hühner, baue Obst & Gemüse an und beobachte ansonsten, wie sich die Natur selbst verwaltet und gestaltet.

Lieblingsobst: Heidelbeere, Apfel
Lieblingsgemüse: Schmorgurke, Grünkohl, grüne Paprika

Weinreben tragen immer nur an einjährigen Trieben Früchte. Ein regelmäßiger Schnitt befreit die Rebe von unfruchtbaren Trieben und hält sie gesund. Die Weinrebe dankt die Pflegemaßnahme mit aromatischen Trauben und hohen Erträgen.

Weinstock-Schneiden
Der Rebschnitt muss stimmen, wenn man einen ordentlichen, gesunden Stock wünscht [Foto: Francescomoufotografo/ Shutterstock.com]

Weinreben zu schneiden, erfordert viel Erfahrung und die richtige Vorgehensweise. Dabei ist der häufigste Fehler, Weinreben gar nicht oder zu wenig zu kürzen. Dieser Artikel gibt Erklärungen, wieso, wann und wie man Weinreben schneidet.

Muss man Weinreben schneiden?

Für eine gesunde Weinrebe, die viele, schmackhafte Trauben trägt, sollte ein regelmäßiger Schnitt erfolgen. Wichtige Gründe für den Schnitt von Weinreben ist gute Belüftung und Belichtung im Stock. Dadurch wird die Krankheitsanfälligkeit des Stocks verringert und die Qualität der Früchte erhöht.

Was passiert, wenn der Wein nicht geschnitten wird? Eine ungeschnittene Weinrebe verwildert und erobert sich im Garten schnell viel Raum. Sie ist nur noch schwer zu bändigen und schlägt an anderer Stelle neue Wurzeln. Rebsorten werden fast immer auf eine gegen Reblaus resistente Unterlage veredelt. Die neu bewurzelten Triebe sind von der Unterlage befreit und daher anfällig für die im Weinbau gefürchteten Schädlinge. Da verwilderter Wein einen Großteil seiner Energie in die Bildung von Laub und Trieben steckt, produziert er weniger Trauben von minderer Qualität. Außerdem wächst er weniger dicht, was bei einer Weinrebe als Sichtschutz oder Schattenspender im Garten unerwünscht ist.

Weinreben an Wohnhaus
Wein sollte jedes Jahr geschnitten werden, damit er nicht wuchert und gesunde Früchte trägt [Foto: CherylRamalho/ Shutterstock.com]

Wann schneidet man Weinreben?

Drei Zeitfenster sollte man sich für den Schnitt von Weinreben merken:

  • Winter: Hauptschnitt (essenziell)
  • Frühjahr bis Sommer: Ausbrechen überschüssiger Triebe
  • Sommer: Optionales Auslichten
Wein vor Winterschnitt
Wenn es nicht stark friert, kann der Winterschnitt der Rebe erfolgen [Foto: John_Silver/ Shutterstock.com]

Wein schneiden im Herbst und Winter

Während der gesamten laubfreien Zeit von Herbst bis in den späten Winter kann der Hauptschnitt erfolgen. Bei stark wuchernden Reben ist ein später Schnitt, je nach Klima bis in den März hinein, zu empfehlen. Alte Reben werden besser im Winter geschnitten, um die Pflanze zum stärkeren Austrieb anzuregen. Generell ist bei der Terminwahl auf eine Temperatur von mindestens – 5 °C zu achten.

Am Rebstock gibt es bei guter Erziehung zum Zeitpunkt des Winterschnitts ein kräftiges Stammgerüst mit vielen, ineinander verwachsenen Vorjahrestrieben. Unter diesen erfolgt eine Auswahl:

  • Fruchtholz: Das sind verholzte Triebe, am Rebstamm ansetzend. Daraus gehen im Frühjahr die grünen, blühenden und fruchtenden Fruchtruten hervor. Triebe, die im kommenden Jahr Früchte tragen sollen, werden daher gekürzt. Ein Kürzen aller Triebe auf 1 bis 2 Augen, die „Zapfen“, ist für Anfänger geeignet und wird von den meisten Rebsorten gut vertragen.
    Bei besonders wüchsigen, jungen Pflanzen kann auch ein mittlerer Schnitt einzelner Triebe in Betracht gezogen werden, um übermäßige Laubbildung zu verhindern und den Ertrag zu steigern. Dabei wird das Fruchtholz 3 bis 5 Augen lang gelassen. Diese längeren „Stecker“ müssen im Folgejahr nach dem Tragen vollständig entfernt werden.

    Tipp: Ein langer Schnitt auf 8 bis 12 Augen wird oft in Weinbergen praktiziert. Dieser Schnitt ist etwas komplizierter und für Anfänger weniger geeignet. Mit den zuvor beschriebenen kurzen und mittleren Schnittpraktiken lassen sich im Privatanbau aber gute Erträge erzielen.
  • Stammholz: Wenn erwünscht, belassen Sie wenige Triebe als Stammverlängerung. Sie dienen dem langfristigen Stockaufbau und werden über die Jahre zum Stammgerüst.

Wein schneiden im Frühjahr

  • Ab März und über die Folgemonate hinweg ist das Ausbrechen von Trieben, die dem im Winter beschnittenen Fruchtholz entwachsen und keine Blütenansätze aufweisen, sinnvoll. Da sie keine Früchte tragen werden, sollten sie entfernt werden.
  • An wuchskräftigen Pflanzen sind danach häufig noch viele fruchtbare Triebe übrig. Dann ist es sinnvoll, je Fruchtholz nur den kräftigsten Trieb mit Fruchtansatz auszuwählen und zu belassen. Alle anderen werden entfernt.

Tipp für das Ausbrechen: Solange die Triebe noch frisch und unverholzt sind, empfiehlt sich das Brechen oder Abstreifen am Triebansatz von Hand. Findet man erst im Sommer Zeit auszubrechen, ist ein Schnitt aufgrund der beginnenden Verholzung der Triebe sinnvoller, um nichts zu verletzen.

junge Weintriebe
Nur junge Triebe mit Fruchtansatz werden am Stock belassen [Foto: PeterPike/ Shutterstock.com]

Wein schneiden im Sommer

Sommerschnitt von Wein ist umstritten und nicht unbedingt nötig – Gründe dafür sind:

  • Wurde im Frühjahr nicht ausgebrochen, so ist dies unbedingt im Sommer nachzuholen.
  • Wird Wert auf eine ordentliche Optik, zum Beispiel bei einem Weinspalier, gelegt, wird der Sommerschnitt gerne praktiziert. Störende Triebe ohne Früchte werden dabei entfernt.
  • Wenn sich sehr viel Blattwerk gebildet hat, das die Trauben beschattet, ist das „Entlauben“ im Sommer sinnvoll. Entfernen Sie niemals alles Grün auf einmal, um Sonnenbrand zu vermeiden. Stattdessen in mehreren Durchgängen alle Blätter rund um die Trauben abtrennen, wodurch die Früchte gleichmäßig abreifen und Pilzbefall vorgebeugt wird.
Weinreben im Sommer
Um das gleichmäßige Abreifen der Früchte zu unterstützen, werden Weinreben im Sommer entlaubt [Foto: Matthew J Thomas/ Shutterstock.com]

Anleitung: Weinreben richtig schneiden

Generell gilt beim Schnitt von Weinreben: Immer mit einer sauberen und scharfen Gartenschere arbeiten, um Infektionen und Quetschungen zu verhindern und die Pflanze nicht unnötig zu belasten.

Tipp: Werden grobe Schnitte zur Erziehung vorgenommen, so ist diese Maßnahme im Dezember empfehlenswert, damit die Wunden im Frühjahr nicht so stark ausbluten.

Reben-Schneiden
Der Rebschnitt ist unkompliziert, wenn man es einmal verstanden hat [Foto: Francescomoufotografo/ Shutterstock.com]

Alten Weinstock schneiden

Die Abgänge am Stamm einer alten Weinrebe sind nach den vielen jährlichen Schnitten wulstig verwachsen und dadurch weniger wuchsfreudig. Es ist an der Zeit, auf einen stammnahen, aufrechtwachsenden Wasserschosser zu verjüngen. Hierbei kann so vorgegangen werden:

  • Einen senkrechter Wasserschosser wird stehen gelassen. Ist keiner vorhanden, kann ein Kerbschnitt durchgeführt werden. An der gewünschten Stelle wird oberhalb einer ausgewählten Knospe eine halbmondförmige Kerbe, die bis in den Holzkörper des Triebes reicht, angebracht. Auf diese Weise wird die darunterliegende Knospe durch einen Saft- und Hormonstau zum Austrieb angeregt.
  • Im Folgejahr ist der Trieb verholzt und kann beim Winterschnitt auf die gewünschte Stammhöhe gekürzt werden.
  • Zur Sicherheit den Stock noch ein Jahr zweistämmig belassen.
  • Im dritten Jahr kann der alte Stamm entfernt werden.

Um einen vermehrt vegetativen Wuchs des alten Weinstocks zu fördern, ist eine Stickstoffdüngung im Frühjahr empfehlenswert. Unser Plantura Bio-Universaldünger besteht vornehmlich aus rein organischen, pflanzlichen Ausgangsstoffen und bietet zur Versorgung Ihrer Weinrebe die ideale Nährstoffzusammensetzung. Ausreichend Stickstoff fördert das Wachstum sowie die Blattbildung. Ein hoher Anteil an Kalium und Phosphor unterstützt zudem Ihre Pflanze in der Blüten- und Fruchtbildung optimal.

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Junge Weinrebe schneiden

Der Erziehungsschnitt einer jungen Weinrebe erfolgt über mehrere Jahre hinweg:

  • 1. Jahr nach der Pflanzung: Der hochgewachsene, veredelte Trieb ist nun verholzt. Er wird später einmal zum kräftigen Stamm der Weinrebe im März auf die gewünschte Höhe von 60 cm, bei Spalierreben auch mehr, gekürzt. Die Triebe der oberen beiden Augen werden für die Ausbildung von Fruchtruten im kommenden Jahr belassen, alle anderen ausgebrochen.
  • 2. Jahr: Einer der beiden im Vorjahr belassenen Triebe wird auf 6 – 8 Augen und der andere zu 1 – 2 cm langen Zapfen gekürzt. Der längere Trieb wird gebogen und an den Spalierdraht gebunden – aus ihm wird in diesem Sommer die erste Traubenernte hervorgehen.
  • 3. Jahr: Zwei aus dem Zapfen wachsende, junge Triebe werden gebogen und auf den unteren Spalierdraht gebunden – sie produzieren im kommenden Jahr Früchte. Der abgetragene Fruchtholztrieb des Vorjahres wird vollständig entfernt. Außerdem wird von den übrigen Trieben wieder einer ausgewählt und zum Zapfen geschnitten, damit daraus die Fruchtruten des folgenden Jahres entwachsen können.
  • 4. Jahr: Optional kann man durch das Belassen eines Triebes als Stammholz in die zweite Tragebene erweitern. Durch dieses Vorgehen lassen sich über die Jahre individuelle Wuchsformen gestalten.
Weinreben-Erziehungsschnitt
Durch die richtige Erziehung wird aus einer jungen Rebe ein ertragreicher Stock [Foto: VH-studio/ Shutterstock.com]

Weinreben-Pergola schneiden

Durch das Schneiden von Wein zur Pergola lassen sich üppige und schattenspendende Gründächer schaffen. Der Stamm wird parallel zum Stützpfeiler geführt und die Abzweigungen werden mit 15 cm Abstand eingerichtet. In den ersten Jahren werden sie zu kurzen Zapfen geschnitten, später kann man, wenn eine höhere Blattdichte erwünscht ist, zum mittleren Schnitt wechseln. Je nach Größe und Breite des Objektes kann von zwei Seiten her begrünt werden. Auch die Erziehung von Stöcken mit zwei parallelen Rebstämmen im Abstand von circa einem Meter auf dem Dach ist möglich.

Weinreben-Pergola
Eine Weinreben-Pergola spendet im Sommer Schatten und liefert im Herbst leckere Trauben [Foto: Popov Viktor/ Shutterstock.com]

Weinrebe falsch geschnitten: Was tun?

Solange die als dicker Wulst am Hauptstamm sichtbare Veredelungsstelle nicht verletzt wurde, ist nichts verloren! Alte Weinstöcke kann man radikal zurückschneiden, sie treiben meistens wieder aus. Ein Stock kann sogar bis auf den Stamm zurückgeschnitten und anschließend neu erzogen werden.

Sehr betagte Weinreben sind jedoch weniger wuchsfreudig und werden nie mehr üppig eine Fassade begrünen oder gesunde Früchte tragen. Bei einer über viele Jahre hinweg falsch geschnittenen oder sehr alten Rebe ist es daher sinnvoll, die bestehende Wuchsfreudigkeit einzuschätzen oder zunächst durch einen wachstumsanregenden Schnitt im Winter zu testen. Dementsprechend kommt das neue Pflanzen einer Weinrebe in Betracht oder Sie informieren sich, wie Sie mit der richtigen Reb-Düngung nach dem Schnitt beste Wuchsbedingungen für die Rebe schaffen.

radikal zurückgeschnittener Weinstock
Auch alte Stöcke treiben nach einem Radikalschnitt meist wieder aus [Foto: travelview/ Shutterstock.com]

Weinreben sind wärmeliebende Pflanzen. An rauen Standorten kann die frosttolerante Mini-Kiwi eine exotische, aber pflegeleichte Alternative zur Begrünung von Fassaden oder Pergolas sein.

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