logo

Köstliche aus Charneux: Die Birne im Portrait

Die ‘Köstliche aus Charneux’ ist eine der bekanntesten alten Birnensorten in den mitteleuropäischen Gärten. Wir stellen vor, wie sie zu ihrem Namen kam und wie sie anzubauen und zu verwenden ist.

Birne 'Köstliche aus Charneux'
Das weiße Fruchtfleisch der ‘Bürgermeisterbirne’ schmeckt saftig süß [Foto: Olga Markova/ Shutterstock.com]

Birnen sind süß und gesund, sie enthalten weniger Säure als Äpfel und gelten daher als besonders bekömmlich. Hat man die Absicht, einen Birnenbaum in den eigenen Garten zu pflanzen, stolpert man bei der Sortenauswahl immer wieder über die ‘Köstliche aus Charneux’, die auch ‘Köstliche von Charneux’, ‘Legipont’ und in Norddeutschland ‘Bürgermeisterbirne’ genannt wird.

‘Köstliche von Charneux’: Steckbrief

Synonyme'Köstliche von Charneux', 'Legipont', 'Bürgermeisterbirne'
FruchtMittelgroß bis groß, grünlich gelbe Grundfarbe mit oranger Deckfarbe
GeschmackSaftig, kräftig süß, feinwürziges Aroma
ErtragHoch, regelmäßig
ErntezeitSeptember bis Oktober
GenussreifeOktober
LagerfähigkeitBei 0 bis -1 °C für ungefähr fünf Monate lagerbar
WuchsStark
KlimaKüste bis mittlere Höhenlagen, nicht für Frostlagen
Krankheiten und SchädlingeÖrtlich für Schorf, gering für Fleischbräune und Steinzellenbildung

‘Köstliche aus Charneux’: Herkunft und Geschichte

Die Birnensorte ‘Köstliche aus Charneux’ entstand aus einem Zufallssämling, den der belgische Obstliebhaber M. Legipont Anfang des 19. Jahrhunderts in seinem Obstgarten aus einem Samen gezogen hatte. Er erkannt die Qualitäten des Baumes und ab 1828 erfuhr die Sorte durch den Gärtner Wilhelm Walker weitere Verbreitung. Im Jahr 1922 überzeugte die ‘Köstliche aus Charneux’ mit ihrem Geschmack und ihrer Gesundheit sogar die Deutsche Obstbau-Gesellschaft in Deutschland, sodass sie zur „Reichsobstsorte“ erklärt wurde. Heutzutage wird die ‘Bürgermeisterbirne’ im alten Land angebaut. Auch in den Hausgärten von Freunden alter Obstsorten erfreut sich der Birnenbaum großer Beliebtheit.

Geschmack und Eigenschaften der ‘Bürgermeisterbirne’

Die ‘Bürgermeisterbirne’ ist mittelgroß bis groß. Im Durchschnitt erreicht sie ein Gewicht von 150 Gramm. Die birnenförmige Frucht ist kelchseits breit abgestumpft und stielseits kegelförmig. Insgesamt ist die Form aber variabel, sodass die Fruchtseiten oft ungleichmäßig, beulig oder kantig sind. Die Kelchgrube an der Unterseite der Frucht ist flach, eng bis mittelweit und mit Beulen, Buckeln und Falten übersät. Außerdem ist die Kelchgrube netzartig berostet. Die dünne Schale der ‘Bürgermeisterbirne’ ist glatt, trocken und mittelfest.

reife Bürgermeisterbirne
Die Schalenfarbe der Bürgermeisterbirne ist stumpf und trüb [Foto: Manfred Ruckszio/ Shutterstock.com]

Während die Grundfarbe aus einem trüben Gelbgrün besteht, die sich erst bei der Reife in ein trübes Gelb verändert, ist die Deckfarbe ein gesprenkeltes, verwaschenes oder gestreiftes Trüborange. Typisch auf der Schale sind zudem die zahlreichen braunen Schalenpunkte. Eine Berostung der Schale tritt nur selten auf. An wärmeren Standorten ist das Fruchtfleisch der ‘Bürgermeisterbirne’ gelblich weiß und weich mit einem buttrig schmelzenden, kräftig süßen und nur schwach säuerlichen Geschmack. Es enthält ein feinwürziges, wohlschmeckendes Aroma. An kälteren Standorten ist das Fruchtfleisch nur halbschmelzend.

Besonderheiten bei Anbau und Pflege

Von der Küste bis zu mittleren Höhenlagen kann die ‘Köstliche von Charneux’ angepflanzt werden. Die alte, robuste Sorte toleriert eine weite Bandbreite an Standorten und Klimaten, sodass sie in ganz Mitteleuropa für unterschiedliche Zwecke Verwendung findet. Weil der Baum einen starken Wuchs aufweist, wird er oft auf einer Unterlage veredelt.

Wuchs & Veredelung: Als Sämling besitzt die ‘Köstliche von Charneux’ einen starken Wuchs, besonders der Mittelast wird stark ausgebildet. Die Kronenform ist schmal pyramidal. Die Veredelung der ‘Bürgermeisterbirne’ zur Hemmung des Wuchses ist ebenfalls möglich – dafür können verschiedene Unterlagen verwendet werden. Lediglich Quittenunterlagen erreichen einen vergleichsweise schwachen Wuchs des Baumes, jedoch sind sie empfindlicher gegen Staunässe und Winterfrost. Für die Verwendung der ‘Köstlichen aus Charneux’ als stattlicher Baum, etwa in einem großen Garten oder auf der Streuobstwiese, eignen sich Sämlingsunterlagen. Sie sind robust und frostfest. Quittenunterlagen wie die empfehlenswerte ‘Quitte BA 29’ sorgen für schwachwüchsige Bäume, die zu kleinen Obstbäumchen erzogen werden können, die leichter zu beernten sind. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Quitte und die Birne nicht stabil verwachsen und dass der Baum weniger langlebig ist. Eine weitere Alternative bietet die Unterlage Pyrodwarf®, eine schwachwüchsige Birnenunterlage, mit der Birnen gut kompatibel sind, sodass eine stabile und dauerhafte Verbindung entsteht.

Standort: Die ‘Köstliche aus Charneux’ toleriert viele Standorte. Geeignet für eine gute Fruchtausbildung ist aber ein sonniger bis halbschattiger Ort. Der Boden sollte für ein gutes Wachstum nährstoffreich und feucht sein. Spätfrostgefährdete Lagen und generell harsche Regionen sind für diese Sorte nicht geeignet, denn sie ist anfällig für Holzfrost und Blütenfrost.

Tipp: Je sonniger der Standort, desto stärker bilden die sonst grüngelben Birnen rote Bäckchen an der Sonnenseite aus.

veredelter Birnbaum
Das Wachstum der Birnensorte wird durch eine Veredelung auf einer Unterlage gehemmt [Foto: Madhourse/ Shutterstock.com]

Blüte & Befruchtung: Die weißen Blüten der ‘Köstlichen aus Charneux’ werden von April bis Mai ausgebildet und sind mäßig frostempfindlich. Um höhere Erträge zu erzielen, braucht die Birne ‘Köstliche von Charneux’ Befruchtersorten wie ‘Conference‘, ‘Gräfin von Paris‘, ‘Gute Luise‘ oder ‘Kaiser Alexander’. Gleichzeitig kann der Baum auch selber als Befruchtersorte für andere Birnen dienen.

Ertrag: Der Ertrag der ‘Bürgermeisterbirne’ ist eher hoch und regelmäßig, sofern er nicht durch starke Spätfröste oder zu radikale Obstbaumschnitte aus dem Gleichgewicht gebracht wird.

Krankheiten und Schädlinge: Je nach Unterlage variiert die Anfälligkeit des Baums für Krankheiten und Schädlinge. Generell gilt die Birnensorte ‘Köstliche von Charneux’ aber als robust und pflegeleicht, es besteht lediglich eine Anfälligkeit gegenüber Birnenschorf.

Birnbaum-Blüten
Nach Befruchtung der weißen Blüte bilden sich die Früchte aus [Foto: Eva Zuy/ Shutterstock.com]

Birnensorte ‘Köstliche von Charneux’: Ernte und Verwendung

Die Erntezeit der ‘Köstlichen aus Charneux’ ist von September bis Mitte Oktober. Ihren geschmacklichen Höhepunkt erreicht die ‘Bürgermeisterbirne’ Mitte Oktober, wenn die Schale der Birne von Gelbgrün in Gelb umschlägt – spätestens dann können alle Früchte auf einmal geerntet werden. Werden sie zu spät gepflückt, kommt es schnell zur Überreife und die Früchte verlieren an Saft.

Als Tafelbirne können die großen, süßen Früchte direkt verzehrt oder verarbeitet werden. Sie eignen sich zum Einmachen, für Kompott oder auch zum Dörren. Auch die Verarbeitung zu Saft oder Schnaps ist empfehlenswert. Die ‘Köstliche von Charneux’ lässt sich bei früher Ernte bei 0 bis -1 °C für circa fünf Monate lagern.

Sind Sie interessiert an weitere alten Obstsorten? Dann schauen Sie doch auch mal in unserem passenden Artikel vorbei, der 30 alte und altbewährte Apfelsorten vorstellt.

Erhalten Sie unsere Garten-Post

Jetzt für unsere kostenlose Garten-Post anmelden und tolle Garten-Tipps sowie Inspirationen regelmäßig ins Email-Postfach bekommen.

Durch das Anmelden willigen Sie ein, dass wir Ihnen regelmäßig per E-Mail unseren Newsletter rund um den Garten und mit Produktangeboten zusenden. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Ihre Meinung ist gefragt!

Nehmen Sie jetzt an unserer kurzen Umfrage teil und gewinnen Sie eine von 10 Plantura Bienenweiden.Plantura Bienenweide

Jetzt teilnehmen

 Wir gehen achtsam mit Ihren Daten um,
hier die Teilnahmebedingungen.