Enzian: Pflanzen, Pflege & Winterhärte von Gentiana

Katja
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Ich habe Landschaftsökologie studiert und habe durch mein Studium die Liebe zu Pflanzen entdeckt. Pflanzen sind nicht nur schön, sondern faszinieren mich auch durch ihre unterschiedlichen Überlebensstrategien. Um mir etwas Natur in die Wohnung zu holen, hege und pflege ich meine Zimmerpflanzen und Kräuter auf jeder verfügbaren Fensterbank.

Lieblingsobst: Rhabarber und alle Arten von Beeren
Lieblingsgemüse: Zwiebeln und Knoblauch

Bei Enzian denken viele sofort an die tiefblaue Hochgebirgspflanze. Doch die Gattung der Enziane ist vielfältiger und teilweise sogar für den Garten geeignet.

blauer Enzian
Enzian wird meist mit strahlend blauen Blüten in Verbindung gebracht [Foto: Leo Bucher/ Shutterstock.com]

Einige Enziane können nicht nur im Garten, sondern auch im Topf gepflanzt werden. Im folgenden finden Sie einen Überblick über die Gattung Enzian (Gentiana) und ihre Eigenschaften. Für Detailinformationen zu einzelnen Enzian-Arten und -Sorten können Sie unseren weiterführenden Artikel lesen.

Enzian: Blüte, Eigenschaften und Herkunft

Die Gattung der Enziane (Gentiana) gehört zur Pflanzenfamilie der Enziangewächse (Gentianaceae) und beinhaltet über 300 verschiedene Arten, von denen etwa 35 in Mitteleuropa heimisch sind. Die Enzian-Arten sind auf der Nordhalbkugel zu finden und wachsen dort meist in den Gebirgsregionen der gemäßigten Klimazone. Enziane können sowohl mehrjährig als auch nur ein- oder zweijährig sein. Alle Arten gehören zu den krautigen Pflanzen mit aufrechtem Wuchs und einfachen, ganzrandigen Blättern. Die trichterförmigen Blüten können einzeln oder zu mehreren in Blütenständen angeordnet sein. Die Farbe variiert von Blau über Violett bis hin zu Gelb und Weiß. Die Wuchshöhe von Enzian hängt stark von der jeweiligen Art ab. Es gibt niedrig- und hochwüchsige Arten, sodass die Größe der Pflanzen von 5 bis 150 cm reichen kann. Neben der Verwendung als Zierpflanze, für die meist Hybride die Wahl sind, wird der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) in der Schnapsherstellung eingesetzt. Hierfür nutzt man vor allem die bitter schmeckenden Wurzeln. Aber ebenso als Arzneipflanze wird der Gelbe Enzian verwendet, da er zum Beispiel appetitanregend wirkt.

Enzian in Violett
Nicht nur die Blütenfarbe, auch die Standort- und Pflegeansprüche sind vielfältig [Foto: Artur_eM/ Shutterstock.com]

Die Bestäubung der Pflanze erfolgt durch Insekten, die sich Nektar und Pollen des Enzians zu Nutze machen. Zwischen einigen Enzian-Arten und Insekten besteht eine enge Beziehung, sodass beide auf den jeweils anderen angewiesen sind. Alle wildwachsenden Enziane sind in Deutschland selten und stehen unter Naturschutz.

Wann hat Enzian Blütezeit?

Die Blütezeit des Enzians variiert mit der jeweiligen Art. So blüht beispielsweise der in Mitteleuropa heimische Stängellose Enzian (Gentiana acaulis) im Frühling, weshalb er auch Frühlingsenzian genannt wird. Manchmal kommt es im Herbst zu einer zweiten Blütezeit. Andere Arten wie der Gelbe Enzian oder der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe) blühen hingegen im Sommer, zwischen Juli und August. Viele der asiatischen Arten zeigen hingegen im Herbst ihre Blüte, so zum Beispiel der Japanische Herbstenzian (Gentiana scabra).

Wo kommt Enzian in der Natur vor?

Viele Enzian-Arten sind wie das Edelweiß (Leontopodium) Gebirgsstauden, die bevorzugt in Hochgebirgen wie den Alpen, Pyrenäen oder Anden wachsen. Weidetiere meiden die bitter schmeckende Pflanze weitestgehend, weshalb sich einige Arten auf Bergweiden gut halten. Ansonsten findet man Enziane häufig auf steinigen und felsigen, jedoch feuchten Untergründen im Halbschatten. Einige Arten kommen auch in Wäldern vor.

Enzian in Blütezeit
Der Naturstandort der Enziane variiert je nach Art [Foto: Nataliia Melnychuk/ Shutterstock.com]

Enzian pflanzen: Standort und Vorgehen

Um den passenden Standort für den Enzian zu finden, muss man sich unbedingt an der jeweiligen Art und ihren Ansprüchen und Naturstandorten orientieren. Für alle Varianten dieser Gebirgspflanzen eignet sich ein Platz im lichten Halbschatten gut. Zudem sollte der Standort für den Enzian einen steinigen, feuchten, lehmig-humosen Boden mit hoher Durchlässigkeit und gleichzeitiger Wasserspeicherfähigkeit aufweisen. Andere Ansprüche variieren bei den einzelnen Arten so stark, dass sie gesondert betrachtet werden müssen.
Ungeeignete Gartenböden können aufgewertet werden. Für eine gute Struktur und mehr organische Substanz kann beispielsweise unsere Plantura Bio-Universalerde in den Boden eingearbeitet werden. Unsere biologische Erde mit der langanhaltend lockeren Struktur gibt dem Untergrund die für den Enzian nötige Durchlässigkeit, kann aber ebenfalls Wasser speichern.

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Tipp: Auch wenn der Enzian von Weidetieren eher gemieden wird, so wird er doch gelegentlich von Schnecken heimgesucht. Was wirklich gegen Nacktschnecken hilft, erfahren Sie in unserem Spezialartikel.

Das Frühjahr und der Herbst sind gute Zeiten, um den Enzian zu pflanzen. Der genaue Zeitpunkt sowie der Pflanzabstand müssen hierbei auf die jeweilige Art angepasst werden, da die Arten sehr unterschiedliche Größen erreichen.

Enzian im Topf: Wer den Enzian im Topf pflanzen möchte, sollte auch hier zunächst die Ansprüche der Art begutachten. Je nach Bodenvorliebe verwendet man einfach eine hochwertige Pflanzenerde, wie beispielsweise unsere Plantura Bio-Universalerde, oder man mischt das Substrat zusätzlich mit Lava-Gesteinsmehl. Der Topf sollte ein recht großes Volumen aufweisen und ein Abflussloch besitzen. Am Boden muss unbedingt eine Drainageschicht aus Kieselsteinen oder Tonscherben angelegt werden, damit keine Staunässe entsteht. Der Topf wird nach der Pflanzung an einen halbschattigen, kühlen und windgeschützten Platz gestellt. Besonders beim Gießen und im Winter ist bei der Topfhaltung eine gewisse Aufmerksamkeit notwendig. Geeignete Enzian-Arten für die Topfhaltung sind zum Beispiel:

  • Stängelloser Enzian (Gentiana acaulis)
  • Frühlingsenzian (Gentiana verna)
  • Herbstenzian (Gentiana sino-ornata)
  • Sommerenzian (Gentiana septemfida)
Enzian im Topf
Auch die Topfpflanzung ist bei einigen Enzian-Sorten möglich [Foto: Traveller70/ Shutterstock.com]

Enzian pflegen

Wurde erstmal der richtige Standort für den Enzian gefunden, so benötigt die Pflanze nur noch wenig Zuwendung. Die Enzian-Pflege beschränkt sich auf gelegentliches Gießen und jährliche Düngergaben.

Der Enzian mag einen frisch-feuchten Boden und sollte je nach Witterung regelmäßig gegossen werden. Steht der Enzian im Topf, so muss noch häufiger zur Gießkanne gegriffen werden, da in dem geringen Erdvolumen nicht so viel Wasser gespeichert werden kann. Wenn die Erde an der Oberfläche angetrocknet ist, ist es Zeit, den Enzian zu gießen.

Wächst der Enzian im Topf, so genügt in der Regel der Nährstoffgehalt der Erde für die kommende Saison. Im Gartenboden gepflanzter Enzian sollte hingegen einmal im Frühjahr und bei wüchsigen Arten noch einmal im Sommer mit Langzeitdünger wie beispielsweise unserem Plantura Bio-Universaldünger versorgt werden. Unser Dünger bereichert nicht nur die Pflanzen, sondern auch das Bodenleben. Er hält 3 Monate vor und versorgt den Enzian in dieser Zeit mit wichtigen Nährstoffen.

Ein Rückschnitt kann bei höher wachsenden Arten wie dem Gelben Enzian oder dem Schwalbenschwanz-Enzian vorgenommen werden, ist aber nicht zwingend nötig. Der Rückschnitt erfolgt im Frühjahr vor dem neuen Austrieb.

Enzian im Steingarten
Ein Steingarten ist für viele mitteleuropäische Enzian-Arten eine gute Wahl [Foto: Simona Sirio/ Shutterstock.com]

Ist Enzian winterhart?

Enziane sind winterharte Stauden, wobei einige Arten geringere Temperaturen vertragen als andere. Sie sollten deshalb zur Sicherheit mit einer Mulchschicht vor tiefen Frösten geschützt werden. Die Mulchschicht hält nicht nur die Wärme, sondern auch die Feuchtigkeit im Boden, die der Enzian selbst im Winter benötigt. Besonders wenn man Enzian im Topf überwintern möchte, ist ein Frostschutz notwendig. Umwickeln Sie den Topf mit Vlies und stellen Sie ihn auf einen Holzblock, damit die Erde nicht durchfriert.

Vermehrung

Um Enzian zu vermehren, bieten sich die Teilung sowie die Aussaat an. Die Teilung eignet sich jedoch nur für mehrjährige Enzian-Arten, wie beispielsweise:

  • Stängelloser Enzian (Gentiana acaulis)
  • Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea)
  • Herbstenzian (Gentiana sino-ornata)

Hierfür wird die Pflanze im Frühjahr samt Wurzel ausgegraben und vorsichtig in 2 oder mehr Teile geteilt, die jeweils einige Wurzeln besitzen sollten. Bei Matten bildenden Arten wie Gentiana acaulis können auch einzelne, schon bewurzelte Ableger durch die Teilung abgetrennt werden. Sie werden dann sofort an einem passenden Standort getrennt voneinander wieder eingepflanzt.

Stängelloser Enzian
Der Stängellose Enzian kann blütenreiche Matten auf dem Boden bilden

Die Aussaat von Enzian ist etwas schwieriger. Die Vermehrung über Samen ist am besten für Enzian-Arten mit empfindlichen Wurzeln geeignet, wie zum Beispiel:

  • Gelber Enzian (Gentiana lutea)
  • Purpur-Enzian (Gentiana purpurea)

Hierfür werden die reifen Samenkapseln nach der Blüte von der Pflanze abgetrennt und die Samen herausgelöst. Bis zur Aussaat sollten sie kühl und trocken gelagert werden. Im Herbst werden dann Anzuchtschalen mit Aussaaterde, wie beispielsweise unserer Plantura Bio-Kräuter- & Aussaaterde, vorbereitet und das Saatgut darauf verteilt. Unsere Erde beinhaltet keinen Torf und ist nur sparsam mit Nährstoffen ausgestattet, damit die Jungpflanzen zur Wurzelentwicklung angespornt werden. Bedecken Sie die Enzian-Samen nur leicht mit Erde und halten Sie das Saatgut bis zur Keimung feucht. Die kalte Witterung im Winter macht den Gebirgspflanzen-Samen nichts aus, sondern fördert sogar die Keimung. Nach der Keimung im Frühjahr können die Jungpflanzen pikiert und an einen passenden Standort gepflanzt werden.

Enzian-Wurzeln
Aus den Wurzeln des Gelben Enzians wird Schnaps hergestellt [Foto: geniuscook_com/ Shutterstock.com]

Wirkung von Enzian als Heilpflanze

Für die Wirkung des Enzians als Heilpflanze wird in der Regel die Enzian-Wurzel verwendet. Sie enthält eine Menge Bitterstoffe, die den Appetit anregen. Eingenommen wird der Enzian als Heilpflanze meist in Form von Tee, gemischt mit anderen Heilpflanzen. Neben Enzian-Tee gibt es Enzian-Tropfen, die bei Problemen im Verdauungstrakt helfen. In der traditionellen Medizin werden Enzian-Wurzeln gegen Milz- und Leberbeschwerden, Magenschmerzen sowie bei Verdauungsproblemen angewendet. Auch Enzian-Schnaps ist beliebt.

Ist Enzian giftig?

Enzian ist nicht giftig und stellt weder für Menschen noch für Tiere eine Gefahr dar. Aufgrund seines bitteren Geschmacks wird er von den meisten Tieren ohnehin nicht verzehrt.

Insekten an Enzian
Als Futterpflanze ist der Enzian nur bei Insekten beliebt [Foto: McGraw/ Shutterstock.com]

Neben Enzian fühlen sich auch andere Gebirgs- oder trockenheitsliebende Pflanzen in Steingärten wohl. Wir zeigen, wie Sie selbst einen Steingarten anlegen können.

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