Schlüsselblume: Blütezeit, Standort & Giftigkeit

Franziska
Franziska
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Franziska

Ich studiere ökologische Landwirtschaft an der Uni Hohenheim und bin sehr pflanzen- und naturverbunden. Zuhause bewirtschaften wir einen kleinen Biobetrieb mit einigen Tieren, verschiedenen Ackerfrüchten und etwas Wald. Die Gewinnung von gesunden Lebensmitteln im Einklang mit der Natur begeistert mich jedes Mal wieder aufs Neue.

Lieblingsobst: Apfel, Birne und Zwetschge
Lieblingsgemüse: Kartoffel, Kürbis und Spinat

Der „Himmelsschlüssel“, die strahlende, gelbblühende Schlüsselblume, erwacht im Frühjahr aus dem Winterschlaf. Sie dient als einzigartige Heilpflanze und als wichtige Nahrungsquelle für Insekten.

Schlüsselblume
Schlüsselblumen sind pflegeleichte und wertvolle Beetpflanzen [Foto: MNStudio/ Shutterstock.com]

Die Schlüsselblume ist unter vielen Namen bekannt: Duftende Schlüsselblume, Himmelsschlüssel, Wiesen-Schlüsselblume, Arznei-Schlüsselblume und Echte Schlüsselblume sind ihre deutschen Namen, botanisch wird sie Primula veris genannt. Sie bringt viele nützliche Eigenschaften mit, von denen auch die Biodiversität stark profitiert.

Schlüsselblume: Blütezeit, Herkunft und Eigenschaften

Botanisch gehört die Primula veris zu den Primelgewächsen (Primulaceae). Die Schlüsselblume ist nur eine unter etlichen Primel-Arten. Eine Besonderheit der Primula veris ist wohl der intensive Duft ihrer Blüten, der nicht nur für uns angenehm riecht, sondern auch Insekten anzieht.

Diese kalkliebende Primula veris kommt in ganz Europa und Vorderasien vor, allerdings nicht im Süden der Mittelmeerländer und im äußersten Norden. Sie bevorzugt sonnige bis halbschattige Raine, Halbtrockenrasen, trockene Wiesen und lichte Laubwälder sowie zum Beispiel Eichenwälder oder Hainbuchenwälder und Waldränder. Im Gebirge Österreichs trifft man sie teilweise sogar auf Höhen bis zu 2.000 m an. Was die Bodenansprüche angeht, ist ein kalkhaltiger, stickstoffarmer, humoser, lockerer und lehmiger Boden für die Schlüsselblume passend.

Die Echte Schlüsselblume wächst als mehrjährige, krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 10 bis 20 cm erreicht und mit einem kurzen und verdickten Rhizom überwintert. Sie hat eine kurze, kräftige Pfahlwurzel, mit der sie sich gut in der Erde festhält. Um diese Pfahlwurzel bilden sich viele kleine Seitenwurzeln. Aus der Pflanzenbasis heraus entwickeln sich immer wieder neue Blattrosetten. Nach einiger Zeit entstehen lockere, duftende Pflanzengruppen. Die Blattform ist eiförmig bis länglich mit grob gezähnten Blatträndern. Ihre Blattoberseite weist eine dunkelgrüne, mit Pflanzenhaaren bedeckte, runzelige Struktur auf. Auch die Blattunterseite ist behaart und hellgrün gefärbt. Der Blattrand ist bei jungen Blättern nach unten eingerollt. Die Blütenstängel sind leicht behaart und ohne Blätter.

Blühende Schlüsselblume
Schon zeitig im Frühjahr ist die Schlüsselblume am Wegesrand zu finden [Foto: weha/ Shutterstock.com]

Die Anordnung der goldgelben Blüten erinnert an einen Schlüsselbund, was den Namen der Blume erklärt. Die Blütezeit der Schlüsselblume reicht von März bis Mai. Bis zu 20 einzelne Blüten bilden eine Blütendolde. Die Einzelblüte besteht aus 5 tief-gelben Kronblättern. Eine außergewöhnliche Eigenschaft der Primula veris ist die sogenannte Distylie. Das bedeutet, dass es verschiedene Blütentypen der Schlüsselblume gibt. Die einen haben einen kurzen Griffel und eine hohe Staubblattposition, die anderen Blüten haben einen langen Griffel und ein tief gelegenes Staubblatt. Das Ganze dient dazu, Selbstbefruchtung zu vermeiden und Fremdbestäubung durch Insekten zu fördern.

Die zauberhaften Blüten versprühen einen angenehmen Duft, der vor allem bestäubende Insekten anlockt. Nur Bestäuber mit einem langen Saugrüssel, wie zum Beispiel Hummeln und Schmetterlinge, gelangen durch die Blütenröhre an den Nektar, doch es wird auch etwas Pollen für Wildbienen angeboten. Als Frühblüher ist die Schlüsselblume bereits im zeitigen Frühjahr eine wichtige Nahrungsquelle.

Biene auf Schlüsselblumen-Blüte
Eine Biene sammelt Pollen von einer Schlüsselblume [Foto: B.Jaunberzina/ Shutterstock.com]

Steht die Schlüsselblume unter Naturschutz?

Schlüsselblumen stehen in Deutschland sowie in vielen anderen Ländern unter Naturschutz. Der duftende Frühlingsbote wurde mit dem Titel „Blume des Jahres 2016“ gekürt, um für den Schutz der selten gewordenen und unterschätzten Pflanze zu werben. Ihre Wildbestände sind nämlich an vielen Standorten in Deutschland stark gefährdet und stehen deshalb unter Schutz. Ihr Lebensraum wird in immer mehr Gegenden durch intensive Nutzung und Düngung von Wiesen, Weiden und Ackerland bedroht. An anderen Stellen gerät die traditionelle Wiesennutzung immer weiter in den Hintergrund, sodass Büsche und Bäume mit ihrer starken Beschattung die lichtliebenden Schlüsselblumen verdrängen. Sie wird deshalb vor allem im Norden Deutschlands in den Roten Listen der Bundesländer als stark gefährdet eingestuft.
Schlüsselblumen dürfen daher weder ausgegraben noch ganz oder in Teilen gesammelt werden.

Schlüsselblume auf einer Wiese
Von intensiv genutzten Standorten wie Wiesen wird die Schlüsselblume verdrängt [Foto: JMpx/ Shutterstock.com]

Verwechslungsgefahr

Leicht zu verwechseln ist die Echte Schlüsselblume Primula veris mit der Hohen Schlüsselblume Primula elatior. Letztere wächst allerdings eher in feuchten Gebieten an Bachläufen, in Waldgebieten und an Fluss- und Seeufern. Im Unterschied zu anderen Schlüsselblumen besitzt die Echte Schlüsselblume stark duftende Blüten mit orangefarbenen, fünfzähligen Flecken, den sogenannten Saftmalen, am Grund der Kronblätter. Die Hohe Schlüsselblume hat einen weniger starken Duft und weist keine orangegelben Saftmale auf. Der Kelch der Hohen Schlüsselblume ist auch enger als bei der Echten Schlüsselblume. Ein weiterer Unterschied ist die Form der Blätter: Bei der Echten Schlüsselblume ist der Blattgrund stumpfer.

Hohe Schlüsselblume
Die Hohe Schlüsselblume duftet nicht so stark wie die Echte Schlüsselblume [Foto: Svetlana Mahovskaya/ Shutterstock.com]

Pflanzen der Schlüsselblume: Standort und Vorgehen

Im Garten bevorzugt die Schlüsselblume einen Standort in der Sonne oder im Halbschatten auf mageren, humosen, kalkreichen, lehmigen und lockeren Böden. Um den pH-Wert des Bodens anzupassen, eignet sich bei zu sauren Bodenbedingungen unser Plantura Bio-Rasen- & Gartenkalk. Dieser unbedenkliche, fein gekörnte Kalk ist leicht auszubringen und verbessert die Krümelbildung im Boden. Durch den geringen Nährstoffbedarf der Schlüsselblume ist eine zusätzliche Düngung nicht notwendig. Die Primula veris ist winterhart und kann Fröste bis – 28 °C aushalten.

Für die Pflanzung im Freien eignet sich beispielsweise unsere Plantura Bio-Universalerde. Sie bietet passend zum mäßigen Nährstoffbedarf der Pflanze alles, was sie zum Wachstum braucht. Zusätzlich verleiht die Erde durch ihre grobe Struktur dem Boden Stabilität und verhindert das Zusammensacken. Da Schlüsselblumen circa 20 cm breit werden, ist ein Pflanzabstand von 25 cm zu empfehlen, das ergibt 15 bis 17 Exemplare pro Quadratmeter. Sie wächst bevorzugt in kleinen Trupps und Gruppen von bis zu 20 Pflanzen und wirkt so am eindrucksvollsten.

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Auch für den Topf ist die Schlüsselblume sehr gut geeignet. Hierfür verwendet man einen Blumentopf mit etwa 25 cm Durchmesser, damit die Pflanze genügend Platz hat. Hier bietet unsere Plantura Bio-Universalerde ebenfalls ausreichend Nährstoffe für ein gesundes Pflanzenwachstum.

Tipp: Eine Drainageschicht zum Beispiel aus Tonscherben verhindert Staunässe im Blumentopf.

Ohne weitere Pflege wächst die Schlüsselblume wunderbar zu üppigen Horsten mit vielen Blütenständen. Echte Schlüsselblumen sind ein wichtiges Element für Wildgärten. Wunderschöne Bilder ergeben sich durch Kombinationen blühender Zier- und Nutzsträucher und reich mit Primula veris bestückten Flächen.

Schlüsselblume im Schnee
Die winterharte Primula veris kündigt das Frühjahr an [Foto: Karen Faljyan/ Shutterstock.com]

Pflege der Primula veris

Besonders in der Natur ist die schöne, mehrjährige Schlüsselblume selten geworden, aber im Garten bereitet sie viel Freude, da sie nur wenig Pflege benötigt. Außerhalb der warmen Sommermonate brauchen die Himmelschlüssel keine zusätzliche Bewässerung. In heißen und trockenen Perioden sollte regelmäßig gegossen werden, um ein Austrocknen des Wurzelballens zu verhindern. Eine Düngung ist für die Wildstaude nicht notwendig, und auch bei Topfpflanzen sind die Nährstoffzugaben durch das gelegentliche Umtopfen ausreichend.

Blühende Primula veris
Die Schlüsselblume erfreut bereits im Frühsommer mit ihren Blüten [Foto: weha/ Shutterstock.com]

Im Folgenden finden Sie einige Arten und Sorten, die besonders gut in den frühsommerlichen Garten passen:

  • Primula veris ssp. columnae: Diese Form der Schlüsselblume zeichnet sich durch einen dichten Besatz mit weißen Haaren auf der Blattunterseite und eine zitronengelbe Blüte aus.
  • Primula veris ssp. macrocalyx: Die Unterart kommt aus Asien und hat sehr große, gelbe bis orange Blüten.
Primula veris ssp. Macrocalyx
Die Primula veris ssp. macrocalyx hat besonders große, gelbe Blüten [Foto: Edita Medeina/ Shutterstock.com]
  • Primula veris ‘Sunset Shades’: Die Blüten dieser Sorte erscheinen in Sonnenuntergangsfarben, welche von Gelb über Ocker und Orange bis hin zu Rot reichen und damit abwechslungsreiche Akzente im Garten setzen.
Primula veris 'Sunset Shades'
Die Blüten der Primula veris ‘Sunset Shades’ haben eine besondere Leuchtkraft [Foto: Bad Birch/ Shutterstock.com]
  • Primula veris ‘Rote Töne’: Es handelt sich um eine rotblühende Form der Schlüsselblume, die sehr gut geeignet ist, um den gelb blühenden Wildtyp zu ergänzen. Die Ansprüche dieser Pflanzen sind vergleichbar mit denen der ursprünglichen Primula veris.
Rote Primula veris
Die rote Form der Schlüsselblume sorgt für reichlich Abwechslung im Garten [Foto: Nadya N/ Shutterstock.com]

Schlüsselblume vermehren

Recht leicht gelingt die Vermehrung der Schlüsselblume über Samen: Schlüsselblumen säen sich zuverlässig selbst aus. Sie können sie auch mit selbst gesammelten oder gekauften Samen aussäen, sollten dabei allerdings einige Hinweise beachten: Aufgrund der oben beschriebenen Distylie werden nur Samen angesetzt, wenn kurz- und langgriffelige Exemplare vorhanden sind. Außerdem sind selbst gesammelte Schlüsselblumensamen in der Regel nicht lange haltbar und verlieren schnell ihre Keimfähigkeit. Aus diesem Grund sollten sie bestenfalls gleich nach der Samenreife ausgebracht werden.

Vorgehen bei der Aussaat

Die Schlüsselblume ist ein Kaltkeimer. Das heißt, die Samen benötigen eine Kühlperiode zum Abbau der Keimhemmung. Hierzu kann das Saatgut für 3 bis 4 Wochen im Kühlschrank gelagert werden. Viel einfacher ist es, die Saat im Herbst im Freien auzusäen und die natürliche Witterung den Abbau der Keimhemmung übernehmen zu lassen. Die Samen werden nur sehr dünn mit Erde bedeckt und stets leicht feucht gehalten. Die optimale Keimtemperatur liegt bei 10 bis 15°C.

Tipp: Primelgewächse neigen zum Bastardisieren und vermischen sich schnell mit anderen Primula-Arten. Das Ergebnis kann spannend und dekorativ sein, aber auch ziemlich schräg aussehen. Wenn also keine Hybriden, sondern „reine“ Schlüsselblumensorten vermehrt werden sollen, ist eine gezielte Isolierung der Pflanzen notwendig, da sie durch Insekten bestäubt werden.

Aufgrund ihrer Pfahlwurzel ist von einer Teilung abzuraten. Allerdings werden manchmal Seitenrosetten gebildet, die im Frühjahr abgenommen und verpflanzt werden können.

Schlüsselblume mit gelb-roten Blüten
Die Primelgewächse bieten eine große Vielfalt [Foto: Dajra/ Shutterstock.com]

Ist die Schlüsselblume giftig?

Schlüsselblumen sind nicht giftig. Sie gehören zwar zu den Primelgewächsen, aber sollten nicht mit Primeln verwechselt werden. Viele Primelarten produzieren nämlich Primin, das zu Hautreizungen führen kann, jedoch fällt die Schlüsselblume nicht darunter.

Verwendung und Heilwirkung der Schlüsselblume

Sie ist nicht nur ein wichtiges Kraut für viele Tiere, sondern hat auch in der Medizin einen hohen Stellenwert. Aufgrund der vielversprechenden Heilwirkung der Schlüsselblume zählt sie seit vielen Jahrhunderten zu den alten Heil- und Medizinpflanzen. Somit ergeben sich mehrere Einsatzgebiete für diese einzigartige Wildstaude. Die Pflanze enthält vor allem in der Wurzel und in den Blüten Saponine, die wegen ihrer harntreibenden, entzündungshemmenden und schleimlösenden Wirkung der Schlüsselblume bei Atemwegserkrankungen oder Erkältungskrankheiten eingesetzt werden. Die Anwendung erfolgt innerlich als Schlüsselblumentee oder Sirup, alternativ äußerlich als Tinktur.

Tipp: Saponine können den Magen reizen, was bei innerlicher Anwendung der Schlüsselblume bei empfindlichen Personen zu Magenbeschwerden führen kann.

Außerdem hat die Schlüsselblume essbare Bestandteile wie die jungen Blätter und Blüten, die zwischen März und Juni gesammelt werden können. Sie können vielseitig verwendet werden, wie beispielsweise roh für Salate, als Einlagen in Suppen oder als Dekoration für Desserts. Die Schlüsselblumenblüten aromatisieren zudem Kräutertees, da sie einen leicht süßlichen Geschmack haben. Bitte beachten Sie, dass die Schlüsselblume geschützt ist und deshalb nicht gesammelt werden darf.

Schlüsselblumen-Tee
Schlüsselblumentee lindert offenbar die Symptome von Atemwegserkrankungen [Foto: FotoHelin/ Shutterstock.com]

Die Schlüsselblume ist nicht nur eine schützenswerte Art, sondern auch eine Augenweide im Garten. Zusätzlich ist sie vielfältig als Heilpflanze einsetzbar. Interessieren Sie sich für weitere Heilpflanzen? Dann lesen Sie doch unser Portrait zum Bockshornklee – dieser findet ebenfalls vielseitig Verwendung in der Küche und der Hausapotheke.

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