Brennnesseljauche und Ackerschachtelhalmtee: Bewährter Dünger für den Garten

Patrick
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Ich habe meinen Master in Agrarwissenschaften mit der Vertiefung Pflanzenwissenschaften gemacht. In meiner Freizeit ist der Anbau von eigenem Obst und Gemüse meine große Leidenschaft. Den perfekten Ausgleich finde ich in der Gartenarbeit bei meinen Eltern. Sollte ich mal nicht im Garten sein, gehe ich gerne Wandern und suche nach Fotomotiven.

Lieblingsobst: Johannisbeeren und Brombeeren
Lieblingsgemüse: Karotten, Pilze und Zwiebeln

Pflanzenjauche aus Brennnessel und Ackerschachtelhalm ist ein altbewährtes Spritzmittel gegen Blattläuse und Ameisen und ein guter Dünger für Ihre Pflanzen.

Brennesselsud
Brennnesselsud, Ackerschachtelhalmtee – das Ziel ist Pflanzenstärkung [Foto: Martina Unbehauen/ Shutterstock.com]

Brennnessel (Urtica dioica) und Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) sind leider immer noch als Unkraut verschrien, dabei können sie sehr nützlich sein. Ob selbst angesetzte Jauche, Tee, Brühe oder Kaltwasserentzug, alle Methoden haben dasselbe Ziel: Die wertvollen Inhaltsstoffe der benutzten Kräuter und Pflanzen freizusetzen. Wie das genau gelingt und worin die Unterschiede liegen, erfahren Sie hier.

Wie wirken Brennnesseljauche, Brennnesselsud und Ackerschachtelhalmtee?

Die angesetzten Pflanzenextrakte gehören zu den Pflanzenstärkungsmitteln. Diese Mittel haben nicht die Aufgabe, einen bestimmten Schädling oder eine Krankheit zu bekämpfen, sondern sollen vorbeugend wirken, sodass gar nicht erst eine Erkrankung entsteht. Für eine gute Wirkung ist eine regelmäßige Anwendung unerlässlich, da die Wirkungszeit oft sehr begrenzt ist.

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, ob es einen Unterschied zwischen Brennnesseljauche und -sud gibt? Bei beiden Verfahren werden zwar Inhaltsstoffe aus dem Pflanzenmaterial extrahiert, aber es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Brennnesseljauche und -sud oder -brühe: Eine Jauche wird mit kaltem Wasser angesetzt und etwa zwei Wochen vergoren, wohingegen ein Sud oder eine Brühe in heißer Flüssigkeit hergestellt wird und nur einige Stunden zieht. Welches Verfahren davon man wählt, hat einen Einfluss auf die Zusammensetzung eines Extrakts.

Eine Brennnesseljauche enthält deutlich mehr Stickstoff und Kalium und hat daher eine düngende Wirkung. Der Brennnesselsud hingegen wird eher als Pflanzenstärkungsmittel statt als Dünger eingesetzt. Beide Extrakte enthalten pflanzenstärkende Kieselsäure.

Auch mit einem Ackerschachtelhalmtee wird die Pflanze durch Stickstoff und Kieselsäure gestärkt, wobei hier der düngende Effekt im Hintergrund steht. Während Stickstoff und Kalium auch über andere organische Dünger zugeführt werden, ist Kieselsäure eine Besonderheit der Pflanzenextrakte. Man vermutet, dass sie von Pflanzen in den Zellwänden eingelagert wird oder eine synthetische Schutzschicht auf dem Blatt erzeugt. Dadurch soll es widerstandsfähiger gegen Schädlinge, wie zum Bespiel Blattläuse, werden und auch weniger stark von Pilzen befallen werden. Diese Effekte einer Behandlung mit Ackerschachtelhalmbrühe konnten allerdings noch nicht zweifelsfrei in wissenschaftlichen Versuchen nachgewiesen werden. Die Annahme der Wirksamkeit gegen Schädlinge stützt sich eher auf althergebrachte Praktiken.

Eine weitere Wirkung haben die ätherischen Öle in Brennnesseljauche und Ackerschachtelhalmtee. Sie werden bei der Extraktion freigesetzt und können abstoßend auf Schädlinge wirken.

So wirken Brennnesseljauche, Brennnesselsud und Ackerschachtelhalmtee:

  • Es handelt sich um Pflanzenstärkungsmittel oder Dünger, nicht um Pflanzenschutzmittel.
  • Jauchen werden lange vergoren und Brühen nur schnell mit heißem Wasser aufgebrüht.
  • Zum Düngen werden eher Jauchen benutzt, sie enthalten mehr Nährstoffe.
  • Brühen/Tees enthalten weniger Nährstoffe und dienen eher als Pflanzenstärkungsmittel.
  • Brennnesselextrakte und Ackerschachtelhalmextrakte enthalten vermutlich pflanzenstärkende Kieselsäure sowie Stickstoff und Kalium in relevanten Mengen.
Ackerschachtelhalmtee
Ackerschachtelhalm sollte nicht mit dem giftigen Sumpfschachtelhalm verwechselt werden [Foto: Manfred Ruckszio/ Shutterstock.com]

Tipp: Es besteht Verwechslungsgefahr zwischen dem Ackerschachtelhalm und dem giftigen Sumpfschachtelhalm. Betrachtet man den Stängelquerschnitt, ist die Innenleitbahn des Ackerschachtelhalms deutlich größer als die Leitbahnen des Sumpfschachtelhalms. Der Sumpfschachtelhalm ist außerdem an den dunklen Zähnen der Sprossscheiden und an einem breiten Hautrand an der Spitze erkennbar.

Brennnesseljauche und Brennnesselsud ansetzen und anwenden

Die Herstellung einer Jauche ist die zeitaufwändigste Methode, um ein eigenes pflanzliches Stärkungsmittel herzustellen. Es lohnt sich aber, weil durch die Gärungsprozesse mehr wertvolle Inhaltsstoffe freigesetzt werden als bei einem Sud. Für einen Gärungsansatz verwenden Sie am besten ein Kilogramm kleingeschnittene, frische Brennnessel. Falls Sie getrocknetes Pflanzenmaterial nutzen möchten, genügen 100 bis 200 Gramm. Geben Sie die Brennnessel in ein etwa 15 Liter fassendes Kunststofffass und fügen Sie zehn Liter Wasser hinzu. Die Zugabe von einer Handvoll Gesteinsmehl oder Lehmerde mindert die Geruchsentwicklung. Dies empfehlen wir Ihnen, vor allem wenn Sie die Jauche auf Ihrem Balkon oder nahe Ihrer Sitzgelegenheit verwenden möchten. Anschließend können Sie alles kräftig umrühren und mit einem dicken Stoff oder Jutesack luftdurchlässig abdecken. Da bei der Gärung Gase entstehen, ist es wichtig, das Fass nicht luftdicht zu verschließen. Diesen Ansatz rühren Sie nun etwa zwei Wochen lang täglich um. Danach bilden sich in darin keine Bläschen mehr und Sie können die Jauche abseihen. Die festen Pflanzenreste können Sie kompostieren. Die fertige Jauche können Sie zwar ein paar Wochen aufbewahren, allerdings nimmt der Stickstoffgehalt ab. Deshalb empfehlen wir, die Jauche zügig aufzubrauchen.

Wenn Sie die Brennnesseljauche als Dünger verwenden möchten, verdünnen Sie die Jauche einfach im Verhältnis 1:10 und bringen Sie diese alle zwei Wochen auf die Erde aus. Handelt es sich um frisch eingesetzte oder empfindliche Pflanzen, sollten Sie eine Verdünnung von 1:20 wählen. Wenn Sie das Pflanzenstärkungsmittel als Spritzbrühe direkt auf die Pflanze sprühen möchten, sollten Sie die Jauche im Verhältnis 1:20 verdünnen und wöchentlich anwenden. Am besten filtern Sie die Spritzbrühe durch ein Baumwolltuch, bevor Sie diese in die Sprühflasche füllen. So verhindern Sie das Verstopfen der Düse.

Eine Brennnesselbrühe oder ein Brennnesselsud ist weniger zeitaufwändig. Für die Herstellung verwenden Sie 200 Gramm frische Brennnessel und übergießen diese in einem hitzebeständigen Gefäß mit zwei Litern kochendem Wasser. Diesen Ansatz rühren Sie ab und zu um und lassen ihn über Nacht stehen. Am nächsten Tag seihen Sie den fertigen Brennnesselsud ab. Das unverdünnte Pflanzenstärkungsmittel können Sie mit einer Sprühfalsche wöchentlich direkt auf die Pflanze sprühen. Wir empfehlen Ihnen, die Brennnesselbrühe innerhalb weniger Tage aufzubrauchen.

Tipp: Gerade die nährstoffreichen Jauchen können bei der Verwendung als Blattdünger eventuell zu Verbrennungen auf den Blättern führen. Dies droht, wenn das Wasser zu schnell verdunstet und die Nährstoffe hochkonzentriert zurückbleiben, ehe sie aufgenommen werden können. Die Spritzung sollte daher morgens oder abends durchgeführt werden.

So können Sie Brennnesseltee oder -jauche herstellen und anwenden:

  • Für Brennnesseltee oder -brühe:
    • 200 Gramm frische Brennnessel in zwei Liter kochendes Wasser geben
    • Den Sud über Nacht ziehen lassen und anschließend abseihen
    • Unverdünnt zur Spritzanwendung nutzen
    • Wöchentlich anwendbar
  • Für Brennnesseljauche:
    • Ein Kilogramm frische Brennnessel bzw. 200 Gramm getrocknete Brennnesseln, eine Handvoll Gesteinsmehl und zehn Liter Wasser in ein Gefäß geben
    • Zwei Wochen gären lassen
    • Anschließend abseihen
    • Als Dünger 1:10 bis 1:20 verdünnen und alle zwei Wochen anwenden
    • Für Spritzanwendung 1:20 verdünnen und wöchentlich anwenden
Ackerschachtelhalm Tee ansetzen
Ein Brennnesselsud enthält weniger Nährstoffe aber ist schneller zubereitet und riecht weniger stark [Foto: KashtykiNata/ Shutterstock.com]

Ackerschachtelhalmtee herstellen und anwenden

Ein Ackerschachtelhalmtee wird ganz ähnlich wie eine Brennnesselbrühe angesetzt. Hierbei geben Sie 500 Gramm frischen oder 100 Gramm getrockneten Ackerschachtelhalm in 2,5 Liter weiches Wasser (zum Beispiel in Regenwasser) und weichen ihn für 30 Minuten ein. Anschließend soll er 45 Minuten lang leicht köcheln. Lassen Sie den Ansatz über Nacht stehen und seihen Sie ihn am nächsten Morgen ab. Der Ackerschachtelhalmtee kann nun im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt auf die Pflanze gesprüht werden. Wir empfehlen, die Pflanzen einmal pro Woche mit dem Extrakt zu behandeln. Am besten beginnen Sie mit der Behandlung bereits am Anfang des Frühjahrs, bevor die ersten Blattläuse auftauchen.
Sie können aus Ackerschachtelhalm auch Jauchen herstellen. Hierfür geben Sie ein Kilogramm frischen Ackerschachtelhalm oder 200 Gramm getrocknetes Material in ein feines Netz oder ein dünnes Tuch. Dieses Päckchen können Sie nun mit zwei Handvoll Gesteinsmehl in einen Kunststoffbehälter legen und mit zehn Litern Wasser übergießen. Rühren Sie den Ansatz am besten täglich um. Sie werden bereits nach wenigen Tagen Bläschen aufsteigen sehen. Nach zwei bis drei Wochen ist die Jauche fertig. Im Verhältnis 1:5 mit Wasser verdünnt können Sie sie als Dünger direkt auf die Erde gießen.

So können Sie Ackerschachtelhalmtee oder -jauche herstellen und anwenden:

  • Für Tee:
    • 500 Gramm frischen/ 100 Gramm getrockneten Ackerschachtelhalm in 2,5 Liter weichem Wasser für 30 Minuten einweichen, dann 45 Minuten lang köcheln
    • Am nächsten Tag abseihen
    • Im Verhältnis 1:10 verdünnen und auf die Pflanzen sprühen
    • Einmal pro Woche anwenden
  • Für Jauche:
    • Ein Kilogramm frischen/ 200 Gramm getrockneten Ackerschachtelhalm in ein feines Netz/Tuch geben
    • Mit Gesteinsmehl in 10 Liter Wasser geben
    • Ansatz täglich umrühren, nach 2 – 3 Wochen abseihen
    • Im Verhältnis 1:5 verdünnen und als Dünger am Boden anwenden
Brennesselsud
Ackerschachtelhalm finden Sie vor allem an feuchten Standorten [Foto: Martina Unbehauen/ Shutterstock.com]

Tipp: Auch wenn diese Pflanzenextrakte Nährstoffe enthalten, können sie allein meist keine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung für Ihre Pflanzen darstellen. Außerdem müssen Sie vor allem bei Jauchen mit einer deutlichen Geruchsentwicklung rechnen. Eine Alternative sind auf Ihre Pflanzen abgestimmte Dünger. Unsere Plantura Bio-Dünger und unser Bio-Bodenaktivator sind tierfrei und absolut unbedenklich für Ihre Haus- oder Wildtiere im Garten. Die zum Großteil organischen Inhaltsstoffe sorgen für eine langanhaltende Nährstoffversorgung Ihrer Pflanzen.

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