Lindenblüten & -blätter: Sammeln, Verwenden und Wirkung

Verena
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Aufgewachsen bin ich auf einem kleinen, biologischen Nebenerwerbshof und nach meinem FSJ auf einer Ranch in Amerika habe ich angefangen, in Hohenheim Agrarwissenschaften zu studieren. Am meisten interessieren mich hier die Bereiche Boden, ökologische Landwirtschaft und Pflanzenwissenschaften. Zuhause verbringe ich viel Zeit in unserem Garten und wenn ich dort nicht zu finden bin, trifft man mich oft in der Küche, wo ich unser Obst und Gemüse zum Kochen und Backen verwerte.

Lieblingsobst: Auch wenn sie langweilig sind – Äpfel
Lieblingsgemüse: Paprika, Rote Bete, Zucchini, Weißkraut

Schon vor 800 Jahren empfahl Hildegard von Bingen, sich Lindenblätter für einen guten Schlaf aufs Gesicht zu legen. Heute sind die vielfältigen Heilwirkungen von Lindenblüten und -blättern teilweise auch wissenschaftlich bestätigt.

Lindenblüten
Die Wirkung von Lindenblüten ist vielfältig und auch Lindenblätter können auf verschiedene Weise verwendet werden [Foto: StockphotoVideo / Shutterstock.com]

Da Lindenbäume (Tilia) zu den häufigsten Stadtbäumen gehören, ist die Lindenblüte im Juni und Juli fast nicht zu verpassen. Zu dieser Zeit verströmen die Bäume einen angenehmen Duft und sind von einem kontinuierlichen Summen und Brummen erfüllt, denn Linden zählen zu den wichtigsten Trachtpflanzen für die Honigproduktion. Aber nicht nur für Bienen haben Linden einiges zu bieten, auch für uns Menschen sind Lindenblüten und -blätter überaus gesund und können vielfältig verwendet werden. Ob man die verschiedenen Teile von Linden essen kann, wann man Lindenblüten erntet und für was Lindenblütentee gut ist, erfahren Sie in diesem Artikel. Alles zu Anbau und Pflege von Linden haben wir hingegen in einem gesonderten Artikel für Sie zusammengefasst.

Sind Lindenblüten und Lindenblätter essbar?

Man kann sowohl Lindenblüten als auch Lindenblätter essen. Lindenblätter machen sich zum Beispiel hervorragend in einem Salat und Lindenblüten werden sehr gerne als Dekoration für Speisen und natürlich für Lindenblütentee verwendet. Man kann aber auch die Früchte der Linde essen, die wertvolle Fettsäuren liefern. Kurz nach der Blüte sind sie noch weich, werden aber vor allem bei der Sommerlinde mit zunehmender Reife immer härter. Selbst dann können die Lindenfrüchte aber noch geschält und dann beispielsweise roh geknabbert oder als Salatbeilage verwendet werden.

Lindenbaum
Man kann viele Bestandteile von Linden essen, unter anderem auch die Früchte

Tipp: Es gibt an die 50 Lindenarten, doch nur für Blüten und Blätter von Winterlinden (Tilia cordata) und Sommerlinden (Tilia platyphyllos) ist eine medizinische Wirkung bestätigt. Informieren Sie sich daher vor dem Sammeln darüber, mit welcher Lindenart Sie es zu tun haben. Keine medizinisch bedeutsame Wirkung haben zum Beispiel Silberlindenblüten und -blätter (Tilia tomentosa).

Lindenblüten sammeln und verwenden

Wenn Sie sich sicher sind, dass es sich bei Ihrer Linde um eine Sommer- oder Winterlinde handelt, ist das Sammeln von Lindenblüten nicht weiter schwierig. Es erfordert nur etwas Zeit, belohnt Sie aber mit einem eigenen Vorrat an Lindenblüten für das nächste Jahr.

Lindenblüte in der Vollblüte
Der optimale Erntezeitpunkt für Lindenblüten ist in der Vollblüte [Foto: Peter Vanco/ Shutterstock.com]

Was Sie beim Ernten und Trocknen von Lindenblüten beachten müssen

  • Wann erntet man Lindenblüten? 1 – 4 Tage nach Blühbeginn in der Vollblüte. Die Blüte tritt bei Sommerlinden etwas früher als bei Winterlinden ein. Linden blühen zwischen Juni und Juli.
  • Pflücken Sie Lindenblüten inklusive der hellen Hochblätter und der Blütenstiele.
  • Trocknen: schonend, unter mehrmaligem Wenden an einem schattigen Ort. Bei Bedarf noch bei 45 °C nachtrocknen – das geht beispielsweise gut im Dörrautomaten.
  • Aufbewahrung: dunkel und trocken, nicht länger als ein Jahr.

Nach dem Sammeln lassen sich Lindenblüten vielfältig verwenden. Am bekanntesten ist wohl der Lindenblütentee. Dafür werden entweder zwei Teelöffel frische oder ein Teelöffel getrocknete Lindenblüten mit einer Tasse heißem Wasser übergossen. Dann lässt man das ganze 5 bis 10 Minuten ziehen und seiht es ab.

Tasse mit Lindenblüten daneben
Die bekannteste Verwendung für Lindenblüten ist wohl der Lindenblütentee [Foto: Elya Vatel/ Shutterstock.com]

Man kann Lindenblüten aber auch für einen kalten Sud verwenden, daraus Lindenblütensirup und -tinkturen herstellen oder die Blüten für Entspannungsbäder und zum Inhalieren verwenden. Lässt man den Sirup etwas länger eindicken, wird er von manchen sogar als veganer „Lindenblütenhonig“, also als ein veganer Honigersatz bezeichnet. Lindenblütentinkturen werden heute auch vielfältig zur Herstellung von Kosmetika wie Cremes, Gesichtswasser oder Seifen verwendet.
Selbst in der Frauenheilkunde finden Lindenblüten seit langer Zeit Verwendung. So können Lindenblüten in der Schwangerschaft hilfreich sein, da sie angstvolle Verspannungen lösen und die Geburt erleichtern können.

Tipp: Teilweise wird empfohlen, eine Tagesdosis von zwei bis drei Tassen nicht zu überschreiten. Anscheinend sind aber bislang keine Nebenwirkungen von Lindenblüten und -blättern bekannt. Tasten Sie sich daher vorsichtig an den Konsum heran und übertreiben Sie es nicht, denn wie bei jedem Lebensmittel gilt, dass ein übermäßiger Verzehr zu Problemen führen könnte. Vor allem jedoch in der Schwangerschaft oder bei der Einnahme von Lindenblütentee durch Kinder dürfte die Rücksprache mit Ihrem Arzt sinnvoll sein.

Creme und Tinktur aus Lindenblüten
Auch in Cremes und Tinkturen können Lindenblüten ihre Wirkung entfalten [Foto: Anna Ok/ Shutterstock.com]

Lindenblätter ernten und verwenden

Will man Lindenblätter trocknen und aufbewahren, sollten nur voll entwickelte Lindenblätter geerntet werden. Der beste Erntezeitpunkt ist demnach zwischen Juni und August.
Da an den Blättern nicht selten Blattläuse und der von ihnen produzierte Honigtau haften, sollten die Blätter zuallererst gewaschen werden. Auch hier gilt, dass das Erntegut zunächst schonend im Schatten getrocknet werden sollte, worauf gegebenenfalls eine künstliche Trocknung bei 45 °C folgen kann. Auch im Zuge der Aufbewahrung von getrockneten Lindenblättern gilt dasselbe wie für Lindenblüten, denn dies sollte dunkel und trocken geschehen und über maximal ein Jahr erfolgen. Man kann auch aus Lindenblättern Tee herstellen, allerdings ist hier beispielsweise die schweißtreibende Wirkung nicht überzeugend bestätigt. Verbreiteter bei Lindenblättern ist die äußerliche Anwendung – so können Abkochungen mit Lindenblättern bei diversen Hautkrankheiten als Umschlag angewendet werden.

Lindenblätter
Lindenblätter sind ungiftig und können jung zum Beispiel in Salaten gegessen werden [Foto: / Shutterstock.com]

Junge Blätter lassen sich in frischem Zustand vielfältig verwenden. Ihr Geschmack ist angenehm und lieblich, sodass sie auch in größeren Mengen für Salate oder grüne Smoothies verwendet werden können. Und wie schon Hildegard von Bingen empfahl, sind Lindenblätter auch bei ermüdeten Augen hilfreich. Sind Ihre Augen zum Beispiel angestrengt durch das viele Sitzen vor dem Bildschirm oder vom Lesen, können Sie über Nacht einige frische Lindenblätter auf Ihre Augen legen und mit einer leichten Schlafbrille fixieren.

Wirkung der Linde

Da es sich bei Lindenblüten und -blättern um Naturheilmittel handelt, sind die hier genannten Wirkungen eher durch Erfahrungswerte der jahrhundertelangen Verwendung als durch wissenschaftliche Studien belegt.
Lindenblüten enthalten viele gesundheitsrelevante Stoffe. Dazu zählen zum Beispiel Saponine, Gerb- und Schleimstoffe, ätherische Öle und vor allem ein hoher Gehalt an Flavonoiden. Dank dieser Inhaltsstoffe werden Lindenblüten verschiedene Wirkungen zugesprochen, von denen wir hier einige in einer kurzen Liste zusammengefasst haben:

  • Schleimlösend
  • Schweißtreibend
  • Beruhigend
  • Leicht blutdrucksenkend
  • Hustenreizstillend
  • Entzündungshemmend

Aufgrund dieser Wirkungen wird Lindenblütentee als Kraut gegen Erkältungen, bei Fieber, Erkrankungen der oberen Atemwege, Rheuma sowie einigen weiteren Beschwerden gerne verwendet.

Getrocknete Lindenblüten
Beim Sammeln von Lindenblüten zum Trocknen sollte man auch die Hochblätter miternten [Foto: Bigyy/ Shutterstock.com]

Bei Blättern ist der Gehalt an Inhaltsstoffen stärker standort- und jahreszeitabhängig. Sie stechen vor allem durch einen hohen Gehalt an Gerbstoffen hervor, enthalten daneben aber auch noch verschiedene Zucker, gesunde Fette und Enzyme. Teilweise wird auch ein hoher Gehalt an pflanzlichen Schleimstoffen erwähnt, der unter anderem Suppen eine schön sämige Konsistenz gibt. Wie bereits erwähnt ist die Wirkung von Lindenblättern weniger gut untersucht als die von Lindenblüten. Aber auch wenn die Wirkung von Lindenblättern weniger schweißtreibend als die der Blüten ist, können Lindenblätterextrakte beispielsweise bei Halsschmerzen verwendet werden.

Wenn Sie sich nun überlegen, einen Lindenbaum auch in Ihrem Garten zu pflanzen, finden Sie weiter Informationen dazu in unserem Artikel zum Pflanzen, Schneiden und Vermehren von Lindenbäumen.

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