Guttation bei Pflanzen: Warum Blätter manchmal tropfen

Alina
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Seit mehreren Jahren pflanze ich hobbymäßig in meiner Freizeit viel verschiedenes Gemüse an, wodurch ich letztendlich zu dem Studiengang Gartenbau an der Hochschule in Freising gefunden habe. Ich bin davon fasziniert, die Pflanzen vom Samen bis zur Frucht wachsen zu sehen und am Ende die Ernte zu verarbeiten.

Lieblingsobst: Kirschen und Erdbeeren
Lieblingsgemüse: Kartoffeln, Tomaten und Knoblauch

Einige werden sich bei dem Anblick von Tropfen an den Blättern der Zimmerpflanzen schon gewundert haben. In der freien Natur wird Guttation an Pflanzen auch oftmals mit Tautropfen verwechselt.

Guttation an einer Pflanze
In manchen Fällen ergibt sich durch die Guttation ein faszinierender Anblick [Foto: Gerry Bishop/ Shutterstock.com]

Bei einigen Pflanzen – wie beispielsweise bei der Efeutute (Epipremnum spec.) – können solche Tropfen häufiger beobachtet werden. Worum es sich bei dieser Flüssigkeit genau handelt und weshalb dieser Vorgang überhaupt stattfindet, erklären wir im Folgenden.

Was ist Guttation bei Pflanzen?

Als Guttation wird der Vorgang beschrieben, bei dem die Pflanze eine Flüssigkeit über spezielle Drüsen an ihren Blättern abgibt. Diese sitzen meist an den Blatträndern und Blattspitzen der Pflanzen und werden in der Fachsprache Hydathoden genannt. Bei der abgegebenen Flüssigkeit handelt es sich um den Saft aus dem Leitgewebe der Pflanzen, dem sogenannten Xylem. Dieser Saft setzt sich hauptsächlich aus Wasser, Zucker und verschiedenen Mineralien zusammen. Außerdem können sich wasserlösliche Pflanzenschutzmittel in dieser Flüssigkeit befinden, falls die Pflanze damit behandelt wurde. Ein weiteres Erkennungsmerkmal können weiße Krusten von Mineralsalzen oder Zucker sein, die nach dem Abtrocknen der Tropfen auf den Blättern zurückbleiben. Folgend haben wir ein paar weitere Beispiele für Zimmerpflanzen aufgelistet, an denen die Guttationstropfen an den Blättern häufig beobachtet werden:

Im Freiland können die Guttationstropfen zum Beispiel an Fuchsien (Fuchsia spec.), Erdbeeren (Fragaria spec.), dem Frauenmantel (Alchemilla spec.), der Kapuzinerkresse (Tropaeolum spec.) oder dem Schachtelhalm (Equisetum spec.) bemerkt werden.

Tropfen an den Blättern
Die Tropfen bilden sich an den Blattspitzen [Foto: Yes058 Montree Nanta/ Shutterstock.com]

Tipp: Da Bienen und andere Insekten die Guttationstropfen von Freilandpflanzen zu sich nehmen, ist es wichtig, Pflanzenschutzmittel und Substrate zu verwenden, die keine schädliche Wirkung auf diese haben.

Warum tropfen die Blätter mancher Pflanzen?

Wichtig zu wissen ist, dass der Stofftransport von Wurzel zu den Triebspitzen vor allem durch Verdunstung von Wasser aus dem Blatt funktioniert: Durch die Wasserverdunstung entsteht ein Sog nach oben, welcher für den Nachstrom der Flüssigkeit und somit die vermehrte Wasseraufnahme der Wurzeln im Boden führt. Es gibt verschiedene Ursachen für die Abgabe der Guttationstropfen. Grundsätzlich findet die Guttation aber dann statt, wenn eine Transpiration über die Spaltöffnungen (Stomata) der Blattoberfläche nicht oder nur sehr verringert stattfinden kann. Dies ist entweder nachts der Fall, wenn die Spaltöffnungen der Pflanze geschlossen sind, oder wenn keine Feuchtigkeit mehr an die Umgebung durch Transpiration abgegeben werden kann. Letzteres entsteht, weil die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist, gleichzeitig der Boden noch sehr feucht und wärmer als die Umgebung ist. Das tritt zum Beispiel in Gewächshäusern oder Wintergärten häufig auf, die nach der Bewässerung nicht ausreichend belüftet werden und warme Temperaturen aufweisen. So kann auch an Tomaten (Solanum lycopersicum) und Paprika (Capsicum) entlang der Blattränder Guttation auftreten.

Blätter mit Tropfen
Die Guttation hängt von verschiedenen Faktoren ab [Foto: AjayTvm/ Shutterstock.com]

Um den Wasserstrom und somit den Transport von Mineralstoffen in der Pflanze aufrechtzuerhalten, wird der Xylemsaft nun über die Drüsenzellen der Blätter abgegeben. Dies geschieht unter anderem mithilfe des Wurzeldrucks, der durch das Konzentrationsgefälle in der Wurzel entsteht. Die Guttation kann aber auch aktiv von der Pflanze gesteuert werden, indem sie Mineralsalze nach außen befördert und Wasser nachströmen kann. Dadurch wird ebenfalls ein Wassersog von Wurzel in die Triebspitzen erzeugt. Mit dieser Methode kann die Pflanze überschüssige Stoffe ausscheiden – es handelt sich also um eine Art Entgiftungsprozess.
Nicht verwechselt werden sollten die Guttationstropfen mit klebrigen Tropfen auf den Blättern Ihrer Pflanzen – diese können nämlich auf einen Befall mit Blattläusen (Aphidoidea) hindeuten.

Kann man Guttation an Zimmerpflanzen verhindern?

Wenn die Zimmerpflanzen auf ein Möbelstück tropfen und dieses immer wieder abgewischt werden muss, um Schäden zu vermeiden, dann suchen Sie wahrscheinlich nach einer Möglichkeit, die Guttation zu verhindern. Vielleicht konnten Sie bereits einen Zusammenhang zwischen Ihrem Gießverhalten und der Guttation Ihrer Pflanzen feststellen. Um die Guttation zu vermeiden, ist es sinnvoll, die Wassergabe morgens oder tagsüber, aber nicht abends durchzuführen. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit der Tropfenbildung geringer, wenn etwas regelmäßigere, jedoch kleinere Wassermengen gegeben werden. Denn dadurch ist der Boden nicht übermäßig feucht. Staunässe wird hierdurch vermieden.

Zimmerpflanze mit tropfenden Blättern
In manchen Fällen führen die Tropfen zu unschönen Flecken [Foto: Thomas Kingsley/ Shutterstock.com]

Wichtig: Wenn Kleinkinder oder Tiere mit im Haushalt wohnen, sollte man sich unter Umständen ernsthaft Gedanken über die Guttation machen. Denn nach einer Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und bei giftigen Zimmerpflanzen kann auch der Pflanzensaft gefährlich werden. In diesem Fall sollte das Gewächs außerhalb der Reichweite von Kindern und Tieren platziert werden, und zwar so, dass weder Tropfen auf den Boden fallen, noch die Pflanze direkt berührt werden kann.

Was unterscheidet Guttation von Tautropfen?

Im Gegensatz zu den Guttationstropfen entstehen Tautropfen durch rein äußerliche Einflüsse. Es ist also keine Flüssigkeit, die aus der Pflanze kommt. Durch die nächtliche Temperaturabsenkung kann die Luft ab einem gewissen Punkt keinen Wasserdampf mehr aufnehmen. Die Temperatur, bei welcher die Umgebungsluft vollständig mit Wasserdampf gesättigt ist, wird Taupunkttemperatur genannt. Wenn es nun aber noch kälter wird, dann findet die Kondensation statt, wobei der Wasserdampf vom gasförmigen in den flüssigen Zustand übergeht. Bei der Kondensation bilden sich also kleine Wassertropfen auf den Pflanzen und anderen Oberflächen.

Wie zu Anfang bereits erwähnt, kann Guttation beispielsweise bei der Efeutute beobachtet werden. Erfahren Sie in unserem Artikel alles zu der beliebten Zimmerpflanze.

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