Florfliege: Steckbrief & Einsatz als Nützling

Sebastian
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Als Gartenbaustudent an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf habe ich mich vor allem mit Nutzpflanzen und Anbautechniken auseinandergesetzt. Es fasziniert mich immer wieder, wie sich aus kleinen, oft ähnlich anmutenden Samen so zahlreiche verschiedene Pflanzen entwickeln.

Lieblingsobst: Heidelbeeren, Trauben, Himbeeren, Birnen
Lieblingsgemüse: Pilze, Paprika, Kohlrabi, Zwiebel, Knoblauch

Florfliegenlarven können zur natürlichen Bekämpfung von Schädlingen wie Blattläusen eingesetzt werden. Wir stellen den Nützling vor und geben Tipps zur Anwendung von Florfliegen.

Florfliege Larve frisst Blattlaus
Blattläuse stehen ganz oben auf dem Speiseplan der Florfliegenlarve [Foto: corlaffra/ Shutterstock.com]

Die heimische Gemeine Florfliege (Chrysoperla carnea), auch als Grüne Florfliege bekannt, ist als Nützling gegen einige Schädlinge an Pflanzen, die für uns bedeutendste Art der Florfliegen (Chrysopidae). Sie ist ein sehr effektiver Nützling. Eine Larve kann bis zu 50 Blattläuse (Aphidina) pro Tag beziehungsweise bis zu 800 Blattläuse während ihres Lebens verputzen. Daher tragen die gefräßigen Larven auch den Beinamen „Blattlauslöwen“. Was die Florfliegen außerdem noch ausmacht, warum sie als Universal-Nützling oder „lebendes Insektizid“ gelten und wie sie als Nützlinge richtig eingesetzt werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Florfliege: Steckbrief und Lebensweise

Florfliegen-Larven: Wenn die Larven schlüpfen, häuten sie sich zuerst und wandern danach abwärts auf der Suche nach einer passenden Nahrungsquelle. Die Larven der Florfliege werden in 3 Larvenstadien bis zu 1 cm lang, sind bräunlich gefärbt und haben zum Greifen und Aussaugen ihrer Beute 2 Greif-Saugzangen an ihrem Kopf. Wenn sie beispielsweise eine Blattlaus gefunden haben, packen sie diese mit ihren zangenartigen Mundwerkzeugen, stechen sie an und saugen sie aus. Auf dem Speiseplan stehen dabei vor allem Blattläuse, Woll- und Schmierläuse (Pseudococcidae) sowie Thripse (Thysanoptera), aber auch Spinnmilben (Tetranychidae), Wanzen (Heteroptera) und Weiße Fliegen (Aleyrodoidea). Sollte das Nahrungsangebot nicht groß genug sein, kann es passieren, dass die Larven sich an größere Beutetiere wie Marienkäferlarven oder sogar an Artgenossen heranwagen. Im dritten Larvenstadium kann eine Florfliegenlarve bis zu 500 Blattläuse fressen.

Florfliege
Aufgrund der Farbe wird die Gemeine Florfliege auch Grüne Florfliege genannt [Foto: Marek Mnich/ Shutterstock.com]

Florfliegen-Puppe: Nach den 3 Larvenstadien spinnen sich die Florfliegenlarven in einen weißen, kugeligen Kokon ein und entwickeln sich darin etwa innerhalb einer Woche zur Florfliege. Je nach Witterung dauert die gesamte Entwicklung der Larven zum erwachsenen Tier 1 bis 4 Wochen.

Gemeine Florfliege
Mit ihren Zangen hält die Florfliegenlarve ihre Beute problemlos fest [Foto: Muddy knees/ Shutterstock.com]

Adulte Florfliege: Erwachsene Tiere der Gemeinen Florfliege sind etwa 10 bis 15 mm groß, weisen eine grünliche Farbe auf und verfügen über netzartige Flügelpaare. Aufgrund ihrer metallisch schimmernden Facettenaugen werden sie auch Goldaugen genannt. Vor allem in der Dämmerung oder bei Nacht sind die erwachsenen Florfliegen anzutreffen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Pollen und Nektar, aber ebenfalls von den zuckerhaltigen Ausscheidungen von Pflanzensaft saugenden Insekten wie Blattläusen, dem sogenannten Honigtau.

Florfliege auf Grashalm
Auffallend sind die großen transparenten Flügel der ausgewachsenen Tiere [Foto: Cornel Constantin/ Shutterstock.com]

Florfliegen-Ei: Ein hervorstechendes Merkmal bei der Eiablage ist der lange Ei-Stiel, an dem die Florfliege jeweils eines ihrer ovalen, hellgrünen Eier ablegt. Da die Larven der Florfliege extrem räuberisch unterwegs sind, würden sie, nachdem sie schlüpfen, unter anderem auch ihre noch nicht geschlüpften „Geschwister-“Eier fressen. Der Stiel dient hier also als Schutz vor Kannibalismus. Die Eiablage erfolgt einzeln oder in Gruppen, meist in der Nähe von Blattlauskolonien, wobei ein Weibchen bis zu 900 Eier legt. Aus den Eiern schlüpfen dann nach etwa 2 bis 10 Tagen erneut Larven, wobei sich der Lebenszyklus im Jahr etwa 2 bis 3 Mal wiederholt.

Florfliegen-Eier
Bis zu 900 der gestielten Eier kann ein Weibchen legen [Foto: Pichit Sansupa/ Shutterstock.com]

Florfliegenlarven als Nützlinge

Florfliegen haben sich als Nützlinge sowohl im Erwerbsgartenbau als auch im Hobby-Gartenbau bewährt, da sie sehr tolerant gegenüber Umweltbedingungen sind sowie schnell und effektiv wirken. Das Außergewöhnliche bei Florfliegenlarven im Vergleich zu anderen Nützlingen ist, dass sie viele verschiedene Schädlinge verspeisen. Dazu gehören:

  • Blattläuse (Aphidoidea)
  • Woll- und Schmierläuse (Pseudococcidae)
  • Thripse (Thysanoptera)
  • Spinnmilben (Tetranychidae)
  • Wanzen (Heteroptera)
  • Weiße Fliegen (Aleyrodoidea)

Auch unsere Plantura Florfliegen gegen Blattläuse, Thripse & Co. sind Florfliegen der Art Chrysoperla carnea. Beim Kauf erhalten Sie von uns 500 Florfliegenlarven, die für eine Fläche von etwa 20 Quadratmetern ausreichen. Die Larven befinden sich bei der Lieferung in einer Pappwabe mit kleinen Kammern, in welchen sich die Larven mit etwas Futter befinden. Somit wird gewährleistet, dass die Florfliegenlarven sicher bei Ihnen ankommen und sich nicht gegenseitig belästigen. Nach der Lieferung sollten Sie die Larven sofort bei den befallenen Pflanzen aussetzen, am besten abends oder am Morgen – direkte Sonneneinstrahlung mögen die nachtaktiven Tiere nämlich nicht.

Geliefert werden die Florfliegen in einem frühen Entwicklungsstadium, weshalb Sie sich nicht wundern sollten, wenn Sie beim Abziehen des Papierstreifens von der Pappe nur wenig bis keine Bewegung erkennen können – das ist ganz normal.

Geeignet für die Entwicklung der Florfliegenlarven sind geschützte Räume wie Gewächshäuser, Wintergärten und Zimmer mit Temperaturen von 18 bis 25 °C. Im Gegensatz zu vielen anderen Nützlingen sind Florfliegen sogar schon ab 12 °C aktiv. Im Freien muss es schon eine Mindesttemperatur von 12 bis 15 °C haben, wobei es in der Nacht nicht kälter als 8 °C werden sollte, damit man mit einem Bekämpfungserfolg rechnen kann. Sie müssen nur die Florfliegen ausbringen – den Rest der Arbeit erledigen die Larven ganz von alleine.

Anwendung der Florfliegenlarven:

  • Sobald Sie sich am Anwendungsort befinden, kann das Papier der Pappwabe ein Stück abgezogen werden – 1 cm Wabe entspricht dabei etwa 25 Florfliegenlarven.
  • Halten Sie die Pappwabe dicht über die befallenen Pflanzen und drehen Sie die Wabe um, damit die offenen Kammern nach unten zeigen.
  • Durch leichtes Klopfen werden die Larven auf den Pflanzen verteilt. Je mehr von dem Papier abgezogen wird, desto mehr Florfliegen kommen zum Einsatz.
  • Lassen Sie die Pappwabe etwa 3 Tage lang in den Pflanzen liegen, damit eventuell verbliebene Larven herauskriechen können.
Larven der Florfliegen
Nach dem Ausbringen machen sich die Larven direkt an die Arbeit [Foto: Tomasz Klejdysz/ Shutterstock.com]

Mit diesen außergewöhnlichen Larven kann man Schädlingen an seinen geliebten Garten- oder Zimmerpflanzen effektiv, dabei völlig chemiefrei und umweltschonend zu Leibe rücken. Im Gewächshaus oder Wohnraum können die Tiere nicht so schnell abwandern. Deshalb sind sie hier besonders effektiv. Allerdings ist es nicht möglich, die Florfliegen über eine längere Zeit zu erhalten, wodurch bei starkem Befall ein erneuter Nützlingseinsatz nach etwa 2 Wochen nötig ist.

Florfliegen-Larve auf einer Pflanze
Die Larven verteilen sich auf den befallenen Pflanzen [Foto: yamaoyaji/ Shutterstock.com]

Florfliegen anlocken und im Garten ansiedeln

Florfliegen lassen sich im Garten auch gezielt ansiedeln. Ein sogenannter Florfliegenkasten ist dabei hilfreich, wobei man diesen kaufen oder einfach selbst bauen kann. Die meisten Florfliegenkästen bestehen lediglich aus Holz und sind mit Stroh oder Holzwolle gefüllt, in welcher die Florfliegen tagsüber einen Unterschlupf finden. Damit das Stroh nicht herausquillt, bringt man einen groben Draht oder einige Holzleisten an. Da die Farbe Rot anscheinend sehr anziehend auf unsere Florfliegen wirkt, ist es ratsam, die Kästen in dieser Farbe zu bemalen und im Garten zwischen den Pflanzen aufzustellen.

Florfliegenkasten
Die rote Farbe des Florfliegenkastens wirkt anziehend auf die Nützlinge [Foto: LianeM/ Shutterstock.com]

Um Nützlinge wie Florfliegen im Garten zu fördern, können Sie außerdem Bäume und Sträucher pflanzen, Laub- und Astmulch über den Winter liegen lassen, Beete auch im Winter nicht brach stehen lassen, auf Insektizide verzichten und Blumen- oder Kräuterwiesen anlegen, die nur etwa ein- bis zweimal pro Jahr geschnitten werden.

Voraussetzung für Florfliegen und andere Nützlinge in Ihrem Garten ist ein ausreichendes Nahrungsangebot. Da sich erwachsene Florfliegen von Pollen und Nektar ernähren, sollten entsprechende Pflanzen im Garten vorhanden sein. Mit einer blühenden Blumenwiese in Ihrem Garten können Sie Nützlinge wie die Florfliege anlocken und fördern. Unser Plantura Nützlingsmagnet ist eine Saatgutmischung, die Ihnen mit vielen verschiedenen Arten und Sorten das Anlocken von Nützlingen einfach macht und ganz nebenbei durch zahlreiche Blüten das menschliche Auge erfreut.

Crysoperla carnea
Die adulten Florfliegen ernähren sich von Nektar, Pollen und Honigtau [Foto: Manfred Ruckszio/ Shutterstock.com]

Florfliegen im Haus: Was tun?

Da unsere Nützlinge sicher über den Winter kommen wollen, kann es dazu passieren, dass man die Florfliegen in den eigenen 4 Wänden antrifft. Von den rund 35 verschiedenen Florfliegenarten in Mitteleuropa überwintert die Gemeine Florfliege als erwachsenes Tier in frostfreien Bereichen im Freien oder sucht sich ein passendes Versteck im Innenraum. Viele andere Florfliegenarten überwintern in einem Kokon als sogenannte Präpuppe.
Da die Florfliegen für uns sehr nützlich sind und keine Schäden anrichten, sollte man sie nicht bekämpfen. Es kann vorkommen, dass sie aus ihren Winterverstecken durch Licht herausgelockt werden und etwas herumfliegen, aber die Florfliegen werden sich bald wieder ein gemütliches Versteck suchen. Besonders gerne verstecken sie sich hinter Bildern oder unterm Dach. Sie bevorzugen zum Überwintern eher kühlere Räume wie Dachböden und Garagen.

Lassen Sie die Florfliegen bei sich also ruhig überwintern, denn die kleinen Tierchen helfen Ihnen im Frühling gegen ungeliebte Schädlinge an Zimmerpflanzen oder im Hausgarten.

Florfliegen im Haus
Sollten Sie Florfliegen im Haus finden, lassen Sie sie ruhig bei sich überwintern [Foto: ArgenLant/ Shutterstock.com]

Ist der Biss der Florfliege gefährlich? Florfliegenlarven sehen durch Nahaufnahmen auf Bildern vielleicht etwas furchterregend aus, sind aber für uns Menschen völlig harmlos. Der Biss der Florfliegenlarve ist also nicht gefährlich. Die erwachsenen Tiere und ihre Larven sehen uns Menschen nicht als Beutetier und können daher gefahrlos beobachtet werden.

Sie wollen mehr über kleine Helfer im Gartenbau erfahren? Weitere spannende Tipps zu Nützlingen im Garten haben wir für Sie in unserem Spezialartikel zusammengestellt.

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