Seidenbaum: Pflege, Blüte & Überwinterung von Albizia julibrissin

Alina
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Seit mehreren Jahren pflanze ich hobbymäßig in meiner Freizeit viel verschiedenes Gemüse an, wodurch ich letztendlich zu dem Studiengang Gartenbau an der Hochschule in Freising gefunden habe. Ich bin davon fasziniert, die Pflanzen vom Samen bis zur Frucht wachsen zu sehen und am Ende die Ernte zu verarbeiten.

Lieblingsobst: Kirschen und Erdbeeren
Lieblingsgemüse: Kartoffeln, Tomaten und Knoblauch

Die filigranen Blätter und die auffälligen Blüten des Seidenbaums, auch Schlafbaum genannt, lassen die direkte Verwandtschaft mit der Mimose kaum abstreiten.

Schlafbaum
Die Blüten des Seidenbaums sind ein echter Blickfang [Foto: Ole Schoener/ Shutterstock.com]

Die geringe Verbreitung der Pflanze in der mitteleuropäischen Gartenkultur ist vor allem dadurch begründet, dass der Seidenbaum (Albizia julibrissin) meist nicht ausreichend winterhart ist. Wie Sie die dekorative Seidenakazie trotzdem in Ihrem Garten bewundern können und welche Sorten von Albizia julibrissin sich dafür am besten eignen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Seidenbaum: Blüte, Herkunft und Eigenschaften

Unter dem Synonym Schlafbaum ist der Seidenbaum wegen seiner Blätter bekannt, die er über Nacht oder bei Trockenheit zusammenklappt. In der chinesischen Medizin wird die Rinde des Baumes in Sedativen verarbeitet, wodurch das Synonym zusätzlich Bedeutung erhält. Als Seidenakazie wurde die Pflanze wegen der engen Verwandtschaft und der stark ähnelnden Optik zu den Akazien (Acacia) benannt. Diese gehören wie die Mimosen (Mimosa) in dieselbe Unterfamilie wie der Seidenbaum, nämlich zu den Mimosengewächsen (Mimosoideae). Sie alle werden in die Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) eingeordnet. Persischer Schlafbaum, japanischer Seidenbaum und chinesischer Seidenbaum sind weitere Synonyme, die dieselbe Pflanze beschreiben und auf den jeweiligen Verbreitungsgebieten basieren. Die ursprüngliche Heimat der Seidenakazie ist das südliche Asien. Mittlerweile ist der Schlafbaum vor allem in einigen Ländern Asiens verbreitet, aber auch in Südafrika und Teilen Südamerikas. Die Pflanze zeigt invasives Ausbreitungspotential, allerdings nicht bei uns, da es hier zu kalt ist.

Seidenbaum
Der Seidenbaum gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler [Foto: Beach Creatives/ Shutterstock.com]

Die laubabwerfende Pflanze wächst je nach Region und klimatischen Gegebenheiten als Strauch oder Baum, der unter optimalen Bedingungen eine Höhe von 6 bis 8 m erreicht. Der Seidenbaum bildet eine schirmförmige Krone und wächst in Mitteleuropa aufgrund der häufigen Frostschäden meist mehrstämmig und strauchförmig.

Die wechselständigen Blattwedel sind zweifach gefiedert und werden etwa 20 bis 30 cm lang. Eine Besonderheit der mehrjährigen Pflanze ist, dass sich die Fiederblättchen nachts und bei Trockenheit zusammenklappen. Ab einem gewissen Alter und in wärmebegünstigten Lagen entwickelt der Seidenbaum sogar in Mitteleuropa Blüten im Hochsommer und später dünne Hülsenfrüchte mit 8 bis 12 Samen. Die duftenden, zwittrigen Blüten des Schlafbaums stehen in köpfchenförmigen Blütenständen zusammen und prägen das Aussehen der Pflanze mit ihren rosafarbenen oder weißen, langen Staubfäden von Juli bis August.

Seidenakazie
Die medizinisch nutzbare Rinde des Schlafbaums ist dünn und empfindlich [Foto: thala bhula/ Shutterstock.com]

Da der Seidenbaum je nach Sorte bei uns nur bedingt winterhart ist und zu Beginn oft Schutz benötigt, eignet sich in diesem Fall auch eine Pflanzung im Kübel. Aufgrund des brüchigen Holzes und der dünnen, empfindlichen Rinde nimmt die Pflanze bei Sturm oft Schaden. Er erreicht meist nur ein Alter zwischen 10 und 20 Jahren und ist somit nicht sehr langlebig.

Ist der Seidenbaum bienenfreundlich? Zwar locken die exotischen Blüten mit ihrem zarten Duft auch Insekten an, für heimische Bienen stellt der Seidenbaum aber beispielsweise keine große Bereicherung dar.

Albizia julibrissin
Die Blüten haben einen angenehm zarten Duft [Foto: Charles Leung/ Shutterstock.com]

Die schönsten Sorten

Die verschiedenen Seidenbaum-Sorten unterscheiden sich unter anderem im Grad der Frosthärte. Auf diese sollte ein Augenmerk gelegt werden, wenn der zukünftige Standort der Pflanze nicht gerade in einer warmen Region liegt. Diese und weitere Merkmale der Sorten beschreiben wir folgend.

  • Albizia julibrissin ˈOmbrellaˈ: Diese handelsübliche Sorte ist der Art recht ähnlich, jedoch ist sie sehr wüchsig und verträgt kurzzeitig Temperaturen von –15 °C. Der Wuchs von ˈOmbrellaˈ ist schirmförmig und erreicht eine Höhe von etwa 8 bis 10 m.
Albizia julibrissin Ombrella
Die Blüten von ‘Ombrellaˈ sind rosa bis pinkfarben [Foto: Nahhana/ Shutterstock.com]
  • Albizia julibrissin ˈErnest Wilsonˈ: Die Sorte ˈErnest Wilsonˈ unterscheidet sich hauptsächlich durch die deutlich ausgeprägtere Frosthärte von der Art. Sie hält Temperaturen bis etwa –23 °C aus. Durch den etwas gedrungenen Wuchs mit einer Höhe von 4 bis 5 m ist die Form rundlicher.
  • Albizia julibrissin ˈSummer Chocolateˈ: Durch ihr außergewöhnliches Laubkleid zieht diese handelsübliche Sorte alle Blicke auf sich. Die zu Beginn frisch grün austreibenden Blätter färben sich später rötlich-schokoladenbraun und im Herbst schließlich goldgelb. Der Seidenbaum ˈSummer Chocolateˈ erreicht eine Höhe von etwa 2 bis 4 m und ist bis etwa –17 °C winterhart.
Seidenbaum Summer Chocolate
Bei ˈSummer Chocolateˈ ist der Name Programm, was die Laubfärbung betrifft [Foto: Nahhana/ Shutterstock.com]
  • Albizia julibrissin ˈPendulaˈ: Die Besonderheit dieser Sorte sind die bogig überhängenden Triebe mit rosa Blüten. Sie kann eine Höhe von bis zu 7 m erreichen und hält Temperaturen von etwa –17 °C stand.
  • Albizia julibrissin ˈEvey´s Prideˈ: Das tief bräunlich-weinrote Laub dieser Sorte setzt spannende farbliche Akzente in jedem Garten. Sie wird ebenfalls bis zu 7 m hoch und trägt kräftig rosafarbene Blüten. Auch hier beträgt die Winterhärte etwa –17 °C.

Tipp: Neben den Sorten gibt es noch zwei Varietäten des Seidenbaums. Dabei ist Albizia julibrissin var. rosea als etwas frosthärter als die Art zu beschreiben und Albizia julibrissin var. mollis unterscheidet sich vor allem durch die dicht behaarten Triebe. Allerdings sind diese Varietäten hier eher selten im Handel erhältlich.

Seidenbaum-Blüten
Albizia julibrissin var. rosea unterscheidet sich optisch kaum von der Art [Foto: Philip Bird LRPS CPAGB/ Shutterstock.com]

Schlafbaum pflanzen

Der Standort des Seidenbaums sollte auf jeden Fall sonnig-warm und windgeschützt sein. Also eignet sich zum Beispiel eine Südfassade sehr gut. Der Schlafbaum stellt keine spezifischen Ansprüche an die Bodeneigenschaften – jedoch spielt die Durchlässigkeit eine wichtige Rolle, weshalb leichte, sandige Böden einem schweren Lehmboden auf jeden Fall vorgezogen werden sollten.

Die beste Wirkung des Schlafbaums wird durch eine Einzelpflanzung als Solitär erzielt. Der optimale Zeitpunkt zum Pflanzen des Seidenbaums ist nach den letzten Frösten. Das Pflanzloch sollte großzügig ausgehoben werden und der Aushub bei tonreichen, schweren Böden zur Optimierung der Durchlässigkeit mit Sand oder Kies vermischt werden. Anschließend wird die Pflanze ins Loch gesetzt, angedrückt sowie angegossen.

Seidenbaum im Kübel pflanzen: Gerade die Albizia julibrissin-Sorten mit etwas geringerer Wuchshöhe können gut als Kübelpflanze eingesetzt werden. Vor allem in Regionen mit rauerem Klima bietet sich diese Option zur sicheren Überwinterung an. Zur Befüllung des großen Kübels sollten eine Drainageschicht aus Blähton am Boden und ein gut durchlässiges, humoses Substrat verwendet werden. Dafür eignet sich zum Beispiel unsere Plantura Bio-Universalerde ideal, die den Seidenbaum in der Wachstumsphase mit dem bereits enthaltenen Kalk- und Magnesiumdünger sowie dem organischen Bio-Dünger optimal unterstützt. Der hohe Humusgehalt in unserer Erde bewirkt außerdem eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung, weshalb das Substrat nicht nur für den Kübel, sondern auch für die Pflanzung im Freiland ideal ist.

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Seidenbaum-Pflege: Schneiden, düngen & Co.

Mit gelegentlich trockenen Böden kommt die Seidenakazie gut zurecht. Lediglich Neupflanzungen sollten in Trockenphasen auf jeden Fall zusätzlich mit Wasser versorgt werden. Den Seidenbaum im Kübel gießen Sie am besten, sobald die oberste Substratschicht völlig abgetrocknet ist, aber spätestens, wenn sich die Blätter des Schlafbaums sogar tagsüber zusammenklappen oder einrollen.

Die optimale Nährstoffversorgung kann durch Düngen des Seidenbaums im Frühjahr gewährleistet werden. Dafür eignet sich besonders ein hochwertiger Langzeitdünger. Da die Pflanze nicht sehr salztolerant ist, sollte dabei auf einen vornehmlich organischen Dünger statt auf einen mineralischen zurückgegriffen werden. Verwenden Sie zum Beispiel unseren Plantura Bio-Blumendünger, dessen langsame Nährstofffreisetzung den Empfindlichkeiten des Seidenbaums entgegenkommt.

Gerade bei Kultur des Seidenbaums im Kübel ist ein alljährlicher Schnitt im Frühjahr sinnvoll. Dadurch kann die Form nach Belieben angepasst und die Größe etwas beschränkt werden. Frei gepflanzte Exemplare lassen sich durch Eingreifen mit Schnittmaßnahmen zu einem strauchförmigen Wuchs erziehen. Dabei sollten hauptsächlich lange, störende Triebe entfernt werden.

Seidenbaum nach Schneiden
Durch Schnittmaßnahmen lässt sich der Baum in der gewünschten Form erziehen [Foto: thala bhula/ Shutterstock.com]

Tipp: Durch die gute Schnittverträglichkeit kann der Seidenbaum außerdem gut als Bonsai gezogen werden.

Warum wirft mein Seidenbaum Blätter ab? Wenn Ihr Seidenbaum Blätter abwirft, dann kann das mehrere Ursachen haben. Es kann an einem zu dunklen Standort liegen oder an falschen Pflegemaßnahmen, wie zu viel oder zu wenig Gießen oder Düngen. Des Weiteren könnten Frostschäden zu Blattabwurf führen. Eine andere Ursache kann allerdings auch die pilzliche Welkekrankheit Fusarium oxysporum sein, welche eine häufige und tödliche Erkrankung für den Seidenbaum darstellt. Die ersten sichtbaren Symptome sind gelbliche, verkümmerte, welke Blätter an den Zweigen. Dem Befall mit diesem Pilz lässt sich vor allem durch den optimalen Standort und die richtige Pflege vorbeugen. Gleich zu Beginn sollte schon darauf geachtet werden, dass die erworbene Pflanze oder das verwendete Saatgut gesund aussieht und nicht befallen ist.

junger Seidenbaum
Jungpflanzen benötigen mehr Schutz und Pflege [Foto: Luca Piva/ Shutterstock.com]

Ist der Seidenbaum winterhart?

Die Winterhärte des Seidenbaums liegt etwa bei –15 °C. Wie bereits beschrieben variiert der Grad der Frosthärte etwas von Sorte zu Sorte. In milderen, wärmebegünstigten Lagen kann eine Freilandpflanzung mit entsprechenden Schutzmaßnahmen durchaus funktionieren. Gerade in den jungen Jahren sollte keinesfalls auf einen Winterschutz verzichtet werden, später nimmt die Frosthärte etwas zu. In kühleren Regionen mit härteren Wintern sollte auf die Sorten mit höherer Frosttoleranz zurückgegriffen werden. Eine Kübelpflanzung mit weitgehend frostfreier und relativ trockener Überwinterung stellt hier womöglich die sicherere Variante dar. Um Kälteschäden zu vermeiden, sollten die Standorte im Freiland stets geschützt und sonnig sein.

Zum Schutz im Freien kann der Stamm mit einer Kälteisolierung zum Beispiel aus Bast umwickelt werden und der Wurzelteller sollte mit einer dicken Mulchschicht abgedeckt werden.

Seidenbaum im Herbst
Im späten Herbst verliert der Seidenbaum seine Blätter [Foto: Katelyn Hengel/ Shutterstock.com]

Vermehrung der Seidenakazie

Eine recht zuverlässige Methode zum Vermehren des Seidenbaums ist über Stecklinge im Frühsommer. Dafür werden am besten neue Triebe möglichst nahe an der Basis der Pflanze entnommen, bei denen im unteren Bereich die Blätter entfernt werden. Anschließend werden sie in Töpfe mit konstant feucht gehaltener Anzuchterde gesteckt und an einen hellen Ort mit einer Umgebungstemperatur von etwa 25 °C gestellt. Auch mit Wurzelschnittlingen funktioniert die Vermehrung gut.

Aber auch das Vermehren über Samen des Schlafbaums funktioniert recht problemlos und schnell. Dabei ist nur zu beachten, dass das Saatgut einer durch die Samenschale verursachten, mechanischen Keimhemmung unterliegen. Diese kann am einfachsten durch eine Heißwasser-Behandlung gebrochen werden. Dabei werden die Samen in einem kleinen Gefäß mit etwa 90 °C-heißem Wasser übergossen und darin über Nacht liegen gelassen. Anschließend werden die Samen in Pflanzschalen mit Anzuchterde gelegt und höchstens leicht damit bedeckt. Sie müssen nun konstant feucht gehalten und ebenfalls an einen hellen Ort gestellt werden. Die beste Keimtemperatur liegt zwischen 20 und 25 °C. Wenn die Samen mit heißem Wasser behandelt wurden, zeigen sich nach etwa 10 bis 14 Tagen die ersten Keimlinge.

Seidenakazie
Jungpflanzen des Seidenbaumes könnten glatt mit der Mimose verwechselt werden [Foto:banedeki/ Shutterstock.com]

Ist Albizia giftig?

Giftige Teile des Seidenbaums sind die Früchte und Samen. Sie sollten vor kleinen Kindern und Tieren ferngehalten werden, um einen Verzehr zu verhindern. Der Pflanzensaft und die Blätter des Baumes sind unbedenklich – sie enthalten keine Giftstoffe. Bei Hautkontakt mit der Seidenakazie sind keinerlei Reizungen oder sonstige Reaktionen zu erwarten.

Gerade in Hinsicht auf die steigenden Temperaturen und die zunehmende Trockenheit könnte der Seidenbaum auch bei uns als sogenannter Klimabaum zukünftig eine größere Rolle spielen. Was genau Klimabäume überhaupt sind und welche dazu gehören, erfahren Sie in unserem Spezialartikel.

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