Quitten pflanzen, pflegen & vermehren

Max
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Pflanzen und deren Vielfalt in der Natur fand ich schon immer faszinierend. Daher habe ich nach meiner Ausbildung zum Schreiner das Studium der Gartenbauwissenschaften an der Hochschule in Weihenstephan begonnen. Zuhause kultiviere ich in Garten, Wald und Haus verschiedenstes; von kleinen Zimmerpflanzen bis hin zu großen Forstbäumen, wobei mein besonderes Interesse den Obstgehölzen gilt. Auch nach der Ernte verarbeite ich gerne die Früchte weiter zu Marmeladen, Wein oder diversen anderen Produkten.

Lieblingsobst: Apfel
Lieblingsgemüse: Paprika

Die Quitte ist ein fast in Vergessenheit geratenes Obst, doch das wird dem faszinierenden Obstbaum nicht gerecht.

Cydonia oblonga
Quitten finden sich meist nur in Hausgärten, weil sie gewerblich kaum angebaut werden [Foto: darksoul72/ Shutterstock.com]

Da die meisten Sorten der Quitte (Cydonia oblonga) aufgrund ihrer Härte und Säure roh kaum genießbar sind, wird die Frucht oft nicht sehr geschätzt. Allerdings wissen viele nicht, dass sich in dem Obst zahlreiche gesunde Inhaltsstoffe verbergen. Neben dem betörenden Duft, den sowohl Blüten als auch Früchte verströmen, hat die Quitte – richtig verarbeitet – ebenfalls einen ausgezeichneten Geschmack.

Quitten: Herkunft und Eigenschaften

Die Urform der Quitte stammt aus der Kaukasusgegend um Persien. Heutzutage sind Quittenbäume über die ganze Welt verteilt zu finden. Vor allem in Osteuropa ist das Obst beliebt, weswegen sich zwischen Moldawien und der Türkei viele Sorten für den Frischverzehr entwickelt haben. Als Kernobst ist die Quitte in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) mit dem Apfel (Malus x domestica) und der Birne (Pyrus communis) verwandt und hat einige ähnliche Eigenschaften, wie beispielsweise fünfzählige Blüten. Diese sind bei der Quitte recht groß und haben eine weiße bis rosa-weißliche Farbe. Die Quittenblüten erscheinen ab Ende Mai und bieten Nutzinsekten wie Bienen ein gutes Nahrungsangebot. Bei den Befruchtungsverhältnissen muss man unterscheiden, da es selbstfruchtbare und selbstunfruchtbare Sorten gibt. Bei den selbstfruchtbaren Varianten genügt es, einen Baum im Garten zu haben, während man bei selbstunfruchtbaren mindestens zwei Quittenbäume benötigt, um Früchte zu erhalten.

Die Quitte wächst meist eher strauchartig, wird je nach Sorte und Standort etwa 3 bis 8 m hoch und teils genauso breit. Sie hat rundliche bis lanzettliche Blätter und im Alter eine abblätternde, dunkelbraune Rinde, welche einem Camouflage-Muster ähnelt. Die Früchte können je nach Quittensorte sehr verschieden aussehen, sind jedoch immer grünlich bis gelblich und sehen oft aus wie eine Mischung aus Apfel und Birne. Ein wichtiges Merkmal für Quitten sind ein filziger Belag, der sowohl auf Blättern als auch auf Früchten zu finden ist, sowie ein angenehmer, starker Duft bei Fruchtreife. Quitten können je nach Sorte und Witterungsverhältnissen circa von Oktober bis Dezember geerntet werden. Sind die Früchte weitgehend gelblich und nicht mehr grün, so ist dies ein gutes Anzeichen für ausgereifte Quitten.

Quitten-Frucht
Der filzige Belag auf den Früchten lässt sich leicht abrubbeln [Foto: Iryna Loginova/ Shutterstock.com]

Quitten pflanzen: Zeitpunkt und Vorgehen

Die beste Pflanzzeit für Quitten ist wie für fast alle Gehölze das Frühjahr oder der Herbst, da im Sommer die Gefahr einer Austrocknung und im Winter das Risiko von Frostschäden besteht. Der Quittenbaum bevorzugt mittelschwere Böden und verträgt keine Staunässe. Außerdem ist ein allzu kalkiger Untergrund ungeeignet, da die Quitte bei hohen pH-Werten über 7 zur Chlorose, also zur Blattvergilbung, neigt. Eine etwas geschütztere Lage ist ebenfalls zu empfehlen, da junges Holz frostempfindlich ist. Hat man sehr kalkreiche Böden, kann man den pH-Wert mit speziellen Substraten wie unserer Plantura Bio-Sauren Erde oder saurem Kompost ausgleichen. Hierfür gräbt man ein etwa doppelt so großes Pflanzloch, wie der Wurzelballen des Baumes misst, und mischt etwas saures Substrat unter die vorhandene Erde. Noch besser ist es jedoch, auf eine veredelte Quitte zurückzugreifen, deren Unterlage wenig kalkempfindlich ist.

Allgemein ist es bei der Pflanzung wichtig, den Baum nicht zu tief einzugraben. Da die meisten Obstbäume veredelt sind, muss die verdickte Veredelungsstelle etwa 20 cm über dem Boden liegen. War die Quitte vorher in einem Topf, lohnt es sich, den Wurzelballen etwas aufzulockern, bevor man den Baum in die Erde setzt. Am Pflanztag sollte der Quittenbaum gut angegossen werden. Der Boden sollte in den nächsten Wochen auch nie völlig austrocknen. Des Weiteren ist es sinnvoll, einen Gießrand und eine Baumscheibe von etwa 60 cm Durchmesser um den Baum anzulegen. Die Baumscheibe sollte möglichst unkrautfrei gehalten werden, damit diese Beikräuter dem Quittenbaum keine Nährstoffe und Wasser wegnehmen. Eine zusätzliche Mulchschicht beispielsweise aus Baumrinde verhindert außerdem, dass zu viel Wasser aus dem Boden verdunstet. Je nach Wuchsstärke des Baumes muss der Stamm an einen Pflock angebunden werden, da schwächer wachsende Sorten sonst Gefahr laufen, bei stärkeren Winden abzubrechen oder schief anzuwurzeln.

Quittenbaum in Blüte
Sowohl die Blüten als auch die Früchte der Quitte verströmen einen angenehmen Duft [Foto: ADELART/ Shutterstock.com]

Die wichtigsten Pflegemaßnahmen

Als erste Maßnahme ist der richtige Schnitt zu nennen. Am besten eignet sich hierfür das frostfreie Frühjahr. Außerdem ist es notwendig, eine saubere und scharfe Astschere zu verwenden, damit die Schnittstellen möglichst schnell verheilen. Man entfernt zuerst alle alten und kranken Äste. Danach lichten Sie die Krone weiter aus, um ein schnelles Abtrocknen zu gewährleisten. Dadurch breiten sich pilzliche Infektionen im Baum weniger oder langsamer aus. Zudem ist eine lichte Krone wichtig, damit sämtliche Stellen des Quittenbaumes gut vom Sonnenlicht erreicht werden. Der Quittenbaum sollte etwa 3 bis 5 Leitäste aufweisen, an denen sich der Baum wiederum verzweigt. Äste, die diese Leitäste kreuzen oder nach innen wachsen, sollten jährlich entfernt werden. Größere Schnittmaßnahmen sind bei den eher schwachwüchsigen Quitten nur alle 4 bis 5 Jahre notwendig.

Je nach Pflanzmaterial ist es empfehlenswert, einen Pflanzschnitt durchzuführen. Hat der Baum mehr Blatt- als Wurzelmasse, so müssen die Äste auf eine nach außen stehende Knospe um etwa ein Drittel eingekürzt werden, damit eine ausgeglichene Versorgung gewährleistet werden kann. Außerdem ist ein Einkürzen des ganzen Stammes vorteilhaft, wenn der Quittenbaum keine gute Verzweigung aufweist. Dadurch werden die restlichen Knospen und Triebe des Baumes dazu angeregt, auszutreiben. Zudem lässt man neben dem Haupttrieb lediglich 3 bis 5 Leitäste stehen, die später die Krone bilden. Die anderen Triebe werden beim Pflanzschnitt entfernt.

Um dem Baum genügend Nährstoffe für ein gesundes Wachstum und Fruchten zur Verfügung zu stellen, kann es auf mageren Standorten hilfreich sein, die Quitte jährlich im Frühjahr, um den April herum, zu düngen. Da Quitten aber sehr empfindlich auf Überdüngung reagieren und nur kleine Düngermengen brauchen, ist es auf normalen Böden sinnvoller, den Nährstoffumsatz und die Bodenfruchtbarkeit zu fördern, als hochdosierte Düngemittel auszubringen. Als beste Helfer, um neue organische Masse zu pflanzenverfügbaren Nährstoffen umzuwandeln, gelten Regenwürmer und zahlreiche andere Bodenlebewesen. Um dieses Bodenleben zu unterstützen, kann man beispielsweise unseren Plantura Bio-Bodenaktivator verwenden. Dieser ist unbedenklich für alle Gartenbewohner und enthält neben organischer Substanz und einigen Nährstoffen auch Mykorrhiza-Pilze, die in Symbiose mit Pflanzenwurzeln leben.

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Häufige Krankheiten und Schädlinge

Wie gerade genannt, kann eine lichte Baumkrone pilzlichen Befall wie etwa Blattbräune auf der Quitte vermeiden, da Pilze meist ein feuchtes Klima bevorzugen. Als häufige pilzliche Krankheit an der Quitte ist wie beim Apfel der Schorf (Venturia inaequalis) zu nennen, welcher braune, rissige Flecken auf den Früchten verursacht. Da dieser Erreger im Falllaub überwintert, gilt es als wichtige Vorbeugungsmaßnahme, sämtliches gefallenes Laub um den Quittenbaum herum zu entfernen. Eine andere Krankheit, für die viele Quittenbäume besonders anfällig sind, ist der bakterielle Feuerbrand (Erwinia amylovora). Ist eine Pflanze befallen, so verkümmern die Triebe und sehen wie verbrannt aus. Bei Verdacht auf Feuerbrand besteht Meldepflicht beim zuständigen Pflanzenschutzamt, da sich die Krankheit rasch auf andere Obstbäume ausbreiten kann. Ist der Baum wirklich infiziert, so müssen die Bäume leider oft gerodet werden.

Als Schädlinge können vermehrt Blattläuse (Aphidoidea) auftreten. Diese stellen normalerweise kein Problem dar, da sie als natürliches Futter für Marienkäfer und andere Nützlinge dienen. Ist der Befall zu stark ausgeprägt, so können die Blattläuse einfach mit milder Seifenlauge von den Blättern abgewaschen werden.

Quitte mit Schädlingen
Blattläuse können in verschiedenen Farben wie Schwarz oder Grün auftreten [Foto: Paul Maguire/ Shutterstock.com]

Quitten vermehren

Theoretisch ließe sich eine Quitte einfach über Samen vermehren. Jedoch kann aus jedem einzelnen davon ein anderer Quittenbaum entstehen, sodass man nie genau weiß, welche Sorte man als Ergebnis erhält. Des Weiteren brauchen aus Samen gezogene Obstbäume teilweise bis zu 10 Jahre, bis sie die ersten Früchte bilden. Daher ist es ratsam, die Quitte über Veredelung zu vermehren – wie im Obstbau üblich. Mehr Infos hierzu finden Sie in unserem Artikel zum Apfelbaum-Veredeln. Da die Technik und die Vorgehensweise bei der Quitte genauso wie bei einem Apfelbaum sind, können Sie sich an diese Anleitung halten. Als schwachwüchsige Unterlagen werden meist die ‘Quitte A’ oder die ‘Quitte Adams’ verwendet. Möchte man einen größeren Baum, so kann man neben Quittensämlingen sogar auf Weißdorn (Crataegus monogyna) und Eberesche (Sorbus aucuparia) veredeln. Durch die Veredelung können die Kalkempfindlichkeit der Quittensorte und ihre Neigung zu Chlorosen auf alkalischen Böden verringert werden.

Sind Quitten giftig?

Das Fruchtfleisch der Quitte ist, selbst unverarbeitet, nicht giftig für Menschen. Da fast alle Quittensorten roh nicht sehr schmackhaft sind, empfiehlt es sich, die Früchte beispielsweise zu Gelee weiterzuverarbeiten. In den Samen der Quitte ist hingegen etwas giftige Blausäure enthalten. Man müsste allerdings viele Quittenkerne verspeisen, um erste Vergiftungserscheinungen zu bemerken. Außerdem wird die meiste Blausäure erst beim Zerkauen der Kerne frei, weswegen ein bloßes Verschlucken keine Gefahr mit sich bringt. Werden die Quittenkerne gelutscht und nicht runtergeschluckt, sondern später wieder ausgespuckt, so hilft der entstehende Schleim sogar gegen Husten und Halsbeschwerden. Da Quitten reich an Pektin sind, eignen sie sich gut für die Herstellung von Marmelade, sollten jedoch nicht übermäßig von Hunden verspeist werden, da Pektin in höheren Mengen zu Magenproblemen bei unseren vierbeinigen Freunden führen kann.

Da Quitten hervorragend haltbar sind, bietet es sich an, die Früchte nach der Ernte zu lagern. Wie man hierbei genau vorgeht, erfahren Sie in unserem Artikel zur Ernte und Lagerung der Quitte.

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