Schildläuse: Erkennen, vorbeugen & bekämpfen

Dominic
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Ich habe Gartenbauwissenschaften studiert und gehöre natürlich den passionierten Hobbygärtnern an. Meine ersten Wassermelonen habe ich bereits im Alter von 7 Jahren geerntet. Momentan finde ich Themen in Bezug auf die Interaktion von Pflanzen mit anderen Lebewesen und der Umwelt besonders interessant.

Mein Lieblingsobst: Ganz klar Avocados
Mein Lieblingsgemüse: Eigentlich alles, außer Rosenkohl

Schildläuse schnell & effektiv bekämpfen: Wir zeigen Ihnen, wie Sie die unliebsamen Läuse mit biologischen und chemischen Mitteln schnell wieder loswerden.

Schildläuse sind, wie andere Pflanzenläuse auch, mit einem Stechrüssel ausgestattet. Mit diesem saugen sie den energiereichen Pflanzensaft auf und schwächen so die befallene Pflanze. Aus diesem Grund gehören Schildläuse zu den Schädlingen und gerade an Zimmerpflanzen sind sie ein großes Problem. Bei der erfolgreichen Bekämpfung braucht es zudem ein konsequentes Vorgehen, um die lästigen Biester zu beseitigen. Aber haben Sie auch gewusst, dass aus Schildläusen hochwertige Rohstoffe hergestellt werden? Bestimmte Arten dienten vor allem früher als Lieferant für den roten Farbstoff Karmin. Dieser hat früher vielen Lippenstiften und Lebensmitteln eine starke Rotfärbung verliehen. Sogar der rote Campari wurde vor einiger Zeit noch mit Karmin eingefärbt.

Schildläuse erkennen

Die Familie der Schildläuse (Coccoidea) ist relativ artenreich. So sind in Mitteleuropa etwa 100 Arten der Pflanzensauger vertreten. Dieser Artenreichtum sorgt dafür, dass sich Schildlaus zu Schildlaus teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Unserer Meinung nach ist es deswegen wichtig, die generellen Anzeichen eines Schildlausbefalls zu erkennen und sich nicht in optische Details der unterschiedlichen Schildläuse zu verstricken. Zwar werden von Schildläusen auch Gehölze und Weinreben befallen, für den Hobbygärtner sind aber meistens befallene Zimmerpflanzen das wirkliche Problem. Besonders gerne suchen sich die Schildläuse Orchideen, Palmen, Ficus, Zitrusbäume und Oleander als Wirtspflanze aus.

Schildläuse an Blattunterseite
Schildläuse verstecken sich besonders gern an der Blattunterseite [Foto: Manfred Ruckszio/ Shutterstock.com]

Ein starker Befall tritt dabei meistens im Winter und Frühjahr auf, wenn die Pflanzen durch schlechte Standortbedingungen geschwächt sind. Dann vermehren sich die 0,8 bis 6 mm großen Schildläuse extrem schnell und werden ein Problem für die betroffene Pflanze. Sie verstecken sich gerne an Blattansätzen, der Blattunterseite und anderen schwer zugänglichen Stellen an der Pflanze, was das Auffinden zusätzlich erschwert. Ein sicheres Indiz für einen Schildlausbefall ist der Honigtau. Genauso wie Blattläuse produzieren die weiblichen Schildläuse ebenfalls den zuckerreichen Honigtau, der schnell ganze Blätter verklebt. Dieser ist in Verbindung mit den unbeweglichen Schildläusen und dem charakteristischen Rückenschild ein sicheres Zeichen für einen Schildlausbefall. Die Schildläuse tauchen oft kolonieartig auf, deswegen sprechen viele pustelartige Gebilde konzentriert an einer Stelle der Pflanze ebenfalls für Schildläuse.

Schildläuse: Ein Steckbrief

Schildläuse sind je nach Entwicklungsstadium und Geschlecht sehr variabel in ihrer Beschaffenheit. Im Prinzip bekommen wir als Schädling nur die älteren Weibchen der Schildlaus zu Gesicht. Die Weibchen besitzen in ihrer späteren Entwicklung einen ausgeprägten Schild zum Schutz. Dieses Schutzschild ist auch notwendig, denn die weibliche Laus ist ab ihrem zweiten Larvenstadium komplett bewegungsunfähig und damit kann sie Fressfeinden nicht entkommen. Die Weibchen sind zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, den Pflanzensaft über den Stechrüssel aufzunehmen, Eier zu legen und Honigtau abzugeben. Dabei können die Weibchen auch fruchtbare Eier ohne die Befruchtung eines Männchens legen. Diese sogenannte Jungfernzeugung ist für die rasche Vermehrung der Schildläuse verantwortlich.

Schildlaus an Blatt
Durch ihren Panzer ist die Schildlaus gut gegen viele biologische Mittel geschützt [Foto: Cherdchai Chaivimol/ Shutterstock.com]

Die Eier der Schildläuse liegen oft geschützt in der Nähe oder direkt unter dem Muttertier. Aus ihnen schlüpfen die 0,8 mm kleinen Junglarven. Diese Larven sind noch beweglich und können sich deswegen einen neuen Platz an der Pflanze suchen, um dort den Pflanzensaft als Nahrung zu nutzen. Bereits ab dem zweiten Larvenstadium verlieren die Larven ihre Beweglichkeit wieder. Die Männchen der Schildlaus sind hingegen immer beweglich und in der Regel geflügelt. Trotzdem haben sie ein bedauernswertes Schicksal: Ihr einziger Zweck ist die Befruchtung der Weibchen. Die Männchen können nämlich keine Nahrung aufnehmen, da Darm und Mundwerkzeuge stark zurückgebildet sind. Aus diesem Grund leben die Männchen auch nur wenige Tage lang.

Schildläusen vorbeugen

Da Schildläuse besonders gerne Zimmerpflanzen wie Orchideen und Palmen befallen, sollten die Zimmerpflanzen gerade im Winter regelmäßig auf die verdächtigen Schilde der Schildläuse abgesucht werden. Oft können bei der Begutachtung aber nur die großen weiblichen und unbeweglichen Schildläuse erfasst werden. Die unter einen Millimeter großen Junglarven sind für das menschliche Auge fast unauffindbar. Trotzdem kann ein prüfender Blick auf neu erworbene Zimmerpflanzen nicht schaden, denn Schildläuse lassen sich nicht so leicht bekämpfen. Weil die männlichen Schildläuse fliegen können, könnte man zu dem Schluss kommen, dass sie auch für die Verbreitung verantwortlich sind. Das stimmt so aber nicht. Die Flugfertigkeiten der Männchen sind sehr begrenzt und zudem können sie ja auch keine Eier legen und sich somit nicht alleine  vermehren.

Auch an der Sprossachse können Schildläuse beobachtet werden [Foto: VANESSAL/ Shutterstock.com]

Neben der frühzeitigen Erkennung einer Schildlauspopulation ist der Zustand der Pflanze entscheidend. Häufig vermehren sich die Schildläuse zügellos auf ihren Wirtspflanzen, weil diese standortbedingt geschwächt sind. Die häufigste Ursache ist die mangelnde Lichtintensität im Winter und auch noch im Frühling. Das fehlende Licht in Verbindung mit trockener und oft auch zu warmer Luft ist für die meisten Kübel- und Zimmerpflanzen purer Stress. Genauso schlecht wirkt sich eine zu starke Stickstoffdüngung auf die Vitalität von Pflanzen aus. Diese Faktoren führen zu einer sehr anfälligen Pflanze, die sich kaum gegen einen Schildlausbefall wehren kann. Abhilfe kann nur bedingt geschaffen werden. Bei fast allen Kübelpflanzen sollte die Düngung im Winter ausgesetzt werden. Bekommen Ihre Zimmerpflanzen im Winter zu wenig Licht, dann sollten die Pflanzen auch möglichst kühl stehen. Nur bei kühleren Temperaturen kann die Pflanze ihren Stoffwechsel etwas an die schlechten Lichtverhältnisse anpassen. Außerdem entwickelt sich die Schildlaus bei niedrigen Temperaturen ebenfalls langsamer.
Achtung: Natürlich darf die Pflanze nur so kalt gestellt werden, wie sie es selbst verträgt!

Schildläuse bekämpfen

Meistens wird ein Befall durch Schildläuse erst erkannt, wenn sie sich schon recht gut vermehrt haben. Zu diesem Zeitpunkt ist das Absammeln der Schildläuse meistens nicht mehr sinnvoll. Zudem können Tiere an versteckten Stellen unentdeckt bleiben, genauso wie die kleinen Junglarven. Die Schildläuse würden sich wieder rasch vermehren und das Problem wäre nicht beseitigt.

Ein starker Befall tritt meistens im Winter und Frühjahr auf [Foto: Manfred Ruckszio/ Shutterstock.com]

Schildläuse biologisch bekämpfen

Eine Bekämpfung von Schildläusen ist mit nachhaltigen Methoden wie Bio-Pflanzenschutzmitteln und Nützlingen möglich. Öl-Präparate sind in der Regel Bio-Pflanzenschutzmittel und wirken bei richtiger Anwendung gut gegen Schildläuse. Das Öl legt sich mit einem dünnen Film um die Läuse und erstickt sie. Allerdings reagieren viele Pflanzen empfindlich auf die Benetzung mit Öl und können Schaden nehmen. Bevor Sie die ganze Pflanze mit dem Ölmittel benetzten, sollte das Präparat auf einer kleinen Blattpartie ausprobiert werden.
Eine gute Alternative ist ein Bio-Pflanzenschutzmittel, welches Azadirachtin, also den Wirkstoff aus den Samen des Neem-Baumes nutzt. Azadirachtin wirkt teilsystemisch, verteilt sich also im Blatt und erfasst saugende Schädlinge wie Schildläuse auch dann, wenn man sie nicht direkt angesprüht hat. Unser Plantura Bio-Schädlingsfrei Neem kann in Innenräumen an Zierpflanzen und sogar frischen Kräutern gegen die Schildlaus verwendet werden.

Schädlingsfrei Neem 75 ml
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  • Hochwirksames Mittel gegen Blattläuse, Weiße Fliegen, Thripse & Co.
  • Natürlicher Wirkstoff, gewonnen aus den Samen des Neembaums
  • Nicht bienengefährlich (B4) sowie nützlingsschonend

Schildläuse chemisch bekämpfen

Die Bekämpfung von Schildläusen mit nicht-biologischen Mitteln ist eigentlich ein unverhältnismäßig hohes Risiko, das vermieden werden kann. Nützlinge und Bio-Präparate weisen inzwischen eine ausreichend hohe Durchschlagskraft auf, sodass die schädlicheren konventionellen Mittel nicht den Weg in Ihr Zuhause finden müssen.
Mittel auf Basis von Paraffinöl oder synthetischen Pyrethroiden wie lambda-Cyhalothrin sind aber für den Gebrauch im Haus- und Kleingarten zugelassen. Fertige Mischungen zum Sprühen oder Gießen sowie Stäbchen, mit deren Hilfe der Wirkstoff systemisch über den Saftstrom der Pflanze verteilt wird, sind erhältlich. Wichtig: Beachten Sie bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln immer die Anwendungsempfehlungen und erkundigen Sie sich vor dem Kauf beim Hersteller wie, wo, wann und an welcher Pflanze das Mittel zum Einsatz kommen darf.

Chemische Spritzmittel wirken schon bei jungen Schildläusen effektiv [Foto: SIMON SHIM/ Shutterstock.com]

Schildläuse mit Nützlingen bekämpfen

Weil Nützlinge hochspezifisch sind und nur einzelne Schildlausarten befallen, können Nützlinge nicht pauschal gegen alle Schildläuse eingesetzt werden. Hier wäre die Identifizierung der genauen Schildlausart die Grundlage für eine effektive Bekämpfung. Ein gegen viele Schildläuse wirksamer Nützling ist die Schlupfwespe Metaphycus helvolus. Sie saugt junge und mittlere Larvenstadien aus und parasitiert außerdem die Weibchen, indem sie ihre Eier in ihren Körpern ablegt. Metaphycus helvolus kann gegen die Halbkugelige Napfschildlaus (Saissettia coffeae), die Schwarze Napfschildlaus (Saissetia oleae) und die Gemeine Napfschildlaus (Coccus hesperidum) eingesetzt werden. Wichtig: Nützlinge sind empfindliche, hoch spezialisierte Organismen. Bei ihrer Anwendung ist häufig ein spezieller Temperaturbereich zu beachten oder die Belichtung und Luftfeuchte muss reguliert werden. Lesen Sie daher vor der Verwendung nach, wie die Nützlinge ihr Werk am besten verrichten können. Der Bekämpfungserfolg hängt von den Bedingungen maßgeblich ab.

Eine weitere Pflanzenlausart, mit der viele Gärtner zu kämpfen haben, ist die Blattlaus. Erfahren Sie in unserem Steckbrief alles zu Aussehen, Herkunft und verschiedenen Arten von Blattläusen.

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