Maiglöckchen: Steckbrief, Vermehrung & Wirkung als Heilpflanze

Natascha
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Als Kind spielte ich in meiner Heimat Rheinlandpflanz täglich in der Grünanlage vor meiner Haustür. Dort wuchs mein Interesse zur Natur und der Wunsch, Naturforscherin zu werden. Mittlerweile studiere ich Gartenbauliche Phytotechnologie und schreibe aktuell meine Bachelorarbeit im Bereich Pflanzenschutz im Obstbau. Da ich in Berlin lebe, liegt mir besonders die Steigerung der Lebensqualität in Städten mithilfe von Pflanzen am Herzen.

Lieblingsobst: Feige, Maracuja, Beerenfrüchte, Limette und Orange
Lieblingsgemüse: Kartoffeln, Knoblauch, Tomaten, Gürkchen, Feldsalat und Rucola

Das duftende Maiglöckchen steht für Bescheidenheit, Demut und Reinheit. Viele Convallaria majalis-Arten können den Garten zieren. Beim Kräutersammeln im Wald sollte man Maiglöckchen jedoch besser nicht verwechseln.

Maiglöckchen
Das zarte Maiglöckchen verleiht dem Garten einen waldigen Charme [Foto: Lenstravel/ Shutterstock.com]

Wer im Frühjahr beim Waldspaziergang einen intensiven, frisch-blumigen Duft vernimmt, sollte einmal einen Blick ins Unterholz werfen. Mit etwas Glück entdeckt man die Quelle: Kleine, weiße, glockenförmige Blüten an langen Stielen. Dann handelt es sich wahrscheinlich um Maiglöckchen (Convallaria majalis). Welche Attribute das Maiglöckchen in der Blumensprache verkörpert, wann es blüht, welche Sorten es gibt und einiges mehr erfahren Sie im Folgenden.

Maiglöckchen: Steckbrief und Eigenschaften

Das Maiglöckchen ist eine Besonderheit, weil es seine Gattung mit keiner anderen Art teilt. Hier ein kleiner Überblick über das hübsche Einzelkind:

  • Namen: Maiglöckchen, Aprilenglöckle, Maienblumen, Marienglöckchen, Maieriesli und etliche mehr
  • Botanischer Name: Convallaria majalis
  • Pflanzenfamilie: Spargelgewächse (Asparagaceae)
  • Verbreitungsgebiet: Heimisch in Europa, eingebürgert in Nordamerika
  • Lebensform: Staude, Geophyt
  • Standort: Absonnig/ halbschattig
  • Höhe: 15 – 30 cm
  • Blüten: Glockenförmig, in traubigem Blütenstand in Weiß, duftend
  • Blätter: Meist 2 – 3 drei große, elliptische bis lanzettliche, dunkelgrüne Blätter pro Pflanze
  • Früchte: Rote Beeren, sehr zierend, aber giftig
  • Überdauerungsorgan: Unterirdische Rhizome
  • Eigenschaften: Giftig, Teppichbildung über Rhizome, winterhart
Maiglöckchen vor einem Baum
Das Maiglöckchen ist vor allem in Buchen- und Eichenwäldern beheimatet [Foto: rustamank/ Shutterstock.com]

Maiglöckchen bieten keinen Nektar, jedoch befindet sich am Fruchtknoten ein saftreiches Gewebe, das angebohrt werden kann und so vor allem Bienen als Nahrung dient.

Maiglöckchen: Herkunft und Bedeutung

Das Maiglöckchen ist fast in ganz Europa vor allem in Buchen- und Eichenwäldern beheimatet und bis zum Kaukasus vorgedrungen. In Südeuropa findet man die Pflanze meist nur in Gebirgsgebieten. Auch in Nordamerika sind Maiglöckchen inzwischen verbreitet, allerdings wurden sie hier mit menschlichem Zutun eingebürgert. Bedeutende Ärzte wurden früher oft mit Maiglöckchen porträtiert, denn diese gelten als Symbol der Heilkunde. Sogar in der christlichen Lehre findet man das Maiglöckchen. Hier ist es eine sogenannte Marienblume, die sinnbildlich für keusche Liebe, Demut und die Bescheidenheit von Maria steht. In der Blumensprache steht das Maiglöckchen für „innige Liebe”. Das Grün der Blätter steht für Hoffnung, das Weiß der Blüten drückt Reinheit aus.

Wann blühen Maiglöckchen?

Nicht nur im Mai zeigen Maiglöckchen ihre traubigen, weißen Blütenstände. Die Blütezeit zieht sich von März bis in den Juni hinein. In diesen Monaten verströmt die Pflanze mit ihren Blüten einen intensiv süßlichen Geruch. Ein Strauß wilder Maiglöckchen ist zwar ein schnell besorgtes Muttertagsgeschenk, doch in vielen Ländern Europas stehen Maiglöckchen heute unter Naturschutz und dürfen nicht gepflückt werden.

Maiglöckchen Blüten nah
Die Blütezeit von Convallaria zieht sich von März bis in den Juni hinein [Foto: Agnes Kantaruk/ Shutterstock.com]

Hinweis: Da Maiglöckchen in der Natur unter Schutz stehen, kann nicht einfach ein schönes Exemplar im Wald ausgegraben und im eigenen Garten wieder eingepflanzt werden.

Verwechslungsgefahr: Ähnliche Blumen

Die Blätter des Maiglöckchens ähneln denen des essbaren Bärlauchs (Allium ursinum) und der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale). Besonders, da all diese Pflanzen in schattigen, krautreichen Zonen von Laub- und Mischwäldern wachsen, sind Verwechslungen möglich.

Zur Unterscheidung: Die Blattunterseite von Maiglöckchen ist glänzend, die des Bärlauchs nicht. Die Blätter der Herbstzeitlosen glänzen beidseitig und sind wesentlich schmaler. Hinsichtlich der Blüten könnte unter Umständen auch der Echte Salomonssiegel (Polygonatum odoratum) mit dem Maiglöckchen verwechselt werden. Die Blätter des Echten Salomonsiegels wachsen allerdings wechselständig und entlang des gesamten Sprosses, die des Maiglöckchens hingegen wachsen gegenständig und nur am Grund des Stängels.

Maiglöckchen, Bärlauch und Herbstzeitlose
Die Blätter des Bärlauchs sind essbar, die von Maiglöckchen und Herbstzeitlosen giftig [Foto: Manfred Ruckszio/ Shutterstock.com]

Die schönsten Maiglöckchen-Arten und -Sorten

Neben zahlreichen weißblühenden Sorten gibt es auch einige mit zarten, rosa Blüten oder sich abhebenden Blattfärbungen. Alle hier vorgestellten Varianten besitzen grüne Blätter.

  • ‘Albolineata’: Weiße Blüte, Blätter grün mit hellen, gelblich-weißen Nadelstreifen
Gestreifte Blätter des Maiglöckchen 'Albolineta'
Die Laubblätter der Sorte ‘Albolineata’ sind charakterisiert durch helle Streifen [Foto: DimaBerlin/ Shutterstock.com]
  • ‘Flore Pleno’: Weiße bis cremefarbene, gefüllte Blüten
  • ‘Fortins Giant’: Langstielig, ebenfalls weiß und groß blühend
  • ‘Grandiflora’: Weiße, große Blüte, stark duftend
  • ‘Hardwick Hall’: Blüte in Weiß, Blätter dunkelgrün mit weißem Blattrand
  • ‘Hitscherberger Riesenperle’: Viele weiße Blüten, Blätter langstielig
  • ‘Hofheim’: Weiße Blüte, helle Blattränder der grünen Blätter, Blattrand anfangs gelb, dann weiß
  • ‘Lineata’: Weiße Blüte, Blätter grün mit gelben Nadelstreifen
  • ‘Plena’: Rosa-weiße Füllung
  • ‘Prolificans’: Blüte weiß und gefüllt, weniger ausbreitungsfreudig
Maiglöckchen 'Prolificans'
Die Sorte ‘Prolificans’ ist unter Gärtnern beliebt [Foto: Mary Terriberry/ Shutterstock.com]
  • ‘Rosea’: Kleine, zartrosa Blüten
Rosa Maiglöckchen
Wie der Name bereits andeutet – die Sorte ‘Rosea’ hat rosa gefärbte Blüten [Foto: TasfotoNL/ Shutterstock.com]
  • ‘Silberconfolis’: Blühend in Weiß, grüne Blätter mit silbrigem Blattrand, sehr wuchsfreudig
  • ‘Striata’: Weiße Blüten, Blätter grün mit hellen, gelben Nadelstreifen
Maiglöckchen 'Striata' mit gestreiften Blättern
Helle, gestreifte Laubblätter findet man auch bei der Sorte ‘Striata’ [Foto: Nancy J. Ondra/ Shutterstock.com]
  • ‘Vierländer Glockenspiel’: Zahlreiche weiße Blüten

Maiglöckchen vermehren

Maiglöckchen vermehren sich unglaublich schnell von selbst. Sie breiten sich unterirdisch über Rhizome aus und bilden so innerhalb weniger Jahre große Teppiche. Für die Vermehrung über Samen ist eine ganze Weile Geduld gefragt.

Maiglöckchen-Rhizome teilen

Möchten Sie keinen Maiglöckchenteppich, sondern die Rhizome teilen und die neuen Pflanzen an einer anderen Stelle einpflanzen, wird wie folgt vorgegangen:

  • Im Frühjahr oder Herbst, aber am besten nach der Blüte: Ausgraben der „Mutterpflanze“
  • Rhizome von Erde befreien
  • Etwa 5 – 8 cm lange Wurzelstücke schneiden, jeweils mit Wurzeln und ruhenden Knospen
  • Kranke und schwache Teile entfernen
  • Teile einzeln an gewünschter Stelle einpflanzen

Die Blüten von Pflanzen, die aus gebildeten Rhizomen entstehen, setzt oft erst nach 2 bis 3 Jahren ein.

Tipp: Alternativ können die Maiglöckchen im Herbst geteilt und im Topf auf der Fensterbank vorgezogen werden. Eine Blumenerde wie unsere Plantura Bio-Universalerde eignet sich hervorragend dafür. Sie versorgt die jungen Pflänzchen mit ausreichend, aber nicht zu vielen Nährstoffen. Die warme „Treiberei“ lässt die Maiglöckchen schon im Winter blühen. Nach der Blüte werden die Pflanzen ausgepflanzt. Alternativ können sie als Topfkultur gehalten werden. So verhindern Sie die starke, unkontrollierte Ausbreitung.

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Maiglöckchen über Samen vermehren

Sie können Maiglöckchen auch über Samen vermehren. Nach der Bestäubung bilden sich kleine, kugelige Beeren, die im reifen Zustand leuchtend rot sind. Diese Beeren enthalten 1 bis 5 gelbe bis hellbraune Samen. Diese oder gekaufte Samen können angezogen werden, um Maiglöckchen generativ zu vermehren. Allerdings ist das Unterfangen viel aufwendiger als die Teilung der Rhizome. Denn Maiglöckchen sind Kaltkeimer und müssten erst stratifiziert werden. Das bedeutet, in gequollenem Zustand müssen eine Zeit lang kalte Temperaturen auf sie einwirken, um die Samenruhe zu überwinden. Außerdem keimen die Samen erst nach circa 2 Jahren und benötigen dann abermals 2 bis 3 Jahre bis zur Blüte.

Maiglöckchen Früchte Beeren
Nach der Bestäubung bilden sich kleine kugelige Beeren, die im reifen Zustand leuchtend rot sind [Foto: Anton Kozyrev/ Shutterstock.com]

Tipp: Haben Sie die schöne Waldstaude erfolgreich vermehrt und benötigen nun Informationen bezüglich Standortes, Pflege und Co, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel Maiglöckchen pflanzen.

Maiglöckchen entfernen und vernichten

Ausgraben

Sprießen an unerwünschter Stelle Maiglöckchen aus dem Boden, hilft nur eines: Ausgraben. Gehen Sie dabei behutsam und sorgfältig vor, denn aus jedem zerteilten Rhizom wachsen neue Pflanzen. Die Verwendung einer Grabgabel anstelle eines Spatens hilft, dies zu verhindern.

Angeblich halten sich Maiglöckchen von Bereichen fern, die regelmäßig mit Maiglöckchen-Jauche begossen werden. Leider hatten wir noch nicht die Gelegenheit, es selbst auszuprobieren, und auch wissenschaftliche Studien fehlen zu dieser Vorgehensweise. Aber wie heißt es so schön: „Probieren geht über Studieren“. Wenn Sie der Maiglöckchen-Jauche eine Chance geben wollen, können Sie diese im Anschluss des Ausgrabens vorbeugend anwenden. Legen Sie dafür Blätter und Blütenstände von Maiglöckchen für mehrere Tage in Wasser ein und gießen Sie die Jauche in einem gut 30 cm breiten Streifen um den zu schützenden Standort herum und wiederholen das ganze mehrmals hintereinander.

Alte Blüten entfernen

Was auch vor der Verbreitung schützt, ist das Entfernen der alten Blüten direkt nach der Blüte, um so die Vermehrung durch Samen zu unterbinden. Die Samen müssen sicher außerhalb des Gartens entfernt werden. Weder die Samen noch die Rhizome aus zuvor beschriebener Methode sollten auf dem Komposthaufen landen, da sie dort austreiben können.

Rhizomsperren

Wer wilde Wucherungen nach gezieltem Einpflanzen von Maiglöckchen unterbinden möchte, sollte von Anfang an auf Rhizomsperren setzen. Diese, um die Pflanzen herum angelegt, verhindern die willkürliche Ausbreitung quer durch den Garten. Ebenso ist das Eingraben von Teichfolie in circa 20 cm Tiefe möglich.

Wuchernde Maiglöckchen
Unaufhaltsam vermehrte Maiglöckchen entfernen Sie am effektivsten durch Ausgraben [Foto: Vankich1/ Shutterstock.com]

Konkurrenzfähige Stauden, darunter viele Waldgräser oder Farne, können zudem eine starke Verbreitung des Maiglöckchens in Zaum halten, indem sie in Angrenzung gepflanzt werden.

Tipp: Wer die starke Ausbreitung verhüten möchte, kann zur Sorte ‘Prolificans’ greifen, denn sie ist etwas weniger ausbreitungsfreudig.

Wirkung von Maiglöckchen als Heilpflanze

In der Medizin finden Pulver sowie wässrige oder alkoholische Auszüge Einsatz. Die in allen Teilen außer dem Fruchtfleisch enthaltenen Herzglykoside können zur Behandlung von Herzschwäche leichten Grades verwendet werden. Der Effekt tritt schnell ein und ist von Fachpersonal gut steuerbar. Getrocknete Blüten von Maiglöckchen werden zudem in Niespulvern eingesetzt.

Schnupftabak
Früher enthielt Schnupftabak häufig Maiglöckchen [Foto: SEEphotos7171/ Shutterstock.com]

Hinweis: Es sei daran erinnert, dass Maiglöckchen giftig sind und sich daher nicht zur Selbstmedikation eignen. Möglicherweise hat ein Waldspaziergang Sie dazu inspiriert, Maiglöckchen bei sich zu pflanzen. Vielleicht sind Sie sogar bereit, nicht nur einzelne Maienblumen, sondern gleich einen kompletten Waldgarten zu gestalten.

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