Maulwurf im Garten: Nützlich oder schädlich?

Niaef
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Ich habe Biologie studiert und werde im September mein Studium im Fach Hortikulturelle Wissenschaften fortsetzen. Meine Liebe gilt allen Pflanzen, die wild oder im Garten wachsen und insbesondere denen, die man verspeisen kann. In meiner Freizeit treibt es mich oft in den Wald oder auch in den Stadtpark, wo sich so manche Nutzpflanzen verstecken - man muss nur wissen, welche einen Mehrwert für die Küche haben.
Meinen Sammlertrieb kombiniere ich dann gerne auch mit meinem zweiten Hobby: Dem Kochen!

Lieblingsobst: Feige, Kaki und Felsenbirne
Lieblingsgemüse: Kürbis, Wirsing und Schalotte

Ist der Maulwurf im Garten gut oder schlecht? Die braunen Erdhügel des Maulwurfs beleidigen wohl manchen ordnungsliebenden Gärtner. Und das, obwohl das Buddeln der Tiere durchaus einen Nutzen hat.

Maulwurfshügel im Garten
Meist sind es eher seine Hügel, die den Gärtner stören, nicht der Maulwurf selbst [Foto: kubais/ Shutterstock.com]

Für viele bedeutet ein Maulwurf im Garten zunächst einmal Ärger. Die unübersehbaren, kreisrunden Hügel blanker Erde sind ein eindeutiges Zeichen der Anwesenheit eines Maulwurfs. Ob der Maulwurf Schädling oder Nützling für unseren Garten ist, erfahren Sie hier.

Warum kommen Maulwürfe in Gärten?

Im Frühjahr tauchen sie wieder auf – kreisrunde Erdhügel, Aushubmaterial für die Gänge und Vorratskammern der Maulwürfe. Dass die Maulwurfshügel im Garten besonders im Frühjahr entstehen, hat einen Grund. Von Februar bis April findet die Paarungszeit der Erdbewohner statt, in der sich die männlichen Maulwürfe auf die Suche nach dem passenden Weibchen machen. Dabei graben sie zahlreiche neue Gänge und können so weite Strecken zurücklegen.
Aber auch Jungtiere verlassen oft ihr angestammtes Revier und suchen nach neuen Lebensräumen. So tauchen Maulwürfe immer wieder in unseren Gärten auf.

Maulwurf im Garten
Ein junger, energetischer Maulwurf hebt bis zu 20 Hügel am Tag aus [Foto: Zigmunds Dizgalvis/ Shutterstock.com]

Vorteile von Maulwürfen als Nützling

Obwohl man es zunächst kaum vermuten mag, bietet ein Maulwurf im Garten einige Vorteile. Zum einen betreibt der Maulwurf durch sein Graben sogenannte Bioturbation, indem er den Gartenboden ordentlich durchwühlt, Schichten mischt und Gänge schafft. So wird der Boden gut durchlüftet und nimmt dadurch mehr Sauerstoff auf, der den Wurzeln der umliegenden Gartenpflanzen zugutekommt. Ebenso können die Wurzeln der Pflanzen in lockerer Umgebung ungehinderter wachsen, was vor allem bei Wurzelgemüse wünschenswert ist. Zudem läuft Regenwasser durch die aufgelockerte Bodenstruktur besser ab, insbesondere in schweren Böden, und somit wird Staunässe verhindert. Eine weitere Gabe des Maulwurfs ist sein Aushubmaterial: Hierbei handelt es sich um krümelig lockere Erde, die sich optimal als Anzucht- oder Pflanzerde eignet.

Maulwurfshügel
Die lockere Aushuberde kann zur Anzucht von Pflanzen verwendet werden [Foto: IanC66/ Shutterstock.com]

Als Untermieter des Maulwurfs nutzen viele weitere Nützlinge das Gangsystem der Maulwürfe. So legen beispielsweise Erdhummeln ihr Nest in den Gängen an und auch Wildbienen nutzen die Maulwurfshügel nicht selten als Brutplatz. So kann ein Maulwurf im Garten die Artenvielfalt steigern.
Die Tatsache, dass der Maulwurf den Insektenfressern zugeordnet wird, lässt auf einen weiteren Vorteil der kleinen Säugetierart schließen: Engerlinge, Schnecken und Schneckenlarven gehören zum täglichen Speiseplan. Es kommen knapp 30 kg tierische Nahrung im Jahr zusammen, die ein männlicher europäischer Maulwurf vertilgt. So dient der Maulwurf auch uns Gärtnern, indem er die Pflanzen indirekt vor Schädlingen schützt.

Engerling
Der Maulwurf frisst Engerlinge, die sich von den lebenden Wurzeln der Gartenpflanzen ernähren [Foto: I. Rottlaender/ Shutterstock.com]

Nachteile von Maulwürfen im Garten

Neben den Vorteilen eines Maulwurfs im Garten gibt es ein paar Nachteile. Am offensichtlichsten sind die Maulwurfshügel, welche nicht unbedingt eine Augenweide für den Betrachter darstellen. Zusätzliche Arbeit kommt auf uns Gärtner zu, wenn wir die Maulwurfshügel im Garten entfernen, damit der Rasen wieder gemäht werden kann, ohne dass die Messer des Rasenmähers unnötig beansprucht werden. Nicht zuletzt ist es lästig, die Löcher im Rasen durch eine Nachsaat flicken zu müssen.
Außerdem unterscheidet der Maulwurf nicht zwischen Nützlingen und Schädlingen und so kommt es vor, dass der Maulwurf den ein oder anderen Regenwurm erbeutet, welcher unserem Boden eigentlich guttut. Zudem nutzen nicht nur Erdhummeln die Gänge des Maulwurfs, sondern auch Erdwespen und Wühlmäuse. Sobald der Maulwurf weitergezogen ist, nutzen Wühlmäuse (Arvicolinae) das Gangsystem und können an Gemüse, Obstbäumen und Blumen große Schäden anrichten. Somit sollte klar sein, dass es fahrlässig sein kann, einen Maulwurf zu vertreiben, da so der Weg für unliebsame Nachfolger geebnet wird.

nützlicher Maulwurf
Maulwürfe hinterlassen oft Löcher im Rasen [Foto: Maksim Safaniuk/ Shutterstock.com]

Tipp: Wichtig ist es, Wühlmäuse und Maulwürfe erkennen zu lernen. Denn die Wühlmaus darf im Garten ohne Strafe bekämpft werden, was für den Maulwurf nicht gilt. So unterscheiden sich die ergreifbaren Maßnahmen erheblich.

Maulwurf im Garten: Was tun?

Viele fragen sich, was sie bei einem Maulwurf im Garten tun sollen. Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile eines Maulwurfs im Garten sollte eines beachtet werden:
Der Maulwurf ist durch die Bundesartenschutzverordnung als heimische Art der Säugetiere besonders geschützt und darf damit nicht getötet werden. Für Giftköder oder Totfallen gilt daher ein absolutes Verbot.

Lediglich die Vergrämung ist erlaubt. Maulwürfe sind zwar fast blind, jedoch umso sensibler gegenüber Gerüchen und Schall. So können Sie den Maulwurf aktiv mit stark riechenden Haushaltsmitteln wie Buttersäure oder Alkohol vertreiben, indem Sie damit getränkte Lappen tief in die Gänge stecken. Alternativ können Sie Knoblauchzehen zerdrücken und darin versenken. Auch Schallwellen stören den Maulwurf. So hat sich regelmäßiges Rasenmähen als Abschreckmittel bewährt. Durch die Schwingungen und den Lärm fühlt sich der Maulwurf gestört und zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter. Prophylaktisch können Sie vor der Rasenanlage ein Maulwurfgitter oder ein Maulwurfschutznetz horizontal in den Gartenboden einbauen, darüber wird dann die 10 cm starke Schicht Erde als Tragschicht für den Rasen verteilt. Außerdem hilft eine vertikale Maulwurfsperre, die Sie entlang zu schützender Flächen im Boden versenken, denn Maulwürfe bewegen sich selten oberhalb der Erdoberfläche fort.

Knoblauch gegen Maulwurf
Der Maulwurf ist kein Fan vom Knoblauchgeruch [Foto: Marian Weyo/ Shutterstock.com]

Tipp: Akustische Signale wie Pieper konnten in ihrer Wirkung als Vertreibungsmittel gegen Maulwürfe nicht bestätigt werden. Kaiserkronen (Fritillaria imperialis) sind übrigens kein nachweislich wirksames Mittel gegen Maulwürfe, dafür sehen sie aber umwerfend aus.

Doch ist eine Vertreibung sinnvoll? Grundsätzlich kann man sich über die Anwesenheit eines Maulwurfs freuen, denn der Fleischfresser reduziert die Anzahl lästiger Schädlinge wie Engerlinge im Garten. Im Sinne der Artenvielfalt sind Maulwürfe natürlich nützlich, doch auch die potentiell verbesserte Durchlüftung und Drainage des Bodens lassen so manches negative Vorurteil des Maulwurfs vergessen. Und falls der Maulwurf doch für Ärger sorgt, ist die Zeit, in der man seinen Garten teilen muss, überschaubar. Denn ein Maulwurf wird selten älter als 3 Jahre und tritt zudem als Einzelgänger meist allein auf.

Der Maulwurf ist nicht der Einzige, der den Rasen umgräbt. Wir stellen Ihnen vor, welche Tiere Löcher im Garten graben und wie Sie diese eventuell loswerden.

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