Tomaten werden nicht rot: Was tun?

David
David
David
David

Ich habe einen Master-Abschluss in Gartenbauwissenschaften und bin zudem gelernter Zierpflanzengärtner. Das Thema Anbau lässt mich seit meiner Kindheit einfach nicht los: Egal, ob auf der kleinen Stadtfensterbank oder im großzügigen Garten - Gärtnern muss ich auch in meiner Freizeit immer und überall.

Lieblingsobst: Himbeeren
Lieblingsgemüse: Brokkoli

Tomaten sind bei uns ein absoluter Favorit unter den Gemüsearten. Nur manchmal gibt es ein Problem: Tomaten werden nicht rot. Wir erklären, was es damit auf sich hat und was man dagegen unternehmen kann.

grüne Tomaten am zweig
Freilandtomaten reifen bei uns in Deutschland meistens ab Ende Juli bis Ende September [Foto: Richard Lionheart/ Shutterstock.com]

Viele Hobbygärtner warten sehnsüchtig auf ihre Tomatenernte, doch manchmal wollen die kleinen Früchtchen einfach nicht rot werden. Auch unter optimalen Bedingungen kann es zwei bis drei Wochen dauern, bis die Tomate (Solanum lycopersicum) – botanisch gesehen handelt es sich übrigens um eine Beere – ihr knalliges Rot ausbildet. Neben der Farbe ändert sich aber auch noch der Geschmack: Die Frucht gewinnt mit der Zeit deutlich an Aroma und Süße.

Warum werden meine Tomaten nicht rot?

Ein entscheidender Faktor, damit die Entwicklung von grüner zu roter Frucht ins Rollen kommt, ist das Phytohormon Ethylen. Die Pflanze produziert dieses Gas selbst, benötigt dafür jedoch viel Energie, vor allem in Form von Wärme. Und das ist der entscheidende Knackpunkt, wenn nichts Rotes an der Tomatenpflanze zu finden ist – auch nicht nach langem Warten: Es ist schlichtweg zu kalt.

Reife sowie unreife Tomaten am Strauch
Um gut zu reifen, brauchen Tomatenpflanzen genügend Energie in Form von Wärme [Foto: Sothorn/ Shutterstock.com]

Tomaten reifen nicht, wenn Temperaturen zu niedrig ausfallen. Unter 10 bis 12 °C ist es beispielsweise zu kalt für das Reifen, die Tomaten bleiben also grün. Abgesehen vom Reifungsprozess kann es bei zu niedrigen Temperaturen über längere Zeit auch an den Früchten selbst zu Beschädigungen kommen. Beispiele hierfür sind dunkelgrüne Streifen oder glasige Stellen an den Tomaten. Um einen guten Reifungsprozess zu gewährleisten, müssen den Pflanzen Temperaturen zwischen 16 und 25 °C gegeben werden. Ideal sind jedoch Temperaturen zwischen 21 und 24 °C. Tomaten werden aber auch nicht rot, wenn die Temperaturen zu hoch sind. Bei Temperaturen von 30 °C kann der Reifungsprozess sogar völlig gestoppt werden. Dies kann ebenfalls vorkommen, wenn bei sehr warmem Wetter die Früchte der Tomatenpflanze der Sonne direkt ausgesetzt sind. Grund hierfür ist, dass die Pflanze bei diesen hohen Temperaturen die Farbstoffe Karotin und Lycopin, welche für die rote Färbung der Früchte sorgen, nicht mehr bilden kann. Die gute Nachricht ist: Die Ernte geht hiervon nicht verloren. Bei kühleren Temperaturen setzt der Reifungsprozess wieder ein, sodass sich die Tomaten rot färben. Außerdem können ebenso Temperaturschwankungen Stress bei Tomatenpflanzen verursachen. Warme Sommertage mit einer starken Absenkung der Temperatur in der Nacht können hier ein Stress-Auslöser sein, was sich negativ auf die Fruchtreife sowie die Bestäubung der Blüten auswirken kann. Des Weiteren kann der Aussaatzeitpunkt auch ein Grund sein, wieso Tomaten nicht rot werden. Da es sich bei Tomatenpflanzen um eine Gemüseart mit einer langen Kulturdauer handelt, kann es bei einer späten Aussaat sein, dass die Pflanzen nicht genug Zeit in der Saison haben, um alle Früchte ordentlich zu entwickeln und zur vollen Fruchtreife zu gelangen. Ebenso kann eine Überdüngung der Pflanzen mit Hinsicht auf das Reifen eine wichtige Rolle spielen. Aufgrund eines hohen Angebotes an Nährstoffen stecken die Tomatenpflanzen ihre Energie in die Blätter statt der Früchte. Deshalb sollte man nur während der Hauptwachstumszeit im Juni und Juli seine Tomaten düngen. Während der Fruchtreife sollte die Zugabe von Düngemitteln etwas reduziert werden. Zuletzt kann es sich bei der ausgewählten Tomatensorte um eine grüne Tomatensorte handeln, was eine Erklärung wäre, wieso Tomaten grün bleiben. Bei diesen Züchtungen ist bei reifem Zustand auch deren Fruchtfleisch grün.

Grüne Tomaten auf Holzstamm
Eine grünfruchtende Tomaten-Züchtung [Foto: yizhachok/ Shutterstock.com]

Tomaten werden nicht rot: Die besten Tipps

Wir zeigen nachfolgend, welche Alternativen sich bieten, um die grünen Tomatenfrüchte rot werden zu lassen.

Tipp 1: Ethylen-Quellen schaffen

Wer sich die Frage stellt: Wie werden Tomaten schneller rot? Dem kann mit einem Apfel geholfen werden. Denn das Phytohormon Ethylen fördert das Reifen und Rotwerden der Tomaten und wird von Äpfeln ausgestoßen. Sind die Tomatenpflanzen in einem Gewächshaus gepflanzt, so kann man vollreife Bananen oder Äpfel in das Haus legen. Diese produzieren Ethylen in großen Mengen. So kann das Reifen der Tomaten etwas beschleunigt werden.

Äpfel und Tomaten nebeneinander in Schalen
Äpfel stoßen viel Ethylen aus, was zur Reife von Früchten beiträgt [Foto: Tarik Kaan Muslu/ Shutterstock.com]

Tipp 2: Trockenheit vortäuschen

Wenn den Pflanzen Dürre vorgetäuscht wird, bekommen sie Panik und investieren die gesamte Energie ins Rotwerden der Früchte. Die Methode sollte jedoch erst zum Herbst hin angewendet werden, denn die Tomatenpflanze wird nicht mehr wirklich wachsen oder neue Blüten und Früchte ausbilden.

An einer Wand hängende Tomaten
Wenn man die Tomatenzweige aufhängt, reifen sie auch noch nach [Foto: Gina Power/ Shutterstock.com]

Tipp 3: Weniger Licht anbieten

Ähnlich wie bei der Vortäuschung von Trockenheit lässt sich die Tomatenpflanze dazu trainieren, ihre Energie in das Rotwerden der Früchte zu investieren. Licht ist vor allem für das Wachstum und die Blattentwicklung der Pflanze notwendig, beim Reifungsprozess spielt Licht keine wesentliche Rolle mehr. Also brauchen Tomaten keine Sonne, um rot zu werden. Diesen Trick sollte man jedoch auch eher zum Herbst anwenden, da es für die weitere Entwicklung neuer Blüten nicht vorteilhaft ist.

Tipp 4: Nebentriebe und Spitzen entfernen

Tomaten sind an andere Klimabedingungen gewöhnt als das, was wir bei uns haben, weshalb Tomatenpflanzen die Abkühlung im Herbst nicht vorhersehen können. Um zu verhindern, dass Energie in die Entwicklung von neuen Blättern, Blüten und Früchten investiert wird, lassen sich Anfang August die Spitzen der Haupttriebe der Pflanzen abschneiden. Auch Nebentriebe sollten bei Auftreten entfernt werden. So setzt die Tomate ihre ganze Energie in die Entwicklung und Reifung der Früchte ein.

Spitzen von Trieben der Tomatenpflanze entfernen
Das Entfernen der Spitzen hindert die Pflanze daran, Energie in neue Blätter, Blüten und Früchte zu investieren [Foto: johan kusuma/ Shutterstock.com]

Tipp 5: Tomaten nachreifen lassen

Zuletzt kann man seine unreifen Tomaten auch im Haus oder im Gewächshaus nachreifen lassen. Ziel dabei ist es, den Tomaten wärmere Temperaturen anzubieten, damit der Reifungsprozess stattfinden kann. Ideal sind hierfür Temperaturen zwischen 18 und 20 °C. Licht spielt dabei keine wichtige Rolle, jedoch kann man Sonnenlicht dazu nutzen, den grünen Tomaten auf der Fensterbank Energie in Form von Wärme zu spenden. Für mehr Informationen dazu haben wir einen Spezialartikel über das Thema Tomaten nachreifen lassen in unserem Magazin bereit.

Was macht Tomaten rot?

Für die rote Färbung der Tomaten ist vor allem der Farbstoff Lycopin zuständig. Das zuvor grüne Chlorophyll in den Tomaten wird beim Reifungsprozess abgebaut und mit Lycopin ersetzt. So werden Tomaten mit der Zeit erst mal gelblich und wandeln langsam über orange zu ihrem roten Zustand. Dasselbe passiert auch bei anderen Früchten, wie beispielsweise Paprika. Die rote Farbe dient den Tomaten einerseits zum Schutz vor extremer Sonne, andererseits sollen aber auch Tiere angelockt werden, die die reife Frucht dann verspeisen. Die Samen werden dann wiederum ausgeschieden und neue Pflanzen keimen im nächsten Jahr aus ihnen. Das Rotwerden der Tomate ist also ein ausgefeilter Mechanismus zur Erhaltung und Ausbreitung der eigenen Spezies.

Reifeprozess von Tomaten
Für die rote Färbung von Tomaten ist vor allem der Farbstoff Lycopin zuständig [Foto: Alena Brozova/ Shutterstock.com]

Im Übrigen sind nicht alle Tomaten rot. Es existieren etwa auch einige schwarze und blaue Tomatensorten, die für einen besonderen Hingucker sorgen.

Jetzt zur Plantura Garten-Post anmelden