Hanf: Eigenschaften, Arten & Verwendung von Cannabispflanzen

Rika
Rika
M.Sc. Agrarwissenschaften
Rika
Rika
M.Sc. Agrarwissenschaften

Ich habe Agrarwissenschaften (M.Sc.) an der Universität Hohenheim studiert und verbringe unglaublich gerne Zeit in meinem eigenen Gemüsebeet. Dort baue ich auch sehr gerne exotischere Gemüsesorten an. Es bereitet mir Freude, den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen und die Ernte anschließend zu verarbeiten. Außerdem kümmere ich mich mit Leidenschaft gerne um meine Sammlung von Zimmerpflanzen.

Von der botanischen Beschreibung über die zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten bis hin zur Artenvielfalt – Entdecke die alte Kulturpflanze Hanf in diesem Artikel.

Cannabisplantage
Cannabis ist eines der ältesten Kulturpflanzen [Foto: Westend61 on Offset/ Shutterstock.com]

Die Pflanzengattung Hanf (Cannabis) gehört wie der Hopfen (Humulus lupulus) zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) und zur Ordnung der Rosenartigen (Rosales). Hanf ist eine sehr alte Kulturpflanze, die aufgrund ihrer zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten angebaut wird. Sei es als Faser, Nahrungsmittel, für die Kosmetik, die Medizin oder als Rauschmittel. In diesem Artikel lernst du die botanischen Merkmale, die Verwendungsmöglichkeiten, die Erntemethode der Blüten sowie die verschiedenen Arten des Hanfs kennen.

Ist Hanf und Cannabis das Gleiche?

Hanf und Cannabis sind zwei unterschiedliche Begriffe für dieselbe Pflanzengattung. Cannabis ist einfach die lateinische Bezeichnung des Hanfs.

Hanf: Herkunft und Eigenschaften

Die Cannabispflanze stammt ursprünglich aus Zentralasien, insbesondere aus Afghanistan, China, Nordindien, Sibirien, dem Himalaya sowie Zentral- und Südrussland. Die einjährige Hanfpflanze kann bis zu 5 m hochwachsen, erreicht jedoch meist eine Höhe von 1 bis 3 m. Faktoren wie die Tageslichtdauer, die Sorte, die Wasserversorgung, die Nährstoffe, der Boden, der verfügbare Platz und das Geschlecht des Hanfs beeinflussen das Wachstum. Der aufrechte Stängel der Cannabispflanze ist behaart, wobei männliche Pflanzen etwas größer sind als Weibliche. Die Cannabispflanze ist ursprünglich zweihäusig, was bedeutet, dass männliche und weibliche Hanfblüten auf verschiedenen Pflanzen wachsen. Die männlichen Pflanzen tragen Pollen, um die weiblichen Hanfblüten zu bestäuben, wobei der Pollen durch den Wind übertragen wird. Durch Züchtung gibt es mittlerweile auch einhäusigen Hanf, bei dem männliche und weibliche Hanfblüten auf derselben Pflanze vorkommen.

Cannabispflanze mit Blüten
Hanf ist ursprünglich zweihäusig [Foto: Owlie Productions/ Shutterstock.com]

Die Hanfblätter sind fingerförmig und bestehen aus mehreren voneinander getrennten Blättchen, die auch Blattfinger genannt werden. Je nach Sorte hat Hanf 5 bis 13 Blattfinger, meistens jedoch 7. Hanf ist eine Kurztagpflanze, die ab einer bestimmten Tageslänge von der vegetativen in die generative Phase übergeht. Bei Kurztagpflanzen beschleunigen kürzere Tage den Beginn des Blühens. Die männlichen Hanfblüten stehen in auffälligen Rispen, während die weiblichen Hanfblüten sehr unscheinbar in den Blattachseln liegen. Die Hanffrüchte, also die Samen, sind botanisch betrachtet kleine Nüsse. Hanf produziert im Vergleich zu Sonnenblumen oder Raps deutlich weniger Samen, weshalb sie teurer sind. Die Pflanze bildet eine Hauptwurzel, die bis zu 2 m tief reicht und sich seitlich verzweigt.

Detailansicht eines Cannabisblatts
Hanfblätter sind fingerförmig angeordnet [Foto: Olha Afanasieva Images/ Shutterstock.com]

Wofür kann Hanf verwendet werden?

Hanf zählt zu den ältesten Kulturpflanzen. Erste Aufzeichnungen seiner Verwendung stammen aus dem Jahr 2700 v. Chr. in China, wo Hanffasern zur Herstellung von Seilen genutzt wurden. Aufgrund ihrer hohen Nassfestigkeit waren sie ideal für Textilien, Seile, Segeltücher und Taue. Hanf gilt auch als der ursprüngliche Rohstoff für die Papierherstellung. Mit der Zeit verlor Hanf jedoch an Bedeutung durch den Import anderer Pflanzenfasern, die Entwicklung synthetischer Fasern und die Nutzung von Holzzellstoff zur Papierherstellung. 1982 wurde in Deutschland aufgrund des Missbrauchs zur Rauschgiftgewinnung der Hanfanbau verboten. Erst seit 1996 ist der Anbau von THC-armen Hanf unter speziellen Auflagen wieder gestattet.

Fasern: Hanffasern werden für die Herstellung von Hanfpapier, Hanftextilien und Naturdämmstoffen verwendet. Darüber hinaus finden sie auch Anwendung in der Produktion von naturfaserverstärkten Kunststoffen, die beispielsweise für den Innenausbau von Autos genutzt werden.

Samen: Die protein- und fettsäurereichen Hanfsamen werden als Lebensmittel genutzt, z. B. in Müsli. Aus den Samen wird außerdem Hanföl gewonnen, das 30 bis 32 % Öl enthält und sich gut für kosmetische Zwecke oder hochwertige Speiseöle eignet. Die Samen enthalten keine psychoaktiven Stoffe und werden auch als Vogelfutter verwendet. Mittels Samen kannst du auch Hanf vermehren.

Hanfsamen aussäen
Hanfsamen werden als Lebensmittel und zur Ölherstellung genutzt [Foto: Owlie Productions/ Shutterstock.com]

Blüten: THC-haltige Hanfblüten werden zur Herstellung von Haschisch und Marihuana genutzt. Die getrockneten Blüten und Blätter sind als Marihuana bekannt, während das von den Drüsenhärchen gebildete Harz als Haschisch bezeichnet wird. CBD-haltige und THC-haltige Blüten finden auch in der Medizin Anwendung. Seit 2017 kann Cannabis in Deutschland für medizinische Zwecke legal auf Rezept verordnet werden. Medizinalhanf findet Anwendung bei chronischen Schmerzen, neurologischen Erkrankungen, Appetitlosigkeit und psychiatrischen Erkrankungen.

Hanf als Zwischenfrucht: Hanf wird gerne als Winterzwischenfrucht, beispielsweise in Skandinavien oder Russland, angebaut. Die Hanfpflanzen wachsen bis zum Winteranfang noch deutlich, bilden allerdings keine Blüten mehr. Im folgenden Frühjahr können die Stängel geerntet werden. Dank ihrer langen Pfahlwurzeln hinterlassen sie der Folgekultur eine lockere Bodenstruktur, schützen vor Erosion und bieten Lebensraum für Wildtiere. Zudem kann Hanf Schwermetalle aus dem Boden aufnehmen, was ihn nützlich für die Sanierung kontaminierter Böden macht.

Hanfblätter Nahaufname
Hanf dient auch als Zwischenfrucht [Foto: Tinnacorn jorruang/ Shutterstock.com]

Hanf ernten und trocknen

Für die Hanfernte und Trocknung von Hanf gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen, je nach Verwendungszweck.

Blüten: Für die Ernte von Hanfblüten ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. Die Blütenstempel geben Aufschluss darüber, wann es so weit ist: Die Pollen-fangenden Härchen wechseln ihre Farbe von weiß-durchsichtig, mit der Reife zu dunkelrot bis braun. Sobald etwa 90 % der Stempel verfärbt sind, ist die Zeit gekommen, sie zu ernten. Auch die Trichome, die Drüsenhaare, in denen das psychoaktive Harz gebildet wird, ändern ihre Farbe von klar zu milchig-weiß bis bernsteinfarben. Wenn der Großteil milchig-weiß ist, ist es ebenfalls Zeit für die Ernte. Dies kannst du mit einem kleinen Taschenmikroskop sehen.

Cannabisblüten erntereif
An den Blütenstempeln und den Trichomen erkennst du die Erntereife [Foto: Dmytro Tyshchenko/ Shutterstock.com]

Bei der Hanfernte wird zwischen Nass- und Trockentrimmen unterschieden. Beim Nasstrimmen schneidest du entweder die gesamte Pflanze oder die einzelnen blütentragenden Äste ab. Mit einer sauberen Gartenschere trennst du diese ab und entfernst anschließend die Fächerblätter. Beim Trockentrimmen hingegen werden die Blätter zunächst nicht entfernt. Du schneidest die Pflanze ab und hängst sie mitsamt den Blättern für ein paar Tage zum Trocknen auf, bevor du mit dem Trimmen der Blätter beginnst. Da die Blätter nicht sofort entfernt werden, können die Blüten langsam trocknen. Allerdings besteht bei zu hoher Luftfeuchtigkeit die Gefahr, dass deine Buds anfangen zu schimmeln. Die Trocknung von Cannabis dauert etwa ein bis zwei Wochen und geht beim Nasstrimmen in der Regel etwas schneller. Die Hanfernte erfolgt am besten an einem trockenen Morgen. Trage Handschuhe, um zu vermeiden, dass das Harz an den Händen kleben bleibt. Die Hanfpflanze oder die Äste werden dann an einem dunklen Ort bei etwa 20 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 50 % aufgehängt. Die Ernte ist fertig getrocknet, wenn man die Äste mit einem spürbaren Knacken brechen kann.

Cannabis zum Trocknen aufhängen
Für die Trocknung werden die Äste aufgehängt [Foto: MR. Yanukit/ Shutterstock.com]

Fasern und Samen: Faserhanf wird zur Zeit der Vollblüte der männlichen Blüten geerntet, zwischen Juli und September. Wenn die Samen verwendet werden, wird zur Vollreife der Samen geerntet, Mitte September bis Mitte Oktober.

Hanfarten und Hanfsorten

Innerhalb der Gattung Hanf (Cannabis) wird zwischen drei Arten unterschieden. Dem gewöhnlichen Hanf (Cannabis sativa L), dem indischen Hanf (Cannabis Indica) und dem Ruderalhanf (Cannabis ruderalis). Ob es sich tatsächlich um drei separate Arten handelt, oder ob Cannabis indica und Cannabis ruderalis Unterarten von Cannabis sativa L sind, ist noch nicht eindeutig geklärt. Insgesamt gibt es über 20000 verschiedene Hanfsorten. Jede Art und Sorte von Hanf enthält eine einzigartige Mischung aus Cannabinoiden, Terpenen und Flavonoiden, die für ihre pharmakologischen Eigenschaften bekannt sind. Die bekanntesten Cannabinoide sind THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol).

  • Cannabis sativa L.: Diese Art kann eine Höhe von bis zu 6 m erreichen und bildet wenig Seitentriebe. Die Pflanze hat schmale Blätter und einen faserreichen Stängel. Cannabis sativa wird für Fasern, Öl und gelegentlich als Rauschmittel angebaut.
Blätter der Cannabis sativa
Cannabis sativa hat schmale Blätter [Foto: Kandarp/ Shutterstock.com]
  • Cannabis indica: Diese Art wächst etwa 1,2 m hoch und bildet viele Seitentriebe mit breiten Blättern. Cannabis indica enthält höhere Mengen an CBD und THC im Vergleich zu Cannabis sativa. Sie wird hauptsächlich als Rauschmittel, aber auch für Fasern und Öl angebaut.
  • Cannabis ruderalis: Bis zu 0,6 m Höhe erreicht diese Art. Sie hat einen dünnen, faserreichen Stängel mit wenig Verzweigung und wird kaum angebaut.
Hoch wachsende Cannabis-Sorte
Es gibt über 20000 verschiedene Hanfsorten [Foto: Giuseppe Elio Cammarata/ Shutterstock.com]

Je nach Verwendungszweck können Hanfsorten auch in medizinischen Cannabis (Medizinalhanf) und Industriehanf (Nutzhanf) eingeteilt werden:

  • Nutzhanf: Der Begriff Nutzhanf, Faserhanf oder Industriehanf bezieht sich auf Sorten, die für die Nutzung der Fasern, Samen und Blätter angebaut werden. Sie enthalten einen geringen Anteil an THC. Der THC-Gehalt muss weniger als 0,2 % in der Trockenmasse betragen.
  • Medizinalhanf: Medizinalhanf ist Hanf, der speziell für medizinische Zwecke angebaut wird. Er enthält die Wirkstoffe THC und CBD, wobei die THC-Gehalte nicht auf 0,2% beschränkt sind, wie es bei Nutzhanf der Fall ist. THC ist hauptsächlich verantwortlich für die psychoaktiven Effekte und wirkt gegen Schmerzen, Appetitlosigkeit und Übelkeit. CBD ist nicht psychoaktiv und hat entzündungshemmende, schmerzlindernde und angstlösende Eigenschaften. Die Blüten und oberen Blätter der Pflanze enthalten das meiste Harz mit den psychoaktiven Substanzen. Medizinalhanf wird sowohl als Rauschmittel als auch als Arzneimittel verwendet.
Verwendungsmöglichkeiten von Hanf
Hanffasern haben eine hohe Festigkeit [Foto: Bukhta Yurii/ Shutterstock.com]

Ist die Hanfpflanze winterhart?

Hanfpflanzen sind nicht winterhart. Der einjährige Hanf wächst während der warmen Jahreszeit und stirbt bei kalten Wintertemperaturen ab. Mit kürzer werdenden Tagen beginnen Hanfpflanzen zu blühen und vollenden schließlich ihren Lebenszyklus. Männliche Pflanzen sterben nach der Befruchtung der weiblichen Blüten ab, während weibliche Pflanzen bis zur Reife der Samen weiterleben. Die Vegetationszeit der männlichen Pflanzen ist daher etwa 5 bis 7 Wochen kürzer als die der weiblichen Pflanzen.

Ist Hanf giftig für Haustiere?

CBD-haltige Produkte finden auch Anwendung in der Tiermedizin und sollen eine schmerzlindernde und beruhigende Wirkung auf Hunde und Katzen haben. Allerdings vertragen sie THC nicht gut. Bereits durch passives Mitrauchen können Haustiere Bewegungsstörungen und Angstzustände entwickeln. Darüber hinaus können sie durch die Aufnahme von THC Vergiftungssymptome wie Erbrechen, Durchfall, Zittern, Krampfanfälle erleiden. Falls dein Haustier ein THC-haltiges Produkt aufgenommen hat, sollte ein Tierarztbesuch aufgesucht werden.

CBD-Öl für Haustiere
Spezielle CBD-Produkte für Haustiere sollen eine beruhigende Wirkung haben [Foto: Dzmitry Sarmont/ Shutterstock.com]

Plötzlich wächst Hanf im Garten

Manchmal taucht plötzlich Hanf im Garten auf, ohne dass man ihn gezielt ausgesät hat. Der Grund dafür kann Vogelfutter sein, das Hanfsamen enthält. Hanfsamen sind aufgrund ihres Gehalts an wertvollen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren beliebt im Vogelfutter. Diese Samen im Futter sind üblicherweise unbehandelt und können daher unter geeigneten Bedingungen keimen und wachsen. Es handelt sich dabei in der Regel um Nutzhanfsamen.

Hier erfährst du, wie du Hanf anbauen und Hanfpflanzen pflegen kannst.