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Brutblatt: Arten, Pflege & Vermehrung

Verena
Verena
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Aufgewachsen bin ich auf einem kleinen, biologischen Nebenerwerbshof und nach meinem FSJ auf einer Ranch in Amerika habe ich angefangen, in Hohenheim Agrarwissenschaften zu studieren. Am meisten interessieren mich hier die Bereiche Boden, ökologische Landwirtschaft und Pflanzenwissenschaften. Zuhause verbringe ich viel Zeit in unserem Garten und wenn ich dort nicht zu finden bin, trifft man mich oft in der Küche, wo ich unser Obst und Gemüse zum Kochen und Backen verwerte.

Lieblingsobst: Auch wenn sie langweilig sind – Äpfel
Lieblingsgemüse: Paprika, Rote Bete, Zucchini, Weißkraut

Brutblätter vermehren sich auf faszinierende Weise – denn aus ihren Blättern entspringen Brutknospen, aus denen sich neue Pflanzen entwickeln.

Brutblatt
Brutblätter sind Sukkulenten, die sich auf besondere Weise vermehren [Foto: Omkoi/ Shutterstock.com]

Schon Goethe hatte ein Brutblatt (Bryophyllum) und war so begeistert von dieser Pflanze, dass sein Name noch heute mit einigen Arten dieser Pflanzengruppe in Verbindung gebracht wird. Er schrieb über die Anzucht der jungen Brutknospen: „Flach auf guten Grund gelegt, merke, wie es Wurzeln schlägt!“. Auch wenn Brutblätter auf jeden Fall zu den sehr pflegeleichten Zimmerpflanzen gehören, sollte man bei ihrer Anzucht und Pflege ein paar Dinge beachten. Wie Sie die besondere Pflanze selbst kultivieren, welchen Standort Brutblätter bevorzugen und welche Heilwirkungen mit Brutblättern in Verbindung gebracht werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Brutblatt: Blüte, Herkunft und Eigenschaften

Die Brutblätter (Bryophyllum) stellen eine Sektion in der Pflanzengattung der Kalanchoë dar, die wiederum zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) gehört. Zu den Brutblättern zählen ungefähr 35 Arten, die fast alle aus Madagaskar stammen und auch nur dort natürlich vorkommen. Auf der Insel werden die Pflanzen bis zu 2 m hoch. Aber keine Angst: Bei uns im Topf bleiben Brutblätter meist deutlich kleiner als 1 m.

Normalerweise sind als Zimmerpflanzen kultivierte Brutblätter mehrjährig, sie vertragen allerdings keinen Frost.
Die Besonderheit dieser Pflanzen wird schon im Namen verraten – denn Brutblatt darf wörtlich verstanden werden: In den Einbuchtungen der fleischigen, meist grünlichen Blätter sitzen oft kleine Brutknospen, sogenannte Kindel. Diese bilden irgendwann Wurzeln, fallen ab und sind so für das enorme Vermehrungsvermögen von Brutblättern verantwortlich. Wenn man ein Brutblatt auf seiner Fensterbank hat, wird es auch in den benachbarten Töpfen bald an weiteren, kleinen nur so wimmeln.

Brutblatt mit Wurzeln
Teilweise entwickeln sich sogar schon die Wurzeln der Kindel an der Mutterpflanze [Foto: Nandalal Sarkar/ Shutterstock.com]

Wie bei vielen Pflanzen, die aus tropischen Regionen stammen, handelt es sich bei Brutblättern um Kurztagpflanzen. Das bedeutet, sie brauchen kurze Tage mit maximal 8 bis 9 Stunden Licht, um in die Blüte zu gehen. Die Blütezeit von Brutblättern fällt bei uns also in den Winter. Zwischen Dezember und März entwickeln sich große, röhrenförmige, meist hängende Blüten von üblicherweise rötlicher oder violetter Farbe.

Brutblatt-Blüten
Die Blüten der meisten Brutblätter hängen gemeinsam in Rispen [Foto: SUDARSHAN BHATLA/ Shutterstock.com]

Brutblatt-Arten im Überblick

Verschiedene Brutblatt-Arten unterscheiden sich teils deutlich in ihrer Wuchs- und Blattform. Gemeinsam ist jedoch den meisten die Vermehrung über Brutknospen, die an ihren Blättern gebildet werden. Wir stellen einige bei uns im Handel erhältliche, ausdauernd wachsende Arten vor:

  • Goethepflanze (Bryophyllum pinnata / Syn.: Kalanchoë pinnata): Goethe hatte ein Exemplar dieser Pflanze, auch wenn die Bezeichnung „Goethepflanze“ heute ebenso für einige andere Arten verwendet wird. Bryophyllum pinnata wird bei uns meist bis zu 1,20 m hoch und wächst oft etwas gakelig, bildet also eher lange Triebe. Die Blätter sind unten eiförmig, oben gefiedert und die Blüten erscheinen in Grün-rot.
Brutblatt im Topf
Schon Goethe war ganz begeistert von Bryophyllum pinnata [Foto: paulaah293/ Shutterstock.com]
  • Kalanchoë daigremontiana: Kalanchoë daigremontiana bleibt mit etwa 60 cm etwas kleiner als Bryophyllum pinnata. Die Blätter sind dreieckig zugespitzt und können bis zu 30 cm lang werden. Die Blüten sind von purpurroter Farbe. Kalanchoë daigremontiana hat einen noch größeren Vermehrungstrieb als die Goethepflanze und produziert deutlich mehr Kindel.
Kalanchoe daigremontiana
Kalanchoë daigremontiana hat spitz zulaufende, dreieckige Blätter und produziert viele Kindel [Foto: Kreatifiani Maulana/ Shutterstock.com]
  • Kronleuchterpflanze (Bryophyllum delagoense /Syn.: Kalanchoë tubiflora): Die Kronleuchterpflanze zeichnet sich durch ihre rot-orangen Blüten aus, die in Rispen zusammenhängen und für den Namen verantwortlich sind. Auch die Blätter sind außergewöhnlich. Sie sind rundlich, mit nur einem Durchmesser von etwa 0,5 cm – dafür sind sie bis zu 13 cm lang. Nur an den Blattspitzen entwickeln sich hier Brutknospen.
Bryophyllum delagoense
Die Blätter von Bryophyllum delagoense sehen eher aus wie Triebe [Foto: anutr tosirikul/ Shutterstock.com]

Standort und Pflanzung

Brutblätter mögen es warm und vor allem sonnig. Ein idealer Standort ist zum Beispiel eine sonnige Fensterbank, gerne mit direkter Sonneneinstrahlung. Da es sich bei Brutblättern um Sukkulenten handelt, vertragen sie Staunässe überhaupt nicht. Deshalb ist das Substrat für die erfolgreiche Kultivierung von Brutblättern von zentraler Bedeutung. Es sollte durchlässig und nicht zu nährstoffreich sein.

Am besten ist es, wenn Sie Ihr Brutblatt nach dem Kauf in jedem Fall in einen neuen Topf setzen. Oft sind die Töpfe, in denen man die Pflanzen kauft zu klein und nicht mit dem richtigen Substrat für die Weiterkultur gefüllt. Wenn Sie ein paar Punkte beachten, ist das Pflanzen von Brutblättern schnell erledigt.

  1. Wählen Sie als Pflanzgefäß am besten einen Tontopf mit einem Durchmesser von 15 – 20 cm. Wichtig ist, dass der Topf mindestens ein Abflussloch im Boden hat.
  2. Füllen Sie zuunterst eine circa 5 cm hohe Drainageschicht in den Topf. Diese kann zum Beispiel aus Kies, Tonscherben oder Split bestehen.
  3. Darauf kommt dann etwas von Ihrem Substrat. Eine gute, selbstgemachte Mischung besteht aus unserer Plantura Bio-Universalerde und Sand, gebrochenem Blähton oder Kies im Verhältnis 1:1.
  4. Setzen Sie darauf den Ballen Ihres Brutblatts und füllen Sie dann den restlichen Topf mit Substrat auf. Drücken Sie alles leicht fest und gießen Sie die Pflanze einmal gut an.
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Die richtige Brutblatt-Pflege

Verglichen mit vielen anderen Zimmerpflanzen ist das Brutblatt wirklich ein pflegeleichter Kandidat.

Ein entscheidender Faktor in der Pflege von Brutblättern ist das richtige Gießen. Generell gilt hier: Lieber zu wenig, als zu viel. Vor dem nächsten Gießen darf das Substrat nahezu komplett trocken sein. Einen guten Indikator liefert es, den Finger am Rand etwas in den Topf zu stecken. Erst, wenn sich die Erde dort komplett trocken anfühlt, ist es Zeit für die nächste Wässerung.

Kalanchoe pinnata im Topf
Brutblätter sollten nur selten gegossen werden [Foto: Sushil Prajapati/ Shutterstock.com]

Brutblätter brauchen nicht viele Nährstoffe, aber mit der Zeit verarmt ihr Substrat. Haben Sie eine vorgedüngte Erde wie unsere Plantura Bio-Universalerde für die Pflanzung verwendet, ist im ersten Jahr noch keine Düngung notwendig. Beginnend ab dem zweiten Jahr kann immer im Frühjahr etwas organischer Langzeitdünger um das Brutblatt herum eingearbeitet werden. Wir empfehlen dafür zum Beispiel unseren Plantura Bio-Universaldünger. Dabei handelt es sich um einen ausgewogenen Dünger, der komplett tierfrei und unbedenklich für Haustiere ist. Für Brutblätter genügt es völlig, 3 bis 4 g davon pro Liter Topfvolumen auszubringen.

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Man muss Brutblätter nicht schneiden, kann dies allerdings tun, wenn einem die Pflanze zu sparrig wird oder einzelne Triebe stören. Der beste Zeitpunkt für einen Schnitt ist im Frühjahr nach der Blüte. Dann können Sie zu lang gewordene Teile um ein Drittel kürzen und alte Triebe, die im unteren Bereich keine Blätter mehr haben, bis knapp über die Substratoberfläche zurückschneiden. Bei manchen Arten kann es bei Hautkontakt mit dem Pflanzensaft zu Hautirritationen kommen – tragen Sie deshalb lieber Handschuhe.

Bryophyllum pinnata in einer Hand
Bei Hautkontakt kann es bei wenigen Arten zu Irritation kommen [Foto: Lentakit/ Shutterstock.com]

Als Zimmerpflanze können Brutblätter ganzjährig im Haus bleiben. Im Sommer tut es ihnen auch gut, wenn man sie draußen an einen windgeschützten, sonnigen Ort stellt. Das geht aber nur, solange die Temperaturen selbst nachts noch zweistellig sind. Gewöhnen Sie Ihr Brutblatt langsam an die frische Luft und die Sonne: Stellen Sie die Pflanze zunächst nur für einige Stunden und nicht in der prallen Mittagssonne nach draußen. Sonst kann es passieren, dass Ihr Brutblatt einen Sonnenbrand bekommt.

Im Winter sollte man Brutblätter an einen kühlen Ort stellen. Unter 10 °C darf die Temperatur nie fallen. Um die Blüte anzuregen, ist es außerdem wichtig, dass die Brutblätter in einem abends und nachts unbeleuchteten Raum stehen.

Tipp: Alle 2 bis 3 Jahre sollten Brutblätter umgetopft werden. Oft lohnt sich das jedoch nicht, da ältere Pflanzen zunehmend unattraktiv werden und sich nicht mehr so gut verzweigen. Besser ist es, stattdessen rechtzeitig neue Jungpflanzen zu ziehen, die dann wieder eine schöne Erscheinung haben.

Brutblatt draußen
Brutblätter sind nicht winterhart, den Sommer können sie aber trotzdem im Freien verbringen [Foto: Ferystocker/ Shutterstock.com]

Die Pflege des Brutblatts auf einen Blick:

  • Gießen ist erst nötig, wenn das Substrat komplett trocken ist. Dann sollten Sie einmal durchdringend wässern und überschüssiges Wasser nach einigen Minuten aus dem Untertopf entfernen.
  • Gedüngt werden muss maximal einmal pro Jahr im Frühling mit einem organischen Langzeitdünger.
  • Um das Wachstum einzuschränken oder unschöne Triebe zu entfernen, kann man Brutblätter im Frühling schneiden.
  • Solange Temperaturen auch nachts noch über 10 °C liegen, dürfen Brutblätter draußen stehen.

Vermehrung des Brutblatts

Die meisten Brutblatt-Arten vermehren sich ohne viel Zutun. So kann es passieren, dass plötzlich in allen möglichen Töpfen, die in der Nähe Ihres Brutblatts stehen, kleine Ableger wachsen. Wollen Sie gezielt neue Brutblätter anziehen, geht das jederzeit zwischen Frühjahr und Herbst. Dafür können Sie entweder frisch abgefallene Kindel aufsammeln oder Kindel, die schon beginnen Wurzeln auszubilden, von der Mutterpflanze abstreifen. Diese legen Sie dann in eine mit angefeuchteter Anzuchterde und Sand oder Kies gefüllte Schale. Stellen Sie diese an einen hellen, luftigen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Dort wurzeln die Kindel meist innerhalb von wenigen Tagen ein. Bis die Jungpflanzen angewachsen sind, ist es wichtig, dass das Substrat auf keinen Fall austrocknet. Kontrollieren Sie deshalb regelmäßig und feuchten Sie die Erde gegebenenfalls mit einer Sprühflasche an. Nach 3 bis 6 Monaten hat man bereits ansehnliche Pflanzen.

Brutblätter
Die Vermehrung von Brutblättern gestaltet sich dank der vielen Kindel als relativ einfach [Foto: Doodling Poe/ Shutterstock.com]

Wirkung und Verwendung als Heilpflanze

Schon seit langer Zeit werden Brutblätter als Heilpflanze in der traditionellen Medizin vieler südlicher Länder eingesetzt. Neuere Studien belegen unter anderem die Wirkung von Bryophyllum auf die Psyche. So können Extrakte der Blätter zum Beispiel die Aktivität des zentralen Nervensystems beruhigen. Studien zu traditionellen Anwendungen wurden bisher nur im Labor oder an Tieren durchgeführt. Dabei konnten ebenfalls positive Wirkungen von Bryophyllum bei Entzündungen, Infektionen und einem geschwächten Immunsystem festgestellt werden. Aber Achtung: In der Medizin werden immer nur Extrakte verwendet – der Verzehr ganzer Blätter des Brutblatts kann giftig sein.

Brutblatt im Garten
Die Wirkungen, die Brutblättern zugeschrieben werden sind vielfältig [Foto: Nuttapong Wongcheronkit/ Shutterstock.com]

Ist das Brutblatt giftig?

Die meisten Brutblätter sind nur leicht giftig. Wenn zum Beispiel ein Kind versehentlich ein einzelnes Kindel zu sich nimmt, hat dies meist keine Auswirkungen. Trotzdem sollten Sie den Verzehr zur Sicherheit vermeiden. Für Haustiere wie Hunde und Katzen sind Brutblätter ebenso leicht giftig.

Eine weitere besondere, aber noch eher unbekannte Zimmerpflanze ist Alocasia zebrina. Sie hat pfeilförmige Blätter und gestreifte Triebe. Mit ein paar Tipps ist auch die Kultivierung dieser Tropenpflanze in der Wohnung ohne Probleme möglich.