Karotte: Herkunft, Wachstum & Vermehrung

Regina
Regina
Regina
Regina

Ich habe Gartenbauwissenschaften am WZW in Freising studiert und pflanze in meiner Freizeit auf einem Stück Acker alles an, was Wurzeln hat. Das Thema Selbstversorgung und saisonale Ernährung liegt mir dabei besonders am Herzen.

Lieblingsobst: Quitte, Kornelkirsche und Heidelbeere
Lieblingsgemüse: Erbsen, Tomaten und Knoblauch

Karotten lassen sich in jedem Garten und sogar in Töpfen und Kästen auf dem Balkon anbauen. Alles Wissenswerte rund um das farbenfrohe Wurzelgemüse erfahren Sie bei uns.

karotten
Karotten gelten als pflegeleichtes und anfängerfreundliches Gemüse [Foto: LedyX/ Shutterstock.com]

Die Karotte (Daucus carota subsp. sativus) ist besonders pflegeleicht und auch für Anfänger im Gemüseanbau gut geeignet. Den Erfolg der Mohrrüben macht jedoch nicht nur ihre knallige Färbung aus: Sie sind gesund, bekömmlich und überzeugen durch ihren süßlichen Geschmack selbst Kinder. Woher die Karotte ursprünglich stammt, wie Sie selbst Samen gewinnen können und ob Karotten winterhart sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Karotte: Herkunft und Eigenschaften

Karotten besitzen viele Synonyme und werden unter anderem als Gelbe Rüben, Möhren, Mohrrüben, Gelbrüben und in der Schweiz als Rübli bezeichnet. Die genaue Herkunft der Karotte ist unklar. Es wird aber davon ausgegangen, dass mögliche Herkunftsgebiete im Norden Afrikas, in Vorderasien und im südlichen Europa liegen. Auch die Eltern unserer Kulturmöhre sind nicht völlig geklärt: Es könnte sich um eine Kreuzung aus Wilder Möhre (Daucus carota subsp. carota) und Riesenmöhre (Daucus carota subsp. maximus) handeln, welche beide im Süden Europas heimisch sind. Eine andere Option ist, dass aus der in der Türkei beheimateten Schwarz-Möhre (Daucus carota subsp. afghanicus) über viele Jahre die heutige orange Karotte selektiert wurde. Die Verbreitung der knackigen und farbenfrohen Wurzeln erfolgte dann aber wohl zügig, denn sie fühlt sich sowohl im gemäßigten als auch im subtropischen Klima wohl. Funde aus den unterschiedlichsten Gegenden haben bewiesen, dass die Möhre bereits zur Jungsteinzeit verzehrt wurde. Dies ist wahrscheinlich ein Grund für die vielen, regional unterschiedlichen Namen der Karotte. Damals, davon gehen Experten aus, war die Färbung der Karottenwurzeln eher cremefarben bis purpurrot. Die Züchtungsfertigkeiten der Holländer, Engländer und Franzosen bescherten uns im Laufe des 16. Jahrhunderts wohl die bis heute bekannteste und beliebteste orange Färbung.

Karotten-Blätter
Im ersten Standjahr bildet die Karottenpflanze eine tiefe Pfahlwurzel und zahlreiche gefiederte Blätter aus

Die Karottenpflanze gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und ist eng mit Pastinake (Pastinaca sativa), Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum) und Sellerie (Apium graveolens) verwandt. Es handelt sich um eine zweijährige Pflanze, welche im ersten Standjahr zahlreiche zwei- bis dreifach fein gefiederte, bogig überhängende Karotten-Blätter und eine bis 80 cm tief reichende, verdickte Speicherwurzel ausbildet. Die nicht bis wenig verzweigte Wurzel der Karotte verfügt über einen außerordentlich hohen Gehalt an den gesunden, farbgebenden Carotinen. Je nach Varietät schwankt der Gehalt und die Art an Farbstoffen, sodass neben orangefarbenen auch gelbe, weiße, rote bis tiefviolette Wurzeln entstehen. In unserem Spezialartikel stellen wir die besten Karottensorten in den verschiedensten Farben vor.

Erst im zweiten Standjahr entwickelt sich ein langgestreckter Blütenstand, der bis zu 1 m hoch werden kann und mehrere Doppeldolden mit unzähligen, winzig kleinen Einzelblüten ausbildet. Die Blütezeit liegt zwischen Mai und Juli. Die Karotten-Blüte ist meist weiß bis cremefarben, bei manchen Sorten jedoch auch blassrosa bis violett gefärbt. Zahlreiche Insekten finden sich auf den schirmartigen Blütenständen ein, vor allem Schwebfliegen und zahlreiche Wildbienenarten bedienen sich am Nektarangebot. Karotten werden im ersten Jahr geerntet, da sie innerhalb weniger Monate zarte, saftige und aromatische Wurzeln ausbilden – die allerdings mit der Blüte zäh, trocken und bitter werden.

Nach der Bestäubung bilden sich die braunen Samen der Karotte aus: Zweiteilige, eiförmig-längliche Spaltfrüchte mit stacheligen Rändern. Sie verfangen sich beim Vorbeistreifen leicht im Fell größerer Tiere und verbreiten sich so auf natürliche Weise. Gekaufte Karottensamen werden jedoch aufbereitet, um die Aussaat zu erleichtern, daher fehlen ihnen die stacheligen Haaranhängsel.

moehre-bluete
Die Möhrenblüte zieht Schwebfliegen an [Foto: Alex Coan/ Shutterstock.com]

Was ist der Unterschied zwischen Möhren und Karotten?

Die Begriffe Karotte und Möhre werden im Sprachgebrauch meist synonym verwendet, obwohl das ursprünglich nicht ganz richtig ist: Als Karotten bezeichnete man eigentlich eher die sehr kurzen, fast radieschenförmigen Wuchsformen wie etwa die Sorten ‘Pariser Markt‘ oder ‘Ochsenherz‘.

Lassen sich Karotten überwintern?

In den meisten Lagen überstehen viele Karottensorten den Winter mit etwas Frostschutz wie einer Schicht aus Laub, Reisig oder Vlies gut. In rauen Lagen sind Möhren allerdings oft nicht ausreichend winterhart, deshalb müssen hierbei die zur Vermehrung bestimmten Karottenwurzeln und Lagermöhren im Herbst geerntet werden. Ob als Wintervorrat oder für die Samenvermehrung, beim Karotten-Ernten gibt es einige Punkte zu beachten. Die Karotten müssen gesund und unverletzt geerntet werden. Das Karottengrün wird anschließend zurückgeschnitten, das Blattherz muss dabei unverletzt bleiben. Am besten werden sie dann ungewaschen in feuchten Sand in einem Erdkeller oder an einem anderen kühlen, frostfreien Ort mit hoher Luftfeuchte über den Winter gelagert. Regelmäßig sollte die Feuchte im Winterquartier kontrolliert werden – die Wurzeln dürfen niemals ganz austrocknen.

Karotten in einer Kiste
Karotten werden zum Überwintern besonders in rauen Lagen im Herbst ausgegraben und eingelagert [Foto: Tilzit/ Shutterstock.com]

Tipp: Neben der mangelnden Winterhärte können Krankheiten oder Schädlinge wie die Möhrenfliege (Psila rosae) die Vermehrung oder den erfolgreichen Anbau von Karotten verhindern. In unserem Spezialartikel geben wir Tipps zum Umgang mit dem bekanntesten Möhrenschädling.

Karotten vermehren

Selbst Karotten zu vermehren, ist eine zeit- und arbeitsintensive Angelegenheit. Die zweijährigen Pflanzen produzieren erst im zweiten Jahr Blüten und Samen. Bei manchen Sorten führt auch ein Kältereiz bereits im ersten Standjahr zu einer verfrühten Blüte. Von diesen Karottenpflanzen sollten Sie jedoch keine Samen gewinnen, da die Neigung zum Schossen genetisch weitervererbt wird. Die im Herbst eingelagerten Wurzeln werden im Frühjahr zwischen Mitte März bis Mitte April wieder ins Beet ausgepflanzt. Optimalerweise sollten es mindestens 10, besser 30 Karotten derselben Sorte sein, um eine gute Bestäubung sicherzustellen. Bei Trockenheit sollte unbedingt gewässert werden, da die Karotten noch kein ausreichendes Wurzelgeflecht zur Wasseraufnahme bilden konnten.

Eingepflanzte Karotten
Im Frühjahr werden die überwinterten Wurzeln zur Samenvermehrung wieder eingepflanzt und gut gepflegt [Foto: Thomson_1/ Shutterstock.com]

Zudem handelt es sich bei Karotten um Fremdbestäuber. Daher sollten im Umkreis von mindestens 150 m keine Wilden Möhren oder fremde Sorten stehen, die zur selben Zeit blühen. Die hochwachsenden Blütenstände sollten gestützt oder an einen Zaun gelehnt oder angebunden werden. Die besten Samen reifen an den ersten Blütenständen, daher werden später blühende Seitenknospen herausgebrochen. Das Saatgut reift über mehrere Monate hinweg und ist meist von August bis Oktober erntereif, sobald die ersten Dolden trocken und braun sind. Um die Möhrensamen zu ernten, schneiden Sie die ganzen Samenstände mit einer Schere ab, breiten sie bei Zimmertemperatur aus und lassen sie 2 bis 3 Wochen nachtrocknen. Nun lösen sich die Karottensamen durch leichtes Reiben mit den Fingern bereits gut von den Dolden ab und können trocken, kühl und dunkel aufbewahrt werden. Die Samen sind etwa 2 bis 3 Jahre lang gut keimfähig.

Karottensamen mit Dolde
Die reifen Samen werden im Herbst mitsamt Dolde abgeschnitten [Foto: Rudenko Yevhen/ Shutterstock.com]

Im Frühjahr können Sie bis in den Sommer hinein Karotten pflanzen. Bei uns erfahren Sie alles zur Aussaat und Pflege des schmackhaften Wurzelgemüses.

Jetzt zur Garten-Post anmelden