Viviparie bei Pflanzen: Erklärung & Beispiele

Jelka
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Ich studiere Biologie und lebe in einem kleinen Dschungel in meiner Wohnung in Köln. In meiner Freizeit liebe ich es, mit meinem Hund lange Spaziergänge in der Natur zu machen und dabei verschiedene Pflanzen zu finden und zu bestimmen. Im Frühjahr wird dann auf dem Balkon alles angepflanzt, was essbar ist, sodass ich beim Kochen frische Zutaten verwenden kann.

Lieblingsobst: Jede Art von Beeren
Lieblingsgemüse: Gurken, Tomaten

Sie haben eine Tomate aufgeschnitten und gesehen, dass die Tomatensamen in der Tomate keimen? Dann haben Sie das Phänomen der Viviparie bei Pflanzen entdeckt.

Tomatensamen keimen in der Tomate
Keimende Samen in der Tomate – Viviparie kommt hier hin und wieder vor [Foto: Kathy Clark/ Shutterstock.com]

Die Tomate ist nicht die einzige Frucht, in der sich plötzlich Keimlinge wiederfinden können. Es gibt verschiedene Pflanzen, bei denen Viviparie als Ausnahme vorkommen kann – aber auch einige, bei denen sie eine wichtige Rolle im Lebenszyklus spielt. Erfahren Sie hier, was Viviparie eigentlich ist, wie sie entsteht und und bei welchen Pflanzen sie vorkommt.

Was ist Viviparie bei Pflanzen?

Viviparie ist ein Begriff, der sowohl für Pflanzen als auch für Tiere verwendet wird. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet er „Lebendgeburt“. In der Tierwelt kann man sich das Ganze noch vorstellen: Jungtiere werden während der Entwicklung im Mutterleib ernährt und dann lebend geboren – dementsprechend leben wir Menschen und alle anderen Säugetiere vivipar. Viviparie gibt es aber auch bei Pflanzen. Wenn Keimlinge aus dem Samen rauswachsen, während die Frucht noch mit der Mutterpflanze verbunden ist, handelt es sich um eine „lebendgebärende Pflanze“. Ob ein Samen keimt oder nicht – das bestimmen zwei Pflanzenhormone: Abscisinsäure und Gibberellinsäure. Das Pflanzenhormon Abscisinsäure ist dafür zuständig, die frühzeitige Keimung zu verhindern, indem es seinen Antagonisten Gibberellinsäure hemmt. Dadurch sorgt es für die sogenannte Keimruhe. Wenn nun eine natürliche, zufällige Genmutation in der Pflanze vorliegt, wird die Abscisinsäure zu früh abgebaut. Dadurch wirken Gibberellinsäure und noch einige andere Pflanzenhormone, wodurch die Keimruhe aufgehoben wird: Der Embryo im Pflanzensamen keimt dann schon auf der Mutterpflanze.

Gräser mit Viviparie
Auch bei Gräsern ist Viviparie manchmal zu entdecken [Foto: IvanaStevanoski/ Shutterstock.com]

Tipp: Man unterscheidet zwischen echter und unechter Viviparie bei Pflanzen. Wenn man von echter Viviparie spricht, fand die ganz normale, also geschlechtliche, Fortpflanzung statt. Bei einer unechten Viviparie handelt es sich um eine vegetative Vermehrung, also ohne einen genetischen Austausch zwischen zwei verschiedenen Pflanzen. Folglich trägt der entstehende Samen das gleiche Erbgut wie die Mutterpflanze. Unechte Viviparie wird von Pflanzen genutzt, um sich ohne einen Fortpflanzungspartner weit im Gelände verbreiten zu können.

Bei welchen Pflanzen kann Viviparie vorkommen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie schon mal eine lebendgebärende Pflanze gesehen haben, ist gar nicht so gering. Es ist zwar ein eher seltenes Phänomen, kann aber theoretisch bei jeder Pflanze, die Früchte bildet, auftreten. Wenn Sie Viviparie in Ihrer Küche oder in Ihrem Garten beobachtet haben, handelt es sich dabei wahrscheinlich um eine zufällige Mutation. Das kann zum Beispiel bei Tomaten, Äpfeln, Erdbeeren, Mais oder Kürbissen vorkommen.

Mais mit Viviparie
Auch Mais kann lebend gebären [Foto: J.J. Gouin/ Shutterstock.com]

Tipp: Wenn die Tomatensamen in der Tomate keimen, sieht das meist nicht ganz appetitlich aus. Es ist allerdings ansonsten kein Problem. Man kann die Frucht bedenkenlos essen, jedoch sollten die Keimlinge gründlich entfernt werden. Samen von Nachtschattengewächsen wie der Tomate können einen Stoff namens Solanin enthalten, der schwach giftig ist und Magen-Darm-Beschwerden auslösen kann.

Abgesehen von Pflanzen, bei denen Viviparie durch zufällige Mutationen auftritt, kommt sie auch als Teil der regulären Verbreitungsstrategie der Gewächse vor – meist bei Pflanzen, die in Bedingungen leben, unter denen der Embryo nicht überleben würde, wenn er einfach von der Mutterpflanze abgeworfen würde. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Mutterpflanze von Wasser, wie bei den Roten Mangroven, oder Schnee, wie bei Alpengräsern, umgeben ist. Hier sind zwei Beispiele:

Der Bistorta vivipara oder auch Knöllchen-Knöterich ist in Höhen von 1000 bis 3000 m heimisch und damit als lebendgebärende Pflanze perfekt angepasst. Er besitzt Knöllchen, die im Sommer Blättchen bilden und im Herbst als fertiges Gewächs abfallen. Dadurch kann sich die Pflanze schnell verwurzeln. Ein einzelner Samen hätte bei einer so kurzen schneefreien Zeit in extremen Höhen keine Chance.

Keimender Knöllchen-Knöterich
Der Knöllchen-Knöterich – aus den rotbraunen Knöllchen entwickelt sich der Keimling [Foto: ChWeiss/ Shutterstock.com]

Die Rote Mangrove (Rhizophora mangle) ist ebenfalls lebendgebärend. Sie bildet eine große Frucht, die noch am Mutterbaum zu einem 15 cm bis mehr als 30 cm großen Keimling heranwächst. Dadurch, dass diese Keimlinge schwimmfähig sind, können sie viele Monate im Gezeitenstrom weitergetragen werden, bis sie einen günstigen Standort finden. Dort schlagen sie dann Wurzeln.

Mangrove mit Wurzeln
Eine Mangrove mit ihren typischen, bogenförmigen Stelzwurzeln [Foto: H-AB Photography/ Shutterstock.com]

Aus Viviparie neue Pflanzen ziehen

Nicht nur für die Pflanze selbst, sondern auch für Gärtner haben lebendgebärende Pflanzen einen Nutzen. Wenn man sie nicht isst, können sie ohne Probleme angepflanzt werden. Die jeweilige Frucht wird dafür einfach so zerteilt, dass die Keimlinge unbeschadet mit etwas Fruchtfleisch in Erde gesetzt werden können.
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Viviparie stellt also einen evolutionären Vorteil für verschiedene Pflanzen dar und kann dem ein oder anderen Gärtner nach dem Einkauf eine Freude bereiten. Sie hatten noch nicht das Glück, Viviparie zu entdecken? Informieren Sie sich hier, wie Sie von einer Tomatenscheibe zur eigenen Tomatenpflanze gelangen – und das auch ganz ohne Viviparie.

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