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Wie gefährlich sind Hornissen und Hornissenstiche wirklich?

Hornissen und ihre Stiche gelten als gefährlich, jedoch sind die Tiere eigentlich nicht aggressiv und haben noch dazu einen hohen Wert für unser Ökosystem.

Hornisse an einer Blüte
Hornissen sind sehr wichtig für unser komplexes Ökosystem [Foto: Rolf Dietrich Brecher – CC BY-SA 2.0]

Hornissen gelten weitläufig immer noch als gefährlich und aggressiv. Diese Meinung ist allerdings wie bei vielen vermeintlich gefährlichen Tieren nicht richtig. Denn Hornissen sind im Gegensatz zur Deutschen Wespe oder der Gemeinen Wespe sehr friedliche Tiere. Nichtsdestotrotz verteidigen auch Hornissen ihr Nest. Daher müssen wir Menschen in Bezug auf unsere Verhaltensregeln unterscheiden, ob wir eine Hornisse am Nest oder bei der Nahrungssuche außerhalb ihres Nestbereichs antreffen.

Hornissen bei der Nahrungssuche

Außerhalb vom Nestbereich sind Hornissen friedlich und vermeiden generell jegliche Auseinandersetzung. Das bedeutet: Sie fliehen lieber als zuzustechen. Nur wenn eine Hornisse gequetscht oder festgehalten wird, ist sie auch bereit ihren Stachel einzusetzen. Im ungünstigen Fall passiert das, wenn sich eine Hornisse in Ihren Kleider verfängt. Ansonsten gibt es keinen Grund, vor einer umherfliegenden Hornisse Angst zu haben. Sie fliegen (im Gegensatz zu Wespen) auch nicht direkt Menschen an. Während Wespen von Fleisch, süßen Speisen und Getränken angelockt werden und dadurch wirklich lästig sein können, sind Hornissen für solche Leckereien nicht zu begeistern. Weil Hornissen auch in der Dämmerung noch aktiv sind, können Sie vereinzelt durch künstliche Lichtquellen ins Haus gelockt werden. Oft reicht dann das Erlöschen der Lichtquelle, wodurch sich die Hornisse wieder orientieren kann und bald einen Weg nach draußen finden wird.

Hornisse auf einem Stück Holz
Hornissen meiden den Kontakt zu Menschen und greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen [Foto: Aah-Yeah – CC BY 2.0]

Hornisse in direkter Nestumgebung

Obwohl Hornissen eher friedliche Tiere sind, werden Sie bei einer direkten Gefahr für ihr Nest auch angriffslustig. Wenn allerdings ein paar wichtige Punkte beachtet werden, ist ein Stich durch Hornissen mehr als unwahrscheinlich. Als erstes ist es wichtig zu wissen, ab welchem Abstand zum Nest ein Mensch eine Bedrohung darstellt. Bei Hornissen sind das in der Regel 4 Meter. Wird ein Nest allerdings häufiger gestört, dann wächst auch der Verteidigungsradius. Sollten Sie doch mal aus Versehen näher an ein Hornissennest kommen, dann befolgen Sie bitte folgende Regeln:

  • Schnelle und ruckartige Bewegungen vermeiden
  • Blockieren Sie nicht die Flugbahnen der Hornissen
  • Keine Erschütterungen oder laute Geräusche erzeugen
  • Tiere nicht direkt anatmen

Versuchen Sie lieber langsam und ruhig den Rückzug anzutreten, dann sollte auch nichts passieren.

Hornissenstich – und was nun?

Hornissenstiche gelten als besonders giftig und bei mehreren Stichen soll sogar Gefahr für Leib und Leben bestehen. Das ist allerdings ein Mythos, zumindest bei normalempfindlichen Menschen. Erstmal kommt es sehr selten vor, dass eine Hornisse überhaupt zusticht. Zudem ist es noch dazu recht unwahrscheinlich gleich von mehreren Tieren attackiert zu werden. Bei Mäusen wirkt zum Beispiel das Gift der Honigbiene weitaus stärker als das Gift einer Hornisse. Es gibt deswegen zum jetzigen Zeitpunkt keine belegbaren Fakten, die für das vermeintlich starke Gift der Hornisse sprechen. Auch der Schmerz eines Hornissenstichs ist nicht stärker als bei einem Bienen- oder Wespenstich. Nur wenn eine Hornisse in die Mund- oder Rachenregion sticht, kann es durch die Schwellung zu einer Erstickungsgefahr kommen. Dann sollte umgehend ärztlicher Rat aufgesucht werden. Da Hornissen aber eigentlich keinen Grund haben, sich Menschen zu nähren, ist so ein Stich sehr unwahrscheinlich.

Hornisse_Vespa_crabro_Gesicht
Der Schmerz bei einem Hornissenstich ist nicht stärker als bei einem gewöhnlichen Wespenstich [Foto: PrediCC BY-ND 2.0]

Hornissenstiche bei Allergikern

Genauso wie einige Menschen allergisch auf Bienen und Wespenstiche reagieren, können Menschen auch auf einen Hornissenstich allergisch reagieren. Die allergieauslösenden Stoffe unterscheiden sich bei Wespen und Hornissen kaum, weswegen oft eine Kreuzallergie vorliegt. Das bedeutet, dass Menschen die gegen Wespen allergisch sind auch höchstwahrscheinlich auf einen Hornissenstich allergisch reagieren. Insgesamt sollen 2 – 4 % der Bevölkerung auf Hornissenstiche allergisch reagieren. Symptome bei einer allergischen Reaktion sind:

  • Kreislaufprobleme
  • Ausschläge und Schwellungen, die von der Einstichstelle entfernt sind
  • Atemnot

Treten diese Symptome oder andere körperliche Beeinträchtigungen auf, dann muss schnellstens ein Arzt aufgesucht werden. Denn bei Allergikern kann ein Stich der Hornisse zu schweren Kreislaufproblemen und auch zum anaphylaktischen Schock (Lebensgefahr!) führen. Auch wenn sich das ganze erstmal sehr bedrohlich anhört: All die hier aufgezählten Gefahren kommen erst nach einem Stich zustande. Wenn Sie sich gegenüber den Hornissen aber richtig verhalten, dann wird es kaum zu einem Stich kommen.

Hintergrundinformation: Hornissenkönigin und ihr Lebenszyklus

Hornissen sind keine aggressiven Tiere, sondern eher ein echtes Wunder der Natur, was sich vor allem an ihrem besonderen Lebenszyklus sehen lässt. Das Leben der Hornissen ist vor allem durch ihre Königin und deren Lebenslauf bestimmt, der wie folgt abläuft:

Erst Mitte Mai trauen sich die sogenannten Jungköniginnen aus ihrem Winterquartier. Als Unterschlupf dienen dabei morsche Bäume, Rinde oder selten auch ein Platz in der Erde. Die junge Königin ist anfangs ganz auf sich allein gestellt und beginnt mit der Suche nach einem optimalen Nistplatz. Während in der natürlichen Umgebung Astlöcher und andere Hohlräume genutzt werden, sind es in den von Menschen besiedelten Gebieten vor allem Scheunen, Dachböden, Vogelnistkästen und sogar Rollladenkästen. Ist ein guter Platz gefunden, startet die Jungkönigin sofort mit dem Nestbau. Dafür wird eingespeicheltes Holz verwendet, welches zuvor fein zerkaut wurde. Anschließend werden die ersten Eier in das noch kleine Nest abgelegt und nach vier Wochen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Nun kann sich die Königin um ihre eigentliche Aufgabe kümmern: Die fortlaufende Eier-Produktion. Die Arbeiterinnen kümmern sich nun um die Nestpflege, Brutpflege und Nahrungsbeschaffung.

Hornissennest
So sieht ein Hornissennest aus [Foto: Manu M Nair/ Shutterstock.com]

Im Spätsommer verändert sich das Verhalten des Hornissenvolks. Nun schlüpfen vermehrt Geschlechtstiere, das sind männliche Drohnen und neue Jungköniginnen, die sich paaren können. Sie sorgen für den Erhalt des Hornissenbestandes im nächsten Jahr. Zu diesem Zeitpunkt ist auch die Populationsdichte der Hornissen am höchsten. In der Regel sind es 200 – 300 Tiere, vereinzelt kann ein Volk aber auch aus bis zu 600 Tieren bestehen.

Ab Oktober sinkt die Zahl der Hornissen stetig und das Volk beginnt zu sterben. Vorher steht allerdings noch ein wichtiges Ereignis an – der Hochzeitsflug. Dabei werden die Jungköniginnen von den Drohnen befruchtet. Die befruchteten jungen Königinnen suchen sich nun ein Winterquartier, in dem sie die kalte Jahreszeit überstehen, um im nächsten Jahr ein neues Volk gründen zu können. Alle anderen Hornissen, auch die alte Königin, überstehen den Winter nicht.

Hornisse als Nützling

Obwohl die großen Wespen keinen guten Ruf haben, sind sie doch äußerst nützlich. Denn die Hornissenlarven werden ausschließlich mit Insekten und Gliederfüßern ernährt. Da darunter auch viele unbeliebte Schädlinge fallen, leisten die Hornissen einen wichtigen Beitrag bei der Regulierung von Schadinsekten. Ein einziges Hornissenvolk kann pro Tag eine enorme Anzahl an Insekten und anderem Getier an die hungrigen Larven verfüttern. Die erwachsenen Hornissen sind hingegen strenge Vegetarier und ernähren sich von Fallobst, Baumsaft und selten auch von Blumennektar.

Hornisse am Apfel
Erwachsene Hornissen sind strenge Vegetarier [Foto: Siegi/ Shutterstock.com]

Hornissen haben ihren schlechten Ruf also völlig zu Unrecht: Sie sind keine aggressiven Tiere, die Menschen aus Lust und Laune stechen, sondern hochkomplexe Lebewesen, die für ein gesundes Ökosystem von enormer Bedeutung sind.

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