Spalierobst: Pflanzen, Pflege & geeignete Sorten

Kati
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Ich bin gelernte Gärtnerin und studierte Gartenbauwissenschaftlerin und liebe alles was wächst und grünt! Egal ob Strauch, Baum, Nutzpflanze oder vermeintliches Unkraut: Für mich ist jede Pflanze ein kleines Wunder.
Im Garten versorge ich meine 13 Hühner, baue Obst & Gemüse an und beobachte ansonsten, wie sich die Natur selbst verwaltet und gestaltet.

Lieblingsobst: Heidelbeere, Apfel
Lieblingsgemüse: Schmorgurke, Grünkohl, grüne Paprika

Ein Spalierobstbaum macht nicht nur viel her. Der Anbau von Spalierobst entlohnt den hohen Aufwand ebenfalls mit guten Erträgen. Spalierobstbäume an Südwänden machen außerdem die Kultur wärmeliebender Sorten möglich.

Spalierobstbaum
Spalierobst – platzsparend und ästhetisch [Foto: Dmitry Naumov/ Shutterstock.com]

Wer nur wenig Platz hat, dafür aber eine warm besonnte und windgeschützte Südwand, der kann sich am Kultivieren von Spalierobst versuchen. Neben der Wahl einer passenden Sorte für den Spalierobstbau gilt es auch, ein haltbares Spalier zu bauen und durch einen regelmäßigen Schnitt die gewünschte Form herzustellen.

Was ist Spalierobst?

Als Spalierobst werden Obstbäume bezeichnet, die an einem Gerüst aus Drähten oder steifen Streben gebunden wachsen und die mit passenden Schnitt- und Formierungsarbeiten in eine flache, zweidimensionale Form gebracht werden. Diese Erziehungsform ermöglicht nicht bloß ein platzsparendes und formell-ästhetisches Kultivieren von Obstbäumen, sondern auch die Ausnutzung wärmebegünstigter Kleinklimata. Traditionell werden Spalierobstbäume daher vor warmen Südwänden oder -hängen gepflanzt. So können sogar in weniger begünstigten Lagen wärmebedürftige Obstbäume wie Renekloden, Pfirsiche oder Nektarinen, aber ebenso wärmebedürftige Apfel- und Birnensorten gedeihen. Durch die Führung der Äste in bestimmten Winkeln soll die Versorgung der Früchte optimiert oder die Blütenbildung gesteuert werden.

Ein wohlgeformter Spalierbaum entsteht dabei keineswegs nur durch Schnitt und Formierung. Stattdessen ist schon zu Beginn die Wahl einer passenden Obstsorte nötig, die wiederum auf eine schwachwüchsige Unterlage veredelt ist. Nur so sind das Wachstum und die Ertragsbildung auf extrem begrenztem Standraum möglich.

Pflaumen-Spalierobstbaum an einer Wand
Manche Pflaumensorten aus dem Süden gedeihen bei uns nur am Spalier [Foto: Andrew Fletcher/ Shutterstock.com]

Spalierobst oder Säulenobst: Was ist der Unterschied? Für die Kultur als Säulenobst, auch Schnurbaum oder Kordon genannt, werden oft dieselben Obstsorten verwendet. Denn Schnurbäume sind Zuchtsorten, die hinsichtlich der Neigung zur Bildung von Langtrieben selektiert wurden. Sie bilden daher seltener lange Seitentriebe. Dieses Wuchsverhalten ist auch für den Spalierobst-Anbau günstig. Aus denselben Sorten können also Schnurbäume oder Spalierobstbäume entstehen.
Meist wird das Säulenobst gemeinsam mit dem Spalierobst zum Formobst gezählt, obwohl ein einzelner Trieb kein ganzes Spalier, sondern nur einen einzelnen Stab als Anbindung benötigt.

Kleiner Schnurbaum
Die Zucht hat Sorten hervorgebracht, die kaum Seitentriebe bilden – Schnurbäume [Foto: Savelov Maksim/ Shutterstock.com]

Welche Spalierobst-Formen gibt es?

Natürlich gibt es etliche Spalierobst-Formen. Hier haben wir für Sie gängige und interessante Formen gesammelt:

Die U-Form

Schlicht als U-Form wird diese einfache Form der Spaliererziehung bezeichnet. Der Haupttrieb wird gekappt und später ganz entfernt, sodass weit unten Seitentriebe austreiben. Zwei günstig stehende Seitentriebe werden ausgewählt und im Boden wieder senkrecht nach oben geführt, sodass ein „U“ entsteht. Diese Spalierobst-Form ist besonders gut für schmale Standplätze geeignet. 160 cm Standraum genügen für eine einfache U-Form. Eine breitere Weiterführung der U-Form ist die Doppel-U-Form, bei der auf den Armen des unteren Us je eine weitere U-förmige Gabelung entsteht.

Tipp: Die U-Form und einfache Schnurbäume können auch im 45°-Winkel schräg gebunden werden, bis hin zur waagerechten Anbindung. Zu beachten ist hierbei, dass die Bäume schon bei der Pflanzung schräg gesetzt werden sollten, um die Bruchgefahr durch starke Spannung im Stamm zu verringern. Die schräg geführten Triebe zweier Bäume können für eine weitere, schöne Variation spiralig um ein rundes Gerüst geführt werden, sodass eine umwundene Säule entsteht. Die Spiralform kann auch mit einfachen Schnurbäumen gebildet werden.

Schräg gepflanzte Schnurbäume
Diese Schnurbäume wurden im 45°-Winkel schräg geführt [Foto: Joe Kuis/ Shutterstock.com]

Die Verrier-Palmette

Die Verrier-Palmette ist im Grunde nur eine variierte U-Form. Der Leittrieb wird über mehrere Jahre immer wieder entspitzt, sodass Seitentriebe austreiben, die eine Etage über der vorherigen U-förmig zu den Seiten geführt werden. Die Verrier-Palmette hat den großen Vorteil, dass ihr Aufbau eine gleichmäßige Versorgung sowohl der oben als auch der unten angesetzten Früchte gewährleistet. Sie benötigt einen Standraum von mindestens 200 cm.

Spalierobst in verschiedenen Formen
Links die Verrier-Palmette, rechts die einfache U-Form [Foto: COULANGES/ Shutterstock.com]

Die einfache, waagerechte Palmette

Sie ist die häufigste Spalierform. Von einem Mitteltrieb gehen streng waagerecht geführte Seitentriebe nach links und rechts ab. Der Mitteltrieb wird entfernt. Die waagerechte Formierung begünstigt die Entstehung von Fruchtholz und ist damit ebenfalls für stärker wüchsige, blühunwilligere Sorten geeignet. Eine einfache Palmette kann weit über 400 cm breit werden und damit eine beachtliche Fläche abdecken oder einen halbdichten Sichtschutz ergeben.

Einfache Palmette
Die einfache Palmette wird häufig gestaltet [Foto: Andre Warren/ Shutterstock.com]

Das Fächerspalier

Steinobst wie Kirsche, Pflaume und Reneklode, aber auch viele Beerensträucher lassen sich selbst mit behutsamer Technik oft nicht unbeschadet in kleinen Winkeln herunterbinden. Sie werden daher etwas weniger streng formiert, etwa in einer Fächerform. Diese ist vor allem für Sauerkirschen und Pfirsiche geeignet, die alljährlich zum Wechseln des Fruchtholzes eher weit heruntergeschnitten werden. Die neuen Fruchtruten werden dann jeweils wieder locker am Fächer befestigt, was eine gute Übersicht und eine gute Erwärmung der bedürftigen Pfirsiche ermöglicht. Je nach Obstart wird ein Fächerspalier 300 bis 400 cm breit.

Spalier-Birme in Fächerform
Diese Birne wird zum Fächer formiert [Foto: Deatonphotos/ Shutterstock.com]

Der Laubengang

Nicht nur Rosen, auch Spalierobstbäume können an einem Laubengang aufgebunden werden. Die waagerechte Führung oben verbessert hier ebenso die Entwicklung von Fruchtholz, ist aber immer gefährdet, auch konkurrierende „Wassertriebe“ entstehen zu lassen. An einem einzelnen Bogen können Schnurbäume formiert werden. An Gängen ist natürlich die Gestaltung breiterer Spalierobst-Formen wie schrägen Schnurbäumen oder Palmetten möglich.

Laubengang aus Spalierobst
Obstbäume können auch am Laubengang formiert werden [Foto: Paul Daniels/ Shutterstock.com]

Tipp: Einfache Schnurbäume werden im Abstand von nur 70 cm oder sogar weniger gepflanzt, waagerecht geführte Schnurbäume werden 300 bis 400 cm lang.

Das UFO

UFO steht für „Upright Fruiting Offshoots“. Diese Erziehungsform ist relativ neu. Der Haupttrieb oder zwei Seitentriebe werden waagerecht geführt, wodurch auf der Oberseite alljährlich junge „Wassertriebe“ entstehen, die im Folgejahr Fruchtholz ansetzen. Wird ein aufsitzender Ast zu groß, wird er entfernt. Die UFO-Form kann ebenso auf einem Hochstamm realisiert werden. Pflege und Schnitt gestalten sich enorm einfach und die Form ist sowohl für Kern- als auch für Steinobst geeignet.

Spalierobstbaum in UFO-Form
Die UFO-Form: Möglich mit einem oder zwei Haupttrieben, auf Hoch- oder Niederstamm [Foto: Carmina_Photography/ Shutterstock.com]

Welche Obstsorten eignen sich als Spalierobst?

Fast jede Obstsorte kann mit einer schwachwüchsigen Unterlage und mehr oder weniger Aufwand zum Spalierbaum erzogen werden. Mit manchen Sorten gelingt es aber deutlich einfacher als mit anderen. Beerenobst-Sträucher können auch noch im Alter zu Fächern formiert werden. Folgende Spalierobst-Apfelsorten und Birnen sowie Kirschen sind besonders geeignet:

Empfehlenswerte Kernobst-Sorten für den Spalierobst-Anbau:

  • Apfel ‘Berlepsch’: Der Apfel eignet sich für beste Böden und entlohnt den Aufwand der Spaliererziehung.
  • Apfel ‘Champagner Renette’: Ihr Wuchs begünstigt die Spaliererziehung und sie ist gut lagerfähig.
  • Apfel ‘Kanadarenette’: Dieser sehr schmackhafte Apfel passt für warme Lagen.
  • Apfel ‘Landsberger Renette’: Als robuste Sorte mit guter Verzweigung gedeiht diese Sorte am besten in luftigen Lagen, da sie anfällig für Mehltau ist.
  • Birne ‘Vereinsdechant’: Diese Variante ist wärmebedürftig sowie mäßig gut verzweigend.
Hecke aus Spalierobst
Freistehende Spalier-Apfelbäume werden zu schönen Obst-Hecken [Foto: Beekeepx/ Shutterstock.com]

Tipp: Auch die genannten Sorten können nur auf schwachwüchsigen Unterlagen und mit stabiler Anbindung als Spalierobstbäume gezogen werden. Schwachwüchsige Apfel-Unterlagen sind zum Beispiel ‘M9’, ‘M27’ – wer mehr Platz hat, kann mittelstarkwüchsige Unterlagen wie ‘MM111’ oder ‘M7’ nutzen. Birnen werden zur Wuchsreduktion auf Quitten wie ‘Quitte A’, ‘Quitte C’ oder OHF-Unterlagen veredelt.

Empfehlenswerte Steinobst-Sorten für den Spalierobst-Anbau:

  • Aprikose ‘Nancyaprikose’: Die französische Sorte bildet breite Spaliere.
  • Sauerkirsche ‘Schattenmorelle’: Jene alte Variante gedeiht selbst in Nordausrichtung gut.
  • Pfirsich ‘Proskauer’: Hier ist die Erziehung als Fächerspalier möglich. Die Sorte ist sehr anpassungsfähig.
  • Pfirsich ‘Vorgebirgspfirsich’: Diese Variante ist auch für weniger günstige Standorte zu empfehlen und kann als Fächer angebaut werden.
  • Mirabelle ‘Aprimira’: Sie ist zwar wenig anfällig für Krankheiten, doch nur für Lagen ohne hohe Spätfrostgefahr geeignet.
  • Aprikose ‘Ungarische Beste’: Diese Aprikose ist wärmebedürftig, aber ansonsten in der Regel gesund.
Plaumen-Spalier an einer Steinwand
Pflaumen am Südwand-Spalier kann man dank der Wärme früher ernten als freistehende [Foto: Nature’s Charm/ Shutterstock.com]

Tipp: Achten Sie auch bei der Wahl Ihrer Spalier-Steinobstsorten auf schwachwüchsige Unterlagen. Lassen Sie sich für die Wahl am besten in einer Baumschule beraten.

Das richtige Spalier für Obstbäume

Grundsätzlich hängen die Breite und Höhe des Spaliers natürlich von den späteren Abmaßen des gepflanzten Baumes ab. Eine U-Form benötigt ein schmales, hohes Spalier, während ein UFO ein flaches, breites Spalier erfordert. Eine Daumenregel beim Spalierobst-Bauen ist, dass der Abstand zwischen den einzelnen Etagen etwa 40 cm beträgt.

Obstbaum-Spaliere an Mauern

Steht das Spalierobst vor einer Mauer, bietet es sich an, diese als Verankerung zu nutzen. Haltbare Stahldrähte oder witterungsbeständiges Holz, etwa aus Lärche oder Douglasie, sind vonnöten. Schließlich lässt sich das Spalier gerade bei den weniger standfesten, kleinwüchsigen Sorten nicht ohne Aufwand austauschen. Bedenken Sie, dass das Spalier an der Wand nicht nur die Triebe leitet, sondern dem Baum auch Stabilität verleiht – achten Sie auf eine stabile Ausführung mit ausreichend großen Dübeln und Schrauben. Drähte sollten mechanisch nachzuspannen sein, damit sie nicht nach einigen Jahren durchhängen.

Spalierobstbaum an einer Steinmauer
An Mauern können Drähte gut befestigt werden [Foto: Dmitry Naumov/ Shutterstock.com]

Freistehendes Spalierobst

Freistehende Spaliere werden mithilfe von Spanndrähten zwischen hohen Pfosten realisiert. Setzen Sie zwei Pfähle im Abstand der späteren Baumbreite. Bei Holzpfosten ist es relevant, auf einen guten, konstruktiven Holzschutz zu achten, etwa indem in das Loch eine Drainage eingebaut wird oder der Pfosten direkt in einen Pfostenschuh samt Betonfundament gesetzt wird – so ist die Konstruktion haltbar für die vielen Jahre, in denen der Baum daran wachsen wird. Wenn der Pfosten selbst in der Erde sitzt, ist eine Einbindung in den Boden von mindestens einem Drittel der Pfostenhöhe nötig. In jedem Fall lohnt es sich, die Pfosten mit einem Draht und Erdanker zu den Seiten abzuspannen, denn durch die lange Standzeit neigen sich die Pfosten sonst mit der Zeit zueinander. Zwischen den Pfosten können ebenfalls Drähte mit Spannvorrichtung oder auch Holzlatten angebracht werden.

Freistehendes Spalier
Planen Sie für freistehende Spaliere von Anfang an ein haltbares Spalier ein [Foto: Joe Kuis/ Shutterstock.com]

Spalierobst pflanzen

Das Spalierobst zu pflanzen, gelingt ebenso wie bei anderen Obstbäumen. Ein paar Besonderheiten gibt es zu beachten:

  • Das Spalier sollte an einer warmen, am besten etwas geschützten Südwand aufgestellt werden, sofern man das mildere Kleinklima dort ausnutzen möchte. Freistehende Spaliere sollten für eine optimale Lichtausnutzung in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet sein.
  • Installieren Sie das Spalier, bevor der Baum gepflanzt wird. Bei umgekehrtem Vorgehen besteht die Gefahr, dass der Wurzelballen bei Erdarbeiten verletzt wird oder Triebe beim oberirdischen Arbeiten abgeknickt werden.
  • Wenn Sie den Leittrieb waagerecht oder schräg führen wollen, dann setzen Sie auch den Ballen schräg ein. So werden hohe Spannungen bis hin zum Bruch am Haupttrieb vermieden.
  • Achten Sie darauf, dass die Veredelungsstelle mindestens eine Handbreit oberhalb des Bodens sitzt – sonst kann es passieren, dass die Edelsorte selbst Wurzeln bildet und die Unterlage abstößt.
  • Führen Sie den Pflanzschnitt und je nach Jahreszeit und Zustand der Pflanzware einen Erziehungsschnitt durch. Mehr zum Schnitt von Spalierobst erklären wir in einem umfangreichen Artikel.
  • Binden Sie Ihren Spalierobstbaum direkt an. Die Anbindung verleiht ihm Stabilität und verbessert außerdem das Anwachsen, indem auch der Ballen vor Bewegung geschützt wird, die das Feinwurzelwachstum stören würde.
Veredlung eines Spalierobstbaums
Achten Sie darauf, dass die Veredelungsstelle deutlich oberhalb der Erde liegt [Foto: Joe Kuis/ Shutterstock.com]

Weitere Informationen und Tipps zum Anbau von Obst finden Sie in unserem Magazin.

Spalierobst pflegen

Die Pflege von Spalierobst unterscheidet sich nicht wesentlich von jener „normal“ kultivierter Obstbäume – außer beim Schnitt. Denn der Schnitt von Spalierobst ist eine kleine Wissenschaft für sich, die wir Ihnen in einem weiterführenden Artikel vorstellen möchten.

Spalierobstbaum ohne Blätter
Der Schnitt von Spalierobst will gelernt sein [Foto: Joe Kuis/ Shutterstock.com]


Eine weitere Besonderheit ist, dass die kleinen Spalierobstbäume nur einen sehr begrenzten Wurzelraum haben. Denn die verwendeten Unterlagen wurden auf diese Wuchsform hin selektiert – eben um auch den oberirdischen Wuchs zu bremsen. Da der durchwurzelte Raum so beschränkt ist, ist eine jährliche Düngung empfehlenswert. Die Entzüge von Baumobst sind jedoch sehr gering. Verwenden Sie einen vornehmlich organischen Langzeitdünger, da mineralische Dünger zu vermehrtem Triebwachstum und zu schwankenden Erträgen führen können. Ein Beispiel für hochwertige, bodenpflegende Bio-Dünger sind unsere Plantura Bio-Langzeitdünger.

Spalierbäume können auch als grüner Sichtschutz eingesetzt werden. Welche Spalierbäume als Sichtschutz zum Einsatz kommen, erfahren Sie in unserem Spezialartikel.

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