logo

Mirabellenbaum: Alles zum Pflanzen, Schneiden & Ernten

Wieso nicht einfach Mirabellen aus dem eigenen Garten ernten? Tipps zum Pflanzen und Schneiden des Mirabellenbaums, damit Sie schon bald eine reiche Ernte erhalten.

Mirabellenbaum mit reifen Mirabellen
Mirabellenbäume erfreuen ihren Besitzer stets mit einer reichen Ernte [Foto:stocktr/ Shutterstock.com]

Wer einen Mirabellenbaum (Prunus domestica subsp. syriaca) im eigenen Garten hat, dem sind süße Stunden garantiert, denn die kleinen pflaumenartigen Früchte sind wahre Köstlichkeiten. Und auch manch Wanderung lässt sich durch eine Mirabelle hier und da am Wegesrand ganz wunderbar versüßen. Wir haben zusammengefasst, was Sie über dieses pflegeleichte Gewächs wissen sollten.

Mirabellenbaum: Herkunft und Eigenschaften

Eigentlich sind Mirabellenbäume eine Unterart der Pflaumen (Prunus domestica). Aber das macht sie nicht weniger besonders, denn ihre kleinen gelben Früchte sind ein wahrer Genuss. Vermutlich ging die Mirabelle einst aus einer Kreuzung der Pflaume mit der Kirschpflaume (Prunus cerasifera) oder Schlehe (Prunus spinosa) hervor, aber genau kann das heute niemand mehr sagen. Ihr wissenschaftlicher Name syriaca deutet jedenfalls ihre Herkunft an: Die Region rund um Syrien in Kleinasien. Das weltweit größte Anbaugebiet für Mirabellen liegt jedoch nicht so weit weg von hier, sondern mitten in Lothringen. Mirabellenbäume werden nicht besonders groß, etwa um die sechs Meter. Ihr Wuchs ist meist buschig und sparrig, doch sie lassen sich durchaus zu hübschen Bäumen erziehen. Besondere Schönheit zeigen sie in den Monaten April und Mai, wenn die weißen Blüten den Betrachter in ihren Bann ziehen und zahlreichen Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle bieten. Durch die unzähligen Kreuzungen und nahen Verwandten sind Mirabellen nicht immer ganz leicht zu erkennen. Wichtige Erkennungsmerkmale sind die späte Blüte, die behaarten Blütenstiele und die ovalen, leicht gezackten Blätter. Die wohlschmeckenden gelben Früchte sind etwa 2-3 Zentimeter groß und lassen sich leicht vom Stein lösen.

Biene an Blüten des Mirabellenbaums
Die zarten Blüten des Mirabellenbaumes erscheinen im April und Mai und ziehen Insekten an. [Foto: Copula/ Shutterstock.com]

Hinweis Rote Mirabellen: Moment, können Mirabellen nicht auch rote Früchte tragen? Diese Meinung ist weit verbreitet, tatsächlich aber sind Mirabellen immer gelb. Zwar weißen sie ab und an rote Sprenkel oder Wangen auf, aber tiefrote Mirabellen gibt es nicht. Mirabellenartige Früchte mit roter Farbe gehören in der Regel der den Mirabellen sehr ähnlichen Kirschpflaume (Prunus cerasifera) an. Früchte der Kirschpflaume können entweder rot, gelb oder lila sein und haben eine ähnliche Größe und Form wie Mirabellen. Während der Blüte können Sie die zwei Arten jedoch gut voneinander unterschieden. Kirschpflaumen blühen etwa zwei Wochen eher und haben im Gegensatz zu den Mirabellen einen kahlen Blütenstiel. Auch die Reife der Kirschpflaume ist etwas eher als die der Mirabelle und beginnt bereits ab Ende Juni. Sind Sie sich immer noch nicht ganz sicher, dann ist auch die Steinlöslichkeit des Fruchtfleisches ein wesentliches Erkennungsmerkmal, denn Kirschpflaumen lassen sich weit weniger gut vom Stein lösen als Mirabellen.

Mirabellensorten

Mirabellen gibt es schon lange, auch wenn die süßen Früchte erst im 16. Jahrhundert Europa erreichten. Aus Jahrhunderte langer Kultur gingen die verschiedensten Sorten hervor. Wichtige Auswahlkriterien sind Wüchsigkeit und Größe, der Zeitpunkt der Fruchtreife und die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten wie beispielsweise der Scharka-Krankheit (engl. plum pox virus, PPV).

Empfehlenswerte Mirabellensorten:

  • ‘Mirabelle von Nancy’: Diese alte Sorte ist sehr häufig anzutreffen. Ihre Früchte sind groß, überaus süß und nur mäßig saftig. Das Fruchtfleisch ist recht fest, jedoch gut vom Stein lösbar. Die Früchte reifen ab August. Die ‘Mirabelle von Nancy’ ist wüchsig und zeichnet sich durch ihre hohe Resistenz gegenüber dem Scharka-Virus aus.
  • ‘Mirabelle von Pillnitz’: Diese Mirabellensorte wurde erst in den 1980er Jahren in Pillnitz bei Dresden gezüchtet. Sie ist robust und weist einen sehr kompakten Wuchs auf. Mit ihrer durchschnittlichen Größe von etwa 3 Metern ist sie auch für kleine Gärten geeignet. Die Früchte lassen an Geschmack nicht zu wünschen übrig und sind aromatisch und saftig-süß. Sie reifen zwischen August und September. Zudem ist die Sorte resistent gegenüber dem Scharka-Virus.
  • ‘Frühe Mirabelle von Bergthold’: Eine überaus frühe Ernte ist für die ‘Frühe Mirabelle von Bergthold’ zu erwarten, denn die süßen Früchte beginnen schon ab Ende Juli auszureifen. Die Sorte ist recht anspruchslos gegenüber Standort und Boden.
  • ‘Metzer’: Die ‘Mirabelle von Metz’ ist eine alte Mirabellensorte, die wohl einst aus der Region rund um die lothringische Stadt Metz stammt. Sie ist schwachwüchsig und klein, liefert aber dennoch einen hohen Ertrag. Die Früchte sind überaus aromatisch und sehr saftig und reifen ab Mitte August.
  • ‘Herrnhäuser Mirabelle’: Diese Mirabellensorte trägt große Früchte, größer noch als die der ‘Mirabelle von Nancy’, der sie aber von der Frucht her recht ähnlich ist. Besonders besonnte Früchte tragen oft rote Sprenkel auf der sonst gelben Haut. Die Mirabellen reifen ab Mitte August und sind saftig und zart. Der Baum ist eher kleinwüchsig.

Mirabellenbaum pflanzen

Mirabellenbäume sollten wie die meisten Pflanzen entweder im Herbst oder im Frühling gesetzt werden, also quasi in der Nebensaison des Pflanzenwachstums. Nach der Pflanzung sollten Sie den jungen Baum regelmäßig Gießen, bis er gut mit dem Erdreich verwurzelt ist.

Experten-Tipp: Besonders hohe Erträge können Sie erwarten, wenn Sie zwei Mirabellenbäume im Garten haben, so dass diese sich gegenseitig befruchten können. Notwendig ist dies jedoch nicht.

Blühender Mirabellenbaum
In der Landschaft wachsen Mirabellen häufig entlang von Waldrändern, in Hecken oder am Wegesrand [Foto: AlexBuess/ Shutterstock.com]

Als Standort kommt sandiger bis teilweise sogar lehmiger Boden in Frage, auch wenn Mirabellen gegen nährstoffreiche und humose Böden nichts einzuwenden haben. Mirabellen sind bezüglich des Bodens also weniger anspruchsvoll. Dieser sollte lediglich durchlässig sein und nicht zu Staunässe neigen. Ein pH-Wert im neutralen bis leicht alkalischen Bereich ist optimal. Mehr Bedeutung kommt hingegen der Sonne zu, denn Mirabellen lieben es warm und sonnig. Halbschatten wird allerdings gut toleriert. Damit es stets schön warm bleibt, bietet sich gerade in rauen Lagen ein geschützter Standort an. In der Landschaft wachsen Mirabellen deshalb häufig an Waldrändern und in Hecken, wo sie ausreichend Sonne abbekommen, vor Wind jedoch einigermaßen geschützt sind.

Mirabellenbaum pflegen

Mirabellenbäume sind ziemlich anspruchslos. Der Pflegeaufwand ist dementsprechend äußerst gering. Ist der Baum erst einmal gut verwurzelt, so brauchen Sie sich nicht weiter um das Gewächs zu kümmern. Legen Sie allerdings Wert auf eine reiche Ernte, dann ist ein regelmäßiger Schnitt angebracht.

Mirabellenbaum schneiden

Mirabellen müssen nicht unbedingt geschnitten werden, doch ein regelmäßiger Schnitt lichtet die Krone und bringt den Baum in Form. Durch die Durchlichtung können sich größere Früchte ausbilden und Sie erhalten eine reichere Ernte. Geschnitten werden sollte Ihr Mirabellenbaum im Frühjahr oder im Herbst nach der Ernte. Lassen Sie im Winter hingegen Ihren Baum besser ruhen, denn zu dieser Jahreszeit sind die Schnittwunden des Mirabellenbaumes anfällig gegenüber Pilzen. Als Ziel eines Schnittes sollten Sie sich eine ovale Krone vor Augen führen, die sich in alle Richtungen ausbreitet.

Hinweis Mirabellenbaum düngen: Mirabellenbäume brauchen keine großartige Düngung. Ein bisschen Kompost oder Mist im Frühjahr oder Frühsommer kommt dem Gewächs allerdings zugute.

Mirabellenbaum vermehren

Mirabellen sind meist nicht sortenecht, das heißt die Sämlinge gehören nicht der gleichen Sorte an wie die Mutterpflanze. Zwar würden bei der Vermehrung durch Samen auch Mirabellenbäume entstehen, jedoch ist schwer vorherzusagen, welche Eigenschaften diese haben. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja eine sehr schmackhafte Mirabelle dabei heraus? Ein Versuch kann durchaus lohnend sein, jedoch braucht es etwa sieben bis acht Jahre, ehe die erste Ernte zu erwarten ist. Schneller und sicherer geht die Vermehrung über Veredelung. Dazu wird von der Mutter-Mirabelle ein Edelreis geschnitten und auf eine Unterlage, beispielsweise eine Pflaume, aufgepfropft. Dieses Vorgehen erfordert einiges an Übung, lohnt sich jedoch. Wie die Veredelung funktioniert können Sie hier nachlesen.

Zweig wird in Erde eingepflanzt
Junge Obstbäume zu veredeln ist eine kleine Herausforderung – dafür ist ein Erfolg umso schöner [Foto: Ambartsumian Valery/ Shutterstock.com]

Zu guter Letzt bleibt noch die Variante mit den Stecklingen, die im Frühjahr geschnitten und dann eingetopft werden. Die Erfolgsrate bei Obstbäumen ist allerdings mäßig.

Schädlinge und Krankheiten am Mirabellenbaum

Wie die meisten Pflaumenbäume können auch Mirabellen von einigen Schädlingen und Krankheiten heimgesucht werden. Dennoch sind die kleinen Pflaumen weit weniger anfällig als ihre großen Verwandten.

Die wichtigsten Schadorganismen am Mirabellenbaum:

  • Die Scharka-Krankheit (engl. plum pox virus, PPV) ist auf den Scharka-Virus zurückzuführen. Dieser wird durch Blattläuse übertragen und ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts in Deutschland weit verbreitet. Im Frühsommer zeigen sich bei befallenen Bäumen gelbe Ringe auf den Blättern. Später weisen viele Früchte pockenartige Dellen auf und sind nicht mehr schmackhaft. Zudem neigen befallene Früchte dazu, vorzeitig vom Baum zu fallen. Eine Bekämpfung des Virus ist derzeit nicht bekannt. Wichtigste Vorsorge ist die Wahl der Sorte.
  • Der Pflaumenwickler (Grapholita funebrana) ist ein Nachtfalter, der seine Eier auf die reifenden Früchte legt. Die Raupen bohren sich bis ins Innere der Mirabellen vor und genießen das Fruchtfleisch. Sie sind an ihrer roten Färbung und der dunklen Kopfkapsel leicht zu erkennen. Die Früchte fallen meist vor der Reife ab und sollten dann abgesammelt werden, um den Befall im nächsten Jahr zu reduzieren.
  • Die Pilze Monilia laxa und Monilia fructigena befallen hin und wieder die Früchte der Mirabellen. Diese zeigen dann bräunliche Flecken und fallen zu Boden oder vertrocknen am Baum. Am besten entfernen Sie befallene Früchte sofort und lichten beim nächsten Schnitt die Krone aus. So wird der Baum besser durchlüftet und Pilzerreger haben schlechtere Karten.

Mirabellen ernten: Erntezeit und Vorgehen

Je nach Sorte reifen Mirabellen zwischen August und September, einzelne Sorten wie die ‘Frühe Mirabelle von Bergthold’ reifen jedoch schon ab Ende Juli aus. Zum Ernten können Sie die kleinen Früchte direkt vom Baum pflücken. Wollen Sie jedoch gleich größere Mengen ernten, so können Sie den Baum schütteln und die herunterfallenden Früchte mit Netzen oder Tüchern auffangen.

Kuchen neben Mirabellen
Mit frischen oder eingefrorenen Mirabellen können Sie herrliche Kuchen backen [Foto: Elena Wein/ Shutterstock.com]

Mirabellen verwenden und haltbar machen

Die süßen Früchte sind leider nicht lagerfähig. Zwei bis drei Tage überstehen sie gut im Kühlschrank, doch darüber hinaus beginnen sie schnell zu faulen. Dafür lassen Mirabellen sich leicht einfrieren und können so selbst im Winter oder kommenden Jahr noch genossen werden. Um Mirabellen einzufrieren ist keine große Vorbereitung notwendig. Halbieren Sie die Früchte und lösen Sie die Steine heraus. Nun brauchen Sie die Hälften nur noch in Gefrierbeutel zu verpacken und die Luft aus den Tüten herauszuziehen und ab damit in die Gefriertruhe. Sie können Mirabellen aber auch wunderbar einkochen und auf diese Weise haltbar machen, etwa als Kompott, Marmelade oder Gelee. Selbst für Schnäpse und Fruchtsenf sind Mirabellen eine hervorragende Zutat.

Bei den sogenannten roten Mirabellen handelt es sich eigentlich um die Früchte der Kirschpflaume. Alles wichtige zum Thema erfahren Sie in unserem Spezial-Artikel zur Kirschpflaume.

Erhalten Sie unsere Garten-Post

Jetzt für unsere kostenlose Garten-Post anmelden und tolle Garten-Tipps sowie Inspirationen regelmäßig ins Email-Postfach bekommen.

Back To Top