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Grasmilben: Hund und Mensch vor lästigen Stichen schützen

Grasmilben können für Mensch & Tier unangenehme Stiche verursachen. Wir zeigen, wie man Grasmilbenstiche vorbeugen kann und ob die Bekämpfung sinnvoll ist.

Grasmilbe auf Blatt

Grasmilben können für Mensch und Tier unangenehme Stiche verursachen [Foto: Marek Velechovsky/ Shutterstock.com]

Ein über Jahre hinweg vernachlässigter Schädling, der ausnahmsweise mal nicht unsere geliebten Pflanzen sondern uns selbst befällt, wird nun seit einiger Zeit vermehrt zum Problem. Neben dem Menschen sind auch alle Warmblüter wie Hund, Katze, Pferd und wilde Tiere potentielle Ziele des winzigen Parasiten. In warmen Sommern sorgt er mit seinen Stichen gebietsweise für gefüllte Hautarztkliniken, in denen Patienten über stark juckende Pusteln klagen. Der Übeltäter ist ein relativ naher Verwandter der Zecke: Gemeint ist die fast weltweit vorkommende Grasmilbe. Allerdings lebt nur ein ganz bestimmtes Entwicklungsstadium der Grasmilbe als Parasit, weshalb die erwachsenen Milben völlig harmlos sind.

Steckbrief zur Grasmilbe

Die Grasmilbe (Neotrombicula autumnalis) ist ein noch wenig erforschter Schädling, da die Stiche durch die Milbe erst seit einigen Jahren vermehrt auftreten. Auch wenn der Schädling noch kaum erforscht ist, gibt es eine ganze Reihe von Synonymen für die Milbe. So wird sie auch Heumilbe, Herbstmilbe und Erntemilbe genannt, wobei gerade der Name Herbstmilbe sehr irreführend ist, da das Spinnentier von März bis Oktober Mensch und Tier befallen kann. In diesem Zeitraum durchläuft die Milbe einen Entwicklungszyklus. Aus Eiern, welche zu hunderten von weiblichen Grasmilben gelegt werden, schlüpfen meist von Juli bis Oktober die winzig kleinen Milbenlarven, welche nicht mal einen halben Millimeter messen. Warum sich die Larven in einigen Gebieten Deutschlands explosionsartig entwickeln und andere Gebiete verschont bleiben, konnte leider noch nicht geklärt werden. Auf jeden Fall steht fest, dass die kleinen Biester warme Temperaturen bevorzugen und die Befallstärke deswegen in einem warmen Sommer zunimmt. Die orangeroten Larven brauchen nun Nahrung für ihre Entwicklung zu einer erwachsenen Grasmilbe und suchen sich dafür einen Wirt. Besonders gerne werden kleine Nager wie Mäuse parasitiert, aber eben auch Haustiere wie der Hund und wir selbst. Die sehr beweglichen Larven der Grasmilbe erklimmen dafür 5 bis 30 cm hohe Gräser und warten auf ihr Opfer. Durch Erschütterungen beim Laufen und dem ausgeatmeten CO2 sollen die zeckenähnlichen Milben ihren Wirt erkennen und lassen sich auf ihn fallen.

Grasmilbe Zyklus

Zyklus der Grasmilbe [Foto: Bugboy52.4CC BY-SA 4.0]

Die Grasmilben suchen sich anschließend eine geeignete Stelle, um mit ihren Stechwerkzeugen Speichel in die Haut des befallenen Tieres oder eben Menschen zu injizieren. Der Speichel verdaut die Hautzellen um die Einstichstelle, welche dann später als eine Art Zellsaft von der Grasmilbe aufgesaugt wird (es wird kein Blut gesaugt, wie es bei der Zecke der Fall ist). Die nun satte und zufriedene Grasmilbe lässt sich bereits nach 4 bis 8 Stunden von ihrem Wirt fallen. Sie stellt dann keine Gefahr mehr für Mensch und Haustiere da, weil sich die späteren Entwicklungsstadien der Grasmilbe räuberisch von Kleinstlebewesen im Garten ernähren.

Grasmilbe: Stiche und Symptome bei Mensch und Tier behandeln

Weil die Grasmilbe beim Zustechen ihren Speichel in die Wirtshaut abgibt, kommt es zu einer unschönen Hautreaktion. Bei der dadurch ausgelöst Trombidiose (Hautreaktion auf Milbenstiche) werden die ersten Symptome 4 bis 36 Stunden nach dem ersten Stich bemerkbar. Die Symptome äußern sich bei Mensch und Tier am Anfang meist durch einen starken Juckreiz und mit jedem Stich entsteht eine kleine rote Quaddel. Die Stärke des Juckreizes erreicht nach 2 bis 3 Tagen ihren Höhepunkt und spätestens nach 8 bis 14 Tagen sollten der Juckreiz und die kleinen roten Quaddeln verschwunden sein. Bei einem ungünstigen Krankheitsverlauf und gerade, wenn an den Pusteln gekratzt wird, können sich die Einstichstellen entzünden. Spätestens dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. In der Regel verschwinden die Symptome aber von alleine und ohne Komplikationen.

Ausschlag auf arm Pusteln Insektenstich

Die ersten Symptome nach einem Stich sieht man nach 4 bis 36 Stunden [Foto: Savelov Maksim/ Shutterstock.com]

Weil die Symptome mit einer Verzögerung von bis zu 36 Stunden auftreten, sind die Milben meist schon über alle Berge, wenn das Jucken beginnt. Über den Verbleib der kleinen Grasmilben müssen Sie sich aber keine weiteren Gedanken machen. Langfristig können die Milben in der Wohnung oder im Haus nicht überleben und auch eine Übertragung von Tier zu Tier oder auch auf einen Menschen ist ausgeschlossen, da die Grasmilben in ihrem Entwicklungszyklus nur einen Wirt parasitieren und sich an diesem „satt fressen“. Besitzen Sie also einen Hund und eine Katze, dann müssen Sie sich keine Sorgen machen, dass die Grasmilben von der Katze auch auf den Hund übertragen werden.

Bei uns Menschen sind die kleinen Stichstellen, die sich oft an enger Kleidung (Gürtel, Gummizug, Unterwäsche) befinden, schnell ausgemacht. Bei Haustieren muss hingegen genauer hingeguckt werden. Bei Hund und Katze sind die ersten Anzeichen Lecken an der Pfote und wiederholtes Kratzen an derselben Körperstelle. Die Milben selbst können auf der Haut als kleine orange Flecken wahrgenommen werden, dabei können bei den Haustieren fast alle Körperstellen befallen werden. Ist der Befall besonders stark und das Leid des Tieres zu groß, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Dieser kann den Hund oder die Katze mit juckreizstillenden Präparaten behandeln, damit das Tier die juckenden Stellen nicht weiter aufkratzt. Auch hier könnte es sonst zu Infektionen und Haarausfall kommen.

Die Stiche der Grasmilbe sollten Sie auf jeden Fall behandeln. Dafür werden die Pusteln zuerst mit einer 70 % starken Alkohollösung abgetupft. Durch den Alkohol werden die Problemstellen desinfiziert und Grasmilben, die sich noch auf der Haut befinden, abgetötet. Anschließend können die Pusteln, je nach Stärke des Juckreizes, mit einem juckreizstillenden Präparat aus der Apotheke behandelt werden. Gerade bei Kindern ist dies zu empfehlen, damit sie die betroffenen Hautpartien nicht zu stark aufkratzen. Übrigens konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, dass die Grasmilbe Krankheiten wie zum Beispiel die Borreliose überträgt. Aus diesem Grund gilt die Grasmilbe, im Gegensatz zu der Zecke, nicht als Überträger weiterer Krankheiten.

Grasmilben: Durch vorbeugende Maßnahmen Stiche verhindern

Da Mensch, Hund und Katze durch die Stiche der Grasmilbe teilweise tagelang von einem starken Juckreiz geplagt sind, sollte die Nähe zu den Grasmilben gemieden werden. Generell hält sich die Grasmilbe gerne auf Rasenflächen, in Parks und Wiesen auf, also überall dort, wo auch Gräser vorhanden sind. Mit einem kleinen Trick können Sie schnell testen, ob auch Ihr Garten von den unliebsamen Milben besiedelt wurde. Dafür wird einfach eine weiße Fliese oder Papier auf die Gräser gelegt. Sollten Grasmilben vorhanden sein, werden sie durch die helle Farbe angelockt und können durch ihre orange-rote Farbe auf dem weißen Hintergrund schnell identifiziert werden. Befallene Flächen sollten besonders an warmen Tagen nicht betreten werden oder wenn es nicht anders möglich ist, dann nur zu einer kühlen Tageszeit.

Insektenstich Bein Frau

Vor allem im hohen Gras wird man schnell Opfer der Grasmilbe [Foto: Image Point Fr/ Shutterstock.com]

Vorkehrungen treffen und Grasmilben eindämmen

Natürlich können Sie den Grasmilben nicht immer entfliehen, gerade wenn Ihr eigener Garten betroffen ist. Als Gartenbesitzer können Sie sich schützen, indem auf befallenen Flächen Gummistiefel und geschlossene Kleidung getragen und unnötiger Bodenkontakt vermieden wird. Auch eine rasche Dusche und Kleidungswechsel nach dem Betreten einer durch Grasmilben befallenen Wiese kann helfen, juckende Stiche zu vermeiden. Zusätzlich sollten Sie folgende Tipps beachten, wenn Sie keine Lust auf Grasmilbenstiche an sich und Ihren Haustieren haben:

  • Rasen regelmäßig mähen und Rasenschnitt samt der Grasmilben entsorgen (nicht auf dem Kompost!)
  • Sowohl bei Mensch und Tier können sogenannte Repellentien (z.B. Autan) aufgetragen werden, damit die Grasmilbe erst gar nicht auf den Geschmack kommt
  • Nagetiere sorgen für eine starke Verbreitung von Grasmilben. Das Entfernen ihrer Nester und Nistplätze kann also auch zu einem Rückgang der Grasmilben führen.

Grasmilben mit Spritzmitteln bekämpfen sinnvoll?

Das Bekämpfen von Grasmilben gestaltet sich aufgrund vielerlei Gründe als wenig oder gar nicht praktikabel. Eine Ursache dafür ist, dass ein Befall mit einer weißen Fliese oder einem Papier zwar entdeckt werden kann, allerdings ist es nicht möglich, das Befallsgebiet genau einzugrenzen. Der Einsatz von Spritzmitteln müsste deswegen großflächig erfolgen und durch den Nachbarsgarten können die flinken Grasmilben schnell wieder in Ihren Garten einwandern. Außerdem können durch die Spritzmittel auch viele Nützlinge getötet werden und ein großflächiger Spritzmitteleinsatz ist immer mit hohen Kosten verbunden. Zudem wandern die Grasmilben nicht nur aus den Nachbarsgärten ein. Ein Teil der Grasmilbenlarven versteckt sich im Boden, wo die Spritzmittel nicht mehr wirken. Somit ist der Einsatz von Spritzmitteln, egal, ob biologisch oder chemisch, nicht zu empfehlen. Bis jetzt gibt es noch keine ausgereiften Strategien, um die Grasmilbe effektiv und umweltverträglich zu bekämpfen. Ein interessanter Bekämpfungsansatz wäre der Einsatz von Nützlingen wie beispielsweise Raubmilben. Hier bleibt abzuwarten, ob in der nächsten Zeit neue Mittel und Methoden entwickelt werden, damit Grasmilbenstiche der Vergangenheit angehören

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