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Wespen und Wespennest: Erkennen, entfernen und bekämpfen?

Wespen dürfen unter Umständen getötet und ihr Nest entfernt werden: Der Naturschutz sieht dafür aber strenge Regeln vor – mehr dazu finden Sie hier.

Wespennest mit Wespen in Holz

Unter gewissen Umständen dürfen Wespennester entfernt werden [Foto: iStock.com/luismigueljj]

In Deutschland gehören Wespen wohl eindeutig zu den Insekten, auf die jeder im Sommer am liebsten verzichten würde. Die nervenaufreibenden Biester bereichern sich ungezügelt an Süßspeisen sowie Fleisch und besonders gern stechen sie ohne Grund zu. Ob dieser schlechte Ruf so wirklich stimmt, wollen wir in diesem Artikel klären. Außerdem ist es mit der Bekämpfung der Wespen gar nicht so einfach, denn die Tiere stehen unter einem besonderen Schutz. Wie alle Lebewesen erfüllen sie natürlich auch wichtige Funktionen in unserem Ökosystem. Zudem  gibt es bessere Methoden, um die Wespen loszuwerden – und das ganz ohne sie gleich zu töten.

Wespen erkennen

Die Echten Wespen (Vespinae) umfassen weltweit stolze 61 Arten. Bei uns in Deutschland sind es jedoch nur zwei Wespenarten, die zumindest saisonal wirklich nerven können. Bei diesen Plagegeistern handelt es sich um die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Die Deutsche Wespe gilt jedoch als etwas weniger aggressiv. Beide Arten nähern sich auch ohne große Furcht uns Menschen und können deswegen gelegentlich Probleme bereiten. Die meisten anderen Wespenarten halten sich von Menschen fern und würden nie auf die Idee kommen, einen gedeckten Tisch mit süßen Lebensmitteln und Fleisch als Nahrungsquelle anzusehen. Die beiden genannten aggressiven Wespenarten lassen sich nur sehr schwer auseinanderhalten, da die einzigen Unterscheidungsmerkmale kleine Details im Kopfbereich sind. Im Allgemeinen ist eine Unterscheidung aber auch nicht notwendig. Nur die Unterscheidung zu den anderen friedlichen Wespenarten wird später nochmal im Abschnitt „Wespennest beseitigen“ wichtig werden.

Die Arbeiterinnen der Deutschen und der Gemeinen Wespe sind im Mittel ungefähr 13 – 14 mm lang und weisen auf ihrem Körper die typischen gelb-schwarz gestreiften Warnfarben auf. Neben der Färbung ist die Taille von Wespen ein sicheres Erkennungsmerkmal, um sie von Bienen zu unterscheiden. Alle echten Wespen besitzen eine sogenannte Wespentaille. Dies ist eine sehr schmale Verbindung zwischen Hinterleib und vorderem Körper, wie auf dem unteren Bild sehr deutlich wird. Bienen besitzen keine Wespentaille und auch andere Insekten, die das Aussehen von Wespen nachahmen, haben eine breitere Taille. Tiere, die das Aussehen von gefährlichen Tieren nachahmen, um sich vor Räubern zu schützen, werden Mimikry genannt. Bezogen auf die Wespe ist das zum Beispiel die völlig harmlose Hainschwebfliege oder der Wespenbockkäfer.

Wespen bekämpfen: Vertreiben oder töten erlaubt?

Bevor Sie überhaupt an das Vertreiben, Töten, Bekämpfen oder Umsiedeln von Wespen denken, sollten Sie beherzigen, dass Wespen konsequent unter Naturschutz stehen. Es ist ganz generell nämlich verboten, Wespen zu töten. Zuwiderhandeln kann mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden. Neben der nicht immer eindeutigen Rechtslage, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, haben Wespen auch einen hohen ökologischen Nutzen. Einerseits vertilgen sie eine Vielzahl von schädlichen Insekten und zählen deswegen auch zu den Nützlingen. Andererseits dienen sie auch vielen Vögeln als wichtige Nahrungsquelle und sind alleine deswegen schon sehr schützenswert. Vor allem, wenn man den starken Rückgang der Artenvielfalt unter den Vögeln bedenkt.

Zu der Rechtslage sei noch gesagt, dass Wespen nur bei begründeter Gefahr bekämpft werden dürfen. Diese liegt zum Beispiel bei Menschen vor, die allergisch auf Wespenstiche reagieren. Wie die begründete Gefahr bei nicht allergischen Menschen aussieht, ist nicht ganz eindeutig. Die bloße Anwesenheit einer Wespe sollte aber kein triftiger Grund sein, um eine Wespe zu töten.

Wespenfallen: Erlaubt oder verboten?

Neben der Bekämpfung ist auch das Fangen der Wespen mit Wespenfallen verboten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Wespenfalle selbstgebaut oder erworben wurde. Schlussendlich sei nochmal gesagt, dass Wespen nicht grundlos angreifen und bei umsichtigem Verhalten sollte es auch keinen Grund geben, Wespen bekämpfen oder töten zu müssen. Nur in der direkten Nähe zu einem Wespennest sollten Sie Vorsicht walten lassen. Wespen werden ihr Nest immer verteidigen und schmerzhafte Stiche können dann die Folge sein.

Wespennest erkennen und entfernen

Manchmal kann es vorkommen, dass sich die Wespenkönigin ausgerechnet Ihren Balkon oder Ihren Garten als Bauplatz für ihr Nest ausgesucht hat. Dann muss sorgfältig abgewogen werden, ob Sie sich einen Sommer lang mit dem Nest arrangieren können oder ob es beseitigt werden muss. Für die Abwägung ist es wichtig, den Ort des Nestes und das Nest selbst genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wespennest mit Wespen

Achtung! Halten Sie immer genug Abstand zu einem Wespennest! [Foto: iStock/Eremeychuk Leonid]

Achtung: An dieser Stelle möchten wir aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass Sie immer einen Abstand von mindestens 3 Metern zum Nest einhalten sollten. Besonders die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe können sonst relativ aggressiv reagieren und auch vermehrt zustechen. Die Angriffslust der Wespen wird durch Erschütterungen, hektische Bewegungen und durch Berühren des Nestes stark erhöht. Werden diese Verhaltensregeln befolgt, sollte ein Aufenthalt in der Nähe des Nestes aber kein Problem darstellen.

Wespennest erkennen

Das Nest selbst kann viel über die dort lebende Wespenart verraten. Bei der Deutschen Wespe und der Gemeinen Wespe sollte das Nest im späteren Verlauf der Saison relativ groß sein. Zudem zeigt das Nest der beiden Arten typische halbkreisförmige Lufttaschen, während viele andere friedlichere Wespenarten kleinere Nester besitzen, deren Außenhüllen zudem oft quergestreifte Lufttaschen besitzen. Wenn sich das Nest freihängend in einer Hecke oder generell nicht im Dunkeln befindet, dann handelt es sich ebenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit um eine friedliche Wespenart. Befindet sich direkt unten im Nest das Einflugloch, wird es sich mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit um ein Hornissennest handeln. Hornissen gehören übrigens auch zu den Echten Wespen. Nach dieser Beurteilung sollten Sie grob einschätzen können, ob es sich um eine friedlichere oder aggressivere Wespenart handelt.

Daneben spielt auch die Jahreszeit eine Rolle, um beurteilen zu können, ob das Wespennest entfernt werden sollte. Im Spätsommer lohnt eine Bekämpfung meist nicht mehr, weil der Wespenstaat sowieso in einiger Zeit aufgelöst wird. Danach können eventuell die herumirrenden Arbeiterinnen kurzzeitig, bis zum ersten Frost, Ihre Nerven strapazieren. Sie fliegen ziellos umher auf der Suche nach Nahrung und verteilen sich dabei aber auch in einem großen Gebiet. Eine Bekämpfung des Wespennestes hilft zu diesem Zeitpunkt aber auch nicht mehr.

Wespennest entfernen

Wenn nun wirklich nichts mehr hilft und eine direkte Bedrohung für Sie oder andere Menschen vorliegt, sollte gehandelt werden. Als erstes müssen Sie eine Genehmigung beim zuständigen Naturschutzamt einholen, damit das Nest beseitigt werden darf. Wir raten davon ab, das Nest selbst umzusiedeln oder zu bekämpfen. Bei der Bekämpfung eines großen Wespenstaats können Sie sich ernsthaft in Gefahr bringen, da viele Wespenstiche und Stiche in der Halsregion durchaus gefährlich sein können.

Bei der Umsiedlung können auch Fehler gemacht werden, weswegen der Wespenstaat unter Umständen stirbt. Es bietet sich deswegen an, umliegende Naturschutzorganisationen und Imker zu fragen, ob diese sich um die Beseitigung des Nestes kümmern können. Hier werden Ihnen meistens kostengünstigere Angebote gemacht, als bei einem professionellen Schädlingsbekämpfer. Ob ein Nest umgesiedelt werden kann oder ob nur eine Bekämpfung sinnvoll ist, muss der Fachmann meist vor Ort entscheiden. Natürlich ist eine Umsiedlung und damit der Erhalt des Wespenstaats immer einer Bekämpfung vorzuziehen.

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