Tiefwurzler & Flachwurzler: Beispiele, Erklärung und Unterschied

Natascha
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Als Kind spielte ich in meiner Heimat Rheinlandpflanz täglich in der Grünanlage vor meiner Haustür. Dort wuchs mein Interesse zur Natur und der Wunsch, Naturforscherin zu werden. Mittlerweile studiere ich Gartenbauliche Phytotechnologie und schreibe aktuell meine Bachelorarbeit im Bereich Pflanzenschutz im Obstbau. Da ich in Berlin lebe, liegt mir besonders die Steigerung der Lebensqualität in Städten mithilfe von Pflanzen am Herzen.

Lieblingsobst: Feige, Maracuja, Beerenfrüchte, Limette und Orange
Lieblingsgemüse: Kartoffeln, Knoblauch, Tomaten, Gürkchen, Feldsalat und Rucola

Einige Bäume wurzeln tief ins Erdreich hinein, andere wiederum lassen ihre Wurzeln zu den Seiten sprießen. Mit diesem Wuchsverhalten sind Bäume an unterschiedliche Standortbedingungen angepasst.

Flache Baumwurzeln
Wurzeln sind meist unsichtbar für uns [Foto: YuichiMori/ Shutterstock.com]

Die Wurzel ist ein unverzichtbares Pflanzenorgan. Sie dient der Nährstoff- und Wasseraufnahme, aber auch der Standfestigkeit und beeinflusst sogar den Boden, in dem sie wächst. Das Wurzelsytem besteht einmal aus den älteren Skelettwurzeln, welche die Pflanze verankern und als Transportbahnen dienen. An ihren Enden finden sich dann die jüngeren Faserwurzeln. Nur diese bilden an den Spitzen feinste Wurzelhaare aus, welche Wasser und Nährstoffe teils selektiv und ganz gezielt aufnehmen können. Außerdem geben sie Stoffe, sogenannten Exsudate, an den Boden ab, um Nährstoffe verfügbar zu machen oder Mikroorganismen zu fördern. Je nachdem, welche Form das gesamte Wurzelgebilde hat, spricht man grob von Flach-, Tief- oder Herzwurzlern. Diese stellen wir nun genauer vor:

Flachwurzler und Tiefwurzler: Was ist das?

In der Botanik lassen sich zwei Hauptwurzeltypen unterschieden. Zum einen sind dies die Flachwurzler, deren Wurzelsystem sich nur oberflächlich rund um den Stamm ausbildet. Zum anderen die Tiefwurzler, deren Wurzeln sich tief hinein in den Erdboden bohren. Außerdem gibt es noch eine Mischform, die sogenannten Herzwurzler, wie Linde (Tilia) oder Buche (Fagus) es sind.

Es ist ein gewisser Zusammenhang zwischen der Anzahl der Keimblätter von Pflanzen und ihrer Wurzelentwicklung zu beobachten. Vornehmlich sind die Wurzeln der Monokotylen, also der einkeimblättrigen Pflanzen, homorhiz. Homorhizie beschreibt ein Wurzelsystem, das nur aus gleichwertigen Wurzeln besteht. Alle Wurzeln entwickeln sich somit direkt aus der Sprossachse und es entsteht ein faseriges Geflecht, welches eine feste Verankerung im Boden gewährleistet und versickerndes Regenwasser optimal aufnehmen kann.

Dem gegenüber steht die Allorhizie von Dikotylen, also zweikeimblättrigen Pflanzen. Hier ist eine eindeutig stärker entwickelte Hauptwurzel zu erkennen, deren Aufgabe es ist, Grundwasser und Nährstoffe zu lokalisieren. Von der Hauptwurzel aus zweigen sich weitere Nebenwurzeln ab. Beispiele hierfür sind Wurzelgemüse wie Möhre (Daucus carota) oder Chicorée (Cichorium intybus var. Foliosum). Die Flachwurzler bilden mehr als eine Hauptwurzel aus. So können sie felsige oder ufernahe Standorte besiedeln.

Sämling Gurkenpflanze
Sämling einer dikotylen Gurkenpflanze. Die beiden unteren Blätter sind die Keimblätter. Sie ähneln sich bei den meisten Pflanzen stark. Die Laubblätter hingegen unterscheiden sich meist deutlich [Foto: Werner Rebel/ Shutterstock.com]

Was sind Flachwurzler?

Als Flachwurzler werden Pflanzen bezeichnet, die ihre Wurzeln größtenteils horizontal in den oberen Schichten des Bodens ausbreiten. Nur wenige ihrer Seitenwurzeln wachsen senkrecht in den Boden. Die Tiefe der Wurzeln ist dabei abhängig von der Boden- und Pflanzenart, kann aber, wie beispielsweise im Fall der Fichte, zwischen 20 cm und 2 m liegen. Dem gegenüber steht die Größe des Wurzelballens, der bei älteren Bäumen dem Umfang ihrer Krone entspricht und sogar darüber hinauswachsen kann.

Flachwurzler trifft man meist auf sehr trockenen oder flachgründigen Böden an – oder auch dort, wo der Grundwasserspiegel nah unter der Bodenoberfläche liegt. Daher sind die meisten Sukkulenten der Halbwüste oder an Ufern wachsende Gräser Flachwurzler.

Der Vorteil, den Flachwurzler gegenüber Tiefwurzlern haben, besteht in dem direkten Zugang zu frischem Regenwasser und den dadurch eingeschwemmten Nährstoffen. Aufgrund der geringen Wurzeltiefe können diese aufgenommen werden, bevor sie in die tieferen Bodenschichten versickern. Dieser Vorteil besteht aber nur bei einer regelmäßigen Wasserzufuhr. In Trockenperioden haben die Pflanzen durch ihre kurzen Wurzeln keinen Zugriff auf das Grundwasser und es besteht Vertrocknungsgefahr. Als Vorkehrung bilden Flachwurzler daher häufig dickfleischige, wasserspeichernde, sogenannte sukkulente Blätter aus.

Große Baumwurzeln
Auf steinigem Untergrund können Wurzeln nicht anders, als oberflächlich zu wachsen [Foto: siambizkit/ Shutterstock.com]

Ein Nachteil der Flachwurzler ist jedoch ihre geringe Stabilität. Das flache Wurzelsystem bietet vor allem bei Sturm wenig Halt, weshalb die Bäume, die zu dieser Kategorie gehören, ein Risiko für Wohnhäuser oder Autos darstellen können. Daher sollte man bei der Pflanzung auf einen gewissen Abstand achten. Zudem sind sie für Straßen- oder Gehwegschäden bekannt. Hier wird ein Mindestabstand von 2,5 m empfohlen. Bei Mauerwerken sogar ein Abstand von 10 m.

Auf tonigen Böden, die bekannterweise viel Wasser speichern können, sind flachwurzelnde Pflanzen zu empfehlen. Ebenso neben Teich- oder sonstigen Wasseranlagen, die für einen feuchten Boden sorgen. Allerdings sind für sie Nährstoffvorräte in tieferen Bodenschichten nicht zu erreichen, weshalb viele Flachwurzler zusätzliche Düngergaben benötigen. Unser Plantura Bio-Universaldünger mit Langzeiteffekt eignet sich viele Sträucher, Blumen, Kräuter und Gemüse. Für Steingärten sind sukkulente Flachwurzler äußerst gut geeignet, da sie auch mit wenig Wasser zurechtkommen.

Tipp: Manche Bäume sind sowohl Flach- als auch Tiefwurzler. Sie entwickeln in jungen Jahren Pfahlwurzeln und wandeln diese später in ein flaches Wurzelsystem um – so beispielsweise der Walnussbaum.

Walnuss mit Wurzeln
Die Pfahlwurzel der Walnuss ändert sich nach einigen Jahren in ein flaches System [Foto: Denis Pogostin/ Shutterstock.com]

Was sind Tiefwurzler?

Als Tiefwurzler werden Pflanzen bezeichnet, die eine lange, robuste Hauptwurzel, auch Pfahlwurzel genannt, bilden. Diese wächst senkrecht in den Boden. Obwohl von ihrer Primärwurzel einige kleine Seitenwurzeln abzweigen, haben diese nicht die gleiche Funktion wie die der Flachwurzler. Ihr tiefes Wurzelsystem bietet einen konstanten Kontakt zum Grundwasser, weshalb trockene Gebiete keine Herausforderung für diese Pflanzen darstellen. Zudem verfügen Tiefwurzler im Gegensatz zu den Flachwurzlern über eine gute Stabilität und stellen somit eine geringere Gefahr bei Unwettern dar.

Für Gärtner empfehlen sich tiefwurzelnde Pflanzen auf sandigen, eher trockenen Böden. Die Wurzeln suchen sich selbstständig Wasser in tieferen Ebenen, sodass seltener gegossen werden muss. In feuchten, tonigen Böden hingegen besteht die Gefahr von Wurzelfäule. Gleiches gilt für Ufernähe. Bei solchen Standorten ist von Tiefwurzlern daher abzuraten.

Der Nachteil tiefwurzelnder Pflanzen besteht darin, dass eine Umpflanzung meist mit sehr viel Arbeit verbunden ist, denn ihre Wurzeln können beispielsweise bei Bäumen bis zu 40 m lang werden.

Tipp: Herzwurzler bilden ihre Wurzeln gleichmäßig in die Tiefe und Breite aus, sodass sie eine Mischform der beiden anderen Systeme darstellen. Betrachtet man ein Herzwurzelsystem im Querschnitt, wird man in etwa eine Herzform erkennen können.

Beispiele für Flachwurzler

  • Ahorn (Acer): Ahorn kommt als Flachwurzler, aber auch Herz- und Tiefwurzler vor.
  • Birke (Betula): Birken sind Flachwurzler und können sich auf so gut wie jedem Untergrund ansiedeln.
  • Birne (Pyrus communis): Birnen sind flachwurzelnde Obstbäume, worauf bei der Anlage einer Plantage unbedingt geachtet werden muss.
  • Esche (Fraxinus excelsior): Die Seitenwurzeln der Esche verlaufen nahe der Erdoberfläche.
  • Fichte (Picea): Auch Fichten sind Flachwurzler und besonders häufig von Windwurf betroffen.
  • Hortensien (Hydrangea): Kleinsträucher, die flach wurzeln, sind beispielsweise Hortensien.
  • Lavendel (Lavandula): Auch Lavendel ist ein flachwurzelnder Halbstrauch.
  • Liguster (Ligustrum): Um einen flachwurzelnden Liguster umpflanzen zu können, muss großflächig um den Strauch herum gegraben werden.
  • Sauerkirsche (Prunus cerasus): Die Wurzeln der Sauerkirsche entwickeln sich nur langsam.
  • Trompetenbaum (Catalpa bignonioides): Die Wurzeln des Trompetenbaums wachsen flach bis herzförmig.
  • Weiden (Salix): Weiden sind Flachwurzler, da sie häufig in Ufernähe mit hohem Grundwasserspiegel wachsen.
  • Zypressen (Cupressus): Zypressen sind flachwurzelnde Sträucher oder Bäume, die man häufig auf steinigem Untergrund antrifft.
Weiß blühender Liguster
Liguster blüht mit weißen bis cremefarbenen duftenden Blühten [Foto: minirwin/ Shutterstock.com]

Beispiele für Tiefwurzler

  • Amberbaum (Liquidambar): Der tiefwurzelnde Amberbaum wird in Gärten immer beliebter, bildet später aber Herzwurzeln aus.
  • Eibe (Taxus): Nach einigen Jahren bilden Eiben oberflächlich auch feine Wurzeln aus.
  • Eiche (Quercus): Dank ihrer tiefen Wurzeln ist die Eiche sehr robust.
  • Kiefer (Pinus): Die Annahme, Kiefern seinen Flachwurzler, ist falsch. Denn tatsächlich sind sie Tiefwurzler und bilden bis zu 10 m tiefe Pfahlwurzeln aus.
  • Linde (Tilia): Jungpflanzen der Linde haben Pfahlwurzeln, bei älteren Bäumen entwickelt sich ein Herzwurzelsystem.
  • Löwenzahn (Taraxacum): Als Wurzelunkraut bekannt, muss beim Löwenzahn stets die gesamte Pfahlwurze herausgezogen werden.
  • Rosen (Rosa): Rosen sind starkzehrende Gewächse, weshalb sie auch tiefe Wurzeln ausbilden. Um sie bei der Nährstoffaufnahme zu unterstützen, empfiehlt sich unser Plantura Bio-Rosendünger. Besonders der hohe Kaliumanteil sorgt für eine gute Winterhärte und bessere Widerstandskraft gegen Pilzkrankheiten.
  • Süßkirsche (Prunus avium): Die Süßkirsche ist ein tiefwurzelnder Obstbaum.
  • Tanne (Abies): Auch die zu den Kieferngewächsen (Pinaceae) zählenden Tannen sind Tiefwurzler.
  • Wacholder (Juniperus): Mit ihren bis zu 6 m tiefen Wurzeln beeindruckt die Wacholderhecke.
Reife Kirschen am Ast
Süßkirschen sind Tiefwurzler, Sauerkirschen hingegen wurzeln flach [Foto: Sergey Reshetnikov/ Shutterstock.com]

Wurzeln sind für die Wasser- und Nährstoffaufnahme von Pflanzen zuständig. Doch wie bewässert man Pflanzen richtig? Das können Sie in unserem Artikel zum Thema Pflanzen gießen erfahren.

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