Lebensmittelmotten: erkennen, vorbeugen und bekämpfen

Alles zu Lebensmittelmotten: Wie Sie den Befall erkennen, die Larven vorbeugen und bekämpfen und Infos zu Nützlingen, sowie dem Hausmittel Essig.

Dörrobstmotte Lebensmittelmotte

Die Dörrobstmotte gehört auch zur unbeliebten Gruppe der Lebensmittelmotten [Foto: Donald Hobern]

So erkennen Sie einen Befall von Lebensmittelmotten

Der Begriff Lebensmittelmotte, Küchenmotte oder Speisemotte umfasst mehrere Schädlinge, die allerdings relativ gleich aussehen. Im engeren Sinne gehört zu den Lebensmittelmotten die Dörrobstmotte (Plodia Interpunctella), die Mehlmotte (Ephestia kuehniella) und die Speichermotte (Ephestia elutella). Wir können Ihnen an dieser Stelle aber schon mal verraten, dass für die Vorbeugung und Bekämpfung nicht zwingend eine Unterscheidung der Mottenarten erforderlich ist. Ein Befall durch Lebensmittelmotten kann einmal durch kontaminierte Lebensmittel zustande kommen, die leider hin und wieder durch den Handel in Umlauf geraten. Eine andere Möglichkeit ist der Zuflug von erwachsenen Küchenmotten, der für die befallenen Lebensmittel verantwortlich ist. In beiden Fällen ist es nicht zwingend notwendig, dass Sie auch die erwachsenen Motten zu Gesicht bekommen. Denn der eigentliche Schaden an den Lebensmitteln wird durch die Larven der Lebensmittelmotte angerichtet.

Larve Dörrobstmotte Lebensmittelmotte

Die LArven der Motten richten den eigentlichen Schaden an den Lebensmitteln an [Foto: U.S. Department of Agriculture]

Wenn Lebensmittel wie Getreide, Mehl, Nüsse, Schokolade oder Tee falsch aufbewahrt werden, können die Larven schnell einen Zugang finden und die Lebensmittel ungenießbar machen. Dafür sind aber nicht die Larven direkt verantwortlich, denn diese sind an sich völlig ungiftig: Vielmehr sind es der Larvenkot und die Gespinste der Larven. An den Gespinsten erkennen Sie übrigens auch am besten einen Befall durch Lebensmittelmotten. Hängen zum Beispiel einige Getreidekörner wie durch Zauberhand an der Verpackung oder bilden sich Klumpen in Mehl oder Getreide, ist das ein sicheres Zeichen für vorhandene Gespinste.

Leider führen die Gespinste und der Larvenkot auch zu weiteren Kontaminierungen der Lebensmittel. So können Pilze und Milben durch die Hinterlassenschaften der Larven die Lebensmittel weiter verunreinigen. Da unter den Pilzen auch Schimmelpilze sein können, gehören die befallenen Lebensmittel direkt in die Mülltonne. Auch die Larven selbst sind in den Lebensmitteln gut zu sehen. Nur direkt nach dem Schlüpfen sind sie noch so klein, dass sie für das menschliche Auge im Prinzip nicht sichtbar sind. Die Raupen entwickeln sich aber schnell weiter und sind dann bei Längen von bis zu 1,7 cm gut erkennbar. Sie werden aber keine schönen Raupen finden, wie Sie es von Schmetterlingen gewohnt sind. Die unscheinbaren Larven der Lebensmittelmotten ähneln viel eher unspektakulären Maden.

Steckbrief zu den Lebensmittelmotten

Die verschiedenen Arten der Lebensmittelmotten sehen zwar alle etwas unterschiedlich aus, trotzdem lassen sie sich sehr gut von den ebenfalls bekannten Kleidermotten unterscheiden. Denn die Lebensmittelmotten sind strohgelb-silbrig und besitzen weder Muster noch Flecken. Die Küchenmotten besitzen hingegen immer einige Flecken oder braune Muster. Letzte Zweifel sollten die hier zur Verfügung gestellten Bilder aus dem Weg räumen. Die ausgewachsenen Larven der Lebensmittelmotten können zwischen 1,1 und 1,7 cm groß werden. Wenn sie ausgewachsen sind, verlassen sie die Nahrungsquelle und legen teilweise sehr lange Strecken zurück.

Speichermotte Lebensmittelmotte

Auch die Speichermotte möchte man nicht in der Küche haben [Foto: Donald Hobern]

An einem möglichst dunklen und trockenen Ort verpuppen sich die Tiere dann, um als Falter (0,4 – 14 cm Körpergröße) für die neue Generation zu sorgen. Je nach Art der Lebensmittelmotten können zwischen 50 und 400 Eier gelegt werden. Ein einzelnes Weibchen kann also bereits zu großen Problemen in der Speisekammer führen. Die zu den Zünslern gehörenden Schmetterlinge brauchen für ihre komplette Entwicklung insgesamt 30 – 380 Tage. Bei warmen Temperaturen entwickeln sich die Falter wesentlich schneller, während bei kalten Temperaturen die Entwicklung stark verzögert werden kann. Teilweise kann die Entwicklung mit niedrigen einstelligen Temperaturen auch komplett gestoppt werden. Denn die Dörrobstmotte und die Mehlmotte sind eher an wärmere Regionen wie das Mittelmeer angepasst.

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Speisemotten

Die häufigste Ursache für einen Befall sind Lebensmittel, die in ihren Ursprungsverpackungen verbleiben. Plastikfolien oder Papier- und Pappverpackungen stellen kein Hindernis da. Dort wird von den Larven einfach ein kleiner Zugang gefressen, um an die Lebensmittel zu gelangen. Steigen sie lieber auf luftdichtschließende Glas-, Keramik- oder dicke Plastikbehälter um. Nur so können sie die gefräßigen Larven von Getreide & Co fernhalten. Selbst ein einfacher Gewindeverschluss bietet nicht zu 100 % Schutz, da die kleinen Larven auch diesen überwinden können.

Aufbewahrung von Mehlr reis in luftdichten Behältern

Luftdicht verschlossen sind Ihre Nahrungsmittel gut geschützt vor Mehlmotten [Foto: NY State IPM Program at Cornell University]

Aber auch die besten Aufbewahrungsgefäße helfen nicht, wenn die Schädlinge bereits beim Einkauf in den Lebensmitteln stecken. Zum Glück passiert das sehr selten. Wenn Sie schon öfters Probleme mit Lebensmittelmotten hatten, dann sollten Sie Fallen aufstellen, nur so lässt sich ein Befall schnell und einfach erkennen. Die dafür eingesetzten Pheromon-Tafeln enthalten ein für männliche Motten unwiderstehlichen Geruchsstoff. Fliegen die männlichen Motten zu der Tafel bleiben sie dort wie an einer gewöhnlichen Gelbtafel kleben. So ist es leicht, einen Befall durch die unliebsamen Motten schnell zu identifizieren. Wir möchten an dieser Stelle aber auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass mit den Pheromon-Tafeln nur ein Befall entdeckt werden kann. Für eine effektive Bekämpfung eignen sich die Tafeln nicht. Außerdem lohnt es sich, problematische Lebensmittel möglichst kühl zu lagern. Denn kühle Orte sind nicht der optimale Entwicklungsraum für Lebensmittelmotten.

Folgende Produkte haben sich in unserer Küche bewährt:

Bekämpfung der Küchenmotten

Wurde ein Befall entdeckt, sollten zunächst alle Lebensmittel auf Larven und Gespinste kontrolliert werden. Betroffene Lebensmittel sollten grundsätzlich entsorgt werden. Weil sich die Tiere aber im Hausmüll weiter entwickeln können, sollten die lästigen Biester vorher abgetötet werden. Das geschieht am besten in der Tiefkühltruhe. Dort müssen die Lebensmittel für drei Tage eingefroren werden und erst danach können die Lebensmittel dem Hausmüll zugeführt werden.

Ein weiteres Problem sind die Eier der Motten. Da sie für uns aufgrund der Größe nicht sichtbar sind, muss nach jedem Befall die Vorratskammer oder die Vorratsschränke gründlich mit einer Essig-Wassermischung geputzt werden. Durch das Hausmittel Essig werden die Motteneier vernichtet. Bei besonders hartnäckigen Fällen helfen allerdings nur andere Insekten. Es handelt sich dabei um die Schlupfwespe (Trichogramma Evanescens oder Habrobracon hebetor), die als Nützlinge bereits sehr populär sind. Wenn der Schädlingsherd nicht genau lokalisiert werden kann, eignet sich besonders die Schlupfwespe Habrobracon hebetor, da sie problemlos auch längere Strecken zurücklegen kann.

Mehlmotte adultes Tier

Ein unbeliebter Gast mitten in den Lebensmitteln [Foto: Andy Reago & Chrissy McClarren]

Wichtig beim Einsatz der Nützlinge ist vor allem eine Temperatur, bei denen sich die Nützlinge wohlfühlen. Zudem müssen die Nützlinge über einen längeren Zeitraum ausgebracht werden, weil ansonsten nicht alle Motten erfasst werden. Hält man sich dabei aber strikt an die Empfehlungen der Hersteller, beseitigen die winzigen Schlupfwespen alle Lebensmittelmotten. Die kleinen Schlupfwespen werden meistens gar nicht bei ihrer Arbeit bemerkt und verschwinden sobald es keine Lebensmittelmotten mehr gibt. Natürlich könnten auch Insektensprays oder andere Spritzmittel helfen, allerdings raten wir strikt davon ab. Denn sie müssten die Mittel in unmittelbarer Nähe zu Ihren Lebensmitteln benutzen. Die biologische Bekämpfung mit den Schlupfwespen ist unserer Ansicht nach auf jeden Fall die bessere Alternative.

Ein besonderer Dank an die Photographen: Andy Reago & Chrissy McClarren, NY State IPM Program at Cornell University,Donald Hobern, U.S. Department of Agriculture und David Short.

Steffi

Die Studentin der Agrarwissenenschaften hat sich schon sehr früh für regionale und saisonale Ernährung interessiert. Deswegen versucht sie sich auch im Anbau von Gemüse und Kräutern im eigenen Garten - mit Erfolg. Als begeisterte Hobbyköchin probiert sie gerne neues und exotisches aus.