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Umfallkrankheit bei Sämlingen: Ursache & Maßnahmen

Umfallkrankheit: Wie Sie das Schadbild erkennen, dem Pilzbefall vorbeugen und Ihre Sämlinge schützen können.

gesunde Tomatensämlinge ohne umfallkrankheit

Der kurze Spross steht für eine gute Lichtversorgung, d.h. eine gesunde Pflanze [Foto: Aris Papachristou]

Keimlinge knicken, fallen um und gehen ein

Wenn Ihre frisch gekeimten Sämlinge plötzlich den Kopf hängen lassen oder direkt umkippen, dann kann eine Pilzinfektion dafür verantwortlich sein. Für das Umfallen und anschließende Eingehen der Jungpflanzen ist die Umfallkrankheit (Syn.: Auflaufkrankheit, Schwarzbeinigkeit, Wurzelbrand, Saatbeetfäulnis) verantwortlich. Eine ganze Reihe unterschiedlicher Pilzerreger, wie Fusarium und Botrytis löst diese Krankheit aus. Liegen die Sämlinge komplett auf der Erde und haben zusätzlich noch einen kränklich aussehenden Stiel in Bodennähe, dann lautet die Diagnose leider mit hoher Wahrscheinlichkeit Umfallkrankheit. Die kränkliche Stelle kann verschrumpelt, bräunlich oder eingeschnürt aussehen. Besonders häufig sind wärmeliebende Kulturen wie Tomaten, Gurken, Basilikum und Chili von der Auflaufkrankheit befallen. Übrigens: Die Erreger sind auch oft in der Lage, Stecklinge dahinzuraffen.

Weitere Ursache für umfallende Sämlinge

Neben den schädlichen Pilzen gibt es oft auch eine ganz andere Erklärung für umfallende Keimlinge. Meistens passiert das im Frühjahr, wenn man die ersten Gemüsepflanzen für die Gartensaison auf dem Fensterbrett vorzieht. Bei schlechten Lichtverhältnissen, also vor allem am Nordfenster, vergeilen die Jungpflanzen dann. Beim Vergeilen bekommt die Pflanze nicht genug Sonnenlicht und wächst stark in die Länge. Die ganze Wachstumskraft wird dann für das Stängelwachstum gebraucht. Betroffene Pflanzen haben dadurch kleine Keimblätter und gleichzeitig einen sehr weichen und langen Spross. Steht zum Beispiel ein Tomatensämling auf einer Fensterbank mit sehr wenig Sonneneinstrahlung, wird der Keimling so lange in die Höhe wachsen, bis er umkippt. Solche Pflanzen sind generell anfälliger und meistens knicken sie nach dem ersten Windstoß dann komplett um. Mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen kann man dem Vergeilen aber entgegenwirken: Warten Sie mit der Anzucht ihrer Jungpflanzen, bis der sonnige Frühling wirklich da ist. Auch bei einer zu engen Aussaat kommt es dazu, dass sich die kleinen Pflanzen gegenseitig das wertvolle Licht rauben. Die Vergeilung kann man im Übrigen auch mit kühlen Temperaturen bremsen. Viele Jungpflanzen fühlen sich auch noch bei 15-18 °C wohl. Die Sämlingsanzucht sollte bei schlechten Lichtverhältnissen deswegen nicht im warmen Wohnzimmer (25 °C) stattfinden. Als Faustregel können sie sich merken: Je wärmer eine Pflanze steht, desto mehr Licht benötigt sie auch.

Lichtmangel an Spross Umfallkrankheit gefahr

Der lange Spross zeigt bereits einen moderaten Lichtmangel [Foto: Cheryl DeWolfe]

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Umfallkrankheit

Da befallene Jungpflanzen kaum noch zu retten sind, sollte das Augenmerk auf die Vorbeugung gelegt werden. Wenn einige Hinweise zur Kultur berücksichtigt werden, macht die Umfallkrankheit keine Probleme mehr.  Weil die schädlichen Pilze eine feuchte und gleichzeitig warme Umgebung mögen, sollte man diese Kombination vermeiden. Die Temperatur muss den Bedürfnissen der Sämlinge angepasst werden und die mögen es nun mal meistens auch warm. Vor allem die Luftfeuchte sollte durch regelmäßiges Lüften immer wieder gesenkt werden. Viele Hobbygärtner umgarnen ihre Jungpflanzen regelrecht. Dabei werden die Jungpflanzen oftmals zu viel gegossen oder ständig mit Wasser aus der Sprühflasche benetzt. Durch so eine Kulturführung finden auch Pilze optimale Lebensbedingungen. Damit die Pilze von unseren empfindlichen Sämlingen fernbleiben, haben wir für Sie einige Tipps zusammengestellt:

  1. Finger weg von der Sprühflasche! Pflanzen, auch Jungpflanzen, müssen nicht ständig nass sein. In der Regel mögen die meisten Pflanzen ständige Feuchtigkeit auch überhaupt nicht.
  2. Wenn Sie ein Minigewächshaus zur Anzucht benutzen, dann vergessen Sie nicht das regelmäßige Lüften. Als Faustregel gilt, je älter die Jungpflanze, desto öfter und länger sollte gelüftet werden. Eine pauschale Lüftungsdauer gibt es leider nicht, hier ist etwas Fingerspitzengefühl und Übung gefragt.
  3. Optimalerweise gießt man die Pflänzchen nur von unten. Denn dadurch bleiben zum Einen die Pflanzen trocken und zweitens wird auch die oberste Erdschicht nicht zu nass. Dort an der obersten Erdschicht entwickeln sich viele der schädlichen Pilze besonders gut. Es reicht auch für die allermeisten Jungpflanzen aus, wenn die oberste Erdschicht leicht feucht ist. Durchdringende Nässe schadet hier nur.
  4. Die richtige Auswahl der Erde spielt für Sämlinge eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es ist generell empfehlenswert, Anzuchterde zu benutzten. Sie ist arm an Keimen und schön locker, dadurch kann überflüssiges Wasser schnell abfließen (das geht natürlich nur mit vorhandenen Abflusslöchern!). Wer auf Nummer sicher gehen will kann seine Erde auch dämpfen, um mögliche Pilzerreger abzutöten. Das funktioniert in der Mikrowelle und dauert ca. 15 Minuten oder Sie geben die Erde für 30 Minuten und 200 °C in den Backofen. Damit die Dämpfung auch Erfolg verspricht, darf die Erde bei dem Sterilisierungsvorgang nicht trocken sein.

Nach dem Pilzbefall sterben zuerst Zellen in den Stängeln ab und die Pflänzchen fallen um [Foto: HelloDecember/ Shutterstock.com]

Folgende Produkte haben sich bei unseren Jungpflanzen bewährt:

  • COMPO SANA Anzucht- und Kräutererde: Hochwertige Spezialerde für eine sichere Keimung und ein kräftiges Wachstum. Die besonders feine, lockere Struktur sorgt für eine gute Wasseraufnahme.
  • Windhager Anzuchttöpfe Torf: Aus natürlichem Weißtorf mit Spurennährstoffe. Sorgt für ein kontrolliertes Wachstum der Steckling.
  • Gardman Anzuchttröge: Anzucht-Set mit 3 Schalen, 3 Deckel und 3 Einschübe mit 40 Zellen aus leichten, wiederverwendbaren Plastik.

Umfallkrankheit richtig bekämpfen

Es wäre zwar schön, wenn befallene Sämlinge noch gerettet werden könnten, dem ist aber nicht so. Die kleinen Pflanzen sind noch viel zu empfindlich, um sich nach einem Pilzbefall wieder zu regenerieren. Aus diesem Grund sollten Sie kranke Jungpflanzen unverzüglich entfernen, damit sich die Pilzerkrankung nicht weiter ausbreiten kann. Säen Sie vorsichtshalber lieber ein paar Samen mehr aus, dann können Sie mit dem Verlust einiger Jungpflanzen auch gut leben.

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