Urin als Dünger: Sinnvoll oder einfach nur eklig?

Eignet sich menschlicher Urin für das Düngen von Pflanzen? Was für und gegen das Düngen mit unserem Urin spricht, erfahren Sie hier.

Urine Urin Schild

Urin als Dünger? Sinnvoll oder eklig? [Foto: Ajay Tallam]

Damit eine Pflanze wachsen kann, braucht sie vier essentielle Dinge: Licht, Wasser, CO2 und Nährstoffe. Zu den Nährstoffen gehören vor allem Stickstoff, Phosphat und Kalium. Diese Nährelemente werden den Pflanzen auf dem Acker meist in Form von Kunstdünger zur Verfügung gestellt. Für Kunstdünger werden aber Unmengen an Energie benötigt, damit zum Beispiel Stickstoff aus der Luft in eine Form umgewandelt wird, die für Pflanzen verwertbar ist. Aus diesem Grund ist der Einsatz von mineralischen Kunstdüngern nicht gerade gut für die Umwelt. Der Gedanke, unsere Pflanzen einfach mit menschlichen Urin zu versorgen, klingt natürlich nicht unbedingt appetitlich.  Abwegig ist die Frage jedoch nicht, schließlich düngen wir unsere Pflanzen mit den Hinterlassenschaften von Vögeln und Kühen (Guano und Gülle) – warum dann nicht auch mit unserem Urin?

Warum eignet sich menschlicher Urin als Dünger?

Der menschliche Urin hat in unserem Körper eine zentrale Aufgabe – die Beseitigung von Stoffwechselabbauprodukten. Vor allem die Abbauprodukte von Proteinen gelangen in Form von Harnstoff über den Urin aus unserem Körper. Harnstoff besteht fast zu 50 % aus Stickstoff und ist damit ein extrem konzentrierter Stickstoffdünger. Selbst unsere heutigen Kunstdünger können da nicht mithalten.

Um die Stickstoffmenge etwas zu verbildlichen hier ein Beispiel: Ein erwachsener Mensch produziert täglich 20 g Harnstoff. Mit dieser Menge könnten über 3 kg Tomaten produziert werden. Auf die gesamte deutsche Bevölkerung übertragen und über das ganze Jahr gerechnet wären das 9 Millionen Tonnen Tomaten! Neben dem sehr hohen Stickstoffgehalt enthält menschlicher Urin auch viel Phosphat, Kalium und Calcium. Beurteilen wir den menschlichen Urin nur nach den für Pflanzen relevanten Nährstoffen, wäre er verdünnt ein perfekter Dünger.

Welche Gefahren birgt das Düngen mit menschlichem Urin?

Leider ist es doch nicht so einfach, mit unserem Urin zu düngen. Denn der Einsatz birgt viele Gefahren – einerseits für die gedüngte Pflanze, aber auch für uns. Erstmal gibt es ein ganz banales Problem: Sobald der Urin unsere Blase verlassen hat, machen sich Abermillionen Bakterien an ihm zu schaffen. Dabei wird Ammoniak freigesetzt und es bildet sich der stechende, wenig appetitliche Uringeruch. Außerdem ist es eine Mär, dass menschlicher Urin keimfrei ist. Wenn damit gedüngt wird, gelangen auch immer Bakterien an die gedüngten Pflanzen. Ob diese Bakterien nun gefährlich sind, können wir aber nicht mit Gewissheit sagen.

Mit dem Urin können natürlich auch Medikamentenrückstände und andere unschöne Substanzen in die Erde der gedüngten Pflanze gelangen. Dazu kann auch Kochsalz gehören, denn je nachdem wie wir uns ernähren, kann im Urin auch eine nicht unerhebliche Menge Salz sein. Wie wir wissen, mögen die meisten Pflanzen überhaupt kein Salz und segnen schnell das Zeitliche bei einer Überdosis Salz. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der pH-Wert von Urin. Die meisten Pflanzen bevorzugen einen pH-Wert zwischen 5,5 und 7,0. Bei unserem Urin kann der pH-Wert aber stark zwischen 4,6 und 7,5 schwanken ( und das täglich!). Der pH-Wert von 4,6 gefällt vielleicht Moorbeetpflanzen wie dem Rhododendron, aber die meisten anderen Pflanzen werden mit diesem pH-Wert dauerhaft nicht zurechtkommen.

Urin als Dünger: Potential für die Zukunft

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unser Urin nicht unbedingt geeignet ist, um Pflanzen dauerhaft zu düngen. Es soll aber auch nicht das Bild entstehen, dass jede Gartenpflanze gleich tot umfällt, sobald sich jemand an ihr erleichtert hat. Wir sehen in der Zukunft auf jeden Fall ein großes Potential im menschlichen Urin, insofern der nährstoffreiche Dünger vor seiner Verwendung aufbereitet wird. Keime könnten abgetötet werden und unerwünschte Stoffe wie Kochsalz lassen sich relativ einfach entfernen. Es wird bereits an Urinaufbereitungsanlagen geforscht, damit menschlicher Urin großflächig als wertvoller Dünger eingesetzt werden kann. Dadurch könnte der Einsatz von Kunstdünger reduziert werden, was zur Folge hätte, dass die Umwelt insgesamt stark geschont werden würde.

Urin Probe in Glas

Urin als Dünger könnte eine potentielle Alternative zu künstlichen Düngern werden [Foto: PJ Nelson]

Ein besonderer Dank an die Photographen:Ajay Tallam, SuSanA Secretariat, PJ Nelson und Knowtex.

Dominic

Student der Gartenbauwissenschaften und seitdem ich denken kann gehört der eigene Gemüsegarten zum Sommer einfach dazu. Meine ersten Wassermelonen habe ich mit 7 Jahren geerntet. Besonders interessant finde ich die Interaktion von Pflanzen mit anderen Lebewesen und der Umwelt.
Mein Lieblingsobst: Definitiv Avocado!
Mein Lieblingsgemüse: Alles, nur Rosenkohl ist nicht mein Ding.