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Estragon: Das mehrjährige Kraut im eigenen Garten

Den würzigen Estragon gibt es in verschiedenen Varietäten. Wir stellen den Estragon vom Anbau im eigenen Garten bis zur Verwendung in der Küche vor.

erntereifer Estragon ohne Blüten im Garten

Vor allem in Italien und Frankreich ist das würzige Kraut sehr beliebt [Foto: J.D. FalkCC BY 2.0]

Estragon (Artemisia dracunculus) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Damit ist das mehrjährige Kraut zum Beispiel mit dem Löwenzahn (Taraxacum) verwandt. Die charakteristische Blüte erscheint in einem gelb-grünen Farbton in den Monaten Mai bis Juni. Beim Anbau im Beet und unter günstigen Bedingungen kann er eine Wuchshöhe von bis zu 150 cm erreichen – und das in nur einem Jahr. Denn das in Sibirien und Asien beheimatete Kraut wird zum Winter hin abgeschnitten. Der im Handel erhältliche gerebelte oder frische Estragon wird zumeist in den Niederlanden oder in der Balkanregion angebaut. Dabei erfreut sich das würzige Kraut, das eine feine Anisnote kennzeichnet, vor allem in der italienischen und französischen Küche großer Beliebtheit. Drei verschiedene Typen des Estragons werden hauptsächlich angebaut – der russische, französische oder deutsche Estragon. Welche Vorlieben die einzelnen Varietäten des Estragons haben und welche Eigenschaften sie ausmachen, erfahren Sie im Folgenden.

Estragon anbauen: Das würzige Kraut im eigenen Garten

Standort
Am liebsten hat der Estragon einen sonnigen, allerdings windgeschützten Standort. Auch mit Halbschatten kommt er zurecht und gelegentliche Trockenheit macht ihm nichts aus, sofern er nicht vollständig austrocknet. Grundsätzlich ist jedoch ein feuchter, aber dennoch durchlässiger Boden besser für das mehrjährige Kraut. Der Boden darf jedoch nicht zu Staunässe neigen. Ist das der Fall, kann man beispielsweise Sand in den Boden einarbeiten und ihn so auflockern und seine Durchlässigkeit fördern.

Estragon im Topf anbauen

Estragon lässt sich problemlos auch im Topf anpflanzen [Foto: Andy RobertsCC BY 2.0]

Estragon kann auf Balkon und Terrasse auch im Kübel angebaut werden. Dann bleibt er allerdings kompakter im Wuchs und um das Gießen zu erleichtern, ist das Pflanzgefäß von Beginn an in einer ausreichenden Größe zu wählen.

Vermehrung
Wie der Estragon vermehrt wird, ist abhängig von der Varietät. Der russische Estragon (Artemisia dracunculus var. inodora) kann über Aussaat vermehrt werden. Diese erfolgt im März oder April.  Dann werden die Samen zunächst in einer Vorkultur im Haus vorgezogen und ab Mai ins Freiland gepflanzt. Die Anzucht von Jungpflanzen im Haus ist allerdings nicht zwingend erforderlich. Der Samen des russischen Estragons kann auch einfach ab Ende April ins Freiland ausgesät werden. Zu beachten ist jedoch, dass es sich bei Estragon um einen Lichtkeimer handelt und das Saatgut deshalb nicht mit einer Substratschicht bedeckt werden darf.

Der französische (Artemisia dracunculus var. sativus) und deutsche Estragon (Artemisia dracunculus cv.) hingegen können nicht über Samen vermehrt werden, da sie keine ausbilden. Deshalb werden diese zwei Varietäten entweder über Teilung einer Pflanze im Frühjahr oder durch Stecklinge vermehrt. Die Stecklinge werden im Sommer geschnitten und bei hoher Luftfeuchtigkeit zum Beispiel in einen Anzuchtkasten mit einer durchsichtigen Haube gesteckt. Sobald sich die ersten Wurzeln bilden, werden die Stecklinge langsam an eine Umgebung mit geringerer Luftfeuchtigkeit gewöhnt, indem die Haube des Anzuchtkastens nach und nach immer länger heruntergenommen wird.

Wir haben für Sie auch eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Estragonanbau.

Wir von Plantura empfehlen folgende Produkte:
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Gießen und Düngen
Gerade wenn der Estragon im Topf angebaut wird, muss er fürsorglich gegossen werden. Er sollte nämlich in keinem Fall vollständig austrocknen. Deshalb muss er bei anhaltender Trockenheit auch gelegentlich gegossen werden, wenn er ins Beet ausgepflanzt worden ist – insbesondere, weil der Estragon auch nur ein sehr flaches Wurzelsystem ausbildet und daher nicht die tiefreichenden Wasserreserven im Boden erreichen kann.

Russischer Estragon im Topf

Russischen Estragon können Sie als Jungpflanze erwerben oder über Samen selbst aussäen [Foto: Serres FortierCC BY 2.0]

In der Topfkultur sollte ein gut gedüngtes Substrat verwendet werden. Während des Hauptwachstums bis zum Juni rät es sich, gelegentlich alle drei bis vier Wochen mit der Bewässerung ergänzend zu düngen. Wird der Estragon im Mai ins Beet ausgepflanzt, kann der Boden einige Wochen zuvor mit Kompost oder organischen Düngern wie Hornspäne oder Knochenmehl vorbereitet werden, um die Nährstoffversorgung des Estragons zu gewährleisten.

 

Pflegen
Welche Pflanzen in unmittelbarer Nachbarschaft des Estragons hausen, kann schon über den Erfolg im Anbau des Korbblütlers entscheiden. So ist Thymian (Thymus vulgaris) in der Nähe des Estragons förderlich, mit Dill (Anethum graveolens) hingegen versteht er sich gar nicht gut.

gelbe Blüte Estragon im Garten

Die Blüte des Estragon setzt einen kräftigen Farbakzent in Ihrem Kräuterbeet [Foto: Dick CulbertCC BY 2.0]

Im Herbst wird Estragon etwa fünf bis zehn Zentimeter oberhalb der Bodenoberfläche abgeschnitten. Zur Überwinterung wird die Pflanze mit Reisern, Laub oder Tannenzweigen zum Schutz vor Kälte abgedeckt. Pflanzen, die im Topf kultiviert werden, sind über die kalte Jahreszeit ins Haus zu stellen oder in Gartenvlies einzuhüllen. Auch wenn der deutsche Estragon, der etwas robuster ist als die übrigen beiden Varietäten, sollte dennoch vor frostigen Temperaturen geschützt werden. Das erleichtert auch den Neuaustrieb im folgenden Frühjahr.

Estragon: Drei Varietäten mit verschiedenen Eigenschaften

Innerhalb der Art des Estragons sind drei verschiedene Varietäten zu unterscheiden, die vornehmlich im heimischen Garten Platz finden.

  • Russischer Estragon (Artemisia dracunculus inodora)
    Der russische Estragon ist relativ anspruchslos und käme auch mit ärmeren, kargen Böden zurecht. Er wird eher seltener angebaut, da er durch seine herbe Note nicht jedermanns Geschmack trifft. Allerdings ist er die einzige Varietät, die einfach über Samen vermehrt werden kann.
  • Französischer Estragon (Artemisia dracunculus sativus)
    Der französische Estragon ist im charakteristischen Estragon-Aroma am intensivsten. Er wird in der traditionellen Sauce Bernaise verwendet und verträgt immerhin Temperaturen bis -10 °C. Da er keine Samen ausbildet, muss er über Teilung oder Stecklinge vermehrt werden.
  • Deutscher Estragon (Artemisia dracunculus)
    Beim deutschen Estragon handelt es sich um die robusteste der drei Varietäten. Er verträgt die winterlichen Temperaturen am besten, muss allerdings über Stecklinge vermehrt werden, da er keine Samen ausbildet.

Die Samen des russischen Estragons sind einfach im Handel erhältlich. Will man jedoch die anderen beiden Typen des Estragons selbst vermehren, so muss man Zugang zu einer entsprechenden Pflanze haben. Im gut sortierten Fachhandel und in Gärtnereien sind die über Teilung und Stecklinge zu vermehrenden Varietäten jedoch erhältlich.

Estragon richtig ernten und lagern

Estragon ernten
Um in den Genuss des Estragons zu kommen, werden die Blätter oder jungen Triebe einfach entnommen. Die Ernte ist das ganze Jahr über möglich, am besten erfolgt sie jedoch vor der Blüte. Mit Eintreten der Blüte nimmt nämlich der Gehalt an geschmackgebenden Stoffen und folglich das Aroma des Estragons ab. Die Triebe werden einfach in einer Länge von bis zu 30 cm abgeschnitten. Es sollte jedoch nie die ganze Pflanze auf einmal abgeerntet werden. Durch die regelmäßige Ernte kann die Blüte des Estragons nämlich hinausgezögert und so der Zeitraum, in dem aromareiches Material geerntet werden kann, verlängert werden.

Estragon lagern
Der Estragon kann auf unterschiedliche Weise gelagert werden. So hat man sein Aroma über das ganze Jahr zur Verfügung.

  • Estragon einfrieren
    Werden die Blätter nach der Ernte von den Stielen gezupft, können sie in Eiswürfelformen gefüllt und mit ein wenig Wasser eingefroren werden. Die Estragon-Eiswürfel sind in handlichen Portionen jederzeit über Monate verfügbar und können einfach und handlich verwendet werden.
  • Estragon trocknen
    Estragon kann auch getrocknet werden, allerdings verliert er dann ein wenig an Aroma. Zudem sollten ausschließlich die gezupften Blätter getrocknet werden, da sich ansonsten die Aromastoffe in den Stängeln anreichern, welche nicht verwendet werden können.
  • Estragon einlegen
    Ganze Triebe des Estragons können auch prima in Öl eingelegt werden. Am besten verwendet man dazu ein natives Olivenöl. Wichtig ist, dass die Triebe vollständig vom Olivenöl umgeben sind, da sich ansonsten schnell Schimmelpilze bilden. Das Öl nimmt die Aromen des Estragons auf und kann so zum Würzen oder Kochen verwendet werden. Zwei Wochen sollten die Estragontriebe im Öl durchziehen. In gleicher Weise kann auch mit Essig verfahren werden.

Mehr zur richtigen Ernte und Lagerung finden Sie hier.

Estragon: Verwendung in der Küche und als Heilkraut

Estragon erfreut sich vor allem in der französischen und italienischen Küche großer Beliebtheit. Das leichte Anisaroma eignet sich prima zum Würzen, beispielsweise von Fleischgerichten oder Ei- und Käsespeisen. Der aromareiche französische Estragon ist Bestandteil der klassischen Sauce Bernaise. Estragon kann auch ruhig mitgekocht werden – das Aroma wird durch das Kochen nicht wie bei anderen Kräutern vermindert. Teilweise wird empfohlen, dass beim Würzen mit Estragon ausschließlich dieses Kraut zum Würzen hinzugezogen und nicht mit anderen Kräutern kombiniert wird. Ob das sinnvoll ist, muss wohl jeder selbst für sich austesten.

Estragon wird nicht nur in der Küche verwendet, auch als Heilkraut soll es Wirkung zeigen. So regt es generell die Verdauung schwerer Speisen an und fördert den Appetit. Des Weiteren soll er leichten Zahnschmerzen entgegenwirken.

Der Gebrauch von Estragon steht aufgrund des Inhaltsstoffes Estragol seit einigen Jahren jedoch in der Kritik. Dieser steht nämlich in Verdacht, Krebs zu erregen. Allerdings sind dazu Mengen zu verzehren, die weit über den zum Würzen üblichen liegen. Nichtsdestotrotz wird insbesondere Schwangeren dazu abgeraten, mit Estragon verfeinerte Gerichte zu essen.

David

Ich bin Student der Gartenbauwissenschaften und zudem gelernter Zierpflanzengärtner. Das Thema Anbau lässt mich seit meiner Kindheit einfach nicht los: Egal, ob auf der kleinen Stadtfensterbank oder im großzügigen Garten - Gärtnern muss ich auch in meiner Freizeit immer und überall.
Lieblingsobst: Himbeeren
Lieblingsgemüse: Brokkoli

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